Unis unter verlockendem Zugzwang

Kommentar | Alexandra Föderl-Schmid, 18. Oktober 2011, 19:06

Studiengebühren dann, wenn der Staat seine Verpflichtungen erfüllt

Die ganz feine Art ist das Vorgehen von Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle nicht. Töchterle hat mit seinem überraschend präsentierten Gutachten, wonach nach Auslaufen der bisherigen Regelung die Universitäten ab März Studiengebühren einheben können, viele düpiert. Von "diktatorischen Ultimaten" zu sprechen, wie dies Bildungsministerin Claudia Schmied tut, ist dennoch übertrieben.

Dem Altphilologen muss man zugute halten, dass er unkonventionell agiert. Dem vom leidgeprüften Rektor zum Minister katapultierten Tiroler ist anzurechnen, dass er nicht nur abwartet, Nein sagt oder reagiert, sondern Vorstöße macht. Damit bringt er die SPÖ, aber auch die ÖVP, die ihn nominiert hat, unter Zugzwang.

Mit der öffentlichkeitswirksamen Ankündigung einer Hochschulmilliarde in der ORF-Pressestunde Mitte September hat er den Druck auf Finanzministerin Maria Fekter erhöht. Diese Hochschulmilliarde für den Zeitraum 2013 bis 2015 ist noch nicht gesichert - und kommt um ein Jahr zu spät. Es gibt mehrere Haken: Sie würde nicht nur den Universitäten zugute kommen, und sie ist an die - derzeit schwächelnde - Konjunktur gekoppelt. Die Milliarde entspräche ohnehin nur dem Betrag, den Rektoren seit Jahren als minimale Finanzspritze zur Aufrechterhaltung des derzeitigen Qualitätsniveaus fordern. Fekter erklärte bereits, dass die Mittelvergabe an Bedingungen wie den Ausbau des Lehrveranstaltungsangebots oder die Zusammenlegung von Einrichtungen geknüpft sei. Das ist perfide.

Töchterles Modell, wonach künftig jede Universität autonom Studiengebühren bis maximal 500 Euro pro Semester einheben darf, war ein weiterer Versuch, den finanzgeschwächten Universitäten Lösungen anzubieten. Aber so viel Freiheit, so musste Töchterle inzwischen erfahren, wollen viele seiner nunmehrigen Exkollegen gar nicht. Die abwehrende Front auf Rektorenseite bröckelt jedoch, wie Reaktionen der Technischen Universität Graz oder der Wirtschafts- oder Medizinischen Universität Wien zeigen. Die SPÖ und die Hochschülerschaft bleiben bei ihrer bisherigen Linie, dagegen zu sein. Das war zu erwarten.

Mit seiner Nadelstich-Taktik hält Töchterle zwar die Diskussion am Köcheln, aber notwendig ist ein Gesamtkonzept für die Universitäten, das die Finanzierung und den Zugang regelt. Zuerst muss klargestellt werden, dass die staatliche Finanzierung nicht reduziert wird. Es klaffen schon jetzt Finanzierungslücken. Erst muss die Hochschulmilliarde gesichert sein, dann können zusätzliche Geldquellen zur Diskussion gestellt werden.

In dem Zusammenhang ist es unabdingbar, über eine Reform des Stipendiensystems zu reden. Noch nicht geklärt ist, ob es Konsequenzen für Universitäten gibt, die keine Gebühren einheben.

Die zentrale Frage ist jedoch, ob man für Bedingungen, wie sie derzeit an den meisten Instituten in Österreich herrschen, überhaupt Geld verlangen kann. Formen der Zugangsregelungen sind für viele Universitäten, insbesondere im Westen durch den Andrang aus Deutschland, angesichts der begrenzten Kapazitäten drängender.

