Ab November

Metaller-Einigung bringt bis zu 5,3 Prozent

18. Oktober 2011 12:57
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    Foto: apa/pfarrhofer

    Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt - nach Streiks und Säbelrasseln hat man sich nun relativ rasch geeinigt.

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Während die Industrie von einer großen Bürde spricht, zeigen sich die Abeitnehmervertreter mit dem Ergebnis zufrieden

Die 165.000 Arbeiter und Angestellten der Metallindustrie dürfen sich ab 1. November 2011 über deutlich mehr Geld freuen. Sie erhalten im Schnitt um 4,2 Prozent mehr Lohn und Gehalt, Hilfsarbeiter um bis zu 5,3 Prozent zusätzlich. Außerdem wird die Elternkarenz deutlich ausgebaut. ÖGB-Präsident Erich Foglar ist mit dem Ergebnis zufrieden. Damit werde die Kaufkraft gestärkt, was der Konjunktur zugute komme und dem Wirtschaftsstandort nütze. Die stärkere Anhebung bei den unteren Einkommensgruppen ist für den ÖGB-Chef ein wichtiges Zeichen für die Niedrigverdiener, die in der Mehrzahl Frauen seien. "Das ist ebenfalls ein wichtiger Impuls für die Binnennachfrage, denn bei Niedrigverdienern fließt fast das gesamte Einkommen in den Konsum."

Auch Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl zeigt sich erfreut, dass der Konflikt durch Verhandlungen und nicht durch Streiks gelöst wurde. "Streiks bringen nichts, sondern beeinträchtigen das Vertrauen von Investoren in den Standort", betont Leitl. "Ich bin erfreut und erleichtert, dass unsere Verhandler mit Vernunft den Weg der Verhandlungen und nicht der Kampfmaßnahmen gegangen sind". Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) begrüßt die Einigung ebenfalls: "Sie haben den erfolgreichen Weg der österreichischen Sozialpartnerschaft fortgesetzt, der sowohl die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in den Mittelpunkt stellt als auch den Wirtschaftsstandort im Auge behält", so der Bundeskanzler.

Erfreulich sei der gute Lohnabschluss für die niedrigeren Einkommensgruppen, von dem vor allem Frauen profitieren. "Der Lohnabschluss stärkt die Kaufkraft der Menschen mit niedrigen Einkommen. Das hilft den Menschen und der Konjunktur". Die verhältnismäßig starke Anhebung der unteren Löhne sei auch ein gutes Signal für die kommenden Kollektivvertragsverhandlungen, zeigt sich der Bundeskanzler überzeugt.

Erfreut über den Abschluss für die Metallindustrie, für den Bergbau und für den Gas/Wärme-Bereich zeigt sich auch der Vorsitzende der Fraktion sozialdemokratischer GewerkschafterInnen (FSG), Wolfgang Katzian. Ziel der Gewerkschaft bei dieser Auftakt-Lohnrunde sei gewesen, "die Ängste und Sorgen der Menschen mit kleinem Einkommen zu mildern". Der Abschluss sei ein richtiges Signal. Vom stärkeren Plus für die Bezieher niedriger Einkommen würden besonders Frauen profitieren, auch die Anrechnung der Karenzzeiten sei ein "Meileinstein". Der Abschluss habe "Symbolkraft für die weiteren Kollektivvertragsverhandlungen".

Lob gibt es auch von Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ). "Ich bin froh, dass die Verhandlungen diesen Verlauf genommen haben und dieses Ergebnis gebracht haben", meinte er in einer Stellungnahme. "Das zeigt, dass die Sozialpartnerschaft sehr gut funktioniert."

Sorge bei der Industrie

Nicht erfreut ist hingegen der Präsident der Industriellenvereinigung (IV), Veit Sorger, der den Abschluss als "große Bürde für die Unternehmen angesichts der schwierigen konjunkturellen Entwicklung der nächsten Zeit" bezeichnet. Insgesamt sei das Ergebnis zur Kenntnis zu nehmen, so die Industrie. Man bringe grundsätzlich Verständnis dafür auf, dass niedrigere Löhne höher angehoben werden sollen, wenngleich die Abschlüsse für die überwiegend im internationalen Wettbewerb stehenden Unternehmen "zu hoch" seien. Dadurch werde der Rationalisierungsdruck für die Unternehmen weiter zunehmen - verstärkt durch die sich abschwächende Konjunktur. Sorger bedauert auch, dass die Chance auf EBIT-abhängige Einmalzahlungen nicht genutzt wurde.

