Proporz in den Ländern

"Geteilte Verantwortung", die niemand so recht will

17. Oktober 2011, 20:22
  • Artikelbild
    foto: apa/schlager

    Erwin Pröll könnte mit seiner VP in Niederösterreich allein regieren, wenn der Proporz abgeschafft wird.

Die Atmosphäre zwischen VP und SP ist in Niederösterreich auf dem Tiefpunkt - Das könnte nun dazu führen, dass der Proporz abgeschafft wird - Vor Verhandlungsbeginn sind die Positionen aber denkbar unterschiedlich

Anderswo ist es parlamentarischer Alltag, in Niederösterreich glich es einem politischen Erdbeben: 2008, wenige Monate nach der letzten Landtagswahl, verweigerte die SP erstmals ihre Zustimmung zum Landesbudget. Prompt wurde das Ressort des roten Landeshauptmann-Stellvertreters Josef Leitner ausgeräumt, VP und SP feinden einander seither offen an. Dieser Zwist könnte nun in einer groß angelegten Verfassungsreform münden.

VP-Klubobmann Klaus Schneeberger und sein rotes Gegenüber Günther Leichtfried verhandeln ab heute, Dienstag, über eine Abschaffung des Proporzes in der Regierung; also über jene Regelung, die besagt, dass jede Partei ab einer gewissen Stärke - etwa zehn Prozent - in der Landesregierung vertreten ist. Derzeit stellt die VP sechs Regierungsmitglieder, die SP zwei, die FP eines.

Dabei beteuern beide Klubobleute, dass sie eigentlich Anhänger des Proporzes seien, und sprechen praktisch unisono von der "geteilten Verantwortung". Aber SP und VP tun sich in Niederösterreich so schwer miteinander, dass sie ihre Justament-Haltung aufgegeben haben; die VP schon im Sommer 2009, als sie einem entsprechenden Antrag der Grünen im Landtag zugestimmt hat. Im Juli lenkte dann auch Leitner ein, vorausgesetzt, im Zuge der Proporz-Abschaffung werde das "gesamte politische System in Niederösterreich überarbeitet".

Gleichzeitig befasst die SP den Verfassungsgerichtshof (VfGH) mit dem Proporz, konkret mit der Frage, ob neben den Sitzen in der Landesregierung auch das Geld gemäß der Stimmenstärke aufgeteilt werden müsste. Trotz 25 Prozent bei der letzten Wahl verwalten die beiden roten Landesräte nur sieben Prozent des Budgets. Eine Entscheidung steht noch aus, VP-Klubobmann Schneeberger richtete der SP allerdings postwendend aus, sie könne sich mit ihrer Frage statt an den VfGH genauso gut an das Salzamt wenden.

VP will mit Experten regieren

Entsprechend der schwarz-roten Stimmungslage gehen die beiden Klubobleute mit recht unterschiedlichen Vorstellungen in die Proporz-Verhandlungen. Schneeberger will im Falle der Abschaffung den Informationsfluss an den Landtag verbessern, ansonsten sieht er aber "keinen Anlass für Veränderungen". Außerdem soll es schnell gehen: Etwa ein Jahr vor der Landtagswahl, die planmäßig im Frühjahr 2013 stattfindet, solle die Regierung umgebildet werden; das sei "das Ehrlichste den Wählern gegenüber". Obwohl die VP die absolute Mehrheit stellt, sollen auch unabhängige Experten mitwerkeln, Schneeberger will keine "monokolore" Landesregierung. Rein technisch müssten dazu die SP- und FP-Landesräte auf ihren Sitz verzichten.

"Darüber mache ich mir gar keine Gedanken", sagte SP-Klubobmann Leichtfried am Montag dem STANDARD, für ihn ist klar, dass die Proporzabschaffung erst nach der Wahl wirksam werden soll. Daher gebe es auch keinen unmittelbaren Zeitdruck für die Verhandlungen. Vor allem beim Budget müsse der Landtag deutlich mehr Kontrollrechte bekommen, die Mandatare sowie der Landesrechnungshof sollen eingebunden werden, bevor das Zahlenwerk fixfertig zur Abstimmung vorgelegt wird. Das würde einem "modernen Demokratieverständnis" entsprechen, meint Leichtfried.