SPÖ, Grüne und FPÖ haben es 2008 mit der Umsetzung ihres Wahlversprechens, Studiengebühren abzuschaffen, so eilig gehabt, dass sie im Parlament gepfuscht haben. Somit kann sich keine Partei aus der Verantwortung stehlen. (DER STANDARD; Printausgabe, 19.10.2011)

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Posting 1 bis 25 von 36
1 2
Wir sind die Guten!!
03
19.10.2011, 15:49
von wegen! nix gepfuscht! die richtige rechtsansicht ist, dass mit auslaufen der bestimmung überhaupt keine studiengebühren mehr möglich sind!

da mögen vp, töchterle + mayer mit noch so viel getöse über alle medien das gegenteil hinausposaunen lassen!

also dann ...
30
19.10.2011, 14:41
geh bitte ... frau föderl : zuerst recherchieren - dann denken - und erst danach ... schreiben ! DIE UNI´S SCHWIMMEN IN GELD ..., denn

http://www.statistik.at/web_de/su... index.html
s. gebarung des staates 2009, teil 1, s. 149.
- - -
der hochschulsektor erzielt ÜBERSCHÜSSE( ! ) ...von
56,6 mio (2009)
40,7 mio (2008)
23,3 mio (2007)
verfügt über RÜCKLAGEN v. (GESAMTBUDGET) von
2008 - 1,257 Mrd (BUdget 3,4 mrd)
2007 - 1.267 " ( " 3,3 Mrd)
und hat WERTPAPIERE von
2008 - 321 mio
2007 - 364 mio
2006 - 341 mio EURO !

im hochschulbericht 2008-09 liegt die schuldentilgungsdauer bei ca. 1,5 jahren !!!

d.h.
der gesamte hochschulsektor hat eine bilanz/gewinnverhältnis das sogar die VOEST ( ! )
übertrifft !

p.s.
machen sie sich einfach mal schlau...,
b e v o r sie solchen unsinn hier verzapfen !
vobei einem budget von ca.

Hermine Berg
 
00
19.10.2011, 17:32
hallo herr maznetter

auch wieder mal da?

mikromalist
 
01
19.10.2011, 16:38
also ... gewohnt wie ein Feurio - zurück ;)

Wo waren Sie? Jedenfalls Welcome!

Bei einem Budget von 3,4 Mrd halte ich EUr 50 mio für eine Punktlandung?

Ausserdem um Rücklagen zu beurteilen, wären die Positionen hilfreich und deren Wertpapierdeckung ist eine Frage des Vorsorgs-Risikoprofils.

Und wie glauben Sie soll die Schuldentilgungs-Dauer in einem Non-Profitbereich sein, der abhänging von Politikern in AT ist?

Übrigens der Link hat mir kein Dokument gebracht und ich bin zu blöd das Richtige zu finden.
Die Bilanzstruktur hätte mich schon interessiert.

Peda
01
19.10.2011, 16:05

2006 ( -27 mio. )haben Sie bei den 'ÜBERSCHÜSSEN' verschwiegen.

Wenn Sie sich

D.1 Arbeitnehmerentgelt: 2006 -2009 :
1.829.016 || 1.944.077 || 2.054.630 || 2.156.934

ansehen, wird Ihnen auffallen, dass die Überschüsse schnell schmelzen werden, wenn das Budget nominell gleich bleibt und dann geht's an die Substanz.

Die Rücklagen sind in den letzten Jahren (vor allem 2010, scheint also hier nicht auf) in lange zurückgestellte und notwendige Modernisierungsmaßnahmen geflossen.

Alles in allem ist aber jetzt der Punkt erreicht, an dem es zu Personal- bzw. Leistungsreduktionen kommen muss, wenn kein zusätzliches Geld (langfristig nicht einmalig) zur Verfügung gestellt wird.

Virtuell
11
19.10.2011, 15:58
Schwachsinn

Die Unis hinzustellen, als ob sie im Geld schwimmen würden, ist wirklich Schwachsinn. Ohne die "Töchterle"-Milliarde müsste alleine die Uni Wien ab nächstem Jahr ihr Budget um 10% kürzen! Das heißt weniger wissenschaftliches Personal, weniger Lehrende, weniger Investionen, weniger Output, etc.

also dann ...
21
19.10.2011, 16:49
wieso so hysterisch ? ein blick in die G-V/bilanz 2010 genügt um zu sehen, dass...

http://finanzwesen.univie.ac.at/fileadmin... raktiv.pdf
bei einer bil.summe von 355 mio...
- der kassabestand ......70 mio
- die wertpapiere .........80 "
= zusammen...150 mio = 45 % d. bilanz betragen.
cash + wertpapiere
machen 50 % der personalausgaben p.a. aus !!!

das eigenkapital = 163 mio - fast 50 % und das erreicht die VOEST nicht mal in 50 jahren ...

bei "erlösen" von 493 mio + 5 % zum VJahr...
- betrug der jahresüberschuss 6,7 mio + 1,2 mio VJ
- die rücklagendotierung 15 ( ! ) mio ...
- und der bilanzgewinne ca. 20 mio ( ! ).

