Nach Mayer-Gutachten

Erste Unis beziffern Studiengebühren

18. Oktober 2011, 14:52
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    Studiengebühren von 500 Euro pro Semester, also 1.000 Euro pro Jahr, erscheinen Harald Kainz, Rektor der TU Graz, angemessen.

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    Die ÖH sieht das anders. Vollversammlungen an verschiedenen Unis des Landes wurden organisiert. In Wien demonstrieren Studenten vor dem Wissenschaftsministerium am Minoritenplatz.

TU Graz und Meduni Wien machen sich für Gebühren bereit - Lautstarke Proteste gegen das Bildungsdefizit

Die Rektoren bringen sich nach der Veröffentlichung des Gutachtens von Heinz Mayer, demzufolge es ab März neue Studiengebühren geben könnte, in Stellung. An der Technischen Universität Graz und der MedUni-Wien ist man über die aktuellen Entwicklungen erfreut und plant schon konkrete Schritte. Die Rektoren der restlichen Unis reagieren zurückhaltend. 

TU Graz will Studiengebühren in Höhe von 500 Euro einheben

An der TU-Graz begrüßt man die Ergebnisse des neuen Gutachtens und hofft, dass nun wieder Bewegung in die Hochschulpolitik kommt, die in den "letzten Jahren einzementiert war", sagt Harald Kainz, Rektor der TU Graz im Gespräch mit derStandard.at. "Wir warten nun, bis wir das Gutachten schriftlich haben und werden uns mit den Mitgliedern des Senats und der Hochschülerschaft über die Einhebung der Studiengebühren verständigen", sagt Kainz. Ein Studienjahr an der TU würde pro Kopf 15.000 bis 20.000 Euro kosten. Studiengebühren von 500 Euro pro Semester, also 1.000 Euro pro Jahr, erscheinen ihm angemessen. 

Mit der Entrichtung der Gebühren soll auch das Bekenntnis der Studenten zum Studium verbessert werden. Wichtig sei jedoch, dass niemand vom Studium aufgrund der Gebühren abgehalten wird. "Wer Studienbeihilfe bezieht muss laut dem geltenden Gesetz keine Studiengebühren bezahlen. Wir überlegen uns, welchen Gruppen noch befreit werden sollten", so Kainz. Für jede Studienrichtung würde die TU gleich viel einheben, eine Differenzierung wäre schwer zu administrieren. Die Studiengebühren seien allerdings nur eine von vielen Baustellen der Hochschulpolitik. Die Politik müsse trotzdem die Finanzierungsfrage klären: "Sonst müssen wir schon bald einige Institute zusperren".

Meduni Wien: Studienbeiträge ab Wintersemester 2012

Wolfgang Schütz, Rektor der Meduni Wien wird prüfen lassen, ob Mayers Rechtsauslegung stimmt und gegebenfalls in Form eines Stufenplanes die Studienbeiträge wieder einführen. Gegenüber derStandard.at heißt es, eine Wiedereinführung wäre frühestens ab dem Wintersemester 2012 möglich. Über die Höhe des Betrages, der eingehoben werden soll, wollte das Rektorat vorerst keine Stellungnahme abgeben.

Schmidinger: Expertise zu erwarten gewesen

Der Präsident der Universitätenkonferenz (uniko), Heinrich Schmidinger, sieht nach dem von Wissenschaftsminister Töchterle präsentierten Rechtsgutachten Regierung und Parlament gefordert. "Wenn wir Maßnahmen in diesem mehr als heiklen Bereich setzen wollen, brauchen wir Rechtssicherheit", so der Rektorenchef zur APA. Diese werde durch "diese eine Rechtsmeinung" von Verfassungsjurist Heinz Mayer nicht hergestellt, "Regierung und Parlament sind umgehend gefordert, in dieser Frage zu entscheiden".

Schmidinger, der sich mehrfach für "sozialverträgliche Studienbeiträge" ausgesprochen hatte, sieht den Vorstoß Töchterles, die SPÖ vor die Wahl zwischen seinem Studiengebührenmodell und der laut Gutachten möglichen Lösung in der Autonomie der Unis zu stellen, als "etwas absolut Übliches an".

Das Einholen einer Rechtsexpertise sei nach dem Urteil des Verfassungsgerichtshofs (VfGH) zu erwarten gewesen. Auf die Frage, ob der Zeitpunkt am Vorabend des heutigen "Bildungsaktionstags" der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH) samt Uni-Vollversammlungen günstig sei, meint Schmidinger, das Thema werde "diese Veranstaltungen bestimmt beherrschen oder zumindest massiv zur Sprache kommen".

