Israel zahlt einen hohen Preis für die Freilassung von Ghilad Shalit - Kritik an "willkürlichem" Austausch
Gaza-Stadt - Der israelische Soldat Gilad Shalit ist nach fünf Jahren palästinensischer Gefangenschaft freigelassen worden. Der 25-Jährige sei am Dienstag nach Ägypten gebracht worden, danach wurde er auf den Luftwaffenstützpunkt Tel Nof in Südisrael gebracht. Dort wurde er von
Ministerpräsident Benjamin Netanyahu empfangen, bevor er seine
Eltern wiedersah. Anschließend brachte ein Hubschrauber die Familie zurück in ihren Heimatort Mitzpe Hila im Norden Israels. Shalit wurde vom Hubschrauberlandeplatz durch ein Spalier
singender und tanzender Menschen bis zum Haus seiner Eltern gefahren.
Die meisten Menschen trugen Hemden mit dem Aufdruck: "Wie gut es ist,
Dich wieder zu Hause zu haben". Dieser Titel eines in Israel
bekannten Liedes war auch das Motto der Freilassung.
Die israelischen Behörden baten Journalisten darum, in den kommenden Tagen die Privatsphäre der Familie zu respektieren. Die Straße, in der Shalits Elternhaus steht, wurde für den Verkehr gesperrt. Shalit ist der erste gefangen genommene israelische Soldat seit 26 Jahren, der lebend freikommt.
Erste ägyptische Fernsehbilder zeigten einen abgemagerten Shalit, der ein helles Hemd und eine dunkle Baseballkappe trug am ägyptischen Grenzübergang. Unklar blieb auch, ob Shalit am Dienstag vom Gazastreifen aus nach Ägypten gebracht worden war, oder ob er sich - wie einige Beteiligte der Operation zuvor berichtet hatten - schon seit der vergangenen Woche in Ägypten aufhält. Shalit war am 25. Juni 2006 als 19-Jähriger in der Nähe des Gazastreifens verschleppt worden.
Palästinensische Gefangene frei
Wie der israelische Rundfunk zuvor berichtete, verließ ein erster Konvoi mit 96 palästinensischen Häftlingen in der Nacht zum Dienstag das Gefängnis Keziot in der Negev-Wüste.
Die ersten Fahrzeuge fuhren zu einem Grenzübergang zum Westjordanland, wo die an Händen und Füßen gefesselten Gefangenen auf freien Fuß kommen sollen. Drei weitere Konvois standen bereit, um Gefangene in den Gazastreifen zu transportieren. Vertreter des ägyptischen Konsulats in Israel überprüften vor der Abfahrt der Fahrzeuge die Identität der freigelassenen Häftlinge. Mehr als tausend Polizisten sicherten nach Angaben des israelischen Rundfunks die Strecken der Konvois.
Am Dienstag sollen zunächst 477 Palästinenser aus israelischer Gefangenschaft entlassen werden, darunter 27 Frauen. Die meisten der ersten Gruppe waren zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Die zweite Gruppe von 550 Häftlingen soll innerhalb der kommenden zwei Monate freikommen.
Vermittlung
Israel und die Hamas hatten am Dienstag vergangener Woche unter ägyptischer Vermittlung das Abkommen über den Gefangenenaustausch unterzeichnet. Von den 477 am Dienstag Freigelassenen darf nur ein Teil nach Hause zurückkehren: 133 in den Gazastreifen, 117 ins Westjordanland und 15 nach Ost-Jerusalem. Dagegen werden 204 Palästinenser verbannt, davon 164 in den Gazastreifen und 40 weitere in die Türkei, nach Katar und nach Syrien. Sieben israelische Araber, die der ersten Gruppe der Freigelassenen angehören, dürfen nach Hause zurückkehren, ebenso eine Palästinenserin mit jordanischer Staatsangehörigkeit.
Erst am Montagabend gab der Oberste Gerichtshof Israels den Weg für den Gefangenenaustausch frei, indem er Einwände gegen die Freilassung der Palästinenser abwies. Unter den Häftlingen sind viele wegen blutiger Anschläge in Israel verurteilt worden. Netanyahu erklärte am Montag in einem Brief an die Angehörigen der Anschlagsopfer seine Gründe für den Austausch.
Während die Israelis die Freilassung feierten, empfingen auch die Menschen in den Palästinensergebieten feierlichen die Gefangenen. Im Gazastreifen erklärte die regierende Hamas den Dienstag zum nationalen Feiertag. In palästinensischen Städten soll drei Tage lang gefeiert werden. In der Nähe des Übergang Beitunia in das Westjordanland kam es
während des Häftlingsaustauschs zu Zusammenstößen palästinensischer
Demonstranten mit israelischen Sicherheitskräften. Die israelische
Armee teilte mit, etwa 1.500 Palästinenser hätten Steine geworfen und
Reifen in Brand gesetzt. Die Sicherheitskräfte hätten mit Tränengas
geantwortet.
