Wilhelminenberg

"Das waren eindeutig Kindergefängnisse"

18. Oktober 2011, 18:16
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    foto: ronald zak/ap/dapd

    Das Heim am Wilhelminenberg war kein Sonderfall, sagt eine ehemalige SPÖ-Politikerin. In vielen anderen Heimen waren die Zustände ähnlich.

Menschenunwürdige Zustände in städtischen Heimen waren schon in den 1970er-Jahren bekannt. Interessiert hat es wenige

Wien - Die Heime der Stadt Wien seien "totalitäre Institutionen", in denen ein "derartiges Ausmaß von Zerstörung der Individuen und von Inhumanität vorhanden" sei, dass man in 14 Fällen nur von "Kindergefängnissen" sprechen könne: Das steht in dem Bericht "Verwaltete Kinder" der ehemaligen SPÖ-Nationalratsabgeordneten Irmtraut Karlsson - aus dem Jahr 1974.

"Die tägliche Gewalt und Demütigung hatten System und die Verantwortlichen sollen nicht so tun, als ob sie das nicht gewusst hätten", sagt Karlsson heute. "Es war alles bekannt. Es hat nur niemanden interessiert." Zwar wurde nach der Heimenquete 1971 beschlossen, die Großheime zu schließen - "das hat aber elendslang gedauert", sagt Karlsson. Erst im Jahr 2000 war dieser Prozess abgeschlossen.

Bericht zensuriert

1972 begann Karlsson mit ihrer Untersuchung. Zwei Jahre lang besuchte sie gemeinsam mit Studenten 34 Heime, in denen etwa 3000 Kinder von der Stadt Wien untergebracht waren. Ihre Ergebnisse durfte sie zwar 1974 veröffentlichen - allerdings nur zensuriert. Statt die Heime beim Namen zu nennen, durfte sie nur Kennnummern in die Texte schreiben.

"Der Wilhelminenberg war kein Sonderfall. Zwei Drittel der Anstalten waren geschlossene Anstalten, 14 eindeutig Kindergefängnisse", sagt Karlsson. Je nach Heim durften die Kinder nur zu bestimmten Zeiten aufs Klo gehen, sie mussten schweigend essen oder jedesmal aufspringen, wenn ein Erzieher den Raum betrat.

Manche Anstaltsleiter, etwa im berüchtigten Bubenheim Eggenburg, gaben zu, das Capo-System zu tolerieren, bei dem jüngere Kinder von Älteren misshandelt wurden. Schläge und sexueller Missbrauch durch andere Bewohner seien in Eggenburg verbreitet gewesen. "Das war ein sogenanntes Endstationheim, in das Kinder kamen, die in anderen Heimen hinausgeflogen waren."

Private Heime schlimmer

Die privaten Heime seien teilweise noch schlimmer gewesen als die städtischen, sagt Karlsson. Die Stadt habe Kinder dort untergebracht, weil das für sie günstiger gekommen sei. Im privaten Heim Altenberg in Niederösterreich sei sie selbst Zeugin sexueller Belästigung eines achtjährigen Mädchens durch den Anstaltsleiter geworden. Konsequenzen hatte das kaum.

Die Stadt schickte in der Folge zwar keine Kinder mehr dorthin - geschlossen wurde das Heim aber erst 1980. Karlsson wurde von der MA 11 nach ihrer Meldung daran erinnert, dass sie dem Amtsgeheimnis unterliege.

Systematische Massenvergewaltigungen, wie sie derzeit zwei ehemalige Bewohnerinnen des Heims am Wilhelminenberg behaupten, kann aber auch sie sich nicht vorstellen.

Möglicherweise auch Todesopfer

Der Anwalt zweier mutmaßlicher Opfer präsentierte am Dienstag bei einer Pressekonferenz weitere Vorwürfe gegen das Heim. In den späten 1940er und frühen 1950er-Jahren soll dort eine Mitarbeiterin ein Kind so misshandelt haben, dass es an den Folgen starb. Außerdem gebe es Indizien, dass es zu weiteren Todesfällen gekommen sei.

Laut Kurier behauptet ein ehemaliger Zögling, eine Lehrerin habe ein Kind ihrer Klasse am Wilhelminenberg zu Tode getreten. Die heute 69-jährige Heimbewohnerin soll auch von Vergewaltigungen in dem Heim berichtet haben.

"Uns ist ein Fall bekannt, der in Frage kommt", sagt Josef Hiebl vom Jugendamt. Das Amt habe die Akten bereits im Sommer 2010 an die Staatsanwaltschaft Wien weitergeleitet. Das Verfahren wurde allerdings nach zwei Wochen eingestellt, weil die Vorwürfe verjährt waren. Die Zeugin der angeblichen Misshandlung mit Todesfolge, eben die 69-jährige Frau, erhielt 35.000 Euro von der Opferschutzeinrichtung Weißer Ring, die Entschädigungen im Auftrag der Stadt Wien abwickelt.