Respekt zollt der IV-Präsident dem Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Christoph Hinteregger, und seinem Team angesichts der "schwierigen Verhandlungssituation". Deutliche Kritik übt er hingegen an den Arbeitnehmervertretern, die "mutwillig vom Zaun gebrochenen Streiks" nach der zweiten Verhandlungsrunde seien "völlig unverhältnismäßig und standortschädlich". Derartige "überzogene und offensichtlich lang vorbereitete Maßnahmen" hätten in den im internationalen Wettbewerb stehenden Unternehmen völliges Unverständnis hervorgerufen.

300 Millionen

Die Industrie kostet der Abschluss rund 300 Mio. Euro. Der Einigung am Dienstag um vier Uhr in der Früh in der Wirtschaftskammer-Zentrale in Wien war ein 14-stündiger Verhandlungsmarathon und ein Warnstreik vorausgegangen.

Konkret sieht das Ergebnis der Kollektivvertragsverhandlungen so aus (Ist- und KV-Löhne sind diesmal gleich hoch): Die untersten Beschäftigungsgruppen A und B erhalten um 4,4 Prozent mehr, durch eine Mindestaufzahlung von 80 Euro kommen sie unterm Strich auf ein Lohnplus von 5,3 Prozent. Die Gruppen C und D erhalten 4,3 Prozent zusätzlich, die Gruppen E und F 4,2 Prozent, die Gruppe G 4,0 Prozent und die Topverdiener (H, I, J, K) 3,8 Prozent mehr. Der Mindestlohn für die nächsten zwölf Monate liegt bei 1.583 Euro, nach zuletzt 1.515 Euro brutto.

Ausnahmegenehmigungen

Betriebe mit einer schwachen Ertragslage erhalten Ausnahmegenehmigungen. Wie diese genau aussehen, wurde am Dienstag in der Früh von den Verhandlern noch nicht präzisiert. Mit einem durchschnittlichen Plus von 4,2 Prozent liegt der Abschluss jedenfalls erheblich über der Inflationsrate der vergangenen zwölf Monate von 2,8 Prozent, die als Basis für die Kollektivverhandlungen herangezogen wurde. Auch die zuletzt hohe Inflationsrate von 3,6 Prozent wurde damit abgedeckt.

Die künftige Regelung der Elternkarenz bringt ebenfalls deutliche Verbesserungen für die Arbeitnehmer. Bisher wurden zehn Monate für ein Kind für die Gehalts-Vorrückung angerechnet, ab 1. November werden 16 Monate für jedes Kind berücksichtigt.

Kontruktive Gespräche

Christoph Hinteregger sowie Alfred Hintringer auf Arbeitgeberseite und Rainer Wimmer (Pro-Ge) sowie Karl Proyer (GPA) auf Gewerkschaftsseite bedankten sich nach der Einigung vor Journalisten beim Gegenüber für die konstruktiven Gespräche. Die angespannte Stimmung nach den Warnstreiks Ende der vergangenen Woche war schon bald nach Beginn der Verhandlungen am Montag wie verflogen. Wimmer betonte aber nach Verhandlungsende, dass der Arbeitskampf notwendig war, um der Arbeitgeberseite die Entschlossenheit der Belegschaft klar zu machen. Lapidarer Kommentar von Hinteregger: "Wir hätten darauf gerne verzichten können."

