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vergrößern 600x628Der Post-Impressionist Pierre Bonnard verbrachte viel Lebenszeit an der Côte d'Azur. Nun wurde ihm ein eigenes Museum gewidmet.

Billig-Airliner Flyniki fliegt im Sommerflugplan (bis 31. 10.) täglich von Wien nach Nizza, im Winter gibt es täglich außer Dienstag Hinflüge und täglich außer Dienstag und Sonntag Rückflüge. Bei der Planung einer Reise an die Côte d'Azur unterstützt das Tourismusbüro Atout France. Tel.: +43/1/503 28 92. Bus- und Straßenbahn-Fahrten in Nizza kosten einen Euro.
Hotels: Holiday Inn. 20, Bd Victor Hugo, 06000 Nice.
Best Western Hotel Castel Provence. 30, Chemin de Pinchinade BP 2006560 Valbonne Village.
Hotel Splendid. 4-6, rue Félix Faure, 06400 Cannes.
vergrößern 600x398Musée d'Art Moderne et d'Art Contemporain (MAMAC), Promenade des Arts; 06364 Nice, cedex 4. Täglich zwischen 10 und 18 Uhr geöffnet.
Galerie "Espace à Débattre", 2, rue Vernier; 06000 Nice. Jeden Freitag von 18 bis 23 Uhr Dialog mit dem Künstler Ben Vautier.
Der Eintritt in die städtischen Museen von Nizza (z. B. Matisse, MAMAC - ausgenommen: Musée Chagall) und Galerien ist frei. Musée Bonnard, 16, bd Sadi Carnot; 06110 Le Cannet (www.museebonnard. fr). Ab 16 Oktober täglich von 10 bis 18 Uhr. La Malmaison, Boulevard de la Croisette 47; 06400 Cannes, ab Oktober 10 bis 13 und 14 bis 18 Uhr.
Wer Klischees bestätigt haben will, ist an der Côte d'Azur besonders gut aufgehoben: Sie ist wirklich so blau, wie der Name sagt. Hinter den Palmen stehen selbstverständlich die erwartet pompösen Hotelpaläste, und dazwischen flanieren die Südfranzosen, immer schlank und schick. Das Essen ist fast überall ziemlich genial, und die Dörfer im Hinterland sind, wie man so sagt, malerisch - mit einem Meer an Blumen auf den Balkonen alter Häuser, mit streunenden Katzen und, wir hätten es nicht für möglich gehalten, mit feschen Menschen.
An der Küste gibt es für alle Urlauber, die das aufgrund der Lektüre von Illustrierten erwarten, auch noch die Privatflugplätze und die fürwahr riesigen Jachten der Superreichen zu bewundern. Landet da tatsächlich gerade ein Hubschrauber auf einer dieser Schiffe? Wird die Kunstsammlerin Daria Zhukova, Freundin des Oligarchen Roman Abramowitsch, gerade zu einer Auktion abgeholt? Sie besitzt ja ein solch schwimmendes Hotel. Aber natürlich könnte auch eine Jacht von Brad Pitt hier liegen. Der hat viele Kinder, der braucht viel Platz, wenn er mit ihnen unterwegs ist.
Seine Liebste, Angelina Jolie, hat ja bekanntlich im Lenval-Spital in Nizza, das Müttern einen tollen Ausblick auf das Meer bietet, ihre Zwillinge zur Welt gebracht. Wer das noch nicht weiß, erhält diese wichtige Information vom Busfahrer. Hollywood, der Inbegriff des Feschseins, ist in der Region allgegenwärtig, weshalb zum Beispiel auch im traditionellen Hotel Splendid in Cannes Fotos von Filmstars die Wände an den Gängen schmücken.
Sehen und Gesehen-Werden
An der Côte d'Azur fühlt man sich wie in einem riesigen Freilichtmuseums. Hier wird viel Prunk, Pracht und Katalog- Schönheit ausgestellt. Die Menschen sind wie lebende Objekte der Schau. In den Bistros sitzen, ist, wie auf einer Bank vor einem Gemälde Platz nehmen. Es geht um Sehen und Gesehen-Werden. Das war immer so und wird sich auch nie ändern. Und wer noch einen Abstecher nach Grasse, in die Welthauptstadt des Parfums, wagt und das Museum des Parfumherstellers Fragonard besucht, weiß auch: Es geht hier noch mehr als anderswo um Gut-Riechen und auch um Gerochen-werden-Können. Schweiß ist im Südfranzösischen sowieso ein Fremdwort.
