Vor Urnengang am Sonntag

Schweizer Wahlkampf ohne Kampf

20. Oktober 2011, 14:34
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    reuters: hartmann

    Verschwundene Tiere, Ausländer und Fukushima - der Wahlkampf ist so unterschiedlich wie die Schweizer Kantone.

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    Die SVP setzt auf Altbewährtes im Wahlkampf. Im Internet wird hingegen dazu aufgerufen, Roger Federer zu wählen.

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    Die Schweizerinnen und Schweizer wählen am Sonntag jene Kandidaten ihres Kantons, die sie dann auch im Parlament vertreten sollen.

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    apa/epa/bally

    Die 200 Abgeordneten des Nationalrats und 46 Abgeordneten des Ständerats werden im Dezember die Regierungsmitglieder wählen.

Die Schweiz wählt diesen Sonntag: SVP dürfte stärkste Kraft bleiben, Aufwind für Klein-Parteien - Nur Ausländerdebatte konnte für Akzente sorgen

Wahlkampfzeiten versprechen normalerweise Spannung und Schlagabtausch. In der Schweiz gelten - wie in vielen anderen Bereichen auch - jedoch andere Gesetze. Wahlversprechen hört man selten bis gar nicht, Spitzenkandidaten, die landesweit für Furore sorgen gibt es nicht. Jeder Kanton kocht sein eigenes Süppchen, diskutiert über andere Wahlkampfthemen. Da sorgte das Verschwinden und Wiederauftauchen des SVP-Maskottchens und Geißbocks Zottel noch für die größte Aufregung in den letzten Wochen. Das Resümee des Schweizer Magazins "Weltwoche" fällt deshalb ernüchternd aus: "Der Wahlkampf 2011 war langweilig."

Konstanz statt Aufgeregtheit

Dieses Urteil ist zum großen Teil dem politischen System in der Schweiz geschuldet. Die Tatsache, dass das Land seit jeher von einer Mehrparteienkoalition geführt wird, die Kompromisse eingehen muss, erlaubt es den Parteien nur beschränkt im Wahlkampf mit Standpunkten zu provozieren und zu polemisieren. Die Schweizer Regierung (auch als Bundesrat bezeichnet) setzt sich schon seit Jahrzehnten mehr oder minder aus denselben Parteien zusammen und daran wird auch die Wahl am kommenden Sonntag, die in einem ersten Schritt erst einmal nur die Sitze im Parlament neu vergibt, nicht viel ändern. Erst im Dezember 2011 entscheidet dann das Parlament, wer in die neue Regierung kommt. Derzeit halten die Sozialdemokratische Partei der Schweiz (SP) und die Freisinnig-Demokratische Partei (FDP) zwei Regierungssitze, die Christlichdemokratische Volkspartei (CVP) einen. Die zwei restlichen Sitze nehmen die Schweizer Volkspartei (SVP), eigentlich stimmenstärkste Partei bei den letzten Wahlen, und die Bürgerlich Demokratische Partei (BDP), die sich im Jahr 2007 von der SVP abgespalten hat, ein. Die Sitzverteilung entspricht im Moment deshalb nicht dem Kräfteverhältnis des letzten Wahlergebnisses.

FDP dürfte stark verlieren

Für die Parlamentswahl am Sonntag, bei der 200 Mandate im Nationalrat und 46 Mandate im Ständerat (vergleichbar mit dem österreichischen Bundesrat) für die nächsten vier Jahre vergeben werden, wird erwartet, dass die SVP (2007 lag sie bei fast 30 Prozent) erneut Zuwächse verzeichnen wird. Die FDP könnte zum großen Wahlverlierer werden und sogar ein Viertel ihrer bisherigen Sitze abgeben. Im Aufwind hingegen befindet sich die grün-liberale Partei (glp), die erst 2007 gegründet wurde und sich in der Mitte des politischen Spektrums verortet. Sie konnte stark von den Diskussionen rund um den schweizerischen Ausstieg aus der Atomkraft profitieren, die vom verheerenden Unfall in Fukushima losgetreten wurden. Auch für die Schweizer Piratenpartei ist es nicht denkunmöglich ins Schweizer Parlament einziehen zu können. Über Listenverbindungen mit anderen Klein-Parteien könnte das gelingen. SP, CVP und BDP dürfen am Sonntag mit leichten Zuwächsen rechnen.

