Hitler und Stalin

"Man soll alle Verbrechen betrachten"

Interview | Michael Freund, 18. Oktober 2011, 06:15
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    foto: michael freund/standard

    Timothy Snyder lehrt an der Yale University. Im kommenden Jahr wird er beim Institut für die Wissenschaften vom Menschen in Wien arbeiten. Dort wird am Donnerstag auch sein Buch vorgestellt.

Der amerikanische Historiker Timothy Snyder, Autor des eben auf Deutsch erschienenen Buches Bloodlands, ...

... denkt über die Bewertung der Verbrechen Hitlers und Stalins nach. Mit ihm sprach Michael Freund.

***

STANDARD: In Ihrem Buch Bloodlands behandeln Sie Europa zwischen Hitler und Stalin und schildern die Gesamtheit der Verbrechen, die an der Zivilbevölkerung begangen wurden. Die Rezensionen waren sehr positiv, in einer war allerdings zu lesen, dass Sie nicht auf den deutschen Historikerstreit um die Einzigartigkeit des Holocaust eingegangen sind. Gab es einen besonderen Grund dafür?

Snyder: Im Historikerstreit hatte jeder Unrecht. Jürgen Habermas hatte seinerzeit einen Rahmen vorgeschrieben, innerhalb dessen die Diskussion stattzufinden hatte. Es gab also eine ideologische Zensurhaltung, kombiniert mit relativ wenig Sachwissen. Es kam in Deutschland aber seither zu einem unglaublichen Fortschritt, was allein den Zuwachs an Wissen über jene Zeit angeht. Durch die fortgesetzte Arbeit am Thema wurde der Holocaust einerseits noch schlimmer, andererseits plausibler als Faktum. Wenn man ihn als metaphysisch einzigartig betrachtet, entzieht man ihn der Geschichte - und was kann man dann noch machen?

STANDARD: Was halten Sie von der Kritik, dass der Holocaust heute als Waffe von verschiedenen Seiten in politischen Debatten benutzt wird?

Snyder: Der Holocaust fungiert als nationaler Mythos in Israel, so wie der Zweite Weltkrieg als nationaler Mythos in Russland fungiert oder Katyn in Polen. Das ist eine der Arten, in der der Holocaust Geschichte geworden ist: indem er nationale Mythen produziert hat. Viele Leute sind unsicher, was sie von diesem Geschichtsphänomen halten sollen, weil sie zu wenig wissen, was sonst alles an Untaten vorgefallen ist. Was Bloodlands gezeigt hat, ist, dass der Holocaust bei weitem das schlimmste Verbrechen war, nicht nur wegen des Rassenmotivs, sondern weil mehr Menschen darin umgekommen sind als in jedem anderen deutschen oder sowjetischen Verbrechen. Das kann man aber nur sagen, wenn man sie alle betrachtet. Ich denke, man soll sie alle betrachten, damit man sie werten und gewichten kann - viele Forscher scheuen sich aber davor.

STANDARD: Unter Linken gibt es einige, die Stalins Verbrechen entweder abstreiten, oder nicht wahrhaben wollen, dass es Tötungsquoten für die Beamten gab, oder sagen, dass das eine oder andere aus einem höheren Grund passiert ist.

Snyder: Das gibt es noch vielfach. Gerade dieses „Für einen guten Zweck"-Argument hört man. Das waren die Argumente der Machthabenden, und sie sind einfach nicht wahr. Die Sowjets haben den Krieg nicht wegen dieser Aktionen gewonnen ....

STANDARD: ... sie haben ihn trotz dieser Taten gewonnen.

Snyder: Ja. Und sogar wenn es so gewesen wäre, ist das kein historisches Argument, sondern ein metaphysisches. Wenn die Nazis die bad guys waren, dann müssen wir auch good guys gehabt haben, also die Sowjets. Und was immer wir über sie sagen, so schlimm können sie nicht gewesen sein, weil die wirklich Schlimmen waren die Nazis. Wir haben immer noch diese Mentalität, dass man gegen die eine und daher für die andere Seite sein muss. Es war für uns Amerikaner schwer zu akzeptieren, was in der Sowjetunion wirklich vorging. Zum Zeitpunkt als die USA sich mit den Sowjets verbündeten, hatten die mehr Menschen getötet als die Nazis.

