Hisbollah lässt Uno abblitzen

Gudrun Harrer, 17. Oktober 2011, 17:00

Beirut ist mit Zahlungen an Hariri-Tribunal säumig

Beirut/Wien - Der Libanon steuert einen Konfrontationskurs zum Uno-Sicherheitsrat: Die von der Hisbollah und ihren Verbündeten gestützte Regierung ist - eben wegen der Hisbollah-Mehrheit im Kabinett - mit der Zahlung von 32 Millionen Dollar für das "Special Tribunal for Lebanon" (STL) säumig. Das STL ist der von Resolution 1757 (2007) eingerichtete Gerichtshof, der die Ermordung von Expremier Rafik Hariri 2005 aufklären soll. Und Mitglieder der Hisbollah sind vom STL als Urheber des Mordes angeklagt.

Beirut trägt knapp die Hälfte der Kosten für den STL - und die Zahlungsfrist für die jetzige Rate läuft in einem Monat aus. Danach könnte der neue STL-Chef, der neuseeländische Jurist David Baragwanath - sein Vorgänger Cassese trat zurück -, die mangelnde Kooperation des Libanon an den Sicherheitsrat melden. Das ist umso unangenehmer, weil das Land soeben nichtständiges Mitglied im Gremium ist.

Premier Najib Mikati, ein Sunnit auf einem Hisbollah-Ticket, hatte sich nach seinem Amtsantritt verpflichtet, die Kooperation mit dem STL aufrechtzuerhalten. Es gelang ihm jedoch nicht, die Hisbollah und ihre Verbündeten (die 8.-März-Allianz) von dieser Notwendigkeit zu überzeugen. Im Kabinett, berichtet The Daily Star in Beirut, soll nun darüber abgestimmt werden, wobei eine Ablehnung als sicher scheint.

Mikati könnte dann zurücktreten - und damit eine neue regierungslose Zeit für den Libanon anbrechen, den auch die Syrien-Krise zu destabilisieren droht. Konfessionelle Spannungen haben sich im ehemaligen Bürgerkriegsland wieder verschärft. Die iranisch gesponserte schiitische Hisbollah ist zwar politisch stark wie nie zuvor - aber bei den sunnitischen und christlichen Bevölkerungsteilen unten durch, da sie Syriens Regime unterstützt. Der Iran könnte sich seinerseits vermehrt auf die Hisbollah stützen, wenn sein Einfluss in Syrien durch die Schwäche Bashar al- Assads schwindet.

Bereits die vorige Regierung - eine von Hariri-Sohn Saad und seinen Verbündeten (14.-März-Allianz) geleitete, mit Beteiligung der Hisbollah - ist am STL zerbrochen, als Hariri sich weigerte, dem Gericht die Unterstützung zu entziehen. Saudi-Arabien versuchte mithilfe Syriens zu vermitteln. Präsident Assads Verhalten dabei führte zum endgültigen Bruch König Abdullahs mit Damaskus. Das schlägt sich in einer saudischen Unterstützung des Aufstands in Syrien nieder. (Gudrun Harrer, STANDARD-Printausgabe, 18.10.2011)

F S 3
16
27.10.2011, 18:30
Das FS3 hat bereits zu zählen aufgegeben, wie oft die IDF den libanesischen Luftraum bereits verletzt hat…

…Vorgestern schaffte eine Drohne aber einen Rekord von 20 Stunden in libanesischem Luftraum. Das Ding flog am Dienstag früh um 7:15 bei Alma Al-Shaab ein, um am nächsten Tag gegen 3:00 früh bei Al-Naqura wieder heim ins Reich zu entfleuchen - nachdem u.a. Beirut und große Teile des S-Libanons Höflichkeitsbesuche abgestattet wurden.

Das Hariri Attentat wurde ebenfalls von Drohnen fotografisch dokumentiert. Die Deaktivierung des Bombenjammers in Hariris Konvoi (der übrigens ein Wohlfeil-High-Tech-End-Produkt "Made in Isreal" war) geschah auch per Hilfe der Technologie in diesen Drohnen.

Sieben auf einen Streich
12
18.10.2011, 16:02
Hunderte Millionen für einen einzigen Fall

da sollte man doch meinen es gibt bessere Anlagen für dieses Geld.

hart_aber_fair
12
18.10.2011, 12:53

da die ergebnisse der "untersuchungen" von der CIA vorgegeben werden, sollte die CIA das ganze finanzieren...

Niemand & Keiner
01
18.10.2011, 09:07

Ich kenne da ein Volk, daß das mit sehr vielen Ländern macht.

Georg Schütt
44
18.10.2011, 07:36
Das wäre dann also bereits die zweite Regierung, die die Hisbollah wegen des Tribunals platzen lässt.

So langsam müsste auch der Dümmste merken, dass die Hisbollah den Libanon als Geisel für die Durchsetzung der eigenen politischen Agenda nimmt.

Die Hisbollah als klassischer Parasit: Sich im libanesischen Wirt festsetzen, ihn aussaugen und sonst einen Dreck um ihn scheren.

Dark Angel
 
22
18.10.2011, 14:20
Sehr einseitig Ihr post

Warum hat die Hisbollah so eine breite Unterstützung in der Bevölkerung? Das einfach nur als "Parasitentum" abzutun zeitigt große Uninformiertheit und Propaganda.
"Geiselhaft" - Moment, hier sprechen wir von Wahlen, bei denen die Hisbollah Stimmenanteile gewonnen hat, die es ihr ermöglichen, in der Politik mitzureden. Und warum die UNO Libanon zwingt an der Aufklärung des Mordes eines ihrer Politiker ein internationales Tribunal zu bezahlen, ist mir schleierhaft, müsste das nicht von einer libanesischen Untersuchungskommission geschehen? Und wenn die libanesische Regierung das UNO-Tribunal heimschickt, was dann?

Zwei Und Vierzig
21
18.10.2011, 12:13
Die Hisbollah als klassischer Parasit: Sich im libanesischen Wirt festsetzen, ihn aussaugen und sonst einen Dreck um ihn scheren.

Wenn sie das meinen...

Aber am ersten Tag nach dem letzten Israel/Libanon-Krieg hat die Hisbollah umgehend begonnen unbürokratisch den Menschen Hilfsgelder und Unterstützung auszubezahlen - und den Wiederaufbau zu koordinieren ... während die Offiziellen Stellen, die Arabische Liga und die EU mit Selbstbeweihräucherungs-Orginen beschäftigt waren und wochenlang großartig diskutiert haben wie man dem Libanon Hilfe zukommen lassen könnte.

Georg Schütt
03
18.10.2011, 21:12
Aber am ersten Tag nach dem letzten Israel/Libanon-Krieg hat die Hisbollah umgehend begonnen unbürokratisch den Menschen Hilfsgelder und Unterstützung auszubezahlen - und den Wiederaufbau zu koordinieren ...

Mit Speck fängt man Mäuse ...

Die Hisbollah hat den Krieg ausgelöst, Nasrallah hat das selbst bestätigt.

Zwei Und Vierzig
00
19.10.2011, 21:53

Und dann gibt es auch noch die Aussagen aus Israelischer Politiker, die sagen, Israel hätten den Libanon so oder so angegriffen - die Vorbereitungen waren schon angelaufen ...

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