TU Wien schließt Studiengebühren nicht aus

Adalbert Prechtl, Vizerektor für Lehre an der Technischen Universität Wien, ist der Meinung, dass die von Heinz Mayer aufgezeigte Möglichkeit zur Einhebung von Studiengebühren in unbeschränkter Höhe "wohl eher eine juristisch-theoretische" ist. Die TU Wien stehe Studiengebühren als Finanzierungsmöglichkeit von Universitäten generell skeptisch gegenüber.

Prechtl sagt zu derStandard.at, dass es jedenfalls eine vom Wissenschaftsministerium vorgegebene Höhe bzw. Bandbreite geben müsste, "etwa wie die von Minister Töchterle vorgeschlagene Deckelung mit 500 Euro pro Semester".

Sollte die Unterfinanzierung der Universitäten anhalten, so Prechtl, müsste sich "natürlich auch die TU Wien überlegen, ob sie von einer gegebenenfalls eingeräumten Möglichkeit zur Einhebung von Studiengebühren Gebrauch machen würde."

Wirtschaftsuniversität: Gutachten prüfen

WU-Rektor Christoph Badelt steht der Idee, dass Unis über die Studiengebühren autonom befinden können, grundsätzlich positiv gegenüber. Das vorliegende Gutachten müsse nun allgemein geprüft werden, was mehrere Tage in Anspruch nehmen werde, heißt es gegenüber derStandard.at. Keinesfalls sollten jedoch Studiengebühren eingehoben werden, wenn Rechtsunsicherheit herrsche. Und: Die staatliche Finanzierung dürften in diesem Fall nicht reduziert werden.

Uni Graz gegen Studiengebühren ohne ein entsprechendes Stipendienmodell

Die Rektorin der Universität Graz, Christa Neuper, hält eine Diskussion über Studiengebühren alleine nicht für sinnvoll. "Die österreichischen Universitäten brauchen ein ganzheitliches Konzept zur Finanzierung", sagt sie in ihrer Stellungnahme gegenüber derStandard.at. Die Universitäten könnten durch Studiengebühren alleine nicht finanziert werden und auch nicht die Studierendenströme in Massenfächern lenken, so Neuper. Studiengebühren ohne ein entsprechendes Stipendienmodell kann sich die Rektorin nicht vorstellen.

Uni Wien: "Finanzierungslücke schließen"

Heinz Engl, Rektor der Universität Wien, plädiert dafür, Rechtssicherheit herzustellen. Bereits nach dem Entscheid des Verfassungsrichthofs im Juli 2011 habe die Universität Wien auf das gravierende Problem aufmerksam gemacht: Durch den VfGH-Entscheid entsteht bereits 2012 eine jährliche Finanzierungslücke von 9 Millionen Euro allein an der Universität Wien, ab 2013 fehlen österreichweit jährlich 157 Millionen Euro. 2013 läuft die Regelung zum Ersatz der Studienbeiträge aus.

Engl: "Unabhängig von der politischen Meinung zu Studiengebühren ist klar, dass die Finanzierungslücke seitens des Bundes rasch geschlossen werden muss, um gravierende, negative Auswirkungen auf den Studien- und Lehrbetrieb der Universität Wien zu verhindern."

Das Gutachten werde den Meinungsbildungsprozess vorantreiben: "Dies ist ein zu begrüßender Beitrag. Stillstand ist Rückschritt, dieses gilt insbesondere bei den drängenden Finanzierungsfragen im Universitätsbereich", sagt Engl.

Akademie-Rektorin gegen 'Friss Vogel oder stirb'-Taktik

Eva Blimlinger, Rektorin an der Akademie der bildenden Künste, übt Kritik an Töchterles Vorgehen: "Hier wird eine politische Verantwortung an die Universitäten abgeschoben nach dem Motto 'Friss Vogel oder stirb'. Die derzeitige Idee, es solle kein Gesetz geben und jede Universität solle schauen, ob und wie sie zu Studiengebühren kommt, löst in keiner Weise das Finanzproblem der Universitäten - und das ist das Hauptproblem." Sie gibt dem Wissenschaftsminister folgende Frage zurück: "Und vor allem welche Konsequenzen wird es geben, wenn Universitäten beschließen, keine Studiengebühren einzuheben?"

Blimlinger will jedenfalls an ihrer Uni keine Gebühren: "Ich kann mir derzeit nicht vorstellen an der Akademie der bildenden Künste Studiengebühren von allen Studierenden einzuheben, derzeit müssen ja bestimmte Gruppen von Studierenden ohnehin schon zahlen."

