Druck auf der Seele

Wirtschaftskrise macht Menschen seelisch krank

18. Oktober 2011, 13:21
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    Die Arbeitsleistung des einzelnen sei in der globalisierten Wirtschaft stark gestiegen, samt Termin- und Qualitätsdruck, sagt Wolfgang Dür.

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Zukunftsängste verursachen einen rapiden Anstieg psychischer Erkrankungen - Der Verband der Psychotherapeuten mahnt Vorsorge und Hilfsmaßnahmen ein

Wien - Die Wirtschaftskrise und damit verbundene Zukunftsängste verursachen einen Anstieg psychischer Erkrankungen, warnen Experten.

Vor allem Angehörige von Risikogruppen wie Armutsgefährdete, Arbeitslose, von Burn-out Betroffene und Jugendliche ohne Jobperspektive seien durch die neue, belastende Situation überfordert, sagte Christa Pölzlbauer, Vizepräsidentin des Österreichischen Bundesverbands für Psychotherapie (ÖBVP), am Dienstag bei einem Pressegespräch in Wien. Der ÖBVP fordert mehr betriebliche Gesundheitsförderung und Prävention sowie einen leichteren Zugang zu psychotherapeutischen Behandlungen.

46 Prozent im erwerbsfähigen Alter

900.000 Menschen in Österreich werden laut Daten des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger, die erstmals im Sommer veröffentlicht wurden, wegen seelischer Probleme behandelt. 46 Prozent dieser Patienten sind im erwerbsfähigen Alter. Die Anzahl der Krankenstände aufgrund psychischer Diagnosen habe sich in den zwei Beobachtungsjahren seit 2009 um 22 Prozent erhöht. Bei den Arbeitsausfällen wegen körperlicher Probleme gab es "nur" ein Plus von zehn Prozent.

840.000 Menschen werden mit Psychopharmaka behandelt, seit 2009 stieg die Zahl der Verschreibungen um 17 Prozent. Aber nur rund 65.000 Versicherte erhalten eine Psychotherapie, ein Versorgungsgrad von gerade einmal 0,8 Prozent. Pölzlbauer kritisierte das "Missverhältnis" zur Verschreibung von Psychopharmaka, deren steigender Einsatz zulasten der Therapie gehe.

"Außergewöhnlicher Anstieg"

Die Anzahl schwerer seelischer Erkrankungen mit stationären Aufenthalten sei kaum gewachsen, für den "außergewöhnlichen Anstieg" der Fälle insgesamt, so ÖBVP-Präsidentin Eva Mückstein, sei daher eine Zunahme leichterer Erkrankungen verantwortlich. Ins Bild passt, dass Arbeitslose viermal so häufig von psychisch bedingten Krankenständen betroffen sind, und dass 70 Prozent der Jugendlichen ihre Zukunft negativ einschätzen. Ein besonderes Risiko tragen offenbar Frauen: Zwei Drittel der Patienten, die Anti-Depressiva und Tranquilizer einnehmen, seien weiblich, so Mückstein.

Was macht der Seele so viel Druck? Schuld seien die veränderten Lebens- und Arbeitswelten, sagte der Sozialwissenschafter Wolfgang Dür, Direktor des Ludwig Boltzmann Institut für Health Promotion Research (Gesundheitsförderungsforschung, Anm.). Die Arbeitsleistung des einzelnen sei in der globalisierten Wirtschaft stark gestiegen, samt Termin- und Qualitätsdruck. Die erforderliche Flexibilität führe dazu, dass Beschäftigte ihren Arbeitsplatz als sehr unsicher empfinden.

Mehr investieren, als zurückbekommen

Zudem haben laut Dür immer mehr Menschen das Gefühl, sie müssten in ihren Job mehr investieren, als sie zurückbekommen. Da geht es um Wertschätzung und Karrierechancen, aber auch um die Bezahlung: "Die Hälfte der Bevölkerung hat Reallohneinbußen hinzunehmen gehabt in den vergangenen zehn Jahren." Und die hätten noch als "Boomjahre" gegolten.

Die Gehälter des untersten Einkommensviertels hätten in diesem Zeitraum im Schnitt zwölf Prozent an Kaufkraft verloren. Auch die mittleren Einkommen hätten nur eine Kaufkraftsteigerung von fünf Prozent erfahren, während das Bruttoinlandsprodukt um 16 Prozent gewachsen sei.