Für die Abschaffung des Proporzes ist eine Zwei-Drittel-Mehrheit notwendig, die es im Landtag theoretisch auch ohne die SP gäbe; die Freiheitlichen haben aber mehrfach signalisiert, dem keinesfalls zuzustimmen. Auch die Grünen, die die Debatte ins Rollen gebracht haben, fordern einige Zugeständnisse an die Opposition. Sie können mit ihren vier Abgeordneten derzeit weder einen Antrag einbringen noch eine aktuelle Stunde fordern. Das soll künftig ab zwei Mandataren möglich sein, fordert Landesgeschäftsführer Thomas Huber. Außerdem soll - wie in Wien - das Einsetzen von Untersuchungskommissionen Minderheitenrecht werden. (Andrea Heigl, DER STANDARD, Printausgabe, 18.10.2011)

Kommentar posten
21 Postings
eo ipso
00
Alle Nöer bekommen die Nö Frisur geschnitten nach dem Vorbild des Landesvaters

mit breitem Mittelscheitel und zum Teil schulterlangen Ohren. Damit sich die NÖer außerhalb des tollsten Landes auch gleich erkennen und im Gedenken an den Landesvater Erwin Kim Yun Pröll die Glorie seines großartigen Schaffens hinaustragen in die Weiten des etwas rückständigem Restösterreichs.

Meine lieber Erwin, Dich zu ehren möchte ich eine Frisur wie du!!!

Loup Garou
00
18.10.2011, 16:23
vielleicht könnte man den Proportz gleich gemeinsam mit dem Landtag abschaffen.

Und zwar gleich in allen Bundesländern.

Da hätten dann wirklich alle was davon...

fliederfaust
00
18.10.2011, 16:07
Proporz abschaffen? In NÖ?

MUAHAHA!
Da wird vorher noch der Obama zum guten Präsidenten!

Günther FRANZ
02
18.10.2011, 12:04
Warnung an ALLE!

Ich warne davor in der derzeitigen Situation solchen Menschen die Allmacht zu geben. Was würde dabei rauskommen? Er der Allmächtige würde, wahrscheinlich per Gesetz, zum Sturm auf alle "Nichtgläubigen" blasen. Wenn jetzt schon Regierungsmitgliedern die Einsicht in Unterlagen (siehe Prüfbericht Rechnungshof) verweigert wird - was geschieht erst mit "normalen" Mandataren. Die haben ja noch weniger Chance darauf.

Nicholas Blarney
 
00
18.10.2011, 11:07
Nun, die Abschaffung des Proporzes bedeutet primär,

auf eventuelle Wahlgewinne der Opposition nicht mehr Rücksicht nehmen zu müssen...

badboy1010
26
18.10.2011, 10:22
Wer braucht in Österreich separate 9 Landesregierungen und 22 verschiedene Krankenkassen - niemand!!

evtl. sollte hier begonnen werden und nicht nur im VP Kindergarten NÖ. vermutlich werden wir es nie erleben.

obibiber
00
18.10.2011, 10:01

schön langsam sollte es dann vielleicht doch auch mal sowas wie demokratie geben, die oligarchie sollte doch schon jedem den rest gegeben haben...

meineMeinung
01
18.10.2011, 09:39

Erwin Pröll könnte mit seiner VP in Niederösterreich allein regieren, wenn der Proporz abgeschafft wird.

Was soll dieser Satz? Das macht er ja ohnehin.

Seine Günstlinge in den Gemeinden bekommen Steuergelder in den Allerwertesten geschoben um sündteure Spielplätze, Kreisverkehre, die niemand braucht, oder wasweisichnochwas zu bauen, um ja bei der Bevölkerung zu punkten.

Aber es ist immer noch UNSER Geld, das hier verbraten wird.

02
18.10.2011, 12:16
Das fängt schon im Kleinen an...

Sogar in von Rot regierten zusammengelegten Gemeinden in NÖ (!) bekommen die roten Gemeindeteile Spielplätze, Schulen, etc. und die schwarzen Katastralgemeinden nichts.
Führen sich alle, ausnahmslos alle, auf wie im Kindergarten, die stolzen alten Männer.