"Große Sorge" in Klagenfurt

"Die jahrelangen politischen Versäumnisse dürfen nicht auf dem Rücken der Jugend und damit der Zukunft unseres Landes ausgetragen werden", sagt der Rektor der Universität Klagenfurt, Heinrich C. Mayr, in einer Aussendung. Er beobachtet die derzeitige Entwicklung mit großer Sorge: "Es ist höchste Zeit, dass sich die Regierungsparteien auf eine tragfähige und zukunftsorientierte Universitätenfinanzierung einigen."

Die Fortschreibung des Budgets bedeutet, dass den Universitäten in den Jahren 2013-2015 real knapp 10 Prozent weniger Mittel zur Verfügung stehen werden, das sind rund 250 Millionen Euro pro Jahr, sagt Mayr und bezieht sich auf einen vom Wissenschaftsministerium selbst ermittelter Wert.

Töchterle versucht in den Augen Mayrs "sein Bestes", diese Finanzierungslücke mit einer "Unimilliarde" auszugleichen, "im Reigen von Sparzwang und Bankenrettungen scheint diese Finanzspritze jedoch ungewiss."

Bast: Probleme werden an Unis abgewälzt

Gerald Bast, Rektor der Universität für angewandte Kunst in Wien, kritisiert in einer Stellungnahme gegenüber derStandard.at, dass man die Universitäten in die Lage versetzen will, sich zusätzliches Geld von den Studierenden zu holen. Österreich sei das Land mit der weltweit höchsten Steuerquote für den Mittelstand und einem international vergleichsweise bescheidenen Stipendiensystem. (burg, kap, lis, rwh, derStandard.at, 18.10.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 1384
hubert taber
 
03
21.10.2011, 17:12
studien-gebühren dienen nur der "eliten"-bildung !

wobei sich die frage stellt, warum sich diese selbsternannten "eliten" in deren imagination als solche fühlen.
obwohl diese in wahrheit morbide sind.

und dermassen belämmert, dass diese pseudo-eliten deren tatsächlichen stellenwert nicht realisieren können.

siehe z.b. unter :
http://science.orf.at/stories/1687300
und
http://derstandard.at/1317018622709

also welche "eliten" ?
mfg. h.t.

klar kent
31
19.10.2011, 22:14
studiengebühren 5000 pro semester..

...nach amerikanischen vorbild. dann studieren endlich leute die auch was drauf haben und hängen nicht als langzeitstudenten in der ÖH rum.

Hans Funkelfels
03
20.10.2011, 00:49

"was drauf haben" ist für sie gleichbedeutend mit "dickes geldbörsel haben"?

klar kent
10
20.10.2011, 00:57

das stipendiensystem wird ja nicht abgeschafft ;) alle die es in der mindestzeit + toleranzsemester schaffen, müssen nix zahlen. so what?

ninette
00
20.10.2011, 18:50

Das gilt aber nur für Studienbeihilfenbezieher. Und das sind derzeit gerade mal ein Fünftel der Studenten.

the bugger_off
01
20.10.2011, 14:01
bei den letzten studien gebühren war es nur für ganz bestimmte leute möglich ihr studium offiziel zu unterbrechen.

fiel jemand nicht in diese kategorien und konnte aus anderen gründen GAR NICHTS AN DER UNI machen dh. nicht studieren musste er in diesem zeitraum trotzdem weiter zahlen oder mit dem risiko dass das bissher studierte wegen studienplanänderungen verfällt abbrechen.

Hans Funkelfels
00
20.10.2011, 11:06

Wieso dann Studiengebühren und der Persil-Schein trotz nichts können sich freikaufen zu können? Wenn Sie das wollen, fordern sie doch bitte, wer es nicht in Regelstudienzeit* +1 Semester schafft fliegt von der Uni!

*PS: Es heißt Regelstudienzeit und nicht Mindeststudienzeit.

Hans Funkelfels
12
19.10.2011, 17:33
Verfassungsdienst widerspricht Mayer Gutachten

http://derstandard.at/131872628... -Gutachten

Ätschibätsch ÖVP-Töchterle!

Mich wundert nachdem die Töchterle-Sager, dass diese Story beim Standard irgendwo im Hintergrund ist.

Und fetten Daumen nach unten für MedUni und TU die gleich ob eines falschen Gutachtens über die Höhe diskutieren.

Chemist88
00
19.10.2011, 18:05
schreiben sie für die Heute?

Diese "-" sind dort sehr beliebt. "ÖVP-Töchterle" und "Töchterle-Sager" klingt ganz danach.

