Eine außergewöhnliche Berufung an der Vetmeduni Vienna

Klaus Taschwer
19. Oktober 2011, 13:21
  • Herwig Grimm
    foto: herwig grimm

    Herwig Grimm

So schnell kann es bei entsprechendem Potenzial gehen: Promotion 2010, Professur 2011

Der junge Wissenschafter muss entweder über ein besonders hohes Potenzial und viel Überzeugungskraft verfügen, oder aber über ausreichend Vitamin B bzw. gute CVerbindungen. Anders ist es unbeteiligten Außenstehenden mit ein klein wenig Uni-Ahnung nicht leicht nachvollziehbar, was die zuständigen Verantwortlichen der Vetmeduni Vienna (ein Hoch der Internationalität!) dazu bewegte, den 33-jährigen Herwig Grimm zum Professur für Ethik in der Mensch-Tier-Beziehung (in Teilanstellung mit der Uni Wien) zu machen.

Die Presseaussendung anlässlich des Lehrstuhlantritts (am Samstag, dem 15. Oktober) lässt immerhin noch auf eine ganz normale Berufung schließen: "Herwig Grimm erwarb zunächst ein Bakkalaureat in Philosophie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Salzburg (...). Nachdem er sein Philosophiestudium in Salzburg mit einer Arbeit zum moralischen Status von Tieren abgeschlossen hatte, widmete er sich an der Hochschule für Philosophie in München seinem Dissertationsprojekt, in dem er sich mit Methodenfragen der angewandten Ethik und insbesondere der Tierethik beschäftigte. Bis zu seinem nunmehrigen Wechsel (...) war er sieben Jahre lang wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut Technik-Theologie-Naturwissenschaften (TTN) der Ludwig-Maximilians-Universität München (...)."

Etwas stutzig macht, dass in dieser Zusammenfassung die Jahreszahlen fehlen. Forscht man ein klein wenig nach man, dann sieht die Karriere Grimms lakonisch zusammengefasst wie folgt aus: Dissertation 2010, Professur 2011. Und Grimms Lebenslauf sowie seine Publikationsliste lassen prima vista auch eher auf einen aussichtsreichen Bewerber für eine Post-doc-Stelle als auf einen frisch gebackenen Ordinarius schließen.

Lag es vielleicht an den mangelnden Bewerbungen? Nun ja. Jörg Luy, einer der ersten Tierethik-Professoren Deutschlands und Vorstand am Institut für Tierschutz und Tierverhalten der FU Berlin war auch in die engere Auswahl gekommen, schaffte es dann aber nicht einmal auf den Dreiervorschlag. Was vielleicht daran lag, dass man dachte, er würde ohnehin nicht nach Wien kommen - quod erat demonstrandum.

Aber wahrscheinlich bin ich wieder nur ein Schelm, der Böses dabei denkt. Wenn das akademische Leben schon nichts anders als ein "wilder Hazard" ist, wie der deutsche Soziologe Max Weber 1919 in seinem Essay "Wissenschaft als Beruf" so treffend formulierte, warum soll nicht auch einmal einer den Solosechser gewinnen! Außerdem stammt das Geld dafür nicht vom österreichischen Steuerzahler, sondern von der Schweizer Messerli-Stiftung, die auch noch drei andere Professuren in Wien finanziert.

Betrachten wir die ganze Sache also einfach ganz positiv: Endlich wird ein junger Überflieger und High Potential ganz ohne die lästige bürokratische Hürde einer Habilitation zum Professor berufen. Und was kümmert uns schon, was Forscher im Ausland über solche Berufungen denken - wie zum Beispiel einer der renommiertesten Bioethiker Deutschlands: "Herr Grimm ist für mich ein unbeschriebenes Blatt. Offensichtlich sollte es ein Österreicher sein, anders lässt sich die Berufung wohl nicht erklären."

Wird fortgesetzt.

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Viele Professoren

sind nach einer Berufung viel mehr Forschungsmanager als Forscher, eine umfangreiche Publikationsliste und Renommee ist zwar üblicherweise die Einstiegshürde dazu aber nicht unbedingt die notwendige Qualifikation. Stiftungsprofessuren sind zudem nicht unmittelbar mit Planstellen vergleichbar weil deren Finanzierung von außen kommen muss und das Berufungsverfahren abgekürzt ist.

Standard über Tierethik / Tierrecht und Messerli

In der aktuellen Titelstory der Wissenschaftsbeilage im Standard gibt es allgemeine „Hintergrundinfo“ zur akademsichen Tierethik / Tierrechtsdebatte in Österreich“.
http://derstandard.at/133669763... und-Mensch

Lieber Schelm, was tut sich denn in Sachen Grimm? War nicht einmal eine Fortsetzung geplant?

Die VetMed / Messerli Tierethik wird offiziell

Die VetMed / Messerli Tierethik wird offiziell
http://www.vetmeduni.ac.at/messerli/... ung-ethik/

Wichtig ist.....

....dass der Kandiat qualifiziert ist und zusätzlich auch noch motiviert ist(aber das ist etwas was sowieso immer im "packet" kommt, so wie die Sonderausstatung bei einem Auto)

...und ganz wichtig sollten da Personen subjektiv beurteilt werden völlig egal welches Geschlecht, Herkunft,.....

Aber in dem Fall scheint, so zu sein als hätte der wirklich eine Überdosis an VitB genommen zu haben, hoentlich verschluckt er sich mal nicht daran....Na dann Mahlzeit

also ich würde

eine objektive Beurteilung meiner Person vorziehen ... Aus meiner Sicht wurde diese Entscheidungn nämlich subjektiv getroffen ... Ich hoffe schon, dass Sie den Unterschied kennen ...

