Nach VfGH-Urteil

Gutachten: Ab März können Unis Studien­gebühren in beliebiger Höhe einheben

Rosa Winkler-Hermaden, Lukas Kapeller, 19. Oktober 2011, 10:25
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    foto: standard/fischer

    Töchterle: "Viel Zeit ist nicht mehr, ich bin jederzeit gesprächsbereit."

  • Das Gutachten zum Download.

Ein von Wissenschaftsminister Töchterle präsentiertes Rechtsgutachten belegt: Universitäten haben autonomen Finanzierungsspielraum - Töchterle sieht sich in Verhandlungsposition gegenüber SPÖ gestärkt

2008 haben SPÖ, Grüne und FPÖ durch zahlreiche Ausnahmebestimmungen Studiengebühren de facto abgeschafft. Der Verfassungsgerichtshof (VfGH) hat das Gesetz jedoch für unzulässig erkannt, weil die Formulierungen teilweise zu unpräzise sind (derStandard.at berichtete).

Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP) hat nun bei Verfassungsrechtler Heinz Mayer ("Bester Kenner des Universitätsgesetzes") ein Gutachten  in Auftrag gegeben, um zu klären, welche Konsequenzen eine fehlende Neuregelung mit sich bringen würde.

Das Ergebnis hat er am Montag vor Journalisten präsentiert: Wenn es keine Neuregelung gibt, können die Unis im Rahmen ihrer Autonomie durch Satzungsbeschlüsse dennoch Studienbeiträge einheben. Es gäbe dann auch keine Höchstgrenze für Studienbeiträge. Im Gutachten heißt es wörtlich, "dass die Universitäten befugt sind, in ihren Satzungen Regelungen über Studienbeiträge zu erlassen".

Die Regelungen "dürfen festlegen, wer zur Entrichtung von Studienbeiträgen verpflichtet ist, weiters in welcher Höhe diese Studienbeiträge zu entrichten sind und wie vorzugehen ist, wenn ein Verpflichteter mehrere Studien betreibt".

VfGH-Kritik

Die Einhebung von Studiengebühren selbst wird im Gutachten des VfGH zwar nicht in Frage gestellt, aber er hat festgestellt, dass bei der derzeitigen Studiengebühren-Regelung unklar bleibt, wie die Studienzeit, die für die Befreiung von Studienbeiträgen maßgeblich ist, zu bestimmen ist. 

Im Gesetz ist noch von "Studienabschnitten" die Rede, die im alten Diplomsystem gegolten haben. Im Bologna-System, auf das die meisten Studienrichtungen bereits umgestellt wurden, gibt es diese Studienabschnitte aber nicht mehr. Somit geht laut VfGH nicht klar hervor, wie lange man Studieren darf, ohne Studiengebühren bezahlen zu müssen.

Der VfGH hat eine Frist zur Reparatur der derzeitigen Regelung bis 29. Februar 2012 gesetzt, danach tritt die Aufhebung in Kraft.

Studiengebühren ab 1. März

"Alles, was nicht verboten ist, ist erlaubt", kommentierte Töchterle das Ergebnis des Gutachtens. Den Universitäten sei im Rahmen ihrer verfassungsrechtlichen Autonomie alles erlaubt, was ihnen per Gesetz nicht explizit untersagt ist. Er sieht freien Spielraum für die Universitäten, was bedeutet, dass ab 1. März Unis Studienbeiträge in beliebiger Höhe einheben können. 

"Wenn wir nichts tun, sind die Universitäten sehr frei in dem, was sie tun", so Töchterle. 

Ausgenommen von Studiengebühren-Regelungen wären weiterhin Studienbeihilfebezieher oder überwiegend berufstätige Studierende. Aber es gibt keine Einschränkung hinsichtlich der Höhe.

Töchterle glaubt, dass die Rektoren positiv gestimmt sind, was die Einhebung von Studiengebühren betrifft. Der Koalitionspartner sei bereits informiert, es hat aber noch kein Gespräch gegeben.

