Mit dem Baseballschläger in eine neue Epoche

17. Oktober 2011, 17:37
  • Poster für den Film "Inglourious Basterds" (2009).
    foto: © jmw/photofest

    Poster für den Film "Inglourious Basterds" (2009).

Die Generalsanierung ist abgeschlossen: Das Jüdische Museum der Stadt Wien präsentiert sich publikumsfreundlich - und ab 19. Oktober mit einer etwas oberflächlichen, aber unterhaltsamen Schau über 100 Jahre Hollywood

Wien - Café Teitelbaum gibt es keines mehr. Dafür bäckt nun der Felber selber. Dies sorgte bei der Pressekonferenz zur Wiedereröffnung des Jüdischen Museums der Stadt Wien am Montag für leichte Irritationen. Sehr schön hingegen fügt sich die Lichtinstallation von Brigitte Kowanz in die frisch weiß getünchte Fassade des Palais Eskeles ein. Schon von weitem sichtbar ist das Wort "Museum" in hebräischen Neonbuchstaben.

Wie bereits vor ein paar Wochen anlässlich eines Rundgangs durch die Baustelle festgestellt wurde: Die Funktionssanierung, die sich zu einer kompletten Neugestaltung auswuchs, ist rundum geglückt. Direktorin Danielle Spera ließ nachträgliche Einbauten herausnehmen, wodurch das Foyer weit luftiger und heller wurde. Und es gibt nun auch einen Welcome-Desk für Touristen auf der Suche nach den Wiener Wurzeln ihrer Familien.

Bei der Pressekonferenz sagte Peter Hanke, Chef der Wien Holding, mit Bestimmtheit, dass man beim Umbau im "Zeit- und Kostenplan" geblieben sei, was aber nicht ganz stimmt. Denn eigentlich hätte das Jüdische Museum, das Mitte Jänner geschlossen worden war, am 30. Juni wiedereröffnet werden sollen. Und das Budget von 2,5 Millionen Euro (bzw. 2,6 Millionen inklusive Fassadensanierung) hätte auch für die Gestaltung der neuen Dauerausstellung reichen sollen.

Über das Formulieren mehrerer Fragen, wie eine solche aussehen könnte, ist man aber bisher, nach dem eher unfreiwilligen Abgang der ehemaligen Chefkuratorin Felicitas Heimann-Jelinek, nicht hinausgekommen: Auf drei langen Arbeitstischen im Atrium wird das weite Feld mit einigen Artefakten und Dokumenten ausgebreitet; der Besucher darf sich nun in die Diskussion rund um Wien. Jüdisches Museum 21. Jahrhundert mit Vorschlägen einbringen.

Die Eröffnung der neuen Dauerausstellung kündigt Spera für den Herbst 2012 an. Eine zusätzliche Subvention, die sie erhofft hatte, wird es aber nicht geben: Die Ausgaben sollen nun durch Vorgriffe auf das Budget für Wechselausstellungen der nächsten fünf, sechs Jahre bestritten werden.

Das wiedereröffnete Palais Eskeles wird dennoch auf allen Ebenen bespielt. Die Schatzkammer im Dachgeschoß, in der es etliche restitutionswürdige Gegenstände geben dürfte, präsentiert sich tatsächlich als Schausammlung - und nicht mehr als Depot. Und über zwei Stockwerke erstreckt sich die publikumswirksame, von Werner Hanak-Lettner, dem neuen Chefkurator, zusammengestellte Schau Bigger than Life.

In 24 Kapiteln wird die 100-jährige Geschichte Hollywoods nacherzählt. Das Augenmerk liegt natürlich auf den jüdischen Protagonisten, also auf den zumeist aus Osteuropa eingewanderten Studiogründern und den Stars. Als Illustration dienen jede Menge Filmclips, drei Oscars von Eric Pleskow - und zum Teil recht schräge Memorabilia: ein Emaillekochtopf aus der Fabrik Oskar Schindlers, ein quadratisches Stück roter Teppich der Oscar-Verleihung 2011, eine Schere von Harpo Marx und der Baseballschläger, mit dem Eli Roth in Quentin Tarantinos Inglourious Basterds den Nazis die Schädel einhaut.

Werner Hanak-Lettner war von der Waffe derart angetan, dass er sie für das Haus erwarb - um bloß 4000 Euro. (Thomas Trenkler, DER STANDARD/Printausgabe 18. Oktober 2011) 

Bis 15. April 2012

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6 Postings
"Da wär's halt' gut, wenn ma Englisch könnt!" (Hermann Leopoldi)

"Bigger than Life" ist total unidiomatisches Waldheim-Englisch. Es heißt "Larger than Life"!

auch nicht schlecht:
ein Baseball-schlaeger um sage und schreibe 4.000,-
[haette man nicht irgendeinen alten stecken nehmen koennen? merkt doch eh keine sau…]
^^

Felber?

Ich glaube, ich habe mich verlesen. Statt eines Museumscafés gibt es nun eine Großbäckerei-Filiale? Wie abgründig ist das denn? Sperrt das Museum jetzt schon am Morgen auf? Muss das Museum in dieser Zeit bewacht werden (Security-MitarbeiterInnen)? Was kostet das? Bezahlt das der Felber selber?

abgesehen von öffnungszeiten

und security. die fächertorte und bananenschnitte im teitelbaum waren grandios, es durch eine felberfiliale zu ersetzen ist leibfeindlich.

Neue Daueraustellung im Herbst 2012 -

na von der schnellen Truppe scheint die neue Frau Direktor ja nicht zu sein; dafür sitzt das Geld offenbar locker - und zwar für die Abschaffung des Teitelbaums und eine mäßig originelle Wechselausstellung. Scheint ja eine echte Erfolgsgeschichte zu werden (NICHT!)...

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