Von der Kooperation zur Kollektiventwicklung

18. Oktober 2011, 18:51
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Forschungskooperative ACR plädiert für Wissenstransfer im Verbund und vergibt Auszeichnungen

"Wollen wir zum Innovation Leader vorrücken, werden wir es ohne Zutun der kleinen und mittelständischen Unternehmen nicht schaffen", betonte Martin Leitl, Präsident der Austrian Cooperative Research (ACR), anlässlich der Verleihung der ACR-Kooperationspreise 2011 vergangenen Montag. Allerdings räumte Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner bei dieser Gelegenheit ein, dass derzeit wieder "Erosionstendenzen" bei der Wettbewerbsfähigkeit heimischer Unternehmen zu erkennen seien. Als Indikator dafür nannte er etwa das Zurückfallen Österreichs vom 14. auf den 18. Platz im World Competitiveness Yearbook 2011.

Als erweiterte Umsetzung der Forschungs-, Technologie- und Innovationsstrategie des Bundes werden deshalb Wege vorgeschlagen, die künftig tiefergreifende Strukturveränderungen beschreiten. So kommen zwar im Rahmen des ACR-Netzwerks bereits 77 Prozent aller Forschungsaufträge an die Partnerinstitute von KMUs. Aber anstelle von punktuellen Kooperationen werde hier die "kollektive Forschung" immer sinnvoller und teilweise auch finanziell notwendig.

Das bedeutet, insbesondere KMUs derselben Branche sollen externes Know-how aus der Forschung gemeinsam einkaufen, sich einer gemeinsamen Infrastruktur bedienen und gewonnenes Wissen letztlich ebenso im Verbund nutzen. Solche Formen der kollektiven Akquirierung von Forschungs- und Entwicklungsleistungen mitsamt gemeinsamer Gerätebenutzung führt die ACR gerade als Pilotversuch ein.

Dass die bilaterale Zusammenarbeit zwischen einem Unternehmen und einem der 17 ACR-Institute dadurch nicht obsolet geworden ist, zeigte die Verleihung der Kooperationspreise. So konnte das Grazer KMU Bionic Surface Technologies wohl nur deshalb eine neue Hightechfolie entwickeln, weil das Zentrum für Elektronenmikroskopie manche Dinge klarer sieht. Etwa die Haut eines Haifisches, die als bionische Inspiration für ein Material diente, mit dem der Reibungswiderstand von Oberflächen drastisch reduziert wird.

Der ACR-Woman-Award wird auch nicht so schnell überflüssig werden, meinte die Preisträgerin Jördis Rosc. Als Geophysikerin am Österreichischen Gießereiinstitut sei sie zwar eher in weiblicher Gesellschaft als Kolleginnen anderswo (30 Prozent Frauenanteil in ACR-Instituten, rund 21 Prozent in der gesamten heimischen Forschung), aber eben noch Teil einer Minderheit. Schon jetzt mehrheitsfähig ist dagegen ihr Verdienst, erstmals die Computertomografie zur Fehlersuche bei Gussteilen eingesetzt zu haben. (saum/DER STANDARD, Printausgabe, 19.10.2011)

  • Jördis Rosc untersucht Gussteile im Computertomografen.
    foto: arc

    Jördis Rosc untersucht Gussteile im Computertomografen.

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