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Wenn es Nacht wird im Stuwerviertel... geht man anständigerweise zu Möslinger.
Gasthaus Möslinger
Einmal drei, einmal zwei Gänge, Saft, Wein, Wasser, Kaffee: 72,60 Euro

Hirsch tatare, schon gut, aber das Tierchen trat würztechnisch doch ziemlich in den Hintergrund

Schwenken war aus: Herbsttrompeten in ordentlich Rahm

Die Hirschmedaillons von gegenüber, kein Fehler

Mein Hirschfilet, wieder mit Pilzrahm - wieder einmal nicht aufgepasst

Die Leber von gegenüber in Pralinenform im Wild, wo manchmal ein bisschen viel los ist auf dem Teller
Gasthaus Wild
Radetzkyplatz 1
1030 Wien
01 9209477
Zweimal zwei Gänge, Bier, Saft, Wein, Wasser, Kaffee: 86,70 Euro

Mein Frischling, schmeckt viel besser, als ich fotografierte
Wenn die geschätzte Profikosterin Karin Schnegdar das Gasthaus Möslinger als "Genuss Wirt des Jahres" handelt, dann schaut der Fidler schon einmal genauer hin. Hm. 23 Jahre im Stuwerviertel, und das mit diesem Namen, dazu gehört schon eine gewisse Ausdauer, auch im Wegstecken des einen oder anderen Kalauers. Was würde zum Beispiel eine Vegetarierin des Vertrauens davon halten, erzählte ich ihr, dass ich heut abend ins Stuwerviertel zum Möslinger geh, und das ohne sie. Es soll Vegetarierinnen geben, die sich überlegen, in diese Gegend zu ziehen, aber ich bin überzeugt, sie würden dann doch dem Grasen den Vorzug geben, und das völlig zu Recht. Hier wird wirklich viel Fleischliches angeboten.
Unprofessionell professionell
Sitz ich also im Möslinger und wart auf den R., der mich mit einer empörten Beschwerde begrüßt, dass die Professionellen aber wirklich zu Unrecht professionell genannt werden: Hat ihm doch eine junge Dame auf dem Weg ins Lokal einen Blowjob angeboten! Vielleicht ein bisschen direkt, aber man kann ja nein sagen, und wie soll die Dame das sehen, also warum die Aufregung? Professionell hätte er gefunden, wenn sie ihm angesehen hätte, dass er weder auf junge noch auf alte Damen steht. Da fällt mir ein: Gut, dass ich ja praktisch nur über Wirtshäuser blogge und nicht über Frauen oder Männer. Zum Thema also.
Zugewürzt
Wilde Wochen derzeit, zweifellos, und das muss ja nicht von Fehl sein. Die Wildheit meiner Bestellung überrascht freilich selbst das Personal bei Möslingers. Dabei hab ich nur gefragt, ob man mir zwei Vor- und eine Hauptspeise zutraut. Unerschütterliche Schmecks-Leserinnen wissen, dass mich die Antwort nicht weiter interessierte. Also: Tatare vom Hirsch - kein Fehler, wenngleich so zugewürzt, dass nicht nur mir Universaldilettanten, sondern auch dem geschmackssicheren R. schwer fiel, das geweihde Tier zu identifizieren. Beef tatart so auch nicht anders schmecken, kalauerte R. zu meiner Freude. Die seine war zu dem Zeitpunkt die Wildconsommé mit Wildbratnockerl, schien mir, zum Kosten kam ich jedenfalls nicht rechzeitig.
Der Schwenk ein Schwank
Gut, dafür musste er meine zweite Vorspeis abwarten. Wenn "Geschwenkte Trompetenpfifferlinge" auf der Karte stehen, hoff ich auf Totentrompeten aus der Pfanne, und muss jedenfalls zuschlagen. Der Dilettant in mir lässt sich natürlich auch nicht von der Warnung abschrecken, dass die Pilze heute aber nur in Rahm zu haben sind. Nicht grundsätzlich schlecht, aber halt schon sehr rahmig für Skeptiker der Dicksauce.