"Dienst nach Vorschrift

Das führe dazu, dass die Anzahl unmotivierter Mitarbeiter steige: Laut einer Gallup-Studie liegt der Anteil jener Arbeitnehmer, die nur mehr "Dienst nach Vorschrift" machen, bei 57 Prozent, etwa 15 Prozent seien bereits in die sogenannte innere Kündigung abgetaucht, sagte Dür.

Unbehandelt werden psychische Störungen chronisch. Der ÖBVP wünscht sich daher dringend Maßnahmen zur Vorsorge sowie eine flächendeckende Finanzierung von Therapien in Zusammenarbeit der Gesundheits-, Sozial- und Finanzressorts. (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 37
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Harry Y.
 
01
29.10.2011, 21:42
Daher: BEDINGUNGSLOSES GRUNDEINKOMMEN,

und keine 'bedingte Grundsicherung' !

NO MORE CUTS!

Sabine Werner
00
29.10.2011, 20:57

der druck wächst doch immer mehr - wer soll das ohne schäden noch aushalten? immer erreichbar sein, jede umsatzsteigerung - und sei sie noch so hoch und schwer erreichbar - ist mist und noch zuwenig.....
zusätzlich setzen sich die menschen selbst mit dem konsumwahn unter druck - wenn ich sehe was unsere nachbarn jeden samstag für mist zusammenkaufen - und jeder samstag wird perverserweise im einkaufszentrum verbracht - da kann man ja nur krank werden.
immerzu wird diese sch...ß konsumiererei propagiert, damit man nur ja nicht dazu kommt, einmal nachzudenken das man mist mit mist übertüncht.

Alexander Patjomkin
01
27.10.2011, 22:38
Das "bessere aller Gesellschaftssysteme" machen die Menschen total kaputt..

Es wird suggeriert, das Konsum ist das höchste aller Segen, psychologisch ist aber das ganze System eine Katastrophe. Von der Wiege bis zur Bahre haben die Menschen immer Grund besorgt zu sein, entweder wird ihnen etwas nicht gegeben, was sie möchten und wollten (vom Ausbildungsplatz hinauf..) oder wird von ihnen genommen, was sie einmal bereits erarbeitet haben (Ersparniss, Pension, Arbeitsplatz..). Die (Beschaffungs-)Kriminalität steigt dann ja auch automatisch.

springflower
11
20.10.2011, 15:03
Wenn man bedenkt, dass dieser irre Druck und Stress, dem

die Arbeitnehmer heutzutage ausgesetzt sind, gar nicht notwendig wäre, ist diese Zustandsbeschreibung ein Hohn. Wer setzt den gierigen Machthabern unserer Welt - Multis, Banken, korrupte Politiker - endlich wieder Grenzen? Die Welt gehört nicht den reichen 10 % - sie gehört allen, und die Arbeit und die Güter dieser Welt müssen endlich wieder gerecht und human verteilt werden!

Befreier von Butter und Eier
01
19.10.2011, 14:45

Kann aber auch sein, das wir uns selbst so viel Druck auferlegen. Wenn man natürlich jeden Werbeangebot folge leistet und sich immer mehr anschafft, braucht man auch eines Tages immer mehr und vor allem sicher Einnahmen. Ansonst krachts gehörig und dann hat man den Druck zumindest von der finanziellen Seite her und das macht sicher auch krank. Aber man kann ja auch einfach der Werbung nicht glauben und dann lebt es sich besser, wetten.

Fidefududincul
04
19.10.2011, 12:10
Das verstehe ich gut

In meinem Job freue ich mich auch nur noch auf die Weinflasche am Abend. Wenn ich mir die auch nicht mehr leisten kann, wird's schwierig...

die rote baronin
04
19.10.2011, 11:41
Die Medien sind da aber alles andere als unschuldig.