- - - - -

oh ja ... die UNI WIEN ist pleite,
und die ERDE IST EINE SCHEIBE, gelle.

Peda
11
19.10.2011, 18:52

Warum man die VOEST bilanzmäßig nicht mit einer Universität vergleichen kann, will ich nicht näher erklären...

Dass die Uni zum Bilanzstichtag 70 Mio cash hat, kann doch kein Argument sein. Soll man Ihrer Meinung nach im Dezember alles ausgeben, um ausgeglichen bilanzieren zu können? Nebenbei bei grob geschätzt 25 Mio monatl. Personalkosten ist das nicht gar so viel.

Nebenbei plant man an der Uni WIEN langfristig, und Wertpapieranlagen gehören da dazu, ebenso wie die Bildung von Reserven in Erwartung eines stagnierenden Globalbudgets. Dass hierfür bereits Leistungen, Investitionen und Forschungsausgaben auf der Strecke geblieben sind, scheint im Zahlenwerk des Jahresabschlusses nicht auf.

also dann ...
11
20.10.2011, 04:00
geh bitte ... dass 70 mio an cash erforderlich sind, glaubt

ausser ihnen vielleicht noch frau holle ... und frau föderl !

und wozu eine UNI ( ? ) wertpapieranlagen vonm 80 mio braucht - bleibt auch ihr geheimnis, gelle.

der vergleich mit der VOEST ...
ist deshalb angebracht, weil dies natürlich NICHT vom gesellschaftsmodell vergleichbar ist - jedoch auf alle fälle von einem der paradeunternehmen der industrie mit hervorragenden kennzahlen, d.h.
- die UNI WIEN ist auch hier besser
- der rektor ist eine bwl. NULL wenn er den crasj der UNI über die medien verbreitet
- und das die maistream-jounraille des rosablatls ... soll mal recherchieren lernen, bevor sie hier ihren flachen kommentar absondern.

ein tipp für sie :
vergleichen sie mal diese "ergebnisse" mit der UNI Berlin z.b. ...

Peda
00
20.10.2011, 11:26

Um den cash-Bestand besser beurteilen zu können müsste man die Entwicklung übers Jahr kennen, bin aber dennoch der Meinung 70 Mio. sind nicht unbedingt zuviel.

Über die Wertpapieranlagen kann man streiten. Details zur Veranlagung wären in jedem fall hilfreich.

Die VOEST ist nicht nur vom Geschäftsmodell her nicht mit einer Universität vergleichbar!

Peda
20
19.10.2011, 19:01

Hier was für unseren Buchhalter:

http://www.tuwien.ac.at/wir_ueber... ten/daten/

Da sind dann auch die Investitionen 2010 sichtbar, von denen ich weiter oben im Forum geschrieben hab'.

also dann ...
11
20.10.2011, 03:54
naja ... und wo sehen sie die investitionen 2010 ? sie unterbuchhalter ... ?

Peda
00
20.10.2011, 11:21

Genau schauen - es ist zugegebenermaßen nciht offensichtlich ausgewiesen! Ich hab' mir auch die Mühe gemacht und recherchiert, nachdem ihr erster Link ins Nirvana geführt hat.

Nathaniel Winerib
62
19.10.2011, 11:47

Es gibt auf der ganzen Welt keine Top-Universität, die auf Studiengebühren verzichtet. Wenn das Mittelmaß das Ziel ist, dann bitte weiter wie bisher. Wenn man erstklassige Bildung anbieten möchte, darf man nicht auf Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen verzichten.

DrBelacqua
43
19.10.2011, 13:40

Genau! Studiengebühren einführen, dann wird alles gut.
Vor noch nicht all zu langer Zeit gab es in Österreich Studiengebühren und die Situation war auch schlecht.