Mit diesem Austausch bezahlt Israel den bisher höchsten Preis für einen seiner Soldaten. Im Mai 1985 hatte Israel 1150 Palästinenser gegen drei Soldaten ausgetauscht.
Kritik an "willkürlichem" Austausch
Kritik an der teilweise willkürlich erfolgten Auswahl der für den Gefangenenaustausch mit Israel bestimmten Palästinenser üben die palästinensischen Menschenrechtsorganisationen Addameer und Al-Haq. Zu berücksichtigen seien auch der Umstand, dass viele (unter Missachtung der Bestimmungen des Artikels 49 der Vierten Genfer Konvention) völkerrechtswidrig nicht in ihre Heimat zurückkehren können, und die Tatsache, dass weitere knapp 4.500 politische Häftlinge in israelischen Gefängnissen verbleiben, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der beiden Organisationen, die am Dienstag von der Gesellschaft für Österreichisch-Arabische Beziehungen (GÖAB) in Wien veröffentlicht wurde.
Der begonnene Austausch des israelischen Soldaten Gilad Shalit gegen 1.027 palästinensische Häftlinge sei zweifellos Grund zur Freude, vor allem für die Betroffenen und deren Familien, heißt es in der Erklärung. Dennoch gebe es eine Menge von "höchst fragwürdigen Aspekten, welche bei dieser Gelegenheit mitbedacht werden sollten". Der nach wie vor andauernde Hungerstreik von palästinensischen Häftlingen in israelischen Gefängnissen stelle einen Hinweise auf inakzeptable und zum Teil sogar menschenrechtswidrige Zustände in diesen Haftanstalten dar.
Laut Addameer wurden seit der israelischen Eroberung des Westjordanlandes 1967 insgesamt mehr als 700.000 Palästinenser in Gewahrsam genommen. Das entspreche zwanzig Prozent der gesamten palästinensischen Bevölkerung und vierzig Prozent aller palästinensischen Männer. (Reuters/APA)
Das grobe Missverhältnis von 1027 Palästinensern zu einem Israeli wirft für viele Antizionisten ein ernsthaftes Problem auf, das nur durch intensiveren Antizionismus ausgetrieben werden kann.
Aber die Frage bleibt doch dieselbe: Warum sind muslimische Gesellschaften so ohne weiteres bereit die Zukunft ihrer Kinder einfach das Klo hinunter zu spülen? Eine frei gelassene Terroristin ermunterte einen Tag nach ihrem Enthaftung Schulkinder(!) in Gaza dazu, selbst Märtyrer zu werden und sich bei nächster Gelegenheit in die Luft inmitten von Israelis zu sprengen.
Gesellschaften, die solche Dinge zulassen, sind dem Untergang geweiht und werden sich selbst zerstören, so oder so.
jaja, die bösen palästinenser und die guten israelis...
warum können denn überhaupt 1000 palästinenser gegen einen israeli getauscht werden? na weil die israelis eben auch tausende palästinenser gefangen halten. und nicht alle davon sind verurteilte straftäter, sondern sitzen einfach in (beliebig verlängerbarer) "administrationshaft".
überhaupt sind die israelis nicht die opfer in einem konflikt, den sie selbst begonnen haben, sondern eher die täter. sowohl historisch (ohne palästinenser-pogrome 1898-1947 kein israel!) als auch bis zur gegenwart:
doch bitte denn Palästinensischen Opfern, die ein mehrfaches ausmachen, wieso allein 2008 600 Frauen und Kinder unter anderem Durch Phosphor ums leben kommen mussten?
die israelis bekommen milliarden aus den usa, haben tausend mal besseres gerät usw. die palis. sind militärisch unterlegen.(nicht menschlich)
doch genau deswegen können die palis. für 1 israeli, 1000 palis. verlangen weil sie durch die militärische schwäche schwer an einen israeli ran kommen, israel hingegen kommt dank militärischer übermacht(nicht menschliche) leichter an palis. ran.
wen der tag kommt wo beide seiten gleich stark sind bzw. sich die muslime zusammen tun. hat israel verloren.
Da haben die vereinigten arabischen Armeen bekanntlich eindrucksvoll bewiesen, wozu sie fähig sind, wenn ihnen eine befreundete Supermacht mindestens gleich viel gleichwertiges Gerät stellt.
und 73 griffen die Araber an, weil Israel sich weigerte, gemäß den UNO-Resolutionen die besetzten Gebiete wieder zu räumen.
