Wiener Unternehmen startet eine Studie mit 60 Patienten - Es ist die vierte Säule der Krebstherapie neben Operation, Bestrahlung und Chemo
Wien - Am Weg zu einer Immuntherapie gegen Krebs startet nun das Wiener Unternehmen Activartis Phase II einer Studie mit 60 Patienten.
Das bereits am Markt befindliche Konzept einer Krebstherapie mit Dendritischen Zellen wurde dabei nach Angaben von Geschäftsführer Thomas Felzmann um einen neuen Ansatz erweitert. Dabei wird das Immunsystem "scharf" gemacht, um die Tumorzellen zu erkennen und zu bekämpfen. Die Immuntherapie sei dabei als vierte Säule in der Krebsbehandlung neben Operation, Bestrahlung und Chemotherapie zu sehen, sagte Felzmann am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien.
Dendritische Zellen als "Waffe"
Das menschliche Immunsystem reagiere nur in seltenen Fällen auf Krebszellen, betonte Felzmann. Die Tumorzellen würden zwar Antigene tragen, doch würden diese im Gegensatz etwa zu einer bakteriellen Infektion nicht als Feind erkannt. Für die Immuntherapie wird bei der chirurgischen Entfernung des Tumors - in der aktuellen Studie konzentriert sich das Unternehmen auf den häufigsten Gehirntumor, das aggressive Glioblastom - Krebsgewebe entnommen. Diese Zellen tragen Tumor-Antigene, an denen sie vom Immunsystem als feindlich erkannt werden sollen.
Als "Waffe" gegen die Krebszellen dienen Dendritische Zellen, eine Art der Weißen Blutkörperchen, für deren Entdeckung heuer ein Teil des Medizin-Nobelpreises an den Kanadier Ralph Steinman vergeben wurde - eine Ehrung, die der Forscher nicht mehr erlebt hat. Diese Zellen sind zwar in allen Geweben vorhanden, können aber nur schwer gewonnen werden. Aus diesem Grund wird den Patienten Blut entnommen und daraus die Vorläuferzellen der Dendritischen Zellen, die sogenannten Monozyten isoliert. Sobald diese zu Dendritischen Zellen ausgereift sind, werden sie in Kontakt mit den patienteneigenen Tumor-Antigenen gebracht.
Zell-Motivation
Und hier wenden die Forscher einen Trick an, um die Immunzellen tatsächlich gegen den Tumor scharf zu machen. Sie geben Lipopolysaccharide dazu - ein Bestandteil der Zellmembran von Bakterien, der dem Immunsystem Gefahr signalisiert. Auf diese Art "scharf" gemacht sollen die Dendritischen Zellen dann im Körper des Patienten die "Killer T-Zellen" motivieren, die Krebszellen zu bekämpfen.
Laut Felzmann soll die Immuntherapie die bisherigen Krebs-Behandlungsformen "nicht ersetzen, sondern ergänzen". Ziel sei es, damit ein "Gleichgewicht zwischen dem Wachstum von Tumorzellen und deren Zerstörung durch das Immunsystem" aufzubauen" und den Krebs zu einer "chronischen Erkrankung" mit annähend normaler Lebenserwartung und guter Lebensqualität zu machen.
Herausforderung maßgeschneidertes Therapeutikum
Bisherige Studien mit dieser Art der Immuntherapie an Patienten hätten maximal leichte Nebenwirkungen gezeigt, sagte Felzmann. Schwierig sei es noch, für jeden Patienten ein maßgeschneidertes Therapeutikum herzustellen, was hohe Ansprüche an Logistik und Qualität stelle. Hier werde noch an Automatisierungslösungen gearbeitet.
Federführend wird die nun anlaufende Phase II-Studie von der Landesnervenklinik Wagner-Jauregg in Linz betreut, beteiligt sind u.a. die Medizin-Unis in Wien, Graz und Innsbruck. Das Unternehmen hofft, 2013 eine Phase III-Studie mit rund 300 Patienten starten zu können. (APA)