Mit Rauch gehts auch, und das lang
Vor allem hätte ich bedenken sollen, dass ich mit dem Hirschfilet auf Schwammerlsauce gleich wieder in denselben Rahmen falle - einen Hinweis darauf finde ich Gedankenloser übrigens immer nett. Den hätt ich mir auch am Millstätter See gewünscht, aber das ist eine andere Geschichte, die noch ein bisschen abliegen wird.
Das Filet war vielleicht ein bisschen forsch gebraten, aber im Grunde schon ziemlich gut. Die Medaillons vom gleichen Tier in Apfel-Mostsauce kamen gegenüber auch durchaus gut an. Der a) kochtechnisch vielfach erfahrenere und b) ständig ungemein fein bekochte R. vermutete allerdings in seiner Sauce ein bisschen industrielle Hilfe. Wir sind hier quasi in einem Traditionswirtshaus, beruhige ich ihn, auch wenn das Maggi nicht auf dem Tisch steht (wenn ich nichts übersehen habe). Damit war also zu rechnen - wie mit dem beeindruckend lange anhaltenden Wirtshausgeruch selbst nach ausschließlichem Aufenthalt im Nichtraucherzimmer.
Klinge ich unzufrieden? Definitiv nicht - ein guter Abend. Das liegt nicht daran, dass ich im Stuwerviertel noch Angebote eingeholt hätte. Wir nahmen ganz anständig ein Taxi zurück, praktisch direkt vor der Tür. Oder empfehlen Sie mir nach dieser Entscheidung professionelle Hilfe? Hab ich eingeholt. Die Psychiaterin meines Vertrauens geht ja noch immer mit mir essen, sie behauptet auch noch: gern. Muss sich um wissenschaftliches Interesse handeln.
Wild will sie
Wild will sie. Da frag ich den Holzer, sag ich mir, sicher ist sicher. Wild, sagt er. Gut, denk ich mir, das Gasthaus Wild war mir vor ewigen Zeiten einmal unsympathisch, wohl, weil es der Florian oder einer seiner Kollegen gerade hoch gelobt hatten und ich dann noch höhere Erwartungen in den Abend legte. Aber steht das Recht auf eine zweite Chance nicht irgendwo in der Charta der Menschenrechte?
Die Psychiaterin meines Vertrauens jedenfalls verlangte: Wild. Das bekam sie nun doppelt. Und ich muss sagen: ein durchaus schöner Abend. Wenn frau Leber mag, nimmt sie zwar Zeug zu sich, das nur ausnahmsweise zum Verzehr zugelassen ist, hat aber gleich einen gewaltigen Sympathiepunkt mehr. Wenn für den überhaupt noch Platz war. Frau Doktor nimmt die Pralinen von der Rehleber und ersetzt nur en passant das vorgesehene Mangochutney durch Quitte. Ein bisschen viel Gigi (oder wie würden Sie schischi schreiben?) findet sich dann auf dem Teller, man muss ja nicht alles essen, zum Beispiel Ingwer, wenn wir uns da nicht gemeinsam verschmeckt haben. Und die Pralinchen waren ja durchaus anständig.
Mir war mein dünn aufgeschnittener Hirsch trotzdem deutlich lieber - Parfaits & Co. sind mir nicht der allerliebste Aggregatzustand der Leber - aber wenns keinen anderen gibt...
Rache am Frischling
Noch einen Sympathiepunkt (wenn noch Platz dafür war) macht die Psychiaterin mit: Hirschschnitzel gern, aber gebacken sicher nicht. Also blieb noch Fasanenbrust und Frischlingsragout, für das einiges sprechen würde. Im Lainzer Tiergarten machte sie bei einem Picknick einmal den Fehler, Jungsäue mit Brot zu füttern. Nun kann gerade ich verstehen, dass man a) zu trocken Brot gern ein bisserl Fleisch hat, und b) sieht die Frau Doktor ja wirklich sehr appetitlich aus. Trotzdem steht es einem Frischling nicht an, die Hand, die ihn füttert, zu beißen, bei allem Verständnis.
