Im Detail

Budgetpfad hält trotz Konjunktureinbruch

19. Oktober 2011, 11:21

Defizit mit 3,2 Prozent leicht unter Plan, Hoffnung auf 2,9 Prozent von Konjunkturdelle zerschlagen - Ausgaben sinken, Pensionszuschüsse steigen

Wien - Das heute von der Regierung beschlossene Budget für 2012 weist ein Defizit von 3,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus. Die Neuverschuldung fällt damit zwar leichter besser als ursprünglich veranschlagt (3,3) aus, die im Sommer noch erhofften maastrichtgerechten 2,9 Prozent werden sich aber aufgrund der negativen Konjunkturprognosen nicht erfüllen. Insgesamt bleibt Österreichs Haushalt aber im internationalen Vergleich stabil. Der Sparkurs wird fortgesetzt und die Ausgaben insgesamt weiter gesenkt, die Zinsen für die Staatsschulden und die Pensionszuschüsse steigen allerdings, und das beachtlich.

Das erste Budget von Finanzministerin Maria Fekter sieht für das kommende Jahr eine Staatsverschuldung von 74,6 Prozent des BIP vor, das sind 0,4 Prozentpunkte weniger als veranschlagt. Bis 2013 steigt der Schuldenberg auf 75,5 Prozent noch an, soll aber laut dem Konsolidierungspfad ab 2014 wieder sinken. Auch das Defizit wird kontinuierlich gesenkt und soll 2013 unter der Maastrichtgrenze von 3,0 Prozent und 2015 bereits bei 2,0 Prozent liegen. Fekter und Budget-Sektionschef Gerhard Steger sehen diese Zahlen als wichtiges Signal an die Finanzmärkte, "dass auf Österreich Verlass ist".

Am Ende der Budgetverhandlungen im Sommer hatte Fekter noch ein Defizit von 2,9 Prozent geplant. Aufgrund der negativen Konjunkturprognosen - das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) hat im September für 2012 nur mehr 0,8 Prozent reales Wirtschaftswachstum prognostiziert - musste allerdings auf 3,2 Prozent korrigiert werden. Österreich steht damit im internationalen Vergleich aber noch immer recht gut dar. In der Eurozone wird mit einem Defizit von 3,5 und in den 27 EU-Staaten von 3,8 Prozent gerechnet und das noch auf Basis der guten Konjunkturprognosen vom Frühjahr 2011.

Konsolidierung ausgabenseitig

Die Budget-Konsolidierung erfolgt hauptsächlich auf der Ausgabenseite. Neue Kürzungen gibt es zwar nicht, aber der 2010 eingeschlagene Sparkurs wirkt fort. Die Ausgabenquote sinkt insgesamt von 52,2 auf 51,2 Prozent des BIP. Aber auch die Einnahmen sinken und zwar von 48,3 auf 48,0 Prozent, das spiegelt sich auch in der Abgabenquote wider, diese sinkt von 42,4 auf 42,1 Prozent des BIP. Die Steuereinnahmen steigen dennoch um 3,5 Mrd. Euro. Das liegt u. a. an der steigenden Beschäftigung und am wachsendem Konsum.

Was auf der Ausgabenseite allerdings weiter explodiert, sind die Pensionskosten und die Zinsen für die Staatsschulden. Die Pensionszuschüsse des Bundes steigen in einem einzigen Jahr um 600 Mio. auf 10,2 Mrd. Euro an. Für die Beamtenpensionen kommen noch weiter 900 Mio. Euro an zusätzlichen Kosten - diese steigen von acht auf 8,9 Mrd. Euro - dazu. Hier kommt aber einer haushaltstechnischer Sondereffekt zu tragen, der die Summe erhöht, allerdings nur am Papier. Wegen technischer Umstellungen wird 2012 rechnerisch bei den Beamtenlöhnen und -pensionen eine 13. Zahlung dazugerechnet.

Auch bei der Pflege gibt es wegen der Übernahme der Landespflegegelder in Bundeskompetenz im Bundesbudget ein Kostenanstieg von 2,4 auf drei Mrd. Euro. Der Staat gibt deswegen aber nicht mehr Geld aus. Ins Geld legen sich auch die ÖBB-Investitionen und zwar mit zusätzlichen rund 500 Mio. Euro.

Mehr Geld gibt es aber auch für die sogenannte Offensivmaßnahmen. Für Universitäten und den Ausbau der Ganztagsschulen gibt es je 80 Mio. Euro. Auch in thermische Sanierung werden wieder 100 Mio. Euro investiert. Die Anhebung der Forschungsprämie von acht auf zehn Prozent kostet weitere 100 Mio. Euro.

Auswirkung möglicher neuer Bankenhilfen noch nicht absehbar

Wie sich mögliche neue Bankenhilfen auf das Budget auswirken werden, kann laut Sektionschef Gerhard Steger jetzt noch nicht vorausgesagt werden. Der Staat verfügt noch über sechs Mrd. Euro, die er den Banken im Fall der Fälle als Partizipationskapital zur Verfügung stellen könnte. Etwaige Bankenhilfen hätten auf das Defizit keine Auswirkungen, weil es sich um "Beteiligungen" handelt, sie würden aber den Schuldenstand erhöhen. Gleichzeitig zahlen die Geldinstitute aber auch PS-Kapital zurück. Daher könne man genauen Auswirkungen nicht voraussagen, so Steger.