Zum einen gibt es zuhauf negaitve Berichterstattungen. Fakt ist, dass für viele Menschen der Lebensstandard noch nie so hoch war wie heute. Und auch negative Zukunftsaussichten betreffen bei weitem nicht alle Menschen. Getan wird aber immer so, als müsste jeder um seinen Wohlstand fürchten. Und selbst sehr, sehr gut verdienende Journalisten (nat. nicht nur die) tun dann gerne so, als ob auch sie den Grütel enger schnallen müssten. Zw. guter Information und Angstmache besteht ein Unterschied!
2. gibt es sehr, sehr viele Berichte, Sendungen, Werbungen, Serien usw. die vorgeben, was man besitzen muss und kann, wie man leben muss und kann, was man können muss usw. um durchschnittlich zu sein. Ist auch nicht gerade hilfreich.

obibiber
08
19.10.2011, 10:16

"900.000 Menschen in Österreich werden laut Daten des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger, die erstmals im Sommer veröffentlicht wurden, wegen seelischer Probleme behandelt. 46 Prozent dieser Patienten sind im erwerbsfähigen Alter."

...und noch immer wird versucht, das defizit am individuum festzustellen und dann fragwürdig zu 'reparieren' (psychotherapie, pyschopharmaka, usw.), anstatt festzustellen, dass neoliberaler kapitalismus zu diesen effekten führt...

NickKnarrkarton
00
21.10.2011, 00:50

"Reparieren" ist gut -psychotherapie und psychopharmaka sind dann sozusagen die Endstufe des Turbokapitalismus - Ausbeutung bis zur letzten Sekunde ohne jegliche Ursachenbekämpfung.

Clemens Schwarz
00
27.10.2011, 16:06
ich weiss nicht, wie ihre ausssage zu werten ist, wenn der ehepartner gestorben ist

oder, wenn ein kind unter den tritten und schlägen der eltern leidet.

NickKnarrkarton
00
30.10.2011, 00:25

Es wäre mir neu, daß ein Psychotherapeut einen Ehepartner wieder zum Leben erwecken könnte und entgegen psychotherapeutischer Seifenblasenmodelle ist nicht jeder automatisch traumatisiert, nur weil er eine schleche Erfahrung in der Kindheit gemacht hat. Man muß eher fragen, warum wir in einer Gesellschaft leben, wo sich Eltern nur mit Schlägen "helfen" können und nicht die Kinder pathologisieren. Denken sie mal darüber nach wieviel Leute schon den Tod eines Menschen allein überwunden haben oder wieviele Kinder es trotz schwieriger Kindheit in ein normales Leben geschafft haben.

Ancoron
00
24.11.2011, 22:42
...

Ihr Mitgefühl und ihr Verständnis hilft den Betroffenen sicher.

Harald Schoenknecht
00
19.10.2011, 12:02

Nicht fuer sich genommen... aber zusammen mit einem Zusammenbruch des "amerikanischen Traums", also das jeder - wenn er nur hart genug arbeitet - zu "denen da oben" gehoeren kann. Mit dieser Illusion haben Sie viel weniger Krankheitsfaelle...

PeAcE

obibiber
00
20.10.2011, 13:30

vermutlich hatten sie auch noch bei besserem funktionieren des american dream "jeder ist seines glückes schmied" dieselben krankheitsmuster. die aber weniger präsent waren, weil:
a.) sich der wohlfahrtsstaat doch mehr und mehr verabschiedet
b.) krankheiten als krankheiten deklariert wurden, die noch vor 30 jahren keine waren, was aber auf eine optimierung der beschreibung von menschen deutet, um diese eben fitter im funktionieren zu machen und im american dream nachlaufen zu machen.
c.) da hängt auch die erweiterung eines wirtschaftszweigs dran, bekannterweise verdient zb die pharmaindustrie sich ein goldenes zeitalter seit geraumer zeit

mizzi9
18
19.10.2011, 10:14
Vorsorge und Hilfsmaßnahmen einfordern

Es wäre schon damit gedient, im Falle von Arbeitslosigkeit und (älteren) Arbeitswilligen, entweder Arbeit zu geben und Aging zu ahnden, (in Amerika darf man zB bei Bewerbungen kein Alter mehr angeben) oder die Menschen endlich in den verdienten Ruhestand zu schicken. Der Spagat dazwischen ist psychische Gewalt und gehört ebenfalls geahndet. Der Druck und die Beleidigungen vom AMS sind einfach unerträglich! Beispiel: vom Juristen zum Hilfsarbeiter!

charlie chuff chuff
02
19.10.2011, 10:00

die wahrheit muss zumutbar bleiben. zu einem gutteil machen wir das alles höchstselber. als kunden interessieren wir uns überhaupt nicht welchen markt wir gerade unterstützen. wir huldigen sogar produkten aus übersee (zb apple) und bashen die eigenen (zb nokia) was das zeug hält. sollten wir je bei nokia eingestellt werden, erwarten wir uns natürlich ein pipapo arbeitsklima. in einem konzerm dem das wasser zum hals steht. so gehts halt nicht. das ist doch eine sehr einfache rechnung.