Wiedergutmachung erhalten

Auch Öhlböcks beide Klientinnen haben vom Weißen Ring Wiedergutmachungen über je 35.000 Euro erhalten. Der Anwalt sieht das als Eingeständnis der Stadt, dass die beiden viel Schlimmeres erleiden mussten als andere Opfer - die Obergrenze für Entschädigungen liegt sonst bei 25.000 Euro, mehr wird nur in Ausnahmefällen gezahlt. Für Öhlböck ist allerdings auch das zu wenig: Er verlangt eine deutlich höhere Summe, Zahlen nannte er nicht.

Nach der Berichterstattung über die Fälle melden sich immer mehr ehemalige Bewohner von Wiener Kinderheimen beim Weißen Ring und anderen Opferschutzstellen. "Kaum legen wir auf, läuten unsere Telefone schon wieder", sagt Erika Bettstein, Sprecherin des Weißen Rings. Mittlerweile hätten sich mindestens 400 Opfer von Misshandlungen gemeldet. Die Meldefrist für Opfer von Misshandlungen und Missbrauch in städtischen Heimen wurde bis Ende Oktober verlängert. (Tobias Müller, DER STANDARD-Printausgabe, 19.10.2011)

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Johannes St.
 
03
20.10.2011, 22:37

im Jahr 1974 schon festgestellt
37 Jahre lang wurden die Peiniger nicht zur Verantwortung gezogen, obwohl vieles bekannt war

jeder weitere Kommentar erübrigt sich

und von wegen PRIVATE Kinderheime.
ganz so weit weg vom roten Wien waren die gar nicht, wie eine kleine Suche ergibt:

http://www.spoe.at/page.php?P=101538
das Heim, in dem der Heimleiter angeblich sogar vor Karlson Kinder sexuell belästigte wurde von einem SPÖ-Ableger geführt.

Occam
04
19.10.2011, 19:02
Ja damals!

In den 60er Jahren war es für uns Jugendlichen klar, was in Kinderheimen abging (außer sex. Mißbrauch)- es war Allgemeinwissen. Auch wurde manchen gesagt: wenn Du net spurst, kommst ins Heim! Man war noch nicht so sensibilisiert. Rauh, aber herzlos.

Freigeistin1
16
19.10.2011, 18:18
Heute morgen im Radio

Der Genosse Stadtrat - Oxonitsch macht wie bei Genossen üblich in bewährter Weise den Wendehals. Auf die Frage des Redakteurs, wie es den die "Sozialdemokratie"!! damit halte, daß sich das alles im Genossenheim abgespielt hat, sagte er - "Man dürfe nicht vergessen, zur damaliegen zeit galten noch die (bösen) Nazi Erziehungsmethoden. Erst die vereinten Genossen haben das verändert." Eh kloar. Die Nazikeule. Wenn dem auch so wäre, so vergisst der Genosse gefliessentlich, daß hundertausende Genossen begeistert mit dem Hitlergruss beim Einmarsch der Deutschen Armee am Straßenrand und am Heldenplatz standen und skandierten.Und vor allem - die ErzieherInnen waren allesamt Sozialisten, also offenbar auch Nazis laut Oxonitsch.

Poldi I
10
22.10.2011, 22:05
Aber geh, Nazis hats in Wien keine gegebn

und am Heldenplatz war auch keiner obwohl der Platz rappelvoll war. Genauso wie heute aufeinmal keiner bei der EU-Abstimmung gewesen sein will. Woher kommen dann die 665 Pro-Stimmen.

aleph null
00
20.10.2011, 02:29
"Erst die vereinten Genossen haben das verändert"

Damit hat er aber nicht ganz unrecht. Damals hatten Erziehungsberechtigte das Recht, Kinder zu schlagen. Dieses Gesetz wurde bis zur völligen Abschaffung erst unter der sozialisten Regierung demontiert.

Freigeistin1
03
20.10.2011, 09:45

Zwischen "schlagen" (zb Ohrfeige - nicht dass das gut wäre) und derartigen Missbräuchen (Massenvergewaltigungen ect.) liegen aber WELTEN!

aleph null
12
20.10.2011, 17:02
Auch wenn es Ihnen nicht recht ist:

diese Zustände haben die Roten abgeschafft.

Die Schwarzen hätten auch die Möglichkeit dazu gehabt, die Regierungen unter Raab, Gorbach oder Klaus haben aber keinen Finger gerührt.

Pfuideifi
00
19.10.2011, 17:20
Wenn ich an die Täter denke,

fällt mir ein irischer Spruch ein:

"May you be in heaven a half-hour before the devil knows you're dead."

susi strolcher
43
19.10.2011, 15:35
fünf tatsachen, um dieses unselige partei politische hick hack zu beenden

-diese zustände in den heimen gab es bereits in ganz österreich seit langem.

-während der regierungszeit und aufgrund der familienrechtsreform der spö wurden diese zustände abgeschafft.

-die konservativen kräfte waren gegen diese reformen.

-die spö hat bei der strafrechtlichen verfolgung der täterInnen keinen großen eifer gezeigt.