Dennoch will sie nicht nachtragend sein und die Gelegenheit nützen, ordentlich zurückzubeißen. Also nimmt sie sich die Fasanenbrust vor - zart, durchaus saftig, auch dank Speckmantel. Dann gebe ich halt den Racheengel und mache mich über die Frischlinge her - schon weil ich die lieben Kleinen aus Bierbaum am Kleebühel als ausgesprochen saftig und gut in Erinnerung habe. Im Wild sind sie einen Hauch weniger saftig, aber da hilft die dunkle, kräftige Sauce. Schon ziemlich gut.
Nein, Dessert ging sich hier auch nicht aus.
Geschmecksfrage der Woche
Und nun zu unserer Frage der Woche: Was stimmt nicht an dieser Geschichte?
PS, gerade aufgefallen: Nein, gemeint war nicht, dass im Untertitel etwas von Reh trinken steht - der Vorgang aber im ganzen Text nicht vorkommt. Aber das war Ihnen, kundige Userin, anmutiger User, ja ohnehin klar: Gemeint war natürlich Hannes Reeh und sein Heideboden. War einen Versuch wert.
Schmeck's ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.
Hongkongs strahlendster Chinese, nichts wie Heen: Beim saftigsten Federviehfitzel überhaupt sieht der Fidler drei Sterne - mindestens
Vinzirast mittendrin: 2000 Obststeigen, die Kraft des Rucola und der Saft des Huhns
Harald Fidler wird bei Gockel und Maibock schwach - Schmecks auf Re(h)visite in Riedls Dombeisl, Purzl's, Nguyen und Speisekammer
Im südburgenländischen Gasthaus Sampl sorgte man sich ernstlich um des Schmecksologen Kapazität - leider
Sonntagsnudeln und die Nieren: La Torre und Il Centro in Katharina Schells Bildern
Irgendwo zwischen Wild(schwein) und Jungrind, bitte ohne Fett, rät unser Testesser und beruft sich auf den amtstierärtzlichen DachsessClub
An der Südautobahn, bei Pusswald, grübelt Harald Fidler, wie weit Speisen reisen müssen
"Rohes Fleisch, Kilo": Endlich wieder mit den Fingern essen - und das gut: Ethiopian Restaurant im Alsergrund
Vegetarisch im Schutzhaus: Harald Fidler ist kein Weg zu weit
Irland beginnt am Rennweg: Räudig wie lange nicht Harald Fidlers Bilder aus dem Old Oak, schön wie selten der Fisch in Bierpanier
Und diese Taube: Harald Fidler kostet, fotografiert und schwelgt sich durch ein Dutzend Gänge - oder ein bisschen mehr
Mit Bruckenberger roch er den Sonntagsbraten - und aß zu zweit für drei: Phew!
Dazu persisches Schwein - und dann doch noch eine schöne Schulter beim neu übernommenen Sven im Alsergrund
Tschaschuschuli war aus, aber Khachapuri-Atscharuli macht den Fidler im Satrapezo im dritten Bezirk zumindest ebenso satt und zufrieden
Sterne sehen im Weinhaus: Harald Fidler versucht's beim Hochmayer in Simmering - Und wo weinen Sie?
Wo man das Reh kalt macht: Fidler erkundet Agnes' Reflexe in Neuhausen und Federvieh in Kronstorf
Grenzwirtig in Oberösterreich: Zwischen Freistädter Chicbrauerei, schießfreudiger Seniorchefin und verpassten Fohlenwochen
Nougatspion Harald Fidler arbeitet sich auf der Weltmesse der Langsamen durch Löffelwurst, warme Austern und Millionen Mitesser
Heringsschmaus vom Brocken brocken oder Milchkitz um Leber, Niere und Bries erleichtern, fragt sich Fidler in Langenlebarn - Und neu: Rochus 1090
Rinder pflastern ihren Weg: Mit Bruckenberger im Jolly Ox, wo viel Rauch auch gut gebratenes Steak bedeutet
Harald Fidler genießt im Diverso, was er eher nicht bestellen würde: handgepflückte Jakobsmuschel und Brösel-Kabeljau mit Mayo
360, mittags: Mit einem Pariser in Graz, mit einer Grazerin in Wien, mit einem Hendl in Georgien - und ohne Herz im Beuschel
Asche Reschte: Nach einem Schälchen rohen Knoblauchs und einem Bissen Zunge im Pars geht es in Harald Fidler rund
Und die Lammleber duftet: Wie kratzt der Fidler nun die Kurve zum Floh, der bald neu eröffnet? Über Schmölz, Fleischer seines Vertrauens
Im Tian begeistert die Erbsensuppe einen Vegetarier - und Fu Long Fidler spielt die Auster vom Blatt
Anders als meine: Mittags bei Wild:
1. Suppe kalt, schmierig und vor dem 2. Löffel retour gegangen, dann (wahrscheinlich) mikrogewellt wieder vorgesetzt worden, leidlich warm.