Stärkere Verhandlungsposition

Töchterle sieht sich in seiner Verhandlungsposition jedenfalls gestärkt: "Mir ist natürlich mein Modell lieber (derStandard.at berichtete), wenn die Unis klug vorgehen, ist das aber auch ein lebbares Modell."

Seine Verhandlungsposition sei nun in der Tat "viel, viel stärker. Aus der Position der Stärke kann man besser verhandeln als aus der Schwäche. Das ist mir Recht", so Töchterle. 

Auf die Frage, ob er bereit ist, in Verhandlungen mit der SPÖ nachzugeben, sagt er: "Ich wüsste nicht, wo ich groß nachgeben könnte. Viel Zeit ist nicht mehr, ich bin jederzeit gesprächsbereit."(Rosa Winkler-Hermaden, Lukas Kapeller, derStandard.at, 17.10.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 1179
diephysikerin
01
19.10.2011, 13:06
Da hat der Prof. Mayer sich ein Ei gelegt...

Schon ziemlich peinlich, dass er in seinem Gutachten den §22 Abs. 1 Ziffer 9 des Universitätsgesetzes nicht beachtet hat:

"Zu seinen (des Rektorats, Anm.) Aufgaben zählen insbesondere: ... 9. Einhebung der Studienbeiträge IN DER GESETZLICH FESTGELEGTEN HÖHE;"

Also nix mit selbst festlegen...

schmu schubiak
00
19.10.2011, 10:10

und wozu zahlen wir steuern?
werden die steuern gesenkt wenn die studierenden selbst übernehmen?
man wartet gespannt auf die antwort.

entenkrages
00
19.10.2011, 08:43
Frage

wenn ich PhD student bin und für 30h/Woche Drittmittel-bezahlt bin, muss ich dann auch Studiengebühren zahlen?

Jedenfalls seh ich nicht ein, dass die 18 ECTS Stunden, die ich im Doktorat machen muss, einen Studienbeitrag irgendwie rechtfertigen. Bezahlen tu ich für de PhD eh schon durch den Sklavenlohn bei > 60h/Woche Arbeit :-(

I would prefer not to
00
18.10.2011, 22:24
Und noch einmal:

Was Töchterle von Studiengebühren hält:

http://is.gd/zuWK6w

Herbert Novak1
01
18.10.2011, 22:51
So schnell kann ein Univ-Prof seine Meinung ändern

So schnell kann ein Univ-Prof seine Meinung ändern. Gestern war er doch noch ein Wissenschaftler, der die Wahrheit sucht. Heute ist er nur mehr ein Partei-Soldat, der sich nicht anders weiß, als ein Gutachten beauftragt und seine Verantwortung an die Unis komplett abputzt.

JazzPianist
00
19.10.2011, 10:11

nana, parteisoldat ist mayer sicher keiner (und wenn, dann für andere).
den damen und herren politikern gehen die augen auf, das es sowas wie eine österreichische Bundesverfassung gibt
und dies auch in einer anhaltenden finanzkrise

mumuj
00
18.10.2011, 20:34
Studiengebühren Teil2

Die Universitäten erhalten daher das Budget vom Bund, auch der Enfall der Studiengebühren ist geregelt, die Universitäten erleiden daher keinen Nachteil.

Sollten Sie dennoch autonom Studiengebühren einheben, wird es zu tausenden Verfahren kommen, denn die Studenten werden die Vorschreibungen aus meiner Sicht mit guten Erfolgaussichten bekämpfen.

Es sollte nicht nur gepüft werden, ob die Universitäten denkmöglich Studiengebühren autonom festlegen könnten, sondern ob es materiell dafür eine Grundlage gibt, dies ist zu verneinen, da der Bund laut Gesetz die Universitäten zu finanzieren hat und Regelungen über die Verpflichtung zur Leistung von Studiengebühren per 1.3.2012 nicht mehr bestehen würden, nicht die Studenten...

mumuj
00
18.10.2011, 20:33
Studiengebühren Teil 1

... ohne das Gutachten von Univ.Prof Dr. Mayer im Detail zu kennen, erscheinen mir die Schlussfolgerungen des Wissenschaftsministers schwer nachvollziehbar.