Fekter lobte einmal mehr das neue Haushaltsrecht. Dieses bewirke mehr Budgetdisziplin bei den einzelnen Ressorts. Diese würden die Ausgabenobergrenzen einhalten und haben sogar bereits eine Mrd. Euro an Rücklagen gebildet, die sie für Investitionen verwenden können. Mit dem neuen Haushaltsrecht können Ministerien unverbrauchte Mittel als Rücklagen behalten und müssen diese nicht mehr zum Jahresende an das Finanzministerium abliefern. Früher haben die Ressorts, um übrig gebliebenes Geld nicht zurückgeben zu müssen, zu Jahresende noch rasch alles auszugeben. (APA)

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13 Postings
MartinB
00
20.10.2011, 11:14
Machen Unis Forschungsfreibetrag und Forschungspraemie geltend ?

Weiss das wer? Nachdem die ja ganz unabhaengige Unternehmen sind (die auch gebuehren fuer die Lehre einheben koennen ohne dass ein Gesetz das vorsieht...) sollte da ja nix dagegen sprechen

Robert Alexander
00
19.10.2011, 17:28
Hmmm...."die Pensionszuschüsse steigen allerdings, und das beachtlich..." Hat nicht eben dieses Blatt kürzlich berichtet, dass

man sich bei der Berechnung der Steigerung der Pensionszuschüsse (die die Pensionisten ohnhin alleine über ihre Lohnsteuer finanzieren und das noch bis in beachtlich ferne Zukunft...) um EURO 400,000.000,-- verkalkuliert hat und die Steigerung somit viel geringer ist als angenommen?? Schön langsam nerven die permanenten Attacken auf die "Alten", das Pensionssystem und auch die bereits bestehenden Pensionen, in das/die ohnehin laufend eingegriffen wird.

Mazzesinsulaner
 
00
19.10.2011, 20:42

Ich glaube nicht, dass die Pensionisten die Pension durch die auf die Pension entfallende Lohnsteuer finanzieren. Wäre ja eine Lohnsteuer von 100% der Bruttopension.

Ich bin bei Ihnen, dass das Pensionistenbashing, vorallem bei Bevölkerungsgruppen wie das ASVG, wo die Eigendeckungsrate über 90 % beträgt, nicht angebracht ist.

Robert Alexander
00
20.10.2011, 07:12
Da haben Sie sicher Recht; ich habe das natürlich nie wirklich ausgerechnet. Wenn ich das durchschnittliche Gehalt meiner letzten 25 Arbeitsjahre und die Beiträge (jaja, ich weiß schon, Umlageverfahren...) anschaue,

kriege ich aus meiner ASVG-Pension einen Bettel; gerade bei jenen, bei denen das Solidaritätsprinzip in hohem Maß greift, vergisst man leider auch den Solidarbeitrag, den diese Pensionisten geleistet haben und laufend! leisten. Zum Glück habe ich das rechtzeitig vorausgesehen. Richtig ist aber, dass man sich offenbar immer auf die ASVG-Pensionisten einschießt, weil das eben am Leichtesten geht. Und man hat nicht einmal Skrupel, in bestehende Pensionen einzugreifen (letztens 0-Pensionsrunde). Am Schlimmsten ist, auf die teilw. schwer kranken Berufsunfähigen los zu gehen. Die belasten das System sicher nicht über Gebühr, zumal sie hohe Abschläge haben und im Schnitt um 11 Jahre früher sterben. Herr cand. iur. Kurz hat das aber nicht kapiert.

Christ in der Zeit
01
19.10.2011, 14:08

Also 10% Ausgabensteigerung sind der Hammer
im Vergleich 2010 zu 2012 Da kann man ja auf keinen grünen Zweig kommen!

* Blub *
00
19.10.2011, 13:35
Zufriedenheit bedeutet Stillstand

und den Anfang vom Ende

fds r
00
19.10.2011, 13:15
...und haben sogar bereits eine Mrd. Euro an Rücklagen gebildet, die sie für Investitionen verwenden können.

Das also wird verspekuliert?

Der Chronist
01
19.10.2011, 12:27

Die SPÖ hat sich heute von der politischen Bühne verabschiedet. Sie wird niemandem fehlen, denn sie macht schon seit längerer Zeit keine Politik mehr.

Dieser Staat gehört der ÖVP. Und alle Bürger in diesem Staat gehören der ÖVP.

Pacco
00
19.10.2011, 12:46
Wieso?

Die Ausgaben für Pensionen steigen doch eh extrem an :-)

thatslife
22
19.10.2011, 11:47
wiviel geld bekommt eigentlich die apa dafür?

sicherlich einige millionen vom kanzleramt und finanzministerium um so eine heile welt pressemeldung zu erstellen.
die richtige schlagzeile müsste lauten: katastrophale budgetzahlen in österreich während andere länder sich sanieren"

W.Hammerl
00
19.10.2011, 12:27

Griechenland, Portugal, Irland, Spanien, Italien usw. z. B.

schmauchlümmel
00
19.10.2011, 12:04

Überschrift: "Finanzministerin Fekter präsentiert erstes Budget"
http://www.apa.at/site/News... tes_Budget

die APA ist zu objektiver Berichterstattung verpflichtet, privatwirtschaftlich geführte Medien haben eine blattlinie. und niemand will dieselbe überschrift haben, sie ist das erste, was der leser liest und sich entscheidet weiterzulesen, oder nicht.

schmauchlümmel
00
19.10.2011, 12:01

rundumschlag eines ahnungslosen. solche nachrichten veröffentlicht die apa von selbst, wie auch die medien sich alle dafür interessieren.

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