Susi Wolf
82
19.10.2011, 14:39
Ich kann die ablehnende Haltung der Studiosi voll verstehen.

Wenn man als Studi schon für Skripten, für den Kletterkurs, das Bier, den Parkplatz fürs private Auto auf der Uni, den heimischen Internet-Zugang, den ÖH-Beitrag, den Kabarettabend im Audimax, die Wohnung, das Kino, den Yoga-Vortrag, die Fotoausrüstung, das Handy, den Studentenclub, den Besuch einer Uniparty, etc. udergl. essenzielle Dinge mehr laufend Geld auslegen muss, dann bitteschön nicht auch noch für so eine Marginalie wie das Studieren selbst!

Emil PigDetective
12
19.10.2011, 15:43
den Parkplatz auf der Uni ich lach mich kaputt

hilarious

Susi Wolf
00
18.4.2012, 00:47
An der Uni Klagenfurt hat die ÖH dafür demonstriert, dass der Uni-Parkplatz für Studierende gratis bleibt! Sie haben sich nicht durchgesetzt, seither muss man für eine Parkberechtigung irre 10 Euronen pro Monat (!) blechen!

sociovation
02
19.10.2011, 13:54
Ich kann einfach nicht verstehen,

warum man gerade jene Generation von Studenten mit Studiengebühren belasten will, die von ihrem Studium am wenigsten haben wird.
90% der zukünftigen StudienabgängerInnen, vor allem die Frauen, werden ein geringeres Lebenseinkommen haben wie jene, die eine Lehre absolvieren und mit 14 zu arbeiten und zu verdienen beginnen.
Wenn schon Studiengebühren, dann rückwirkend für jene, die ihre Studium schon hinter sich haben und damit jetzt gut verdienen.
Also ein Abgabe für Akademiker, gestaffelt und progressiv je nach Einkommen.
Das wäre gerecht, aber ich fürchte, dass Gerechtigkeit und die herrschende Oligarchie sich ausschließen.

-joB
03
19.10.2011, 13:45
Ein perfides Gutachten

erstellt von einem Gutachter, der selbst in der Firma tätig ist, also doch irgendwie befangen ist.
Wie sieht´s da aus mit der Unvereinbarkeit?

Gleich die erste, die zur Kassa bittet ist die TU! Gerade die, die nicht überlaufen ist und die meint, dass demnächst zu wenig Techniker ausgebildet werden.
(Ausgenommen Architekten? Warum dann nicht differenzieren?)

sociovation
04
19.10.2011, 13:51
Die Industrie schreit nach Technikern

und der von ihre eingesetzte Minister will gerade die TU mit den höchsten Studiengebühren belegen.
Für wie blöd hält uns die Industriellenvereinigung eigentlich?!

Geoffrey of Monmouth
01
19.10.2011, 13:36

Die Ironie daran ist ja, dass die Einführung von Studiengebühren erneut als Allheilmittel dargestellt wird, doch sollten sie wieder eingeführt werden, wird der letzte, der davon etwas mitbekommt, der Student sein, denn dessen Siutation an der Uni wird sich nicht mal ein bisschen verbessern.

klar kent
10
19.10.2011, 22:13

na, wenn mans bei 500 euro beläss, kein wunder. rauf auf 5000 und dann fliegen zuerst mal die langzeitstudenten raus ;)

klar kent
30
19.10.2011, 13:22
studiengebühren 1000 pro semester..

....das wäre sinnvoll als die 500-alibi-studiengebühren. es sind sowieso viel zu viele langzeitstudenten dabei, ausmisten schadet nicht.

klar kent
00
19.10.2011, 17:09

gute idee.

Toni Blaher
 
00
19.10.2011, 13:21
Principiis obsta

In ein paar Jahren werden wir Gebühren in der Höhe von 1000-2000 Euro haben. Da studieren halt nur noch die mit Geld. Egal wie blöd.

Dr Don Tango
00
19.10.2011, 13:17

bei der qualität der österreichischen universitäten muss man den studenten normal eine entschädigung zahlen!

frontside
10
19.10.2011, 13:36
Bei der furchtbaren Leistung der österreichischen Studenten

Müssten diese wesentlich mehr zahlen

schmu schubiak
40
19.10.2011, 12:54

laut rechnungshofbericht wurde 2010 11 Milliarden euro Steuergeld im Sektor Bildung verwendet.
und das reicht nicht?

vives
00
19.10.2011, 17:15

die 1 Milliarde für Bildung hat Sie wohl nicht erreicht!

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