Auch wenn die vom Verfassungsgerichtshof Ende Febr. 2012 aufgehobenen Bestimmungen des Universitätsgesetzes 2002 (§ 91 Abs. 1 bis 3 und 8) vom Gesetzgeber nicht "repariert" werden sollten und eine Einigung auf Studiengebühren politisch nicht zustandekommt, wird eine Einführung von Studiengebühren der Universitäten im Rahmen deren Autonomie aus meiner Sicht nicht erfolgreich sein.

Auch wenn vielleicht die Universitäten die Fragen von Gebühren denkmöglich regeln dürften, steht § 12 und § 141 Universitätsgesetz dem entgegegen.
Gemäß 12 Universitätsgesetz sind die Universitäten vom Bund z

itavalda
00
18.10.2011, 20:22

Solange wir Jahr für Jahr Milliarden in Banker,- und Bauernä.sche schieben ist die Welt der VP Bauernpolitker ja in Ordnung.

Herbert Novak1
00
18.10.2011, 15:14
Bildungspolitische Ziele höher als wirtschaftliche Überlegungen

Die ÖVP begründet immer mit Studiengebühren als wirtschaftliche Notwendigkeit. Dabei wurde Prinzip der Chancengleichheit vergessen. Bildung gehört neben Gesundheit, Meinungsfreiheit ein Grundrecht der Bürger. Wenn keine Chancengleichheit, dann gibt eben keine Leistungsgerechtigkeit und Sozialgerechtigkeit.

warum?!
00
18.10.2011, 15:08
NA

dann werd ich wohl als Wahlfach Bildungsrecht wählen, damit ich die Ungerechtigkeiten anfechten kann...

Finn McCool
01
18.10.2011, 14:30
Witzig wärs ja,

wenn die SPÖ ihr Gegengutachten auch "beim Mayer" bestellen würde.

JazzPianist
00
19.10.2011, 10:12

ja, sozusagen "mayer gegen mayer"
;-)

vielleicht zahlt die övp besser ;-)

debian1
00
18.10.2011, 14:29

Ein Trauerspiel. Falls ich es mir noch leisten kann mein Studium nächstes Semester abzuschließen, überlege ich mir ernsthaft auszuwandern.

Derartig kleinkarierte Denkweisen und die riesige Bildungsfeindlichkeit in diesem Land sind wirklich unfassbar.

Die Rechnung bekommen die Österreicher dann erst in ein paar Jahrzehnten präsentiert. Auf dem Weltmarkt zählen Automechaniker, Friseurin und Bergbauer nämlich nicht so viel. Aber solange man jährlich 250 Rot-Weiß-Rot Karten ausstellt ist das Problem doch gelöst, nicht?

re flexion
00
18.10.2011, 16:19
Unsere

Facharbeiter brauch ma eh' nicht auf dem Weltmarkt sondern hier!

debian1
00
18.10.2011, 19:27

Ja. Die Facharbeiter oder akademischen Fachkräfte die konkurrenzfähige Produkte für den Weltmarkt herstellen und entwickeln.

