Katholiken basteln an neuer Partei

Gerhard Mumelter aus Rom , 18. Oktober 2011, 17:24

Mit Berlusconis Sturz könnte auch dessen Partei PdL auseinanderbrechen

Nach der Farbe ihrer Parteifahnen nannte man sie balena bianca, den weißen Wal. Ein halbes Jahrhundert lang dominierte die einst allmächtige Democrazia Cristiana die politische Kulisse Italiens. Dann versank sie zu Beginn der 1990er-Jahre ruhmlos im Morast des Korruptionssumpfes.

Jetzt, zwei Jahrzehnte nach mani pulite, könnte die Partei des siebenfachen Ministerpräsidenten Giulio Andreotti zu neuem Leben erwachen: Seit Monaten basteln umtriebige Katholiken im Mutterland der Kirche an einer neuen politischen Kraft. Im mittelalterlichen Franziskanerkloster der umbrischen Stadt Todi trafen sich am Wochenende 130 Vertreter katholischer Organisationen zu einem Forum über "Gute Politik für das Gemeinwohl". Der Präsident der Bischofskonferenz, Kardinal Angelo Bagnasco, erteilte der Versammlung hinter verschlossenen Türen seinen Segen. Unter den Verbänden mit insgesamt 16 Millionen Mitgliedern befinden sich einflussreiche Organisationen wie die Gewerkschaft CISL, der Bauernbund und der Handwerkerverband.

"Unzulängliche" Regierung

Von Parteigründung wollen sie (noch) nicht sprechen. "Wir wollen eine Verschiebung in der traditionellen Parteienlandschaft", erklärt der Vorsitzende der katholischen Arbeiterbewegung, Andrea Olivero. Im Klartext: Nach dem erwarteten Sturz der Regierung Berlusconi könnte dessen Partei PdL auseinanderbrechen. Der Popolo della Libertà gilt bloß als künstliches Konglomerat von Katholiken, Liberalen und Postfaschisten, das über kein Fußvolk verfügt. Berlusconis "unzulänglicher Regierung" erteilten die in Todi versammelten Katholiken eine deutliche Abfuhr. "Dass sie es nicht schafft, sieht jeder mit eigenen Augen", so Olivero.

Diese Überzeugung vertreten auch zwei prominente Christdemokraten in der PdL. Der ehemalige Innenminister Giuseppe Pisanu legt dem Premier seit Monaten den Rücktritt nahe. Auch Exindustrieminister Claudio Scajola tritt für Änderungen ein. Erster Schritt: die Einbeziehung der Christdemokraten von Pier Ferdinando Casini. Im Fernduell mit dem angeschlagenen Premier verfügt die katholische Front über einen entscheidenden Vorteil: Sie braucht nur abzuwarten. (Gerhard Mumelter/DER STANDARD Printausgabe, 19.10.2011)

Kommentar posten
16 Postings
gensfleischs_erbe
00
19.10.2011, 12:15
Berlusconi ohne Bunga-bunga

also nur noch kurrupt, ansonsten eher fad

gensfleischs_erbe
00
19.10.2011, 12:31

so ein Mist, jetzt habe ich doch glatt ein u mit einem o verwexelt, meinte natürlich Bonga-bonga

gensfleischs_erbe
00
19.10.2011, 12:31

so ein Mist, jetzt habe ich doch glatt ein u mit einem o verwexelt, meinte natürlich Bonga-bonga

Martin Müller10
 
03
19.10.2011, 11:28
Als Spitzenkandidatin bitte Ilona Staller ;-)

altbürgermeister
00
16.11.2011, 16:41

... oder Ruby Rubacuore!

wurm83
 
01
19.10.2011, 11:08
ja BITTE BITTE BITTE

in einer zeit der korruption kann es doch keine bessere partei geben als eine die aus einem verein entspringt der ncitheinmal daran interessiert ist die systematischen kinderschändungen in den eigenen reihen aufzuklären von konsequenzen red ich da noch nciht mal noch nie wurde ein kirchenmitglied wegen vergewaltigung oder ähnlichem exkommuniziert...obwohl alle wissen, dass dies mehr als nur einmal vorgekommen und auch innerhalb der kirche bekannt ist)

misfits74
 
02
19.10.2011, 09:07
TRENNUNG VON STAAT UND

SEKTEN IN EUROPA!

oblomow II
01
19.10.2011, 08:09
ich hätt schon einen namen dafür

K1

Christoph Karl Steininger
01
19.10.2011, 03:12
Eine Art

Rifondazione Christiana so zu sagen...

BernhardLouise
01
19.10.2011, 02:31
Export-Erfolg: Nun, da können ma den Schüssel endlich endgültig unterbringen. Bei er Nuovo DCI, nachdem er mit dem "Mach´s gut, lieber Silvio" kein Mascherl g´rissen hat.

Michaelis Sander
 
01
18.10.2011, 20:41
"Gute Politik für das Gemeinwohl"

ein toller name ist dann doch schon gefunden: die GPfdG. neue frische politische kraft aus alten greisen ist was das land braucht, insbesondere moderate.

chezgarando
03
18.10.2011, 18:28
ihr ...

auch noch die religion in die politik mit reinziehn

also obs nicht schon genug uneinigkeit gibt

ihr kerzerlschlucker werdets noch unser aller ende heraufbeschwören

Salz Burger
00
19.10.2011, 10:29

ich denke, das wird eher eine völlig chancenlose Partei, ähnlich den Christen in Österreich, die auch ab und zu mal kandidieren wollen.

raymond a
01
18.10.2011, 18:10
Tangentopoli

bevor man eine neue katholische Partei gründet, sollte man endlich einmal die Sünden der alten katholischen Partei aufarbeiten:

http://aron2201sperber.wordpress.com/2011/03/1... e-freunde/

Stichwort "Tangentopoli"

BPC
18
18.10.2011, 21:07

damit nicht genug. Das riecht danach, "cambiare tutto per non cambiare niente". Wie viele "katholische" Parteien sollen denn noch entstehen? Den Zustand Italiens hat vor allem die Katholische Kirche zu verantworten, denn sie hat in Form der DC, zu der sie eine Nibelungentreue besaß,das Land 50 Jahre regiert und Silvio auch lange unterstützt. Was Italien braucht, ist nicht eine weitere "katholische Partei", sondern eher das Gegenteil davon,einmal die Türe öffnen, damit der Saustall durchlüftet wird.Wir haben genug von den Ruinis und Co...

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