Gender Mainstreaming erreicht "Männerdomäne"

18. Oktober 2011, 13:20
26 Postings

Kaum Trainerinnen und Funktionärinnen, Preisgeldunterschiede eklatant: Heinisch-Hosek und Darabos stellen Initiative für Chancengleichheit von Frauen und Männern vor

Wien - Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek und Sportminister Norbert Darabos haben am Dienstag in Wien eine neue Initiative für Chancengleichheit von Frauen und Männern im Sport präsentiert. Beide SPÖ-PolitikerInnen sehen in diesem Bereich dringenden Handlungsbedarf. Der Verein "100% Sport" wird vom Sportministerium finanziert und soll durch Projekte gezielt Missstände beseitigen. Bisher wurden dafür 750.000 Euro aufgewendet.

Männerdominierter Sport

"Das Ungleichgewicht werden wir auch mit finanzieller Förderung nicht 100-prozentig ausgleichen können", gestand Darabos. "Der Sport ist männerdominiert. Chancengleichheit ist bei weitem noch nicht erreicht." Das untermauerte der Minister mit von seinem Ressort erhobenen Daten. Demnach seien in den heimischen Fachverbänden 95 Prozent der ganztags beschäftigten TrainerInnen und 88 Prozent der FunktionärInnen männlich. Nur drei von 60 Verbänden haben Präsidentinnen. 2010 haben Männer 70 Prozent der österreichischen Sportförderung erhalten, Frauen gerade einmal 30. In den Sportgremien sowie in den Sportorganisationen stünden 86 Prozent Männern nur 14 Prozent Frauen gegenüber.

Sportlerinnen für Medien weniger interessant

"Diese Zahlen sind ernüchternd", meinte Darabos. Ein ähnliches Bild zeige der Sportjournalismus, bei dem sich 90 Prozent aller Berichte auf männliche Sportler beziehen. "Wir haben die Daten, die die Ungleichstellung eindeutig belegen, akribisch herausgearbeitet", sagte der Sportminister. Dabei hätten etwa die ÖSV-Damen mit vier Goldmedaillen gegenüber null der Herren die Bilanz bei der vergangenen Ski-WM in Garmisch-Partenkirchen gerettet. "Frauen machen mindestens genauso gerne und genauso gut Sport wie Männer", betonte er.

"Es ist mehr als notwendig, dass wir hier den nächsten Schritt setzen", sagte Heinisch-Hosek. Frauen würden im Laufe ihrer Karriere immer die gleichen Erfahrungen machen: "Männer verdienen mehr als sie, und auch wenn sie ausgezeichnete Leistungen bringen, sitzen trotzdem die Männer an den Schalthebeln der Macht. Das gilt für die Frauen in der Wirtschaft und genauso für Frauen im Sport", so die Frauenministerin.

Deshalb werde derzeit im Parlament über ein neues Bundessportförderungsgesetz beraten. Außerdem sei mit dem Verein "100% Sport" ein neues Kompetenzzentrum für Chancengleichheit von Frauen und Männern geschaffen worden.

Preisgeldunterschiede eklatant

Die Initiative "100% Sport" ist in diesem Jahr unter Vorsitz der ehemaligen EU-Abgeordneten Christa Prets aus dem Verein "WoGoS" entstanden. Ziel ist es, Geschlechter-Gleichstellung in der Besetzung von Sportgremien, in der Medienrepräsentation und in der Förderung zu erreichen. Auch diese laufe laut Heinisch-Hosek zu 70 Prozent in den Männersport. "Wir sind auf einem Niveau, auf dem das Potenzial noch viel zu wenig ausgenutzt", meinte die Frauenministerin. Dazu sei der Unterschied bei den Preisgeldern eklatant.

"Es darf in Zukunft nicht mehr so sein, dass Frauen vorwiegend jene Positionen einnehmen, die mit Arbeit verbunden sind, wie Schriftführerin oder Organisatorin von Festen, von den Hebeln der Macht aber ausgeschlossen bleiben." In allen Fachgebieten gebe es nun Gender-Beauftragte, die Erfahrungen austauschen und mit dafür sorgen, dass Ungleichheiten beseitigt würden. "Wir sind auf dem richtigen Weg", sagte Heinisch-Hosek. 

Rhythmische Gymnastik "reines Frauenereignis"

Projekte hat "100% Sport" bereits in sieben eher männerdominierten Sportarten durchgeführt, um Frauen den Zugang zu erleichtern, darunter Radsport und Skispringen. Geehrt wurde im Wiener "Haus des Sports" das Frauen-Handball-U20-Nationalteam, das im August bei der EM in den Niederlanden Bronze geholt hatte. Darabos will zudem 2013 die EM in der Rhythmischen Gymnastik nach Wien holen. "Das ist ein reines Frauenereignis", erinnerte der Minister. (APA/red) 

  • Gender Mainstreaming erreicht den österreichischen Sport, der, wie Sportminister Darabos betont, männerdominiert sei.
    foto: logo www.100sport.at

    Gender Mainstreaming erreicht den österreichischen Sport, der, wie Sportminister Darabos betont, männerdominiert sei.

Share if you care.