Wenn die Politik so weiter macht, werden wir in 40 Jahren billiges Kinderspielzeug und Kleidung für China produzieren.

tignosa
00
18.10.2011, 15:36
ich geh mit

Ruskij
00
18.10.2011, 15:05

Vielleicht sollte Österreich überhaupt mehr junge Leute motivieren, im Ausland zu studieren, um die Kosten niedrig zu halten. Dann bilden wir gratis die Deutschen aus, die Österreicher gehen einfach in andere Länder, wo das Studieren ebenfalls gratis ist. *)

*) dieser Kommentar ist nicht ganz ernst zu nehmen

Taschenkalender
00
18.10.2011, 14:14
Wie passend

dass das Ministerium sicherheitshalber mal davon ausgegangen ist, dass man sowieso keine Einigung mit der SPÖ erzielt..

selbst-denker
34
18.10.2011, 12:41
"Alles, was nicht verboten ist, ist erlaubt"

wenn ein minister so etwas von sich gibt, müssen alle demokratischen alarmglocken schrillen, denn das ist ein freibrief für willkür und missachtung der politischen korrektheit. es wundert aber nicht, dass dieses zitat von einem övp-minister stammt, denn die övp handelt spätestens seit schüssel genauso und hat österreich damit in geiselhaft genommen. ich frage mich, ob die övp keine integren persönlichkeiten mehr hat, die noch werte und fairness verkörpern und diesen irrsinn endlich stoppen. wenn nicht, dann sind wir wieder wie in der 1. republik bei ihren totengräbern aus dem sog. christlichsozialen eck angelangt.

collector1
00
18.10.2011, 13:34

Leider hat der Vorposter recht. Rechtssicherheit an den Universitäten herrscht nicht ! Es kann sein, dass Sie z.B. ein Astronomiestudium in Innsbruck beginnen, Sie nach Wien wechseln und in Wien vieles nicht angerechnet bekommen. Da ja der Studienplan ein anderer ist. Dies kann Ihnen ebenfalls an der gleichen Universität in einem Studium passieren, wenn die Studienpläne sich Jahr für Jahr ändern. Es werden personalrechtliche Maßnahmen falsch druchgeführt, sodass das Personal zum Spielball der Vorgesetzten werden. Die Liste lässt sich jederzeit verlängern.

Der bessere Wisser
26
18.10.2011, 13:00
Bleiben Sie am Boden

die Welt stürzt ja nicht zusammen nur weil etwas gegen die Engel-Politiker von der SPÖ geht, mit Rudas und Kunz an der Spitze. Politische Korrektheit bedeutet wohl auch andere Meinungen zu akzeptieren.
Aber es ist schwer und tut Weh, gel?

Neo Liberal
43
18.10.2011, 11:34
Thilo Sarrazin hat ja schon auf die steigende Zahl an intellektuell Minderbemittelten hingewiesen, die sich nicht nur aus östlichen Zuwanderern, sondern auch aus Unterschichten-Kindern rekrutieren.

Einer solchen Verschiebung muß von oben gegengesteuert werden, wenn sie von unten nicht abgebremst wird, denn sonst verflacht das Universitätsniveau unter dem Druck der Minderbegabten. Eugenische Maßnahmen sind nicht politisch durchzusetzen, also muß eine geistige Eugenik die physische ersetzen.

Die Universitäten sind einfach zu wertvoll, um sie der Bürgerschaft zu überlassen. Wenn der Titel nicht mehr für Qualität bürgt, haben die Universitäten ihren Zweck verfehlt und ihre Daseinsberechtigung verloren. Also müssen sie auf den richtigen Weg gezwungen werden, oder sie gehen unter. So einfach ist das.

metalwoman
00
19.10.2011, 13:39

Der Sarazene soll mal nachforschen, woher sein eigener Name kommt.

eXophobia
 
00
18.10.2011, 12:51
Ich hoffe die Faust von Mexiko hat recht mit:

"ich nehme an, dass das zynisch gemeint ist."

Denn diese Aussage ernst genommen, empfinde ich äußerst schockierend und zeugt zudem von strenger Kurzsichtigkeit.

Nehmen wir doch einen der größten Mathematiker der Neuzeit als Beispiel: Carl Friedrich Gauß.
Mutter: Intelligentes, jedoch analphabetisches Dienstmädchen. Tocher eines armen Steinmetz.
Vater: Gärtner, Schlachter, Maurer, Kaufmannsassistent und Schatzmeister
(quelle: Wikipedia)

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