Fortsetzung folgt (nicht) ?

wir haben ja auch einen grünspecht als integrationsminister.

Eien grünen Schwarzspecht.

seh ich auch so!

ja stimme zu, allerdings brauchen wir mehr österreich

ich habe die deutschen auf österreichs professuren satt.

Noch dazu, wenn sie sehr gut qualifiziert sind.
Sowas brauchen wir nicht.

Weniger ist mehr oesterreich

Es gibt ja noch andere laender, aus denen forscher kommen koennten... Deutschland ist nicht alles.

da geb ich ihnen 100% recht

Es geht bei Professuren NICHT um die Nationalität,

sondern um fachliches Können. Im Idealfall setzt man also die weltweit besten Köpfe auf solche Plätze, unabhängig, woher die kommen.

Anders fomuliert: Warum sollte man sich mit der 2./3./....x.ten Wahl zufrieden geben? Nur damit ein Österreicher hier arbeitet? Das wäre Quatsch!

Haben Sie schon mal den Besetzungsvorgang einer Professur mitverfolgt?

Sie irren, wenn Sie glauben, die Besten würden zum Zug kommen.

In der Tat hab ich sowas schon (mehrfach) mitverfolgt,

und bei diesen kam definitiv der Beste zum Zug. Aber zugegeben: das muß natürlich nicht immer so sein.

Der oder die Beste? Extrem dehnbare Begriffe. Ich habe in diesen Gremien immer die Ansicht vertreten...

... dass ich mit einem neuen Professor am Institut im Idealfall die naechsten Jahrzehnte zusammenarbeiten muss. Dass Fachliche muss natuerlich Ueberdurchschnittlich sein doch am Ende des Tages zaehlt vor allem die Persoenlichkeit.

Die Floskel "die besten Koepfe" ist in Wahrheit vollkommen sinnleer und das ist auch gut so. Leider wird sehr sehr oft politisch rekrutiert... Das ist natuerlich eine traurige Schattenseite. Wer kann z. B. schon einen Bewerber aus einem Nobelpreistraegerdunstkreis ablehnen.

Obige Berufung war sicherlich auch nicht ganz astrein... und wiesermal beweis des momentanen Zeitgeistes dass Universitaeten momentan mit dem Phaenomen der Negativselektion kaempfen.

In einer Idealwelt: Ja! Aber in der Realität: Nein!

Die Berufung des Herren ist eine Farce genau so wie die Berufung unzähliger deutscher Profs bei uns!

Die besten Köpfe; was heisst das bitteschön? WER findet sie? Meist eine Seilschaft.

"In einer Idealwelt: Ja!"

Ich sehe, Sie haben wenigstens mein "Im Idealfall" richtig verstanden, auch wenn Sie den Rest überlesen zu haben scheinen.....

Und nochmals, ganz langsam für Sie: Professoren werden nicht nach Nationalität ausgesucht (wenn Sie ein klitzekleines bisschen Ahnung hätten, wüssten Sie das). Ihre deutschophoben Postings sind daher entbehrlich. Sie sollten lieber froh sein, daß es gute Leute gibt, die hier bei uns arbeiten und forschen wollen.

*wonders*

Sehr aggressiven Postingstil haben Sie drauf!? Ruhig Blut. Das Ganze hat mit, wie Sie sagen, "Deutschophobie" nichts zu tun; doch wenn an diversen heimischen Instituten...

...ueber 70% der Gruppenleiter bzw Professoren aus Deutschland kommen (z.B.: Inst f. molekulare Pathologie, div klin Inst am AKH, Departments in der Psychologie, MFPL und und und) laeuft doch offensichtlich was falsch. Entweder werden unsere Wissenschaftler unzureichend ausgebildet um am Arbeitsmarkt bestehen zu koennen oder es wird ueber Seilschaften angestellt (ueblich in der akademischen Welt). Manche kleinere Laender denken offen ueber Quoten nach: Schweiz, Irland, Canada, ...

Wenn z.B. ein Strukturbiologe gesucht wird und sich 2 aus AUT und 30 aus DE bewerben kommt halt sowas raus. Es entmutigt sehr oft den Nachwuchs und entwurzelt die Wissenschaftler.

Und bitte kommen Sie nicht mit d. besten Koepfen -> d. ist laecherlich

Das Problem ist vielmehr...

...daß einem über Jahrzehnte die Lust auf eine akademische Karriere in Österreich dermaßen vergällt wurde, daß es in vielen Bereichen heute einfach niemanden gibt, der nach gängigen Kriterien professorabel wäre, da alle in Frage kommenden Absolventen der nämlichen Jahrgägnge aus der Wissenschaft und/oder ins Ausland geflüchtet sind!

PPS: Mein obiges posting kam vermutlich aggressiver rüber, als es eigentlich gemeint war - sorry.

kein problem:) ich wollte eigentlich nochwas schreiben, aber das ist ja hier nur ein Sturm im Wasserglas fuer die letzten 2 verbliebenen in diesem Forum...

In der Tat...

Übrigens lassen sich die vielen deutschen Profs ganz einfach erklären: Mehr Unis in .de --> mehr Abgänger --> mehr Spitzenleute --> mehr Bewerber davon bei uns --> mehr Profs. Daß wir zusätzlich ein gleichsprachiges Land in der Nähe von .de sind verstärkt den deutschen Wunsch, sich hier zu bewerben.

;-)

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