Anzeige gegen SVP wegen Verhetzung

Nennenswerte Aufmerksamkeit erhielt in diesem Wahlkampf nur die schon bei den letzten Parlamentswahlen populäre Ausländerdebatte. Das gilt vor allem für den deutsch-sprachigen Teil der Schweiz. Die SVP hat es sich auch dieses Mal nicht nehmen lassen "Masseneinwanderung stoppen" oder "Kosovaren schlitzen Schweizer auf" plakatieren und inserieren zu lassen. Gegen letzteres Inserat haben nun zwei Kosovaren bei der Staatsanwaltschaft eine Anzeige wegen Verhetzung eingereicht. Immerhin 120.000 Personen haben die Volksinitiative der Schweizer Volkspartei über Ausländerpolitik schon unterschrieben, über die nächstes Jahr abgestimmt werden soll. Ziel ist es, die Anzahl der Aufenthaltsbewilligungen für Ausländer zu beschränken. Das inkludiert auch Neu-Verhandlungen mit der EU. Die BDP, die sich vor vier Jahren von der SVP abgespalten hat, nimmt in Migrationsfragen keine so drastische Position ein und will auch in Sachen Umweltpolitik punkten.

Neue Chance für Blocher

Einer der wenigen landesbekannten Schweizer Polit-Charaktere, Christoph Blocher (SVP), will es am 23. Oktober 2011 noch einmal wissen. Obwohl er im Jahr 2007 abgewählt wurde, kandidiert er dieses Jahr im Kanton Zürich sowohl für den Ständerat als auch den Nationalrat. Ein Mandat dürfte Blocher, der die scharfe SVP-Linie in Migrationsdebatten über die Landesgrenzen hinweg bekannt gemacht hat und auch dieses Mal wieder auf "Schweizer Werte" setzt, relativ sicher sein. Interessant, dass im Gegenzug dazu diese Debatten im italienisch-sprachigen Teil der Schweiz wenig ziehen. Arbeitslosigkeit ist hier eines der brennendensten Themen, wie die Umfragen des Schweizer Wahlbarometers zeigen.

EU-Skepsis bestätigt durch Finanz- und Wirtschaftskrise

Die EU-Skepsis in der Bevölkerung ist aufgrund der wirtschaftspolitischen Entwicklungen ungebrochen. Jedoch attestiert zumindest Roger Köppel, Chefredakteur der Schweizer Weltwoche, fast allen Schweizer Parteien, dass sie hinter vorgehaltener Hand, immer wieder Richtung Brüssel schielen würden. Er warnt, dass die EU die Erfolge der Schweiz in der derzeitigen prekären Lage für sich nützen wollen wird und plädiert für eine noch stärkere Abgrenzung: "Heute ist dort, wo bilateral draufsteht, meistens Beitritt drin."

Facebook-Initiative: Roger Federer in den Ständerat

Die Wahlbeteiligung ist in der Schweiz traditionell sehr niedrig (2007 lag sie bei circa 48 Prozent) und daran wird sich auch dieses Mal nicht viel ändern. Politologen interpretieren dies aber nicht als Ausdruck von Politikverdrossenheit, vielmehr wüssten die Schweizer, dass sich das politische Geschäft durch die Wahlen ohnehin nicht dramatisch ändern wird, da in einer Mehrparteien-Koalition regelmässig Kompromisse ausgehandelt werden müssen. Dennoch, auch in der Schweiz gibt es erste Ansätze von politischer Unzufriedenheit, obwohl das Land nach wie vor mit niedrigen Arbeitslosenzahlen und guten Wirtschaftsdaten prahlen kann. In Zürich protestierten "Empörte" vergangene Woche unter dem Titel "Occupy Paradeplatz" gegen das Finanzsystem und die politische Elite. Auf Facebook wiederum wurde von einer Gruppe dazu aufgerufen, doch den Tennisstar Roger Federer in den Ständerat - der auch als "Stöckli" (Altenteil) für altgediente Politiker bezeichnet wird - zu wählen, um dem "Altersheim Parlament" ein Ende zu setzen. Ein anderer prominenter Sportler kandidiert jedenfalls definitiv: Skilegende Paul Accola geht für die SVP ins Rennen. (ted/derStandard.at, 20.10.2011)

Kommentar posten
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Fritz Meyer
00
21.10.2011, 16:02
SVP - Streumunition Verwendungs Partei.

http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/s... y/18149274

cannery row
00
21.10.2011, 12:57
es wäre auch interessant zu erfahren..

inwieweit das thema chf-abwertung durch die snb ein thema war, da gibt es ja innerschweizerisch durchaus gespaltene meinungen. klar, die wirtschaft profitiert von einem schwachen franken, die kaufkraft ist bei einem starken franken hoch.. ist aber vermutlich ein randthema, muss man sich halt selbst raussuchen ;-)

Mork vom Ork
04
21.10.2011, 10:13

Paul Accola ... die schweizerische Version von Patrick Ortlieb. Ich wünsch ihm die gleiche Karriere.

cst
00
21.10.2011, 09:29
Bitte rechnet doch noch mal die Sitzverteilung ...

... in der Regierung nach, das wurde mal wieder falsch und schlampig hingeschrieben.

cst
00
21.10.2011, 20:10
Danke, jetzt stimmt's.

