X ist out, die neuen Berufseinsteiger heißen Generation Y - Aber wer ist das und was unterscheidet sie vom Rest der Welt?
Sie sind jung, zielstrebig, anspruchsvoll und haben gerne Spaß. Die Work-Life-Balance ist ausschlaggebend für ihre Job-Wahl und der Umgang mit Internet, Smartphone und Social Media ist für sie selbstverständlich. Ihren Vertretern, auch "Millenials" genannt, wird eine hohe Qualifikation zugesprochen, die bei Vorstellungsgesprächen auch schon einmal zu einer gewissen Überheblichkeit führen kann. Die Generation Y ist Anfang bis Mitte 20 und gerade dabei, die Arbeitswelt zu übernehmen und die Unternehmenskultur zu verändern. Man scheint zu wissen, dass man gebraucht wird, und nützt dies auch gerne aus. So zumindest das Bild, das medial transportiert wird.
Aber was sagen die Unternehmen dazu? Werden die Personalabteilungen wirklich von der Generation Y überrannt? derStandard.at hat bei zwei von Studienabgängern besonders beliebten Arbeitgebern nachgefragt.
"Man muss sich auf die neue Generation einstellen"
Bei Microsoft scheint die Generation Y schon angekommen zu sein. "Sie sind Gegenwart und Zukunft. Um als Arbeitsplatz attraktiv zu bleiben, müssen wir uns auf die veränderten Bedürfnisse einstellen", beschreibt ein Sprecher des Softwareentwicklers den Umgang mit seinen jungen Mitarbeitern. Die Generation Y sei anders gestrickt und erwarte von vornherein eine gewisse Unternehmenskultur. Die "neue Welt der Arbeit" zeichne sich durch flache Hierarchien, aber auch durch die Einbeziehung neuer Technologien wie etwa Social Media, aus. Da sieht man die "Ypsiloner" bei Microsoft auch im Vorteil gegenüber ihren älteren Kollegen: "Sie sind mit dem Internet aufgewachsen, daher ist der Umgang damit für sie völlig natürlich".
Natürlich habe die Generation Y ein besonders großes Selbstbewusstsein, sei frech und forsch, heißt es aus dem Unternehmen. Keinesfalls möchte man aber auch älteren Mitarbeitern diese als durchaus positiv angesehenen Eigenschaften absprechen. "Unabhängiges Denken ist viel mehr eine Frage des Zeitgeists als des Alters. Heute sagt man seine Meinung einfach viel offener, als es vor 30 Jahren der Fall war". Nicht auf alle ihnen zugeschriebenen Attribute haben die "Millenials" also auch ein alleiniges Vorrecht. Am wichtigsten seien aber bei allen Unterschieden und Ähnlichkeiten die funktionierende Zusammenarbeit unabhängig von Altersdifferenzen. Die Diversity im Team sei wichtig, die Mischung aus Erfahrung und Neugier.
Generation Y als Label
Siemens Österreich ist bei Studienabgängern genauso wie Microsoft ein gefragter Arbeitgeber. Allerdings kann man hier bei den heutigen Berufseinsteigern keinen grundlegenden Unterschied zu den Generationen davor erkennen. Die Generation Y ist einfach ein "Label", meint ein Unternehmenssprecher dazu. Natürlich sei man immer auf der Suche nach neuen, hoch qualifizierten Mitarbeitern. Auch gegenüber deren Einfluss auf die Unternehmenskultur ist man durchaus offen und positiv eingestellt, dies sei aber schon immer so gewesen.
Zeitgeist bestimmend
Ob nun die Generation Y als Gesamtphänomen auftritt oder ob sie eher als Label dient: In vielen österreichischen Unternehmen verweist man darauf, dass Berufseinsteiger immer wichtige Impulse zum Alltag und der Kultur an den jeweiligen Arbeitsplätzen beitragen. Die Unternehmen müssen sich in jedem Fall an den Zeitgeist anpassen, starre Hierarchien überdenken und das Thema Work-Life-Balance neu definieren. Denn die neuen Mitarbeiter wollen nicht nur Familie und Karriere vereinbaren und genug verdienen sondern auch Spaß haben und sich im Job weiterentwickeln.
Laut Definition des Beratungsunternehmens Deloitte ist die Generation Y "Powerhouse of the Global Economy", die schneller Verantwortung übernehmen will als die Generationen davor, dafür aber auch bereit ist sich großen Herausforderungen zu stellen. Nur arbeiten um zu leben, aber auch umgekehrt, nur leben um zu arbeiten - beides funktioniert in diesem Kontext nicht. (Max Daublebsky, derStandard.at, 27. Oktober 2011)