ÖVP-Sicherheitspaket

Schärfere Drohungen gegen Missbrauchstäter

18. Oktober 2011, 18:31

Die ÖVP ein Sicherheitspaket geschnürt, das im Windschatten des allseits verlangten Kinderschutzes das Strafrecht verschärfen und den Schadenersatz erweitern soll

Wien - Ministerin Beatrix Karl (ÖVP) ist eine präzise denkende Juristin: Nach drei Jahren kann man im Zivilrecht seinen Schadenersatzanspruch gegen Privatpersonen nicht mehr gerichtlich einklagen, bei Ansprüchen gegen öffentliche Einrichtungen (wie Kinderheime und deren Rechtsträger) beträgt die Verjährungsfrist zehn Jahre, was allerdings nicht heißt, dass der Anspruch nicht weiter bestünde: Wenn also Kinder vor Jahrzehnten Schaden in einem Heim der Stadt Wien erlitten haben, sollten sie entschädigt werden, auch wenn ihnen kein Gericht dazu verhelfen kann, den Anspruch durchzusetzen.

Für künftige Fälle, die sich niemand wünscht, soll das Gesetz geändert werden: Eine Reform des Schadenersatzrechts ist bereits in Arbeit - längere Fristen für gerichtliche Durchsetzung von Ansprüchen (nicht nur gegen Kinderschänder) gehören dazu. Was das Strafrecht betrifft, bleibt Karl bei ihrem Nein zu einer weiteren Ausweitung der Verjährungsfristen.

Letzte Änderung 2010

Diese wurden nämlich erst im Jänner 2010 geändert. Demnach ist bei vergewaltigten minderjährigen Opfern eine Verjährung bis zur Vollendung ihres 28. Lebensjahres zunächst kein Thema. Bei Erreichen dieser Altersgrenze haben sie dann zehn Jahre, in besonders gravierenden Fällen sogar 20 Jahre Zeit, um gegen den Täter mittels einer Anzeige strafrechtlich vorzugehen und diesen vor Gericht zu bringen. Damit ist Österreich schon jetzt Vorreiter und zehn Jahre über Deutschland, Frankreich und anderen Ländern.

Konkret gegen Kinderschänder richten sich andere Gesetzesänderungen, die die ÖVP noch in diesem Herbst durchs Parlament bringen will: Vizekanzler und ÖVP-Chef Michael Spindelegger hat von seinen Ministerinnen Karl (Justiz) und Johanna Mikl-Leitner (Inneres) eine "Kinderschutzstrategie" ausarbeiten lassen - mit dem klaren Ziel, die Strafrahmen zu erhöhen.

Meldung bei "Opferschutzzentrum"

"Strafen haben abschreckenden Charakter" , ist Karl überzeugt: Wo Kindesmisshandlung bereits mit Mindeststrafen bedroht ist, sollten diese erhöht werden, wo es keine Mindeststrafen gibt, sollten diese geschaffen werden. Wo derzeit Geldstrafen verhängt werden können, soll es künftig Freiheitsstrafen geben.

Und es werden neue Delikte erfunden: Schon Grooming, das Anbahnen von sexuellen Kontakten - etwa über das Internet -, soll mit Strafe bedroht werden. Wer mit Minderjährigen solchen Kontakt aufnimmt, soll für zwei Jahre hinter Gitter.

Zudem will Spindelegger möglichem Kindesmissbrauch auch dadurch auf die Schliche kommen, dass verdächtige Beobachtungen einem "Opferschutzzentrum" gemeldet werden können, das dem Verdacht dann nachgehen muss.

Das ÖVP-Sicherheitspaket enthält auch Maßnahmen gegen Cyberkriminalität (so sollen Polizisten Kinder über Gefahren im Internet aufklären), gegen Drogenmissbrauch (jugendliche Ersttäter sollen schneller per Haaranalyse untersucht und behandelt werden) und gegen Eigentumsdelikte. Eigentumsschutz hat für die ÖVP oberste Priorität - und Strafdrohungen würden auch Einbrecher abschrecken. Dem BZÖ geht das von der ÖVP präsentierte Sicherheitspaket nicht weit genug: BZÖ-Bündnisobmann Josef Bucher forderte, dass Sexualstraftäter nicht bedingt entlassen werden dürften - und wer einen Missbrauchsverdacht hat, der soll auch verpflichtet werden, diesen anzuzeigen. (cs, DER STANDARD; Printausgabe, 19.10.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 72
1 2
rrrn
 