Am Mittwoch beginnen die Lohnverhandlungen für die rund 450.000 Handelsangestellten. Kein anderer Kollektivvertrag umfasst mehr Beschäftigte, die Mehrheit davon sind Frauen. Eine zentrale Forderung der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) ist deshalb die Anrechnungszeiten der Elternkarenz, so Proyer nach Abschluss der Metallerlohnrunde. (APA/red)

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Euphrosine Laetitia
 
20.10.2011 01:45
Die prozentuelle Lohnerhöhung

ist an sich eine fragwürdige Sache,da sie auf Sicht immer zu einem weiteren Auseinanderklaffen der Einkommensschere führt.In Zeiten hoher Inflation wären gleiche Fixbeträge für alle sinnvoll,da sonst immer mehr Leute unter die Armutsgrenze kommen müssen.Darauf werden die Unternehmen aber nicht eingehen.In Schweden sind Kollektivverträge oft so, dass die Leute mit niedrigen Einkommen einen Fixbetrag bekommen,der dem Prozentzuschlag mittlerer Einkommen entspricht.Außerdem gibt es noch einen Betrag,den der Arbeitsgeber den wichtigsten Leuten geben kann. Automatische Alterszuschläge gibt es schon seit 1973 nicht mehr.Deshalb werden ältere Arbeitsnehmer nicht wegen Lohnkosten durch jüngere ersetzt und die Beschäftigungsquote ist höher als hier.

horegg
19.10.2011 12:23
ein guter Abschluss

insbesondere dass die niedrigen Einkommens-Stufen deutlich stärker erhöht werden als die oberen ist hervorzuheben. Vor allem das sollten sich die Verhandler in den anderen Branchen zum Vorbild nehmen.

immofuchs
19.10.2011 12:43
sicherlich

jedem nach seinen Bedürfnissen, unabhängig von Leistung, Ausbildung,...
Diese "Sozial gerechten" unterschiedlichen Anpassungen sind schon bei Rentnern eine bedenkliche Sache, bei aktiven Arbeitnehmern eine Katastrophe.

Euphrosine Laetitia
 
20.10.2011 01:25
Unabhängig von Leistung

sind wohl vor allem die Managerlöhne. Nicht die Intelligentesten oder Tüchtigsten werden Manager, sondern die mit den besten Beziehungen und dem geringsten Einfühlungsvermögen. Wenn man wirklich intelligent ist, wird man Universitätsprofessor,wenn man etwas überdurchschnittlich ist,aber den richtigen "Stallgeruch" hat,kommt man in den Genuss völlig ungerechtfertigter hoher Löhne. Wenn die Belegschaft ihren Chef selbst wählen könnte oder seinen Lohn bestimmen,würde man leicht sehen, dass die "Leistung" der "Leistungsträger" nicht das wert ist, was sie dem Unternehmen kostet.
"Leistungsträger" beherrschen vor allem die Kunst, viel zu reden und dabei wenig zu sagen, und sie überschätzen sich kolossal. Die klinische Diagnose heisst Hypomanie.

immofuchs
20.10.2011 08:11
fast alles was sie schreiben ist 100% richtig

aber manager sind nicht im Kollektivvertrag (üblicherweise)

Melanie Kürbis
18.10.2011 19:44
..und vergesst niemals den MAGNA-STRONACH Brief nicht...

...ohne Unterschrift, Drohung gegen Streik.
Dieer Wicht glaubt, er kann die Regeln vorgeben...
In Kananda vielleicht, nicht hier Herr Wolf, Herr Stronach....

Gegenflieger
18.10.2011 21:29

Nicht einmal dort.

henriette mayr
18.10.2011 18:40
gratulation der wirtschaftsseite für ihre einsicht.

und gratulation den metaller-verhandlern, naturgemäß.

Cuchullain
18.10.2011 17:49
Bravo metaller!

Karl Hubert Triernpurg
18.10.2011 17:21
angewandte benjaformel:

42mitarbeiter * durchschnittlich 4,5% = minus 1,89 :

aufgerundet tschüss für zwei mitarbeiter. macht nix, die gewerkschaftler haben eh versprochen, dass die verbleibenden produktiver werden.