STANDARD: In den USA war man kaum über die Verbrechen der Sowjets in den Dreißigerjahren, insbesondere den systematisch herbeigeführten Hungertod von Millionen in der Ukraine, informiert - auch nicht durch die New York Times, die immerhin einen Korrespondenten in Moskau hatte.

Snyder: Dazu muss man sagen, dass dieser Reporter ein Apologet Stalins war, der das Modernisierungsargument schluckte. Außerdem wollte er wahrscheinlich den Zugang zu seinen Quellen nicht verlieren. Die Times veröffentlichte aber mindestens zwei Beiträge, ohne Namenszeile, die die Lage ziemlich gut schilderten; nur waren das Einspalter irgendwo hinten im Blatt. Die amerikanischen - und englischen - Leser hatten wenig Ahnung, was in der Sowjetunion wirklich passierte. Und als wir Alliierte wurden, lief die Hollywood-Propagandamaschine an mit ihren pro-sowjetischen Filmen. Erst im Kalten Krieg begann die Kritik an Moskau - und da war die Situation dort nicht mehr so extrem schlimm.

STANDARD: Nach dem Tod Stalins 1953 war das Allerschlimmste vorbei. Es gab aber noch Ungarn 1956 oder Tschechoslowakei 1968.

Snyder: Da gab es bis zu Tausende von Toten, aber nicht Hunderttausende. Die Sowjetunion wandelte sich von Massentötungen plus Gulag zu Gulag. Weniger wurden umgebracht, mehr in die Gulags geschickt. Das Herz der Dunkelheit aber war der vorsätzliche Hungertod vor allem in der Ukraine gewesen, und die vorsätzlichen massenhaften Erschießungen.

STANDARD: Ihre nächste Arbeit war ein Buch, das Sie mit dem im August 2010 verstorbenen Historiker Tony Judt zusammengestellt haben. Wie kam es dazu?

Snyder: Wir haben uns 2009 fast jede Woche getroffen. Das Buch wird im Wesentlichen aus Abschriften unserer Gespräche bestehen, die ich manchmal durch eigene Beobachtungen ergänzt habe. Das Ganze kam zustande, als ich merkte, dass Tony, der an einer fortschreitenden Nervenerkrankung litt, nicht mehr seine Hände benutzen, nicht mehr schreiben konnte. Wir sind die einzelnen Kapitel durchgegangen und haben das Buch noch im Juli 2010 gemeinsam fertigstellen können - was wir gar nicht mehr gehofft hatten.

STANDARD: Was waren die Themen?

Snyder: Es ging unter anderem um Marxismus und Liberalismus, Intellektuelle in der Öffentlichkeit, die Einheit Europas, Keynes vs. Hayek und anderes mehr. Es ist sozusagen sein Vermächtnis als Zeitgeschichtswissenschafter. . Er hat sich zum Schluss von der Zusammenarbeit mit mir emanzipiert und auf eigene Faust bis zu seinem Tod autobiographische Essays diktiert, für die New York Review of Books, über sehr persönliche Anliegen.

STANDARD: Sie verfolgten währenddessen einen Ihrer Forschungsschwerpunkte weiter und werden einen Band mit Beiträgen über den Holocaust veröffentlichen.

Snyder: Ja, ein Teil ist schon geschrieben und publiziert, Manches entsteht erst. Eines der Themen, um die es geht, ist der Antisemitismus. Wenn er für die Ereignisse hauptverantwortlich gemacht wird, dann muss man sich fragen, wie Polen, Ukrainer, Juden, Litauer in den hauptsächlich betroffenen Gebieten 500 Jahre lang relativ friedlich zusammenleben konnten. Was nicht heißen soll, dass es damals keinen Antisemitismus gegeben hat ....

STANDARD: .... es gab immer wieder Pogrome ....

