Geophysik: Gruppenbild mit Dame

18. Oktober 2011, 11:17
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Jördis Rosc erhält "ACR Woman Award 2011"

Wien - Die Steirerin Jördis Rosc ist am Montagabend von Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner und ACR-Präsident Martin Leitl mit dem "ACR Woman Award 2011" ausgezeichnet worden. Der vom Wirtschaftsministerium geförderte Award geht eine Austrian Cooperative Research (ACR)-Nachwuchswissenschaftlerin in einem technischen Beruf, die erfolgreich ihren Weg in einer männerdominierten Welt geht.

Der Preis soll die individuelle Leistung der Wissenschaftlerin sichtbar machen und Bewusstsein für Frauen in Wissenschaft und Technik schaffen sowie die Gendersituation in den ACR-Instituten kritisch beleuchten. "Damit wollen wir die individuelle Leistung der Wissenschaftlerin sichtbar machen und gleichzeitig ein stärkeres Bewusstsein für Frauen in Wissenschaft und Technik schaffen", so Mitterlehner und Leitl bei der Verleihung im Rahmen der Enquete.

Die Geophysikerin Rosc ist am Österreichischen Gießerei-Institut (ÖGI) in Leoben tätig und erhält den Preis für die Entwicklung mathematischer Modelle für die Quantifizierung von Fehlern in Gussbauteilen. Die 30-jährige hatte sich bereits als Kind für das Weltall und physikalische Phänomene interessiert.

"Problem, Frauen als gleichberechtigte Technikerinnen anzuerkennen"

Rosc ist eine von wenigen Frauen, die sich in die Gießereitechnik vorgewagt haben. "Es ist noch nicht selbstverständlich, dass Frauen in der Forschung sind, da fängt es schon mal an", sagt Rosc nüchtern. "Das hat am ÖGI aber wenig mit den konkreten Umständen oder der Tätigkeit zu tun. Ich bin sehr freundlich von meinen Kollegen aufgenommen worden." Woran liegt es dann? Rosc findet deutliche Worte: "Es ist ein gesellschaftliches Problem. Man hat oftmals ein Problem, Frauen als gleichberechtigte Technikerinnen anzuerkennen."

Junge Analysemethode

Rosc forscht in der Computertomografie (CT) und sucht nach einer standardisierbaren mathematischen Beschreibung von Fehlern in den Bildern bzw. Daten, die die CT liefert: "Man macht etwas Neues. Man erschafft etwas, das es zuvor nicht gab, das ist das Spannende an meiner Arbeit." Die CT ist eine in der Gießerei noch junge Analysemethode. Sie liefert exakte Bilder von den Strukturen eines Materials, doch bislang fehlen die Instrumente, diese Bilder zu interpretieren: Sehen wir nur einen Schatten, hervorgerufen durch die Röntgenstrahlung selbst oder verbirgt sich in dem Schatten eine unerwünschte Pore in einer Legierung? Wenn es eine Pore ist, wie wird sich diese auf die Festigkeit des Bauteils auswirken? "Im Prinzip suche ich nach einem bestimmten Grauwert", so Rosc. "Es gibt nämlich nur einen bestimmten Grauwert, der exakt die Grenze zwischen Material und Luft markiert."

Anwendungsorientiert

Bislang behilft man sich mit Näherungswerten oder einheitlichen Schwellwerten für gesamte Bauteile. Das ist zu ungenau, meint Rosc: "Es hängt von der Geometrie eines Bauteils ab, von seiner Stärke und Dichte, welche Schwellwerte die richtigen sind." Von diesen wiederum hängt es ab, ob Umfang und Wirkungen eines Fehlers richtig bemessen werden können. Rosc hat ihre Arbeit auch zu ihrem Dissertationsprojekt gemacht, schreibt aber nicht für den Elfenbeinturm: "Wir möchten, dass AnwenderInnen, die an der CT-Anlage stehen und Datensätze von Gussbauteilen auswerten, Fehler ganz einfach ermitteln, analysieren und auf die mechanischen Eigenschaften rückschließen können."

Als Gewinnerin des ACR Woman Award erhält sie neben einer Urkunde einen Gutschein für Aus- und Weiterbildung in Höhe von 2.000 EUR. (red)


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Video: Jördis Rosc

ACR ist ein Netzwerk von 17 außeruniversitären kooperativen Forschungsinstituten der österreichischen Wirtschaft.

  • Rosc ist eine von sehr wenigen Frauen, die sich in die Gießereitechnik vorgewagt haben. Am O¨GI hat Rosc eine Kollegin und 33 Kollegen.
    foto: acr/johannes brunnbauer

    Rosc ist eine von sehr wenigen Frauen, die sich in die Gießereitechnik vorgewagt haben. Am O¨GI hat Rosc eine Kollegin und 33 Kollegen.

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