Also, wenn man keine Ahnung hat, einfach Kl*ppe halten!

Eldirakon
02
19.10.2011, 15:22
Bitte...

... sinnerfassend lesen.
Ihr Vorposter hat Studiengebühren u. Zugangsbeschränkungen nicht als Allheilmittel dargestellt.
Das die (lt Rankings) Top-Universitäten Studiengebühren einheben und Zugangsbeschränkungen festlegen ist ein Faktum, da können Sie wohl schwer widersprechen?

Nur mit diesen beiden Werkzeugen wird man das Bildungsproblem aber auch nicht lösen können.

Sparen Sie sich aber Beleidigungen. Die, die andere als ahnungslos bezeichnen haben meist nur Angst, selbst als ahnungslos entlarvt zu werden.

Beste Grüße

Nathaniel Winerib
00
19.10.2011, 13:53

Mit Studiengebühren wird nicht alles gut, aber ohne Studiengebühren bleibt alles schlecht.

Also befolgen Sie Ihren eigenen Rat.

Schnurz Homunculus
31
19.10.2011, 09:40
Dieser Kommentar verlangt,

dass immer alles im Voraus geregelt ist. Dadurch verlangt die Kommentatorin, dass alles auf die lange Bank geschoben wird.... so ähnlich wie ehemals Kreiskys Kommissionen oder derzeit die Kommission von Hrn Oxonitsch

Was der Linken - inkl. der Cherfredakteurin - nicht passt, darf nicht sein, auch wenn es rechtens ist und auch wenn diese Situation aufgrund der miserablen Gesetzesformulierung als (verfassungsrechtlich gescheitertes) Wahlzuckerl gemeinsam mit Grünen und FPÖ verursacht wurde.

Dietmar Ott
63
19.10.2011, 08:51
1. Mehr Budget für Bildung

2. Zugangsbeschränkungen
3. Studienbeiträge

Ohne das wird´s nicht gehen.

Dumpfe Ansage
10
19.10.2011, 11:32

Horizont erweitern!
nicht andere sinnlos erheitern

Totaler Durchblicksstrudel
00
19.10.2011, 09:53

Woher nehmen? Die Steuerbelastung ist jetzt schon am Anschlag und die verfügbaren Mittel werden für Pensionen, Verwaltung, ÖBB usw. verwendet. Das Kalkül der Regierungsparteien dahinter: Es bringen Pensionisten, Beamte und ÖBBler vergleichsweise viele mehr Wählerstimmen als Studenten.

Ja, dürfen's denn das ?
01
19.10.2011, 10:52
und die verfügbaren Mittel werden für Pensionen, Verwaltung, ÖBB usw. verwendet.

???

Sie vergessen die vielen Millionen und Milliarden für Banken, "Beratungsleistungen", Inserate - und Korruption.

Totaler Durchblicksstrudel
00
19.10.2011, 11:00

Naja, für die Banken warens bis jetzt nicht so viel. Wobei das böse Erwachen wird bei der Hypo noch kommen.
Die Inserate und Berater, soweit sie eh nicht von der ÖBB oder der Asfinag bezahlt werden, hehe, lass ich mal unter Verwaltung laufen. Aber im Vergleich zu den Kosten des Beamtenheeres sind das nur Erdnüsse ;)

chiwato
04
19.10.2011, 08:34
in zeiten,

in denen ein system, in dem alles einen preis und nichts einen wert hat, den finalen sinkflug eingeleitet hat, den freien hochschulzugang mit allerlei volten endgültig abschaffen zu wollen, spricht genau für die gesellschaft, zu der wir geworden sind. die vermeintliche intelligenz läuft händeringend im kreis, die wahren fädenzieher halten sich den bauch und die wut der machtlosen wartet nur mehr auf irgendeinen grund um irgendwem eine überzuziehen.

der schwitzbär der schwitzt sehr
012
18.10.2011, 23:46
Der Staat verabschiedet sich grad

aus der Verantwortung

Steuern kassiert er volle, aber künftig gibt's nur noch Basisfinanzierung

Mal sehen, vielleicht zahlt man bald beim AMS eine Beratungsgebühr

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