10
25.10.2011, 07:03
vergessene Opfer

Wer tut etwas fuer die Opfer der Burschenschaften?: dort heisst es "Heil Dir, alter Herr" und "Wir wollen unseren alten Kaiser Friedrich wieder haben" und werden die grauslichsten Lieder gesungen und ... .
Im Herbst 2008 wurde Martin Graf (FPOe) zum 3. Nationalrats-praesidenten gewaehlt.
Er gehoert der Burschenschaft Olympia an, die Kontakte zu Rechtsextremen hat.
Burschenschaften durchbrechen das Gewaltmonopol des Staates, diskriminieren, verfuehren zu Alkoholexzessen (mit Coabhaengigkeiten), beschleunigen mit ihrer Fechterei die Ausbreitung von Aids ...

Johannes St.
 
30
20.10.2011, 22:35

Dem BZÖ geht das von der ÖVP präsentierte Sicherheitspaket nicht weit genug: BZÖ-Bündnisobmann Josef Bucher forderte, dass Sexualstraftäter nicht bedingt entlassen werden dürften

BRAVO - endlich EIN Schritt in die richtige Richtung, jetzt muss man nur noch dafür sorgen, dass die Personen, die Missbrauch auch zugeben erst einmal verurteilt werden....

und auch dafür gesorgt werden, dass diese KEINEN UNKONTROLLIERTEN ZUGANG zu Kindern mehr haben.

LCD
02
22.10.2011, 13:37

Bucher denkt wohl nicht nach, was für ihn ja nichts aussergewöhnliches sein dürfte. Wo bleibt denn der Anreiz für Täter eine Therapie zu machen, wenn sie nicht bedingt entlassen werden dürfen? Wenn sie dann rauskommen, önnten sie wieder Kinder anfallen.

Johannes St.
 
40
23.10.2011, 07:59
ja genau, immer schön an die Täter denken

wo bleibt der Opferschutz???????????
die haben eine Therapie nach solchen Vorfällen viel nötiger und können sie dann aus eigener Tasche zahlen...........

der fehlt bei Ihrem Kommentar genauso wie bei den Kommentaren der Politiker!!!!!!!!!!!!!!

LCD
01
24.10.2011, 13:06

Opferschutz gibt es ohnehin, und ich bezweifele dass einer von Tätern oder Opfern Therapie nötiger hat. Beide benötigen Therapie.
Aus eigener Tasche zahlen? Wo haben Sie denn den Unsinn her? Saskijans Weblog? Alles was da ausserhalb von Copy&Paste Zeitungsartikeln steht, ist von ihr erlogen worden.

Johannes St.
 
20
26.10.2011, 07:08
natürlich benötigen beide Gruppen Therapie

aber der Täter bekommt sie tatsächlich - außer er verweigert sie

und die Opfer werden im Regen stehen gelassen; denen zahlt keiner die vollen Kosten....

LCD
00
28.10.2011, 16:12

Tut mir Leid wenn ich ihre heile Welt zerstöre, aber Täter bekommen die Therapie manchmal nicht genehmigt selbst wenn sie es wollen (z.B. KiPo Konsumenten), aber Opfer bekommen eine Therapie immer.

Johannes St.
 
20
28.10.2011, 23:06
im Knast zahlen die ganz sicher nix dafür

und am Beginn des Threads habe ich folgendes zitiert:

dass Sexualstraftäter nicht bedingt entlassen werden dürften

LCD
00
30.10.2011, 18:45

Von den Gehältern die sie für ihre Knastarbeit bekommen, wird 90% dem Gefängnis zufallen, also zahlen sie sehr wohl für die Therapie.
Wieso nehmen Sie an dass ich was anderes als Knastinsassen meine?

Johannes St.
 
00
31.10.2011, 21:39
das was die Knastbrüder erarbeiten deckt wohl kaum auch nur annähernd die Kosten für die Unterbringung

die deshalb anfällt, weil die Typen straffällig wurden....

JosefGott
01
23.10.2011, 22:12
Ich gebe ihm absolut recht,

denn mit der Therapie des Täters werden weitere Opfer vermieden. Ihnen ist es anscheinend nicht so wichtig ob es mehr Opfer gibt, hauptsache der Täter wird bestraft.

Johannes St.
 