Harald Schoenknecht
00
19.10.2011, 12:02

Sartre...

PeAcE

gastrosoph
75
19.10.2011, 07:17
Die Psychotherapeuten

schaffen für andere keine Arbeit, sondern nur für sich selbst.

mungo
014
18.10.2011, 23:12
"Was macht der Seele so viel Druck?" -

Warum schreibt niemand die Wahrheit?

Das AMS und seine Machenschaften, der verächtliche, gesetzlose Umgang mit schutzlos ausgelieferten Menschen ohne Vertretungen. Die miserable Politk, in der ein Mensch nichts mehr gilt. Die Krankenkassen und die PVA.
Die ewiggestrige und die junge ÖVP - siehe z.B.: http://tinyurl.com/68uh4zs
Menschenrechtsbrecher wie Felderer mit ihren FPÖ-Ideen, das BZÖ, schweigende Grüne, ÖGB und AK, Ärzte und Ärztekammer, kuschende Medien... Was tut man nicht alles, um für erbrachte Versicherungsleistungen nichts mehr gegenleisten zu müssen!

Seht weiter bei diesen krank machenden Machenschaften zu und habt Geduld.
In 50 bis 70 Jahren werden sie Kommissionen bilden, die auch diese Missbrauchsfälle untersuchen werden.

Mann40
01
19.10.2011, 09:30

sehr richtig bemerkt

Carlos Clementin
26
19.10.2011, 07:49
Daher

AMS Bashing, SÖB Bashing -
Wer mit Psychischer Gewalt gegen Wehrlose vorgeht soll selbige am eigenen Leib erfahren.
ALLE die AMS Mitarbeitern (bis zur obersten Führung) begegnen: Diese Ignorieren Wegschauen, keine Dienstleistungen verkaufen, nicht im Geschäft bedienen...
Wir brauchen keine Helfer des Teufels !!

Harald Schoenknecht
04
19.10.2011, 12:10

Entschuldigen Sie, ich kenne einen Mitarbeiter des AMS, und der ist hoch engagiert, und kaempft staendig gegen die Windmuehlen des Systems; versucht Arbeitssuchenden - auch ueber seine dienstliche Verpflichtung hinaus - zu helfen... und geht langsam Richtung BurnOut. Warum sollte dieser jetzt geschnitten werden? Ihr Vorschlag empoert mich.

PeAcE

Carlos Clementin
10
19.10.2011, 17:55

Peter benötigte einen Job - Er wurde Söldner. Er wollte nicht töten, somit er half den Menschen, denn er schoß in die Luft und ersetzte den Platz eines Mörders. Doch die Menschen denen er half, wurden dann letzendlich von seinen Söldner-Kameraden erschossen, oder auch von ihm, als er streng beobachtet wurde und nicht daneben schiessen konnte.
Warum bin ich jetzt der Feind, fragte er sich, wo ich doch so vielen geholfen habe ...
"Weil Du für Geld die Uniform des Gegner angenommen und nicht auf Unserer Seite gekämpft hast."

mungo
02
19.10.2011, 15:40
Solche guten und engagierten Menschen wird es ohne Zweifel auch geben

und diesen sind auch sicher alle Betroffenen dankbar, die zufällig das Glück hatten ihnen zu begegnen. Die Zahl derer, die aber freier Willkür ausgeliefert, ganz anderen begegnet, die nicht helfen, die sich an keine Gesetze und an keine zwischenmenschlichen Regeln mehr halten, sondern gezielt schikanieren, mobben, pauschal vorverurteilen und zur ohnehin schwierigen Situation zusätzlich Schwierigkeiten machen, ist aber dermaßen groß, dass man von einem sinnlos zerstörerischen und menschenunwürdigen System sprechen muss. Es lässt auch gesetzlich Amtsmissbrauch zu - sanktionsfrei und unkontrolliert.

Die gesamte Arbeitsmaktpolitik muss schleunigst reformiert und humanisiert werden! Für alle Beteiligten, die darunter zu leiden bekommen.

Mann40
13
19.10.2011, 09:30

SÖB = Sklavenösterreichbetriebe

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