Snyder: .... ja, aber alle Pogrome vor dem Ersten Weltkrieg zusammengezählt haben weniger Tote zur Folge gehabt als eine Woche im Oktober 1941. Die Pogrome waren schrecklich, die Reaktionen waren heftig, aber im Vergleich zu später waren die Mordtaten sehr wenige. In den Zwanzigerjahren nach dem Ersten Weltkrieg kam es zum Mord an Zehntausenden Juden in der Ukraine. Das waren keine Pogrome, sondern die Taten verschiedener Armeen, die durch das Land stürmten und sich an jüdischem Eigentum und Leben vergriffen. Juden leiden, wenn es kein Gesetz gibt. Das gilt sogar für den Zweiten Weltkrieg: In Ländern, in denen es noch irgendwelche Gesetze gab, hatten die Juden größere Überlebenschancen.

STANDARD: Das galt womöglich sogar für Deutschland.

Snyder: Die Hälfte der deutschen Juden überlebte irgendwie - weil sie mit jemandem verheiratet waren, weil sie emigrierten. Es war immer noch schlimm genug. Aber wenn man erstmal den polnischen Staat zerstört und dann sagt, für diese Leute gilt kein Gesetz, sie haben keinen Schutz - das hat ganz andere Folgen. Solche Details werden übersehen, wenn man nur am Konzept des Antisemitismus festhält. Er ist eine Idee. In der Postmoderne mag man Ideen. Doch sie sind nicht das Einzige, auf das es ankommt.

STANDARD: Was kam, um das vorige Beispiel aufzugreifen, in der Ukraine noch dazu?

Snyder: Es gab sicher das Stereotyp, das die Juden Kommunisten waren. Und es stimmt, dass Juden in osteuropäischen kommunistischen Parteien überrepräsentiert waren. Aber diese Parteien waren zahlenmäßig sehr klein, inklusive die Bolschewisten selbst.

STANDARD: Aber sie waren sehr sichtbar.

Snyder: Es gibt da ein Problem: Dass viele Kommunisten Juden waren, heißt nicht, dass viele Juden Kommunisten waren.

STANDARD: Wie hat der Rest der Bevölkerung das wahrgenommen?

Snyder: Als Historiker halte ich mich zunächst einmal an Tatsachen. Eine Tatsache ist, dass die große Mehrheit derer, die die große Hungersnot in den Dreißigerjahren herbeigeführt haben, indem sie etwa das Getreide von den Bauern requiriert haben, Ukrainer waren. Der große stalinistische Terror wiederum begann unter einem Regime, in dem Juden überrepräsentiert waren, doch an seinem Ende war das vorbei, da die Juden selbst liquidiert wurden.

STANDARD: Spiegelte sich das in der Wahrnehmung der Betroffenen?

Snyder: Nein, das war alles kaum bekannt. Wenn wir versuchen herauszufinden, was die Leute über Derartiges dachten, dann wird das sehr schwierig aufgrund des Einflusses der Nazis. Sie hatten diese sehr fest verankerte Idee des „Judäo-Bolschewismus". Mit dieser Propaganda kamen sie nach Osteuropa und haben sicherlich viele Menschen überzeugt, die vorher nicht so gedacht haben mögen. Und noch etwas: Die Meisten, die in der Ukraine mit den Sowjets kollaborierten, waren keine Juden. Als die Deutschen dann das Land besetzten und sagten, alle Kollaborateure seien Juden, hatten die ukrainischen Kollaborateure einen Ausweg: Sie waren ja keine Juden. Die Gleichsetzung brachte also auch eine Entschuldigung für ein bestimmtes Verhalten.

STANDARD: Parallel zu dieser Forschung arbeiten Sie schon an Ihrem nächsten Projekt, Brotherlands. Worum geht es da?

Snyder: Es geht um Familien, in denen Brüder oder auch Schwestern verschiedene nationale Identitäten wählen und in deren Bewegungen wichtige Stellungen einnehmen. Es geht um Nationalität als Politik, als Wahl; um die Antwort auf die Frage, warum wir die Nationen haben, die wir haben. Die Beispiele reichen von ca. 1860 bis 1960. Der wichtigste Zeitraum ist das letzte Viertel des 19. Jahrhunderts, weil damals die Richtung hin zu Nationalstaaten klar war, aber unklar, wie die aussehen würden.

STANDARD: Es handelt also nicht von der Gegenwart.

