Transplantationen steigern in vielen Fällen die Lebenserwartung drastisch - Das größte Problem ist die Spenderorgan-Aufbringung
Brüssel - Kommenden Samstag (22. Oktober) findet der Europäische Tag für Organspende statt. Patienten mit durch die Verpflanzung von Organen behebbaren Erkrankungen haben in Österreich im Vergleich zu anderen Staaten gute Chancen. 2007 war Österreich beispielsweise an der Spitze unter 25 Ländern, was die Anmeldung von Kranken für Transplantationen betraf, berichtete Axel Rahmel, Kardiologe und Spezialist von Eurotransplant bei einem EU-Workshop zu diesem Thema. Eurotransplant (Benelux-Staaten, Österreich, Deutschland, Slowenien und
Kroatien) fungiert als Kooperationsplattform - auch für den Austausch
von Spenderorganen - beobachtet und analysiert die Situation.
Nieren- vor Lebertransplantationen
Das größte Problem ist die Spenderorgan-Aufbringung: Immer mehr Schwerstkranke benötigen Organtransplantationen, doch die
Spenderraten in Europa gehen zurück. 56.000 Betroffene befinden sich
derzeit in der EU auf Wartelisten. Zehn Prozent davon sterben jährlich, bevor eine
rettende Operation erfolgen kann. Im Durchschnitt wurden in der EU im vergangenen Jahr 15,7 Organspenden pro Million Einwohner aufgebracht (9.262 Spender).
Im Vorjahr wurden in der EU rund 18.200 Nierentransplantationen, 6.600
Lebertransplantationen, knapp 2.000 Verpflanzungen von Spenderherzen,
1.500 Lungentransplantationen, 770 Bauchspeicheldrüsen und rund 50
Übertragungen von Teilen des Darms durchgeführt.
Österreich im Spitzenfeld
Die höchste Organspenderate in der EU im Jahr 2010 hatte Spanien mit
32 pro Million Einwohner vor Kroatien mit 30,7 und Portugal mit 30,2. Österreich
lag im Jahr 2010 mit 23,3 Organspenden von Gehirntoten an fünfter
Stelle. Am Ende der Liste waren Bulgarien (2,7 pro Million Einwohner)
und Rumänien (3,3). Auch Länder wie Deutschland (15,8/Mill. Einwohner)
und Großbritannien (16,4) schneiden relativ schlecht ab. Im Jahr 2007 war Österreich unter 25 europäischen Staaten mit mehr als
90 für Transplantationen vorgesehenen Patienten pro Million Einwohner an
der Spitze.
Die positive Lage in Österreich ist auf die Widerspruchsregelung zurückzuführen: Jede Person, die nicht zu Lebzeiten ausdrücklich Widerspruch dagegen eingelegt hat, kommt als potentieller Organspender in Frage. Daher ist die Anzahl an Transplantationen relativ hoch. In Ländern, in denen die verschiedene Varianten der Zustimmungslösung vertreten werden, sind die Wartelisten für Spenderorgane lange.
Rahmel: "Es zeigt sich immer wieder. Wer ein hohes Spenderorganaufkommen hat, hat auch hohe Transplantationsraten bzw. viele Patienten, die dafür vorgesehen sind. (...) Aber jeden Tag sterben in Europa zumindest zehn Menschen auf der Warteliste. Und wir sehen da nur die Spitze des Eisberges."
Lebenserwartung steigt drastisch
Dabei ist längst belegt, dass Organtransplantationen nicht nur die Lebensqualität dramatisch verbessern können, sondern in vielen Fällen die Lebenserwartung drastisch steigern. Auch dort, wo es Alternativ-Therapien zur Organtransplantation gibt, bei
chronischem Nierenversagen, ist eine Organverpflanzung die optimale
Strategie: Bei Dialyse leben nach einem Jahr noch 78 Prozent der
Betroffenen, nach fünf Jahren sind es nur noch 32 Prozent. Hier rettet
die Transplantation mit der Zeit immer mehr Menschen. Rahmel: "Ein 60-jähriger Diabetiker mit Nierenversagen hat eine Lebenserwartung von vier Jahren. Bekommt er eine neue Niere, steigt sie auf neun Jahre. Ein 20-jähriger Zuckerkranker mit Nierenversagen hat eine Lebenserwartung von neun Jahren. Sie steigt mit einem Spenderorgan auf 16 Jahre." (APA/red)