Der Biedermann, der Präsident werden will

Stefan Brändle, 17. Oktober 2011, 22:43

François Hollande könnte Nicolas Sarkozy entmachten

"Also ehrlich: Können Sie sich François Hollande als Staatschef vorstellen?", lästert Laurent Fabius, eine Koryphäe der französischen Sozialisten. Doch ausgerechnet der ewig jugendliche Possenreißer, der bauernschlaue Bonvivant, der Naivling mit dem Treuer-Hund-Blick strebt nun in das höchste Amt der Nation! In der Pariser Elite können es viele kaum fassen, aber Hollande (57) hat laut Umfragen tatsächlich beste Chancen, Nicolas Sarkozy im Mai 2012 aus dem Élysée-Palast zu jagen.

2007 lachte die Nation noch über ihn, als ihn seine Lebenspartnerin und damalige Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal kurzerhand vor die Tür setzte, weil er sie mit der Journalistin Valérie Trierweiler betrogen hatte. Diese hat ihn überredet abzunehmen und Maßanzüge zu tragen, um endlich sein Image des rundlichen, umgänglichen Biedermanns loszuwerden.

Der Arztsohn aus der Normandie arbeitete hart an sich, um kantiger zu wirken. Er beginnt nun seine Sätze forsch mit "Ich will" und gibt mit dem rechten Arm die Richtung vor - so, wie man es im Medientraining lernt.

Das genügt aber noch nicht, es ist auch Glück nötig: Im Frühling strauchelte der Hoffnungsträger der Sozialisten, Dominique Strauss-Kahn, wegen Vergewaltigungsvorwürfen, und Hollande präsentierte sich prompt als "neuer" Kandidat. "Neu" war er aber noch weniger als seine Kontrahentinnen Royal und Martine Aubry. Der Absolvent der Eliteschule ENA ist seit mehr als drei Jahrzehnten Berufspolitiker - neu ist wohl einzig sein Look. Und das Glück eben: Die Franzosen haben die Nase voll von Sarkozys Überdrehtheit und Neureichen-Gehabe; ein sympathischer Durchschnittsbürger kommt ihnen da gerade recht.

Hollande redet viel, ist richtig schlagfertig geworden. Doch was sagt er eigentlich? Er "will" den Schuldenberg abbauen - aber zuerst 60.000 neue Lehrer einstellen. Er "will" die Atomenergie zurückfahren - aber auch ihre Erforschung fördern. Er "will" das Pensionsalter erhöhen - aber nur für einzelne Gruppen.

Hollande, der Konsenspolitiker, möchte es allen recht machen. Das macht ihn für Sarkozy gefährlich: Der Sozialist, der kaum Sozialdemokrat ist, spricht viele Mitte-Wähler an.

Doch wird man Staatspräsident, wenn man "langweilig normal" ist? Hollande zieht sich mit einem Bonmot aus der Affäre: "Ich weiß, dass ich kein Präsidentengesicht habe, aber es gibt viele, die haben eines und werden es trotzdem nie." (Stefan Brändle, STANDARD-Printausgabe, 18.10.2011)

Vater von Lisa
00
18.10.2011, 13:48
Gegen Sarkozy hat er wahrscheinlich trotzdem keine Chance.

Was ihm fehlt?
Eine schöne Frau und ein Baby im Arm!

Fritz Meyer
00
18.10.2011, 09:55
Der Beelzebub, der den Teufel austreiben will.

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