Snyder: Nein, es ist eine Ergänzung der Begriffe Vater- bzw. Mutterland: Diese Metaphern bedeuten, dass man die Nation erbt. Die Idee hier ist, dass jemand sie macht, gestaltet, und sein Bruder kann gleichzeitig eine andere Nation machen.

STANDARD: Haben Sie genügend solche Beispiele bei der Hand?

Snyder: Ja, ich habe mehr als zehn solche Verwandtschaften ausfindig gemacht, die als Fallstudien relevant sind. Es sind nicht zufällige Menschen, sondern eben solche, die bedeutsam wurden: Dichter, Präsidenten etc. Die Bedingung war, dass sie im selben Haushalt aufwuchsen und sich dann erst für entgegengesetzte Lebensläufe entschieden. Ein Beispiel habe ich schon als eigenes Buch veröffentlicht, weil das Material so reichhaltig war: Der König der Ukraine (über Wilhelm von Habsburg, der vor dem Ersten Weltkrieg dazu erzogen wurde, einmal über einen Nationalstaat zu herrschen; Zsolnay 2009; Anm.). Das wird Kapitel vier in Brotherlands. (Das Gespräch führte Michael Freund. Landfassung des Interviews der STANDARD-Printausgabe vom 18.10.2011.)


Timothy Snyder (42) ist Historiker an der Yale University und forscht vor allem über osteuropäische Geschichte und den Holocaust. Snyder ist Permanent Fellow am Institut für die Wissenschaften von Menschen und wird ab Juni 2012 wieder in Wien arbeiten. „Bloodlands" ist auf Deutsch bei Beck erschienen. Snyder wird das Buch am Donnerstag, den 20. Oktober um 18 Uhr im IWM vorstellen.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 195
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Th. Heil
00
27.10.2011, 08:49
Vielleicht wäre

es Zeit für ein Buch über die US-Massenverbrechen seit dem Zweiten Weltkrieg bis heute.

tom krishan1
 
00
19.10.2011, 14:56

ob linke oder rechte verbrechen ist egal. denn wir leben jetzt und in zukunft leben die menschen auch im jetzt.

viel wichtiger als jene verbrechen der geschichte sind die zeitaktuellen, denn was nützt das verweilen in dogmen, wenn die werte in der gegenwart kein bestandteil haben?

alle, die unrecht und verbrechen begehen und begangen haben gehören alle ausnahmslos vor das gericht der menschheit. insofern müssen recht und einrichtungen, wie bsw. die uno, schleunigst überarbeitet werden. es darf niemanden mehr geben, der gleicher als andere ist.

insertnamehere
 
01
19.10.2011, 20:41
Derzeit ist vor der UNO zB der Sudan gleich viel wert wie Dänemark.

Obwohl die dänische Königin NICHT wegen Genozids international zur Verhaftung ausgeschrieben ist.

Und ja, der Bashir hat ziemlich sicher MEHR Blut an den Händen als Georg W. Bush! Er hatte ja auch mehr Zeit dafür und hat die GRÜNDLICH genutzt.

Irgendwas sagt mir, dass die UNO es Königin Margarethe NICHT einfach durchgehen lassen würde, wenn ihre Regentschaft zweieinhalb Bürgerkriege mit geschätzt 2-3 Mio Toten über Dänemark gebracht hätte.

Insofern sind Länder wie der Sudan EINDEUTIG bevorzugt im derzeitigen Völkerrecht.

(Auch wenn es laut Völkerrecht das gute Recht von Königin Margarethe wäre, soviele ihrer Untertanen hinzumetzeln wie sie lustig ist.)

Harald Bruckner
24
19.10.2011, 10:14
Hitler - Stalin

Eine kurze Liste.
Wo sind eine Million erschlagner Kombotschaner
Hunderttausende Hiroschima Opfer?
Weder im Ausmaß noch in der Grausamkeit sind Hitler oder Stalin so einzigartig.

de solla price
10
19.10.2011, 23:35
Die Erwähnung ist richtig

doch die Behauptung dass Hitler und Stalin diesen beiden nicht das Wasser reichen könnten ist falsch, wobei der Hinweis auf 6 Millionen tote Juden im Vergleich zu 1 Million Kambodschanern ausreichen dürfte.

