FPK-Ruf nach neuem Lehrerdienstrecht und kürzeren Sommerferien
Der Kärntner Landeshauptmann-Stellvertreter und Bildungsreferent Uwe Scheuch forderte am Mittwoch in einer Aussendung eine Ausweitung der Anwesenheitspflicht für Lehrerinnen und Lehrer an den Schulen. "Wenn man die Anwesenheitspflicht an der Schule auf 30 Stunden ausweiten würde, könnten wir eine flächendeckende Nachmittagsbetreuung bieten", sagte Scheuch. Der FPK-Politiker verweist außerdem auf Pläne von Unterrichtsministerin Claudia Schmied, wonach Vortragende an den Pädagogischen Hochschulen künftig nur mehr maximal sechs Wochen Urlaubsanspruch hätten. Niemand verstehe laut Scheuch, warum Lehrerinnen und Lehrer neun Wochen Sommerferien haben sollten.
SPÖ und Grüne sehen Vorschlag kritisch
Die SPÖ Kärnten sieht in dem Vorschlag einen plumpen Versuch, um mit populistischen Vorstößen von Skandalen und wirklichen Problemen abzulenken. „Man muss einmal schauen, was LehrerInnen tatsächlich leisten. Auch abseits der Zeit, die sie in der Schule verbringen", so Landesgeschäftsführer Daniel Fellner. Man könne über alles diskutieren, meint Fellner weiter, aber der Vorschlag sei von Scheuch offenbar nicht durchdacht. Es gäbe nicht einmal den nötigen Platz für Lehrer-Arbeitsplätze am Nachmittag.
„Da spricht einer, der aus der Landwirtschaft kommt und sich mit der Thematik nicht wirklich auskennt", kommentiert Rolf Holub, Obmann der Kärntner Grünen, die Pläne Scheuchs. Auch er meint, man dürfe die tatsächliche Arbeit der LehrerInnen nicht unterschätzen. Bevor man über eine längere Anwesenheitspflicht der LehrerInnen an den Schulen reden kann, müssten erst einmal die nötigen Voraussetzungen dafür geschaffen werden.
Auch ÖVP skeptisch
Die Kärntner ÖVP-Bildungssprecherin Claudia Wolf-Schöffmann versteht nicht, was Scheuch mit seinem Vorstoß bewirken will. "Die Regierung plant ohnehin ein neues Dienstrecht für Lehrer. Vielleicht will Herr Scheuch nur auf sich und Kärnten aufmerksam machen, ich weiß aber nicht, ob Zurufe nach Wien in diesem Fall nützlich sind." Sie verweist auch auf eine bereits funktionierende Nachmittagsbetreuung in ihrem Bundesland und verpflichtende LehrerInnen-Fortbildungen während der Sommerferien.
Zustimmung bekommt Scheuch hingegen von Landesschulrats-Präsident Walter Ebner: Das aktuelle Lehrerdienstrecht verhindert geradezu einen flexibleren Einsatz von engagierten Lehrern. Es wäre wirklich an der Zeit für eine Modernisierung, um die Ausbildungsstätte Schule zukunftstauglich zu machen." (Max Daublebsky, derStandard.at, 19.Oktober 2011)