Tino67
 
41
21.10.2011, 07:50
Ach ja, die Weltwoche

Die hab ich als Student gerne gelesen, aber die hat in den letzten Jahren eine derart scharfe Kehrtwendung von linksliberal nach rechtsnational vollzogen und geifert mit einer derartigen Penetranz gegen alles was nur den Anflug von links oder EU hat, allerdings nicht auf Krone-Niveau, sondern von der Aufmachung wirkt sie eher wie eine Wochenausgabe der Presse. Aber selbst die wirkt dagegen noch linksliberal.

pleistocene
00
22.10.2011, 22:48

frage wer sie so negativ bewertet? offenbar kennen hier viele die "neue" weltwoche nicht. hier bitte: http://www.weltwoche.ch/
..und gleich diese woche: "die invasion" warum die personenfreizügikeit der schweiz schadet.
ganz typisch

nuts1
64
21.10.2011, 07:40

kosovaren shclitzen schweizer auf??!!!???##wirklich

dümmer gehts dann nicht mehr..... und ich dachte österreich wäre schlim jeder hat sienen sündenbock...kleinkarierte schweizer

pleistocene
21
21.10.2011, 00:01

Der erwähnte R. Köppel ist glaub ich manisch, ein echter irrer und Hetzer. Liesst man was von ihm kann man überspitzt meinen man halte Lektüre aus den 30igern in den Händen.

seventy-seven
00
21.10.2011, 10:52
für Köppel...

finde ich keine Worte - einfach absurd...

h 90
1210
20.10.2011, 17:42

Hoffentlich kommen die Auslaender die die Schweiz rausschmeisst nicht alle nach nach Oesterreich.

1116er
11
21.10.2011, 10:00
hoffentlich überdenkt die schweiz ihre ausländerpolitik,

damit so intellektuell überforderte phrasenschleuderer wie du einen zufluchtsort haben...

mr.bojangles
 
04
20.10.2011, 23:03

Wenn die ganzen Österreicher hier nach Österreich zurück gehen sind sie keine Ausländer mehr. Was für ein Glück für Sie!

Pareidolic
36
20.10.2011, 22:01
Wird wohl so sein

denn ein ganz schön kräftiger Anteil der Ausländer in der Schweiz sind Österreicher. Ja so ist das, wenn man aus seinem eigenen Land draußen ist dann fällt man plötzlich selber unter "Ausländer"!

cst
06
21.10.2011, 10:14
Blablabla ...

Der Anteil der Österreicher an allen Ausländern in der Schweiz betrug 2010 gerade mal 2 (!) Prozent, also eigentlich ganz schön wenig, um es mit ihren Masseinheiten auszudrücken. Fühle mich als Österreicher in der Schweiz gar nicht als Ausländer, zudem hier wohler als in Österreich, jedenfalls zahle ich keine absurd hohen Abgaben mehr für korrupte Politiker, ungesicherte Pensionen und sog. Interessensvertretungen, man kann regelrecht durchatmen. Und der Anteil der rechtslastigen Bevölkerung ist in Österreich übrigens noch grösser.

dre
00
21.10.2011, 17:54
stimmt

bin schweizer und für mich zählen unsere nachbarn (Ö, D, I, F) tatsächlich nicht wirklich als ausländer - wir CHer bestehen ja aus diesen kulturen.

pleistocene
00
22.10.2011, 17:32

.. also meiner erfahrung nach bist du eher die löbliche ausnahme (aus ZH sicht)

Freu dich - es gibt Keinen der dich liebt
90
20.10.2011, 21:14
Eine absurdes Posting

Aber als geistig behinderten Betreuer weiss ich ja dass man über alles reden kann . Deswegen die Frage : Wie soll das gehen ? Österreich ist in der EU - die Schweiz nicht (Geistig Behinderte haben übrigens meist Intelligentes zu sagen)

hof99
47
20.10.2011, 20:59

Österreicher sind auf der ganzen Welt Ausländer und nicht einmal besonders beliebt.

ziegenhals
 
00
21.10.2011, 14:32

aber immer noch um eckhäuser beliebter als die deutschen! wenn ich im urlaub gefragt werde "are you from germany?", und ich antworte "no, i am from austria", hört man direkt seufzer der erleichterung und blickt in strahlende gesichter.

cannery row
00
21.10.2011, 12:21
dann fahren sie doch mal ins ausland..

statt nur grünstricheheischende gemeinplätze rauszulassen. dann würden sie nämlich sehen, dass das gegenteil der fall ist.

Count Saurüssel
01
21.10.2011, 11:03

Welche Ausländer sind denn, anders als die Österreicher, "besonders beliebt"? Und worin äußert sich das?

another_stranger_me
13
20.10.2011, 23:41

vlt. haben Sie sich nicht richtig "geoutet"
meistens nimmt die freundlichkeit des gegenüber deutlich zu, sobald man klargestellt hat, dass man kein deutscher ist ;)

u7b
00
21.10.2011, 07:41

stimme dem voll zu.

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