Gilgamesh
20
21.10.2011, 09:48

Wie wäre es mit Millionen Chinesen durch Mao?
Hundertausende Tote durch Lenin?
Tausende Tote durch Guevara?
Aber natürlich gibt es auch Hundertausende Opfer von Mussolini, dessen Kadaver kann man heute noch besuchen, ebenso wie von Lenin.

Macht es wirklich die Anzahl der Opfer aus?

emma goldman
00
29.11.2011, 00:11

..und hundertausende durch churchill, nixon/kissinger, bush senior und junior, de gaulle ... die liste ist doch endlos.

heurigenwirt
00
19.10.2011, 16:47

darf man das im standard überhaupt sagen?

Phil_Anthrop
50
19.10.2011, 10:07
wo sind diese linken?

wo sind jetzt diese "linken", die keine historischen tatsachen akzeptieren? in der öffentlichkeit hört man von denen nichts - und warum nicht? weils nur ein häufchen von winzigen K-Gruppen betrifft, die nicht mal annähernd repräsentativ für linke sind.

wollt ich nur mal festhalten!

Alexander Patjomkin
03
19.10.2011, 09:54
Wenn man das "Ganze " betrachten will, soll man in die Analyse

auch die Türkenkriege und die Eroberung Amerikas einbeziehen. Diese beide dauerten Jahrhundertenlang und forderten eine unermässliche Anzahl von Toten. Ein Historiker muss ein gutes "Erinnerungsvermögen" haben, das länger als 70 Jahre zurückblicken kann.

gekaufter poster
00
25.10.2011, 13:15
wozu?

um eine liste mit den "worst forms of government ever" zu erstellen? man lernt geschichte immer mit einem gewissen zweck: ziel muss sein, ursachen für gesellschaftliche ungerechtigkeiten und armut herauszufinde und zu verhindern. das geht am besten in einer demokratie mit mündigen bürgern. argumente kann man sogar aus der geschichte des röm. reichs heranziehen. aufrechnungen machen kaum sinn.

Alexander Patjomkin
00
27.10.2011, 21:31
"man lernt geschichte immer mit einem gewissen zweck"

Wenn Sie darunter meinen, dass Geschichteforschung soll der aktuellen Politik dienen und sie unterstützen, dann haben Sie Recht. Es ist leider so.

gekaufter poster
00
28.10.2011, 00:29

das bayer. kultusministerium verteilt keine rügen, wenn ein lehrer in gschichte kritisch wird. im gegentum: es steht sogar in den geschichtsbüchern gedruckt! und stellen sie sich vor: sogar unterschiedliche meinungen sind erlaubt, solange sie argumentativ untermauert werden können.

gekaufter poster
00
28.10.2011, 00:26

es ist noch nicht solange her, dass ich mit der schule (in D) fertig bin. deswegen erinnere ich noch wie der afghanistankrieg, das 3. reich und die derzeitige regierung im unterricht von 2 seiten beleuchtet wurden. durchaus kritisch und objektiv. wie das bei ihnen war, weiß ich nicht.

Hier im Standard sind nur perfekte Menschen..
20
19.10.2011, 07:30

hitler und stalins taten "bewerten"? so nach schulnotensystem? mir wird schlecht, sorry, würde noch gerne mehr schreiben, aber ich muß kotzen..

Fritz Wintersberger
36
18.10.2011, 18:17
zum Interviewinhalt

Na wenn das ein Blauer gesagt hätte.....wär der Teufel los. Aber leider sind hier halt sehr viel "Linksblinde"

THE MGT.
02
18.10.2011, 19:33

Den Blauen zeigen Sie mir, der z.B. etwas sagt wie: "Durch die fortgesetzte Arbeit am Thema wurde der Holocaust einerseits noch schlimmer, andererseits plausibler als Faktum. [...] Was Bloodlands gezeigt hat, ist, dass der Holocaust bei weitem das schlimmste Verbrechen war, nicht nur wegen des Rassenmotivs, sondern weil mehr Menschen darin umgekommen sind als in jedem anderen deutschen oder sowjetischen Verbrechen."

Bei etlichen Flern ist es ja schon kaum möglich, sie überhaupt zu einer klaren Aussage darüber zu bewegen, dass der Holocaust überhaupt stattfand.

kurt haenel
 
33
19.10.2011, 00:08
@THE MGT.

