Der britische Ölkonzern BP taxiert die Kosten für die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko mit 42 Milliarden Dollar - Partner Anadarko hat jetzt eingelenkt
Wien/Houston - Der britische Ölkonzern BP und sein US-Partner Anadarko haben ihren Streit über die Kosten der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko beigelegt. Die Vereinbarung sieht vor, dass der Ölfeldbetreiber Anadarko Petroleum insgesamt vier Milliarden US-Dollar (2,88 Milliarden Euro) an den britischen Ölkonzern zahlt. Beide Seiten verzichten auf weitere Forderungen. Das teilte BP am Montag mit.
Der britische Mineralölkonzern wird umgekehrt für die Schadensersatzforderungen aufkommen, die im Zuge der Ölpest auf Anadarko Petroleum zukommen. BP erklärte, das Geld werde dazu in einen 20-Milliarden-Dollar-Topf fließen.
Einigung nach monatelangem Streit
Die nun erzielte Einigung beendet einen monatelangen Streit zwischen den Inhabern der fraglichen Bohrlizenz um Entschädigungszahlungen an die Betroffenen der Ölpest. BP war zum Zeitpunkt der Havarie mit 65 Prozent Konsortialführer. Anadarko, als Unternehmen mit 4300 Mitarbeitern und zuletzt jährlich neun Milliarden Dollar Umsatz einer der "großen Kleinen" in der internationalen Ölbranche, war mit einem Viertel am Ölprojekt rund um die Quelle Macondo mit der Bohrinsel Deepwater Horizon beteiligt. Die restlichen zehn Prozent hielt Moex Offshore, ein Tochterunternehmen des japanischen Mischkonzerns Mitsui. Sowohl Mitsui als auch Anadarko haben eine Mitschuld lange Zeit von sich gewiesen. Anadarko hat jetzt im Zuge der Einigung zugesichert, seinen Viertel-Anteil am Bohrloch BP zu übertragen.
Die Explosion der Deepwater Horizon im April 2010 hat die schlimmste Ölkatastrophe in der Geschichte der USA verursacht. Nach eigenen Angaben kosten die Folgen der Ölkatastrophe BP 42 Milliarden Dollar, einschließlich der staatlich verhängten Strafen von 3,5 Milliarden Dollar.
Beteiligung an Strafzahlungen und Aufräumarbeiten
Anadarko wäre wegen seines 25-Prozent-Anteils an dem Projekt auch verpflichtet, ein Viertel des fälligen Schadensersatzes und der von der Regierung verhängten Strafen zu leisten. Das Unternehmen hätte aber auch dieser Pflicht entgehen können, wenn es vor Gericht gelungen wäre, BP grobe Fahrlässigkeit nachzuweisen. In diesem Fall hätte der Schaden für BP potenziell um bis zu 18 Milliarden Dollar ansteigen können. Auf diese Option verzichtet Anadarko nun.
Die Einigung mit Anadarko kommt fünf Monate nach einer ähnlichen Vereinbarung mit Moex Offshore. Moex sagte zu, etwa die Hälfte der von BP anfangs verlangten 2,1 Milliarden Dollar zu zahlen. Auch andere beteiligte Unternehmen wie der Zementzulieferer Halliburton oder der Plattformbetreiber Transocean müssten sich an Strafzahlungen und Kosten für Aufräumarbeiten "angemessen beteiligen", forderte BP.
An der Börse London stiegen die BP-Aktien um teilweise mehr als fünf Prozent. (dpa, Reuters, red, DER STANDARD; Printausgabe, 18.10.2011)