20
26.10.2011, 07:10
ich bin keineswegs gegen die Therapie von Tätern - wo hätte ich das geschrieben?

mir geht es aber um den nahezu fehlenden Opferschutz

infrognito
04
23.10.2011, 15:50
Weder Täter, noch Opfer

...sind im Blickfeld der Gesetzgeber, sondern einzig dem Volk Sicherheit und sinnvolles Arbeiten der Politik vorzugaukeln, um von den eigentlichen Problemen abzulenken. Die Kriminalität ist seit vielen Jahren rückläufig (siehe Kriminalstatistiken), aber trotzdem muß ständig was verschärft werden, um die steigende Kriminalität in den Griff zu bekommen.

Ist das Volk aufgebracht, hängen wir einen Barbaren und schon herrscht wieder Feierstimmung.

Saskijan
40
19.10.2011, 19:47
Das sind keine Abschreckungen...

Was hier erzählt wird sind Floskeln die wir schon die letzten Jahrzehnte immer wieder hören!
Was hält die Justizministerin zurück Mindeststrafen für alle Sexverbrecher einzuführen? Mindeststrafen ab 5 Jahre für Exhibitionisten, „Grabscher“ , Kinderschänder –Ring- Beteiligte. Liegt ein Tatbeweis vor wo Babys und Kleinkinder sowie Kinder sexuell misshandelt sadistisch gequält werden mit Gegenständen bearbeitet werden der Strafrahmen von 10 bis 15 Jahre heißen müsste!
Und ganz schwere Sexverbrechen an Kindern mit Todesdrohungen und bestialischen Sexpraktiken die dann Darm- Vagina einrisse zur Folge hatten, dass die Kinder genäht werden mussten und auf Jahre andauernde Sexuelle Gewalt müsste wie Mord 15 bis 25 Jahre heißen!

LCD
02
20.10.2011, 23:38

Ich habe in ihrem Blog gelesen. Sie armes PISA-Opfer!, Sie tun mir echt leid.

Erwin Wolfram
01
19.10.2011, 16:06
...

links oben die bekanntesten Taeter in Oesterreich... fordern Strafen fuer die eigenen Verfehlungen, weil sie sie auszubauen wuenschen (wir nennen das im Strafrecht Gestaendnis)...

Niemand & Keiner
02
19.10.2011, 14:30

Zusätzlich wäre ein erhötes Strafmaß und höhere Schadenersatzforderungen für falsche Anschuldigungen nötig, um den wachsenden Mißbrauch der
Mißbrauchsgesetze einzudämmen!

rollie63
00
19.10.2011, 11:12

das foto ist genial.

sir osis of liver
 
02
19.10.2011, 12:02

weils alle drei gleich blöd aus der wäsch schauen!

Vorsicht beim Tippen,
00
20.10.2011, 08:30
genial ?

ich finde brechreiz auslösend.

hollaro jojojo
02
19.10.2011, 10:59
Kinderschutzstrategie

Das wesentliche wird wieder mal ausgeklammert - weils halt auch nicht ins bürgerlich zuammengezimmerte Weltbild passt:
Die meisten Verbrechen - insbesonde Gewalt und Sexualdelikte - finden innerhalb der Familie statt.

Da setzt die Kinderschutzstrategie aber überhaupt nicht an.

chelene chirsch
01
19.10.2011, 11:54
die politik schafft das schon !

die familie wird eh immer mehr zum lifestyle-attribut, auch die politik mag die "keimzelle der demokratie" immer weniger.

die "familie" ist, wenns nicht grad um alimente oder sonstige zahlungen geht, politisch ein totales auslaufmodell. damit müssten ja alle probleme gelöst sein...

Stuhl im Orbit
02
19.10.2011, 10:10
Das "Drohung"...

...in der Überschrift versteh ich nicht.
Im Text kommt's nicht vor.
"Schärfere Strafandrohung" oder so könnt' ich mir vorstellen.
Obwohl schärfere Strafen - genau bei Missbrauchstätern - genau nix nutzen. Das sind Triebtäter, die kannst nur wegsperren, wenn sie schon mal triebgetätert haben. Und um nicht rückfällig werden zu können, lebenslang.
Volker Pispers (sinngemäß): "...und wenn dann wieder was passiert, fordert man wieder schärfere Bestrafung.
Aber länger als "immer" kennen nicht mal die Katholiken...")
Also: Prävention wäre angesagt, nur wie?
lg
Stuhl

Hannes31
10
19.10.2011, 09:52

Und wie lange mussten die drei Personen vor dem Spiegel gemeinsam mit ihrem PR-Coach traininieren, um solche Mienen aufzusetzen bei der Pressekonferenz?

exile in mainstream
11
19.10.2011, 09:21

gilt das auch für die machtmissbrauchstäterInnen im innenministerium?

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