Der grüne Ruf nach rotem Machtwort auf der Baumgartner Höhe

18. Oktober 2011, 19:19
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In der Debatte um die Verbauung fordern die Grünen ein Eingreifen von Bürgermeister Häupl - Mediale Hilfe liefert die "Krone"

Wien - Wo immer Bürgerinitiativen aufmuckten, waren die Wiener Grünen früher nicht weit. Bei der Errichtung des Sängerknaben-Konzertsaals im Augarten standen sie ebenso auf der Seite der Gegner wie bei einem geplanten Hotelprojekt auf der Meidlinger Marillenalm. Auch jene Anrainer, die sich seit Jahren vehement gegen ein Wohnbauprojekt auf der Baumgartner Höhe und den angrenzenden Steinhofgründen wehren, haben die Grünen lange unterstützt. Die stadteigene Wohnbaugesellschaft Gesiba will auf dem östlichen Teil des Areals des Otto-Wagner-Spitals in Wien-Penzing 650 Wohnungen errichten.

Bis zur Wien-Wahl im vergangenen Herbst. Seit sie als Juniorpartner in der Stadtregierung sitzt, hatte die grüne Truppe rund um Planungs- und Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou, die zu Oppositionszeiten stets offensiv gegen die Umwidmung und den Verkauf aufgetreten war, den Ball flach gehalten. Es hieß, die Widmung sei vor der grünen Regierungsbeteiliung erfolgt und außerdem rechtlich wasserdicht.

Gelände soll rückgekauft werden

Nun will Vassilakou aber plötzlich Bürgermeister Michael Häupl (SP) einschalten. Dieser, sagte sie dem Kurier, solle doch dafür sorgen, dass das Gelände rückgekauft werde. Der Gesiba könnten stattdessen gleichwertige Flächen in einem anderen Teil Wiens angeboten werden. Verkauft hat das Gelände der Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV), der dafür 8,9 Millionen Euro lukriert hatte.

Das Reha-Zentrum für Orthopädie hingegen, das die Vamed auf dem nördlich angrenzenden Areal bereits errichtet, ist weitgehend unumstritten. Dieses Gelände verkaufte der KAV im April diesen Jahres für 3,6 Millionen Euro. In dem Neubau sollen vier Stationen mit insgesamt 152 Betten sowie eine öffentlich zugängliche Wellnessanlage mit Sauna und Schwimmhalle untergebracht werden.

Kampagne der Krone

Seit die Dezentralisierung der Wiener Psychiatrie und der Bau des Krankenhaus Nord im 21. Bezirk beschlossene Sache sind, gab es Diskussionen darüber, was mit den nicht mehr genutzten Bereichen des Otto-Wagner-Spitals passieren solle. Dass die Planungsstadträtin nun doch wieder offen die erbosten Anrainer unterstützt, könnte freilich mit einer Kampagne der Krone zu tun haben. Die Zeitung, die seit Tagen gegen das Projekt anschreibt, sieht den grünen Schwenk jedenfalls als ihr journalistisches Verdienst - "immerhin zeigt der Protest der Naturschützer und der Krone auch erste Erfolge" , heißt es in der Dienstagsausgabe.

Der Ruf Vassilakous nach einem Machtwort von Häupl ist auch deshalb bemerkenswert, weil sie sich bisher bei umstrittenen Projekten auf den Standpunkt zurückgezogen hatte, dass die Entscheidungen bereits vor ihrer Amtszeit gefallen seien. Und nicht zuletzt hat Vassilakou in der Vorwoche im Standard-Interview auf die Frage, ob sie sich bei der Ausweitung des Parkpickerls von Häupl alleingelassen fühle, geantwortet: "Im Gegenteil, ich bitte sogar darum." (Bettina Fernsebner-Kokert, DER STANDARD-Printausgabe, 19.10.2011)

  • Die Vorarbeiten zur Errichtung des Reha-Zentrums auf der Baumgartner Höhe sind bereits im Gange. Die geplanten Wohnungen südlich davon möchten Bürgerinitiativen allerdings verhindern.
    foto: standard/fischer

    Die Vorarbeiten zur Errichtung des Reha-Zentrums auf der Baumgartner Höhe sind bereits im Gange. Die geplanten Wohnungen südlich davon möchten Bürgerinitiativen allerdings verhindern.

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