W. B.
02
18.10.2011, 08:02
Jede Woche ein neues Karnickel aus dem Erwinzylinder...

Zwei Literaturzitate zu E.P. -

Eines zur Person und eines,wenn ich seinen Namen lese:

"Man sollte sich vor Menschen hüten, die nur ein Buch gelesen haben" sagt Giacomo Casanova und

"Ich krieg den Blutkoller", heißt es bei Dashiell Hammett...

Jepedaia Springfield
01
18.10.2011, 07:52
Dieser Zwist könnte nun in einer groß angelegten Verfassungsreform münden.

dann könnten die NÖ Politiker gleich für Direkte Demokratie in der Landesverfassung sorgen die auch praktikabel ist.

didi111
06
17.10.2011, 21:02
Die ÖVP will Experten in der Regierung?

Na servas, da kann der Musiklehrer Sobotka als Finanz -und Gesundheitslandesrat abdanken.

Brutal vom Erwin, also wirklich...

Loup Garou
00
18.10.2011, 16:26
na vielleicht holt er sich die "Experten" ja aus der Bundesregierung.

Österreichische Verbrecher Partei!
01
18.10.2011, 00:19
Ist doch ein guter Ansatz, bis dato sitzen eh nur Dupfbacken und sonst nicht vermittelbare Parteigünstlinge dort

wär doch mal was neues, Personen mit Expertise in die Regierung zu schicken

DiscoDiskurs
029
17.10.2011, 20:40
Abschaffen, abschaffen, abschaffen!

Und zwar die Bundesländer samt ihrer Landeskaiser (und -innen, so es denn ab und an eine gibt).

Niemand braucht Erwin Pröll und seine Kollegen. Die sind einfach nur teuer, haben kaum Kompetenzen und blockieren jeden sinnvollen Reformschritt.

Wir sind so groß wie Bayern und haben die dortige Bürokratie einfach mal verneunfacht. Und nochdazu mit absurden Auswüchsen. Wenn man nach Niederösterreich schaut, kann von Demokratie keine Rede mehr sein. Und wer mal mit E. Pröll aneinander geraten ist, weiß, dass er agiert wie ein Monarch... Das sollte im 21. Jh. schlicht nicht mehr möglich sein.

Nicholas Blarney
 
40
18.10.2011, 11:10
Sie wissen aber schon auch, daß unser...

...Staat ursprünglich unter anderem deshalb so strukturiert wurde, damit ihn keiner so einfach als "zusätzliches" deutsches Bundesland sehen kann...

Hoinz
 
01
18.10.2011, 16:46
Blödsinn!

badboy1010
00
18.10.2011, 10:25
ganz meiner Meinung!

Garfield2
02
18.10.2011, 09:27
Ich seh auch nicht ganz ein, dass man eh schon (fast) alle Parlamentarier als Lobbyisten ins Paralament schickt,

damit die die Laenderinteressen vertreten und dann hat man noch 9 zusaetzliche Landesparlamente und einen Bundesrat. Das Ergebnis ist eine undurchschaubare Verwaltung und eine Gesetzeslabyrith, das kein Mensch mehr durchschaut und das sinnvolle Reformen unmoeglich macht.

Ich bin dafuer, die Laender beizubehalten, aus historischen Gruenden, ihnen aber nurmehr ausfuehrende Pflichten zu geben, und dafuer die Stimme in Wien zu verstaerken, zB, indem man den Bundesrat wirklich einen Sinn gibt. Der jetzige Status-Quo, der ein paar unwichtigen Hamtidamtis so viel Macht gibt, ist fuer einen Zwergenstaat wie Oesterreich einfach nur Schwachsinn.

Steinbock1959
00
18.10.2011, 05:21

Viele Köche verderben den Brei.

Benjamin Klein
01
17.10.2011, 20:33
was wollte der Verfassungsrechtler Khelsen 1919/1921 mit dieser Regelung?

Auf keinem Fall wollte er Landesfürsten !

die Länder sollten nicht die Aufgaben des Bundesstaates wahrnehmen,

die Kollegialorgane "Landesregierung" sollten die Angelegenheiten nicht in Konfrontation sondern in Kooperation erledigen ....

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.