SK26
18.10.2011 18:41
na hören sie mal...sie brauchen auch gar keinen angestellten bezahlen, SIE haben die eingestellt...und wenn sie mehr leute eingestellt haben als sie brauchen sind sie selber schuld,

niemand stellt jemanden zum däumchen drehen an, wenn sie leute feuern die eigentlich gebraucht werden, wird ihr Produkt darunter leiden und dadurch ihr absatz...ein schuss ins knie für sie...ein gut ausgebildeter metaller findet schon einen anderen job...aber bevor sie ihr "Einkommen" senken, schmeissen sie lieber 2 Leute raus und reduzieren die Qualität ihres Produkts, Managerlogik...oder sie haben von vornherein "unnötige" Leute zum Däumchendrehen angestellt? Was machen die 2 Leute die sie raus schmeißen bis jetzt? Kann ja nicht so wichtig gewesen sein...unnötig Leute beschäftigen ist schlechtes Management

immofuchs
19.10.2011 12:45
Antwort zu Ihren richtigen Argumenten

Leiharbeiter

ichbinsofrei.net
18.10.2011 21:07

Nehmen'S den ned so ernst, des is nur ein Trollkasperl von IV/WK/VP.

wackelkandidat
18.10.2011 17:14

Warum kriegen die nur so wenig?
Der Treichl hat auch 85% Gehaltserhöhung Anfang dieses Jahres bekommen.

Ganz vergessen, Herrenmenschen steht schließlich mehr zu als Proleten.

Cuchullain
18.10.2011 17:32
Treichl hat es auch geschafft,...

...aus einem "gewinn" einen 900 mio. Verlust zu zaubern!
Wird gegen treichl eigentlich anklage erhoben werden?
(siehe profil von dieser woche)

madathara
18.10.2011 16:58

da sieht man wieder einmal wie wichtig unsere gewerkschaften sind! eine der wenigen organisationen die sich noch für die menschen einsetzen. für eine starke gewerkschaft - für uns menschen!

immofuchs
19.10.2011 12:46
Tabletten vergessen?

madathara
19.10.2011 15:24

ja die kapitalismuskritik-mundtotmachenden tabletten nehm ich schon länger nicht mehr. auch die neoliberalen-gehirnwaschtabletten habe ich abgesetzt. selbst die obrigkeitshörig-kusch-tabletten stehen nicht mehr auf meinem speiseplan.

immofuchs
19.10.2011 15:39
Schade!

weil sonst würden Sie erkennen, dass seit mindestens 1990 die Gewerkschaften Teil der Gruppe sind, die ein Reallohnwachstum verhindert hat.
Man soll sich freuen, wenn eine vernünftige Inflationsabgeltung des vergangenen Jahres kommt, aber jubeln und die letzten 20 Jahre gewerkschaftlichen Tuldens vergessen? - niemals!

madathara
19.10.2011 16:19

da haben sie recht. die gewerkschaften haben lange die reallohnkürzungen hingenommen. sie hätten aufstehen müssen und für die arbeitnehmer nachdrücklich das fordern müssen was ihnen zusteht. in der vergangenheit wühlen ist sicher wichtig, aber man muss auch die gegenwart und zukunft wahrnehmen. und insofern, trotz aller fehler ist es schön, dass die gewerkschaft wieder ein lebenszeichen von sich gibt. zwar nur ein kleines aber immerhin. ich hoffe die anderen gewerkschaften nehme sich das zum vorbild und fordern ab jetzt jedes jahr gerechte anteile für die arbeitende bevölkerung am vermögen und am gewinn.

edurkheim
18.10.2011 17:32
Hauptsächlein aber für Millionen fürn Werner

kopfsalat
18.10.2011 17:18
und fuer die katzen!

bullenvor
18.10.2011 17:28

Wenn Sie eine haben bringst auch Ihrer
Katz was !!!! : ) Haben die Unternehmer
mal nachgeben muessen ! Find ich gut !!!

derHofer
18.10.2011 16:41
koennten wir naechstes jahr nicht

statt immer mehr lohn von der firma zu fordern
die gewerkschaftler einfach zur finanzministerin schicken
die sollen dann die lohnsteuer senken
(verwaltungsreform oder so kleinigkeiten zur querfinanzierung…)

ichbinsofrei.net
18.10.2011 21:08

Am besten beides: Mehr Lohn und Senkung der Lohnsteuer fordern.

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