Gault Millau verschont Eselböck

19. Oktober 2011, 23:07
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Auch in der neuen Ausgabe des Restaurantführers hat Walter Eselböck wieder die Bestnote - trotz Kopierens des Konzeptes eines Stockholmer Restaurants

Wien - Der Einfluss des Gault-Millau (GM) auf die heimische Gastronomie gilt als enorm: Wer hier durchfällt, so heißt es, müsse extrem strampeln, damit er nicht untergeht. Entsprechend hoch war die Spannung, als Mittwochabend der Guide für 2012 vorgestellt und die Zeugnisse verteilt wurden.

Um beim Bild der Schule zu bleiben: Walter Eselböck, Taubenkobel-Chef und stets einer der Klassenbesten bei GM, hat mit vier Hauben wieder die Bestnote sicher - wenn auch für besonders braves Abschreiben bei anderen Köchen. So vermerkten die Tester, dass Eselböck vom STANDARD enttarnt wurde, als er das Konzept der Stockholmer Frantzén/Lindeberg bis in minutiöse Details kopierte - auf eine Quellenangabe aber verzichtete. Auf die Bewertung im GM jedoch hat das keinen Einfluss.

Norbert Niederkofler erstmals mit vier Hauben

Nur, wenn man bei Eselböck heuer "schlechter essen würde als im Jahr zuvor", wäre eine Abwertung gerechtfertigt. Dass man sich als Gast getäuscht fühlen mag, wenn die Idee eines anderen Restaurants als "original Taubenkobel" verkauft wird, rechtfertigt demnach keine Abwertung. Auch, dass Eselböcks Bestnote de facto einer Verhöhnung der eigenständig erarbeiteten Kreativität anderer Vierhauber wie Heinz Reitbauer, Johanna Maier, den Brüdern Obauer oder, heuer erstmals, Norbert Niederkofler aus St. Kassian (Südtirol) gleichkommt, war kein Kriterium.

Im Gegenteil: Die Köche dürfen Eselböcks Topnote offenbar als Aufforderung verstehen, es ihm gleichzutun und Ideen ohne Quellenangabe zu stehlen. Darauf deuten auch die Aufwertungen der stark von internationalen Top-Küchen "inspirierten" Restaurants Vincent und Mraz & Sohn (jeweils drei Hauben, 17/20 Punkte) hin. GM-Chefredakteurin Martina Hohenlohe betont im STANDARD-Gespräch, "dass Eselböck, wie viele andere, durchaus kopiert habe" und dies "ohne Quellenangabe" auch nicht in Ordnung sei. Die Kriterien von GM aber würden sich nun einmal ausschließlich auf den Geschmack - nicht aber den Anstand - konzentrieren.

Davon abgesehen hielten sich die Überraschungen in Grenzen. Silvio Nickol kommt im Palais Coburg auf 17 von 20 Punkten und drei Hauben, ein Wert, den auch sein Nachfolger Stefan Lastin im Schloss Velden erreicht. (corti; DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.10.2011)

  • Bestnote fürs Abschreiben: Walter Eselböck
 
    foto: standard/fischer

    Bestnote fürs Abschreiben: Walter Eselböck

     

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