2. Käsespätzle: Käsefertigsauce, die definitiv NIEMALS echten Käse gesehen hat, Spätzle blass wie ein Vampier, Röstzwiebel aus der Dose.
wieder reklamiert: regt sich die Kellnerin auf, daß ich schon anspruchsvoll sei. Danke, da koch ich blind und einhändig besser - und bin auch nie wieder in dieses Gasthaus gegangen. Dabei werd ich's auch belassen.
Ich bild mir ein, dass so gut wie jede Familienfeier meiner Kindheit hier seinen kulinarischen Höhepunkt fand (zumeist Wohl in Form eines Cordon Bleu mit Pommes). Das der Möslinger (die schmutzigen Assoziationen wären mir gar nicht in den Sinn gekommen) erst 23 Jahre alt ist, hätte ich mir, wohl weil ich das Geburtsjahr teile, nicht gedacht. Für mich war das immer eine uralte Institution wie der Stephansturm und das Riesenrad...auch egal. Das Essen ist gut dort, kann ich bestätigen. Das man sich dort vor allem mit Waldviertler Küche (Mohn, Knödel und so) beschäftigt wäre vielleicht noch eine Erwähnung wert gewesen.
Das "Wild" hingegen kenn ich hingegen nicht genauer, aber das Rahmbeuschel ist mir in bester Erinnerung.
nach langem hab ich mir wieder einmal diese glosse angetan - und noch immer ist es ein horror zu lesen. umständliches blabla, misslungene wortwitzchen, stilblüten noch und nöcher, schachtelsätze, da holperts und polterts. auf kulinarischer ebene wäre das lätschates schnitzel mit glutamatpampe oder so ähnlich. mein tip: kräftig ausputzen den jargon, klarer, stringenter, dann käme auch der durchaus bestehende informationswert besser zur geltung.
im Briuni:
http://derstandard.at/3400728/U... amit-Pasta
An sich qualitativ sehr gut, aber es fehlt ein bisschen der Witz - zu vorhersehbare Standardküche.
als bewohnerin nervt es mich, dass bei den meisten artikeln (auch im falter, zb. gepp) über stuwerviertel das rotlichtklischee bemüht wird.
sorry, ich wohne hier schon seit jahren und es ist nicht so schlimm und auch deutlich weniger geworden. allerdings lockt jedes artikel - auch über ganz andere themen, in dem wieder darüber geschrieben wird, freier an. wenn sie über naschmarkt schreiben, dann auch nicht über augustin & co verkäufer!
sooo schlimm verrotlichtet ist das Stuwerviertel auch nicht. Molkereistrasse, Max Winterplatz und den kleinen Strassenstrich um das ehemalige Kinderfreibad am MW Platz. Und dann noch die paar Puffs direkt an der Ausstellungsstrasse.
Sonst finde ich dasn Stuwerviertel lebenswert, relativ grün, relativ ruhig da wenig Durchzugsverkehr in den Nebenstrassen. Tolle öffentliche Anbindung.
Schlimm wärs so oder so auch nicht, wenn noch mehr Mädels unterwegs wären.
Ist reine Bigotterie, die Damen werten durch ihre Präsenz allein nix ab.
Bloß die Kriminalisierung ihrer Tätigkeit führte dazu, dass sie sich gerne in schlechten Gegenden aufhielten, womit wir jetzt die Assoziation haben, dass jedes Gebiet, in dem sie sich aufhalten, zwingend schlecht sein muss.
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