-der erste blaue justizminister seit langem hat versucht, die arbeit der reformer am jugendgericht wieder rückgängig zu machen und hat die dort aufgebauten modernen strukturen zerschlagen.

ich finde ja den punkt 2 am relevantesten, aber da hat wohl jeder andere prioritäten.

Radlerwahn68
47
19.10.2011, 14:36

schlimm genug, daß diese dinge passieren, aber daß jetzt in diesem forum parteipolitik gemacht wird schreit zum himmel!schalten sie ihr herz ein und das hirn wieder auf normalfunktion.egal ob kinderheim der kirche oder stadt wien, in beiden fanden unglaubliche dinge statt. der ideale ort für sadisten und geistige tiefflieger die ihre sozialen defizite mit gewalt gegen schwächere kompensieren!da jetzt den politischen parteien eine schuld zuzusprechen, wie "der bürgermeister muß sofort zurücktretten"usw. sind absolut hirnlos!

Alfred Zopf
04
19.10.2011, 16:05

Wenn ich ihren Argument folge, gibt es keine politische Verantwortung im Jugendwohlfahrtsbereich, warum bestimmen dann die Länder durch Jugendwohlfahrtsgesetze diese Materie ??

Zukunftsoptimist1
08
19.10.2011, 14:17
Die Verlogenheit kennt keine Grenzen.

Und es gehört zum sattsam bekannten Repertoire des Kindesmissbrauchs, haltet den Dieb zu rufen und den Ermordeten für schuldig zu erklären. Dabei ist das, was nach Jahren des Schweigens und Vertuschens doch irgendwo durchdringt, weil es Mutige gibt, die dazu nicht schweigen können, nur die Spitze des Eisbergs, der sich durch alle Institutionen und Gesellschaftsschichten zieht. Jeder, der an Vertuschungen beteiligt ist, macht sich verdächtig, so wie im Fall Dutroux einem weitläufigen Pornoring anzugehören. Statt mit Verjährungen die Sache abzutun, sollten die einstigen Täter beobachtet und ihre Verbindungen, ihr Umfeld untersucht werden. Bevor wie im Fall Dutrous Massenmorde dazu zwingen.

die Großmutter
01
19.10.2011, 15:43

Ich hätte gedacht sie wäre in so einem Fall zur Anzeige v e r p f l i c h t e t gewesen.

sir osis of liver
 
02
19.10.2011, 17:07

wenns ein offizialdelikt ist - was es meiner meinung nach ist - besteht für alle, die davon wissen, anzeigepflicht. da hat eine ganze hierarchie versagt.

Quasis Herr Karl
116
19.10.2011, 13:58
Frau Karlson wurde an das Amtsgeheimnis erinnert.

Bitte WANN und von WEM. Das schlägt ja jedem Fass den Boden aus !! Geht's noch verbrecherisches Gesindel?

Mad_Professor
01
19.10.2011, 14:52
Noja, Kindesmissbrauch ist in Österreich sicherlich eine streng amtliche Handlung^^

Quasis Herr Karl
12
19.10.2011, 15:24
Natürlich.

Natürlich nur zum Wohle der kleinen a-sozialen Nasenrammel. Hab das ganz vergessen :-)

sir osis of liver
 
14
19.10.2011, 14:20

das müssen Sie verstehen, werter Herr Karl - als belohnung gab es ein warmes sesserl im nationalrat.

Quasis Herr Karl
19
19.10.2011, 14:50
Ohne Frau K. in Schutz nehmen zu wollen, hoffe

das kommt jetzt nicht so an...sie war in diesem Zusammenhang ein kleines Licht, der Druck....und ebenso die Erpressungen sind von OBEN gekommen. Von wem. Diese Namen möchte ich lesen.

Alfred Zopf
30
19.10.2011, 16:33

Wollen sie Frau K. ein Parteiauschlussverfahren anhängen ?

Quasis Herr Karl
13
19.10.2011, 16:44
Wie kommen Sie auf diese unsinnige Idee.

Bin ich Richter, Moralist etc.? Auch ich habe rückblickend auf mein bisheriges Leben öfter das Maul gehalten als mir lieb wäre. Befreiend, dass mich deswegen niemand Jahrzehnte später verurteilt. Nur, heute nicht mehr. Seit zwei Jahren immer intensiver "nicht mehr".

Alfred Zopf
00
19.10.2011, 17:59

Dann akzeptieren sie, dass sie den Namen nicht lesen werden, das ist doch realpolitisch gesehen ganz klar !

Quasis Herr Karl
11
19.10.2011, 19:39
Realpolitisch

schon.

BezirksvorStenzl
03
19.10.2011, 14:17

es geht noch weiter,die streiten alles ab,ich hab jetzt öffentlich namen genannt.

F G
35
19.10.2011, 13:47

Was ist die höchste Steigerung von Eigennutz?
Gemeinnutz
Wo werden Kinder zu Tode gequält?
Kinderwohlfahrt
Wer ist besonders unsozial?
Sozialisten
Wer ist zutiefst verderbt und bösartig?
Christlich Soziale
Was ist das langsamste Verkehrsmittel der ÖBB?
Schnellbahn
Das hat Prizip

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