Achten, dass "alle Parteien vorkommen"

17. Oktober 2011, 18:49
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Alle vier Wochen bitten Experten einen wechselnden Gast zum Branchentalk - Das Thema am Dienstag verspricht Selbstironie: Talkshowflut

Wien - Nach rund 45 Minuten ist vorerst Schluss beim Medienquartett. Ein vor laufender Kamera vorgenommener Gästeswitch verläuft nicht wunschgemäß: Die Fernsehjournalistin und TV-Produzentin Claudia Bender überließ ihren Platz der Philosophin Herlinde Pauer-Studer - jetzt stimmt die Ausleuchtung nicht mehr. "Ich bin dafür, dass die Szene bleibt", kommentiert eine Okto-Mitarbeiterin einen Stock höher vor dem Fernsehgerät die Unterbrechung und signalisiert, dass es sich bei dieser Aufzeichnung nicht um eine 08/15-Diskussion handelt: Das Medienquartett will eben nicht nur über Medien reden, sondern auch zeigen, wie sie funktionieren. Astrid Zimmermann, Generalsekretärin des Presseclub Concordia, Okto-Vorstand und eine der Initiatorinnen des Talks, hofft dennoch, "dass uns das bei der Live-Sendung nicht passiert."

Ab Dienstag lädt der Bürgersender alle vier Wochen um 20 Uhr zum Branchentalk in abgewandelter Tradition des legendären Literaturtalks. Mit Titelmelodie von Beat Furrer wird allerdings nur beim ersten Mal aufgezeichnet, danach bittet Armin Thurnher ("Falter") zum Live-Talk. Bei Abwesenheit springt Zimmermann ein. Neben Thurnher machen STANDARD-Bloggerin Rubina Möhring (Reporter ohne Grenzen), Simon Inou vom Verein M-Media für interkulturelle Medienarbeit und ein wechselnder Gast die Viererrunde komplett.

Proporz beim Talk

Die "Metametaebene" besetzen Pauer-Studer oder der Didaktiker Herbert Hrachowetz: Einer von beiden löst den Gast nach der Halbzeit ab und ordnet das Gespräch mit Fachverstand ein. Um Sinn und Notwendigkeit von Talkshows geht es in der ersten Runde. Verbaler Schlagabtausch wie einst zwischen Marcel Reich-Ranicki und Sigrid Löffler beim "Literarischen Quartett" findet zwar nicht statt, dafür konzentriert sich das Interesse schnell auf den Gast, der bereitwillig und pointiert Auskunft gibt. "Proporz" gebe es bei deutschen Talks, erzählt Bender, einst Chefin vom Dienst bei Deutschlands ehemals erster Polittalkerin Sabine Christiansen. "Es muss darauf geachtet werden, dass alle Parteien vorkommen - nicht immer gleichzeitig, aber über das Jahr verteilt, sonst gibt's Ärger mit dem Kanzleramt." Der kalkulierte Medienauftritt lässt kaum Spielraum, sagt Bender: "Überraschungsgäste sind die Katastrophe. Kein Politiker würde sich darauf einlassen."

Umso mehr ist Bender "fasziniert, dass so viele Menschen die vielen Talkshows schauen, sich für Themen interessieren, "die sie selbst wahrscheinlich gar nicht erklären könnten." Ein Phänomen, meint Bender: "Sie schauen eine Stunde eine Sendung zu einem Thema an, über das sie danach möglicherweise nicht mehr wissen als vorher." Hoffentlich nicht auch beim Medienquartett. (Doris Priesching/DER STANDARD, Printausgabe, 18.10.2011)

  • Talk über Talk: Simon Inou vom Verein M-Media, Bloggerin Rubina Möhring,
 "Falter"-Chefredakteur Armin Thurnher und TV-Produzentin Claudia Bender.
    foto: okto/gudrun krieger

    Talk über Talk: Simon Inou vom Verein M-Media, Bloggerin Rubina Möhring, "Falter"-Chefredakteur Armin Thurnher und TV-Produzentin Claudia Bender.

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