Denn der Sport ist ein Spiegel

18. Oktober 2011, 18:39
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Die zuständigen Minister propagieren eine Initiative zur Förderung von Frauen im Sport. Studium einschlägiger Statistiken lässt einen weiten Weg bis hin zur Chancengleichheit vermuten

Wien - Der Sport funktioniert wenig überraschend auch in puncto Geschlechtergleichstellung als Abbild und Mikrokosmos der Gesellschaft. Wie exakt, belegen vom Sportministerium erhobene Zahlen, die am Dienstag von Ressortleiter Norbert Darabos (SP) und dessen Parteikollegin und Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek präsentiert wurden. Demnach betreiben zwar Frauen laut Darabos "ebenso gut und gerne Sport", die einschlägigen Führungsfunktionen in Österreich seinen aber insgesamt zu 86 Prozent von Männern besetzt.

Im Vorstand des Österreichischen Olympischen Comites (ÖOC), das 2008 bei den Sommerspielen in Peking zwei seiner drei Medaillen Frauen (jeweils Bronze für Schwimmerin Mirna Jukic und Kanutin Violetta Oblinger-Peters) verdankte, steht eine Frau 13 Männern gegenüber. Elisabeth Max-Theurer ist auch eine von nur drei Fachverbandspräsidentinnen. Die Chefin des Pferdesportverbandes sowie Evelin Dworak (Tauchsport) und Trudy Medwed (Bogenschießen) trotzen 57 präsidierenden Männern. 17 der 60 Fachverbände haben genau keine Frau im Vorstand, dafür sind 95 Prozent ihrer Trainer Männer. Das 22-köpfige Präsidium der Bundessport-Organisation (BSO) schmücken zwei Frauen, Astrid Stadler (Vizepräsidentin Sportunion) und, allerdings nur in beratender Funktion, BSO-Generalsekretärin Barbara Spindler. Es verwundert wenig, dass in dieser Konstellation auch die Mittelverteilung reichlich unausgewogen ist. Rund 70 Prozent der Sportförderung komme Männern zugute, sagt Heinisch-Hosek.

Da nehmen sich jene 750.000 Euro, die das zuständige Staatssekretariat bzw. danach Ministerium über den Verein WoGoS (Women Go Sport) seit 2006 in die Förderung von Frauenprojekten steckte, bescheiden aus. Der WoGoS ersetzende Verein 100% Sport unter Vorsitz der ehemaligen EU-Abgeordneten Christa Prets (SP) betreut Projekte in eher männerdominierten Sportarten und soll zusätzliche Initiativen auf den Weg bringen.

Darabos verspricht, für einen Passus im neuen Sportförderungsgesetz einzutreten, wonach Projekte mit höherem Frauenanteil auch entsprechend höher gefördert werden sollen. Der Minister wünscht sich allerdings im Interesse zählbarer Ergebnisse auch die Konzentration auf olympische Sportarten. Erst am Montag war es ihm ein Vergnügen, den Spatenstich für das neue Ruderzentrum auf der Donauinsel zu setzen, das auch dem Kanusport zugute kommt. Im dem hat Österreich schließlich mit den Weltmeisterinnen Corinna Kuhnle (Wildwasser) und Yvonne Schuring/Viktoria Schwarz (Flachwasser) echte Olympia-Hoffnungen. Das einzige laufende, dem Ministerwunsch entsprechende 100%-Sport-Projekt betrifft die Skispringerinnen, die 2014 in Sotschi ihr olympisches Debüt geben werden.

Heinisch-Hosek hält dem Erfolgsargument entgegen, dass bei den Winterspielen in Vancouver das Versagen der männlichen österreichischen Skifahrt (keine Medaille) ein weit größeres Thema als die Erfolge der ÖSV-Frauen (vier Medaillen inklusive Gold im Super-G durch Andrea Fischbacher) gewesen sei. Es sei also das gesellschaftliche Bewusstsein zu ändern. Das, so Darabos, ließe sich auch durch noch so hohe Förderung sportlicher Frauen nicht gänzlich ausblenden. (DER STANDARD-Printausgabe, 19.10. 2011)

  • Fußballer Christian Fuchs und Fußballerin Heike Manhart halten eine Balance, die keinesfalls der Realität entspricht.
    foto: 100sport

    Fußballer Christian Fuchs und Fußballerin Heike Manhart halten eine Balance, die keinesfalls der Realität entspricht.

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