Theaterkritik

Zwei strahlend blaue Augen im Vergnügungspark der Arbeitslosen

19. Oktober 2011, 10:54

Terence Hill und Bud Spencer beim Steirischen Herbst

Eine Hauswand, davor ein alter Fernsehbildschirm, plötzlich erscheint eine Figur: Bud Spencer, rundlich, mit Bart, unverkennbar. Kurz danach kommt sein Bruder, Terence. Sie wirken ein bisschen wie Mario und sein Bruder Luigi. Während die beiden einen Banküberfall planen, taucht Valerie auf und beschwert sich über ihren Job: Sie vermittelt Arbeit.

Im Stück Die blauen Augen von Terence Hill von Copy & Waste geht es um Arbeitslosigkeit und Gewalt. Beim Steirischen Herbst wurde es am Grazer Orpheum uraufgeführt. Nicht nur einmal lässt Bud Spencer die Fäuste fliegen und Valerie sich von TV-Schuldenhilfe Peter Zwegert beraten.

In Jörg Albrechts Stück ist es schwierig, eine durchgehende Handlung zu erkennen. Immer wieder tauchen kurze Handlungsabrisse auf, die für wenige Sekunden zeigen, wie sich die vier Personen früher als Schauspieler durchgeschlagen haben. Währenddessen wird das Bühnenbild buchstäblich in Stücke zerlegt, am Schluss steht keine der aufgestellten Wände mehr. So unregelmäßig wie die Handlungsabrisse hat der Regisseur Steffen Klewar die Musik eingebaut, zu welcher auch gut gesungen wird. Der Versuch, Hartz IV als Vergnügungspark darzustellen, gelingt jedoch denkbar schlecht. Die Effekte, vor allem die Videos, sind hingegen durchaus brauchbar - auch Trockeneis kommt gezielt zum Einsatz.
Theater im Zeitraffer

Nacheinander kommen die Figuren nach vorne und bringen ihren Hass auf den Text zum Ausdruck. Dabei schaffen es die Schauspieler durchaus gut, die verschiedenen Personen zu verkörpern. Besonders auffällig ist, dass Valeries Kollege alle Rollen die er einmal gespielt hat, noch einmal im Zeitraffer durchgeht. Fazit: eine gute Idee, aber viel zu kompliziert umgesetzt. Hielte man die Story einfacher, könnte man mehr von den positiven Seiten der Aufführung profitieren. (Lukas Winiwarter, DER STANDARD, Printausgabe, 19.10.2011)

Diese Theaterkritik entstand im Rahmen eines Workshops von STANDARD-Kultur-Redakteur Thomas Trenkler mit Schülern beim Steirischen Herbst.

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