Verständlich, dass man angesichts von so viel Erwartbarem seit Jahren versucht, den Touristen auch die Museen in der Region, also tatsächliche Kunst im Musealen, schmackhaft zu machen - und zu zeigen, wer hier gelebt und gewirkt hat und wer vielleicht noch heute hier arbeitet.
Eine kleine Kunst-Rundreise beginnt in Nizza im Musée d'Art Moderne et d'Art Contemporain (MAMAC). Noch bis zum 27. November wird in diesem Museum Buntes gezeigt - in der Ausstellung Die Farbe im Vordergrund. Niki de Saint-Phalle und ihre wuchtigen, lustigen Nana-Figuren sind ebenso ein Thema wie das Blau des jung verstorbenen Künstlers Yves Klein, den die Franzosen als "Kind der Stadt" bezeichnen dürfen, weil er in Nizza geboren wurde.
Ben Vautier, mittlerweile 76 Jahre alt, lebt heute noch in der Küstenstadt. Und er spaltet nach wie vor sein Publikum, unter anderem mit kurzen, weiß auf schwarzem Hintergrund geschriebenen Lebensweisheiten. Einige meckern, hier würden die Grenzen zwischen philosophischen Einsichten und Banalität verschwimmen, andere loben die Ironie.
Jedenfalls durfte der im linken Lager beheimatete Künstler im rechts regierten Nizza Straßenbahnstationen mit seinen Sprüchen ausstatten. "Ich will nicht warten": Diesen Satz hat sich sicher schon manch ein Franzose bei der Haltestelle gedacht.
Einmal pro Woche tritt Vautier außerdem in einer Galerie in Nizza auf und parliert vor lachenden Fans bei Wein und Kuchen über das Leben und nichts anderes.
Der Kunstpfad an der Côte d'Azur führt natürlich auch nach Antibes zum Musée Picasso im Château Grimaldi direkt am Meer. Selbstverständlich sieht man auch von dort die Jachten der Superreichen, dazu unzählige Segelboote. Wenn die Sonne scheint, und das tut sie im Herbst in Südfrankreich ganz gern, ist das Licht hier schon fast kitschig schön.
Picasso dürfte sich etwas Ähnliches gedacht haben, als er 1915 erstmals an die Côte d'Azur kam. Zumindest wird überliefert, er sei vom Licht und einer Frau namens Gaby besonders angetan gewesen. Sie erdreistete sich zwar, den Heiratsantrag des total Verliebten abzulehnen, der Region blieb der Spanier dennoch treu und verlegte im Alter sogar seinen Hauptwohnsitz hierher. Wie sich das für einen in Südfrankreich ansässigen Herrn gehört, war er auch nie wirklich abgeneigt, sich mit Filmstars zu umgeben. Schon in den 1950er-Jahren verstand er sich prächtig mit Gary Cooper, der ihm, weil Klischees eben sein müssen, einen Indianerkopfschmuck schenkte.
In Le Cannet, einem Nachbarort von Cannes, hat man es schließlich mit einem nicht ganz so prominenten Künstler zu tun. Hier wurde dem Post-Impressionisten Pierre Bonnard ein eigenes Museum gewidmet. Im Juni dieses Jahres eröffnet, zeigt es auf 350 Quadratmetern Ausstellungsfläche ausschließlich Werke des Künstlers, der seine Lebensgefährtin, zum Beispiel in der Badewanne oder am Küchentisch, immer gleich jung, sich selbst aber in unterschiedlichen Altersstufen porträtierte, und das durchaus in Schmerzposen: Das Bild Der Boxer zeigt den alternden Mann mit kahlem Kopf, wie er sich im Spiegel selbst in den Oberkörper schlägt.
Schräges an der Croisette
Weitaus fröhlicher geht es, wie kann es anders sein, dann wieder in Cannes zu. Im Museum La Malmaison an der Croisette werden schon auch schräge Künstler wie Patrick Moya aus Nizza vorgestellt: Der Schüler von Ben porträtiert sich gern als Pinocchio mit Brillen. Seine Bilder sind wie Comics. Eine zweite Hauptfigur ist das Klonschaf Dolly. Er beschäftigt sich mit der Realität und ihrer Rekonstruktion in einer von Medien bestimmten Welt.
Auf dem Weg dorthin kann es passieren, dass man zwischen Joggern und Touristen im Kauf-rausch auch Franzosen mit Champagnergläsern antrifft. Sie feiern gerade, und das ist auch gar nichts Besonderes in einem Ort, wo einmal im Jahr die Filmstars begleitet von kreischenden Fans über den roten Teppich schreiten. So vermischen sich Straßenbild, Kino und Kunst zu einem Gesamtbild im Museum Côte d'Azur. (Peter Illetschko/DER STANDARD/Printausgabe/15.10.2011)
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