Der Grund dass die Nazi-Verbrechen schliummer waren als die anderen Verbrechen ist kein Grund die andern Verbrechen nicht auch gebetmühlenmässig an den Pranger zu stellen.
Die Verbrechen von Stalin aber wurden erst durch Solszenitschyn, dem Schriftsteller mit seinem Goulag international bekannt.
International anerkannt wurden sie noch viel später.
Oder auch Katyn, dass überhaupt erst durch Gorbatschow als sowietisches Verbrechen anerkannt wurde. Vorher wurde das den Nazis in die Schuhe geschoben.
Über Babi Jar gab's schon in den 60/70 Jahren ein dickes Buch.

Was die Verbrechen der Araber an den Juden in der ersten Hälfte des 20.. JH betrifft, so wird darüber bis heute noch nicht gesprochen. Ausser in ein paar armseligen Internet-Adressen

THE MGT.
00
19.10.2011, 19:27
Was hat das mit meinem Posting bzw. dem, auf das ich antwortete, zu tun? Verbrechen "gebetmühlenmässig an den Pranger zu stellen" ist jedenfalls ein seltsamer Zugang.

Hier, im Kontext des Buches von Snyder, geht es darum diese Verbrechen wissenschaftlich aufzuarbeiten. Dass in unseren Breiten die NS-Verbrechen im Vordergrund stehen ist klar. Hierzulande herrschten eben die Nazis, nicht die Stalinisten. Und hierzulande gibt es keine Partei, die die Verbrechen Stalins leugnet oder verharmlost - ganz im Unterschied zu den Verbrechen der NS-Diktatur.

Snyder taugt auch nicht als Angelpunkt für jene, die hier so gerne relativieren und den Holocaust herunternivellieren wollen. Die Relativierungen, die von den Revisionisten immer wieder "gebetmühlenmäßig" versucht werden, haben nichts mit seriöser Aufarbeitung zu tun. Da geht es um Ablenkung und letztlich Leugnung.

Luky Pozzo
60
18.10.2011, 17:20
Und?

Die Länge des Interviews ist umgekehrt proportional zu seinem Mehrwert und zu dem, was es an Wissensgewinn bringt.

"Totalitarismus", "totalitäre Herrschaft", "Hitler=Stalin" - alles öde, alles schon dagewesen.

Jeder Stammtischbruder könnte sich im Interview einem Historiker Snyder ebenbürtig erweisen.

W.v.Grün, Erfinder düsengetriebener Wunderwaffeln
02
18.10.2011, 17:28
Vielleichtet tröstet Sie dieses Stalin-Gebet:

Gesiegt! Und alles, alles ist vollbracht.
Er ruht! Die Millionen sind die Seinen.
Sein Lächeln leuchtet uns auch diese Nacht.
Er hat uns arme Leute reich gemacht.
Wir aber weinen.

Arbeiterführer Kuhaltinger
 
21
18.10.2011, 16:46
Sowjetische Massenerschiessungen

waren doch ab 1941 nicht mehr notwendig. Wie hoch war die Überlebenswahrscheinlichkeit in einer sowjetischen Strafkompanie?

byron sully
48
18.10.2011, 16:25

man sollte zwei dinge trennen: stalin war hinter hitler der größte verbrecher und massenmörder des 20.jahrhundets. dennoch ist es auf jeden fall gut, daß 1945 die sowjets in berlin einmarschierten und nicht die deutschen in moskau.

gekaufter poster
00
25.10.2011, 13:22
schwarz/weiß-denken

das kommt ganz auf den standpunkt des betroffenen an. was machte für wen den stalinismus besser, als den nationalsozialismus? pest oder cholera, ist hier nicht die frage. waschen Sie diktatur,massenmorde,kriegstreiberei,kriegsverbrechen,willkürherrschaft hier nicht rein, indem sie opfer UNTERSCHIEDLICH werten.

kurt haenel
 
42
19.10.2011, 00:11
@ byron sully

Sie haben leider recht....

Was aber auf die Nerven geht, ist dass Stalin bis in die 70er Jahre als Held hingestellt wurde obwohl er um keinen Deu besser war, als der andere Irre.

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