Hintergrund

Einst Heim, nun Hotel: Das Schloss Wilhelminenberg

17. Oktober 2011, 15:12
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    grafik: apa

    Lage und Funktionen des Schloss Wilhelminenbergs.

Gebäude von 1781 wurde Anfang des 20. Jahrhunderts neu erbaut - 1961 bis 1977 Heim für Sonderschülerinnen

Wien - Einst war es ein Kinderheim, heute ein nobles Vier-Sterne-Hotel: das Schloss Wilhelminenberg in Wien-Ottakring. Das Anwesen befindet sich am nordwestlichen Stadtrand, umgeben von einem 120.000 Quadratmeter großen Park. Doch es liegt ein dunkler Schatten über den prachtvollen Bau: In den 1970er-Jahren, als er ein Heim für Sonderschülerinnen war, soll es dort zu schwerem Missbrauch gekommen sein, bis hin zur Kinderprostitution und Serienvergewaltigung. Diesen Vorwurf haben nun zwei ehemalige Bewohnerinnen erhoben.

Im Jahr 1781 kaufte der Feldmarschall Franz Moritz Graf von Lascy das Grundstück am Stadtrand Wiens und ließ das Schloss erbauen. Laut Hotelwebseite kaufte ein Freund ihm den Besitz ab und erweiterte es um Waldteile und Hutweiden. Diese ließ es zu einem Park mit Teichen, einen Rundtempel, römischen Ruinen und einem Jagdschlösschen umgestalten. Nach oftmaligen Eigentümerwechsel kaufte 1824 Julius Fürst von Montleart das Anwesen. 1838 wurde das Gebäude um zwei Seitentrakte vergrößert.

Erbschaftsstreit und Neubau

1865 starb Julius Fürst von Montleart. In Folge kam es zu einem Erbschaftsstreit, das Gut wurde gerichtlich zum Kauf angeboten. Schließlich erhielt der Sohn des Verstorbenen, Moritz Fürst Montleart, für 125.000 Gulden den Zuschlag. Er schenkte den Besitz seiner Ehefrau Wilhelmine. 1887 starb Moritz Fürst Montleart, 1895 seine Frau. Durch Schenkung fiel das Schloss schließlich in den Besitz von Erzherzog Rainer von Habsburg-Lothringen. Dieser ließ das schon baufällige Anwesen abreißen und dafür von 1903 bis 1908 ein Palais im Neoempirestil errichten.

Es folgten unterschiedliche Funktionen für das Schloss. Im Ersten Weltkrieg diente es als Lazarett für Kriegsopfer, im Zweiten wurde es zu einem Heereslazarett mit Anschluss an das Wilhelminenspital. Eine Zeit lang residierten auch die Wiener Sängerknaben dort. Im Jahr 1927 wurde die Stadt Wien Besitzer des Schlosses samt Park und Nebengebäuden.

Ab den 1960ern als Sonderschulheim

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss zu einem Heim für erholungsbedürftige Kinder und ehemalige KZ-Häftlinge umfunktioniert. In den 60er Jahren diente es als Heim für Sonderschülerinnen. In dieser Zeit soll es auch zum Missbrauch gekommen sein, den zwei ehemalige Zöglinge nun publik gemacht haben. Insgesamt gab es Plätze für 120 Kinder, die bis zu 15 Jahren alt waren. 1977 wurde das Heim geschlossen, die Mädchen auf andere Heime aufgeteilt.

1986 gab die Stadt Wien bekannt, das Schloss zu sanieren. Das Gebäude wurde zum Gästehaus. Im Jahr 2000 übernahm "Austria Trend Hotels & Resorts" das Management und machte aus dem  Gästehaus das "Austria Trend Hotel Schloss Wilhelminenberg". Nach dreijähriger Renovierungsphase wurde die Herberge 2003 schließlich zum Vier-Sterne-Hotel aufgewertet. (APA)

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15 Postings
Fritz Wunderlich
00
19.10.2011, 11:06

seltsam, ich weiß von einem jungen, der am wilhelminenberg war, also nicht nur mädchen, oder?

Fontane
00
18.10.2011, 14:55

Ich war dort mal im Restaurant, ich fand damals schon, das Gebäude hat was Unheimliches, schon wenn man den Berg rauffährt.

Heinz Anderle
 
00
17.10.2011, 20:56
Das (leerstehende) Schloß...

... diente offenbar für den Film "Kopfstand" (mit dem jungen Christoph Waltz) als Kulisse eines psychiatrischen Krankenhauses. Die düstere Atmosphäre einer solchen Institution wurde damit gut eingefangen.

Ob das Produktionsteam die jüngste düstere Vergangenheit des Ortes ahnte?

Dr. Heinz Anderle, Freigeist

Kaputt Nick
 
36
17.10.2011, 15:40
Wieso wird hier nicht berichtet...

...dass das Schloss mit seinen Nebengebäuden und Bunkeranlagen DER Befehlsstand der HJ Wiens (incl AHS) war? Und welche Lieder die Sängerknaben da wohl geträllert haben???!

Flood
21
18.10.2011, 13:12

Das mit den Bunkeranlagen haben Sie jetzt aber erfunden. Ich nehme an, Sie verwechseln das Schloss mit dem Gaugefechtsstand Wien unter dem Gelände rund um die Jubiläumswarte.

Kaputt Nick
 
10
18.10.2011, 13:30
Kuckuk?

Flood
00
19.10.2011, 10:18

Ja, der Kuckuck war oben. Nicht beim Schloss.

Kaputt Nick
 
00
19.10.2011, 12:31
Oben war das Relais

Unten war der Kuckuck -- über Stollen mit den Schloss verbunden.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
01
17.10.2011, 23:37
Wenns dennstimm,tderVollständigkeit halber.

Aber das macht es nicht unbedingt zu einem besonders üblen Ort des Grauens. Das scheint eher später hier eingezogen zu sein,auch wenn ich die Geschichte von den Massenvergewaltigungennicht friß. Die von brutalen Betsrafungen durxhaus.
Aber daß die Nazis, die in Wien sozusagen überall waren von 1938 - 45, auch für dieses Haus eine systemdienliche Verwendung fanden, ist nicht wirklich überraschend. Sowas könnte man auch von jedem magistratischen Bezirksamt schreiben. Ein gewaltiger Unterschied zum Morzinplatz und zum Nordbahnhof verbleibt immer noch.

Mazzesinsulaner
 
00
18.10.2011, 14:53

was war am Nordbahnhof?

eh-wahr
00
18.10.2011, 15:25

Verladebahnhof für Auschwitz.

Kaputt Nick
 
00
18.10.2011, 18:51
Das war der Aspang-Bahnhof

Im Sommer 1938 wird die Ausstellung „Der Ewige Jude“ nach Wien in die Nordwestbahnhalle gebracht. Sie wird von 350.000 Wienern, darunter von allen Schülern, besucht.

Kuldip K.
 
00
18.10.2011, 10:40
Schirach, bist Du´s?

Oder nur acuh schiach?

Quasis Herr Karl
11
17.10.2011, 20:49
Welcher VK stricht hier rot?

Und jedem seine eigene Busspur
03
17.10.2011, 15:53
DAS passt nicht so gut ins Hotelprospekt

Die Zielgruppe ist bereits ausgestorben....

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