48 war eine ethnische Säuberung beträchtlichen Ausmaßes im Gange, was wohl ein veritabler Kriegsgrund ist. Aber schon damals stellte König Abdullah in Geheimverhandlungen klar, dass er für den Abzug der Israelis von den Gebieten kämpft, die die UNO den Palästinensern angeboten hatte - also schon damals gab es erste Zeichen einer Akzeptanz des Teilungsplanes - die Israelis aber wollten mehr.
"die isralische regierung muss schon ordentlich in bedrängnis sein, wenn sie sich schon auf so ein tauschhandel einläßt"
.
die israelischen regierungen sind demnach seit vielen jahren ordentlich in bedrängnis, denn ähnliche "tauschhandel" gab es in den letzten jahren immer wieder (z.b. 2004 und 2008).
mit dem unterschied, dass die Isrealis bis jetzt immer nur die leichen der ermordeten soldaten zurückbekamen (gegen zahlreiche freigelassene Palästinenser).
"schon lustig, dass der gefangenaustausch im 4-jahrestakt stattfindet.. ;)"
.
wenn Sie den austausch von hunderten terroristen gegen 3 leichen als "gefangenenaustausch" bezeichnen, und das auch noch besonders lustig finden möchten, sei Ihnen das unbenommen.
und mir sei unbenommen, mir mein teil darüber zu denken ....
Mörder werden auch in Österreich immer wieder gefeiert.
Nimm zum Beispiel ein besonderes Scheusal: Als Jüngling dumm genug, um auf die NS-Propaganda reinzufallen, dann Jagdflieger und dann ein so fanatischer Fan des massenmörder-Regimes, dass er lieber im Einsatz krepieren wollte als sich einfach heim schicken zu lassen.
... und jedes Jahr feiert die FPÖ an seinem Grab und gedenkt der Täter des WK2.
auch diese meinung ist mehr als verständlich, auch wenn ich nicht dieser meinung bin. ein sohn, dessen vater bei einem anschlag mit 14 weiteren ermordet wurde (ein weiterer beweis, dass es hier um verurteilte mörder geht), über den austausch: "Stimmen gegen den Austausch: Die Opfer werden noch einmal ermordet": http://www.hagalil.com/archiv/20... shalit-25/
diese tatsache bestätigt sich hiermit wieder erneut eindrucksvoll :
an statt den siedlungsbau zu stoppen, die gaza blockade zu beenden, den dialog mit den gemäßigten kräften zu suchen und die abbas-sche un - initiative zu unterstützen, stärkt man die radikale opposition durch die amnestierung ganzer kompanien radikaler terroristen und bereitet den boden zur nächsten runde der eskalation...
alles, auch die inkaufnahme künftiger opfer terroristischer gewalt, nur um die bildung und anerkennung eines souveränen palästinesischen staates samt staatsgebiet weiter zu verhindern und verschleppen...
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.
Alle Rechte vorbehalten. Nutzung ausschließlich für den privaten Eigenbedarf. Eine Weiterverwendung und Reproduktion über den persönlichen Gebrauch hinaus ist nicht gestattet.
Bitte geben Sie eine E-Mail-Adresse an.
Aktualisierung Ihrer E-Mail-Adresse
Ihre aktuelle und korrekte E-Mail-Adresse ist Voraussetzung für alle Benachrichtigungen, die Sie von derStandard.at erhalten (z.B. Antworten auf Ihre Postings, Hilfe bei vergessenem Passwort). Zusätzlich werden Sie Ihre E-Mail-Adresse künftig für das Login benötigen.
Daher bitten wir Sie um eine kurze Überprüfung und Bestätigung Ihrer E-Mail-Adresse. Ihre E-Mail-Adresse wird dadurch nicht für Dritte sichtbar!
Die von Ihnen angegebene E-Mail-Adresse ist bereits mit einem anderen Account verknüpft. Bitte geben Sie eine andere E-Mail-Adresse an.
Diese E-Mail-Adresse ist leider ungültig. Bitte verwenden Sie eine dauerhafte E-Mail-Adresse!
Eine E-Mail-Adresse kann nicht für mehrere Accounts verwendet werden!
Aktualisierung Ihrer E-Mail-Adresse
Danke für die Bestätigung Ihrer E-Mail-Adresse. Es wurde ein Bestätigungslink an die angegebene Adresse gesendet.
Aktualisierung Ihrer E-Mail-Adresse
Ein unbekannter Fehler ist aufgetreten. Die E-Mail konnte nicht gesendet werden. Bitte versuchen Sie es noch einmal.