Die neuen Vorwürfe gegen Gerald Matt lösen Kritik bei ÖVP, FPÖ und BZÖ aus - SP-Kultursprecher Ernst Woller: Das Kontrollamt prüft, die "Ergebnisse sind abzuwarten"
Wien - Heftige Kritik seitens der ÖVP haben heute die neuen Vorwürfe gegen den Leiter der Kunsthalle Wien, Gerald Matt, ausgelöst. Für die Kultursprecherin der ÖVP Wien, Isabella Leeb, zeigt die Reaktion des Kunsthallen-Vorstandes "einmal mehr" die "Uneinsichtigkeit und Abgehobenheit sämtlicher Verantwortlicher in der Kunsthalle Wien". Leeb sieht einen "Missbrauch öffentlich finanzierter Ressourcen für private Zwecke und fordert in Richtung Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny: "Diesem unwürdigen Treiben muss nun unverzüglich Einhalt geboten werden."
ÖVP-Kultursprecherin Silvia Fuhrmann sieht "schwere Vorwürfe und Anschuldigungen, die dem Ruf der Kunsthalle und dem Kulturstandort Wien Schaden zufügen". Gerald Matt und der Vorstand der Kunsthalle seien aufgerufen, "Stellung zu nehmen und allfällige Konsequenzen zu ziehen", so Fuhrmann, die an die Causa des ehemaligen MAK-Direktors Peter Noever erinnert: "Hier hat das Kuratorium rasch und effizient reagiert. Ich würde mir von der Kunsthalle erwarten, ähnlich verantwortungsbewusst und rasch zu agieren."
Suspendierung Matts gefordert
Die freiheitliche Kultursprecherin Heidemarie Unterreiner macht dagegen einen kreativen, nicht ganz ernst gemeinten Vorschlag: "Wenn die Medienberichte über den kreativen Umgang mit Steuergeld durch Kunsthallendirektor Gerald Matt stimmen, dann muss er seine Wohnung, die schließlich mit Steuergeld behübscht wurde, der Allgemeinheit zugänglich machen. Hier haben wir die einmalige Chance ein Museum für Kunst- und Kultur-Korruption zu eröffnen", so Unterreiner, die in einer Aussendung die sofortige Abberufung des Kunsthallendirektors fordert.
BZÖ-Kultursprecher Stefan Petzner fordert die sofortige Suspendierung Matts. Da ein Abschluss der Kontrollamtsprüfung erst in mehr als einem Jahr zu erwarten sei, "müssen die Verantwortlichen endlich Konsequenzen ziehen. Allen voran ist der Wiener Kulturstadtrat Mailath-Pokorny gefordert", so Petzner.
"Ergebnisse sind abzuwarten"
"Auch wenn es die Opposition nicht verstehen will: das Kontrollamt prüft derzeit die Geschäftsgebarung der Kunsthalle Wien und diese Ergebnisse sind abzuwarten", meldete sich SP-Kultursprecher Ernst Woller zu Wort. Alle erhobenen Vorwürfe gegen den Direktor der Kunsthalle müsse man sehr genau untersuchen. Zudem sollten sie Gegenstand der laufenden Kontrollamtsprüfung sein. "Aufgrund der Ergebnisse der Kontrollamtsprüfung werden entsprechende Konsequenzen gezogen. Diese würden auch in die grundlegende Neuorganisation der Kunsthalle Wien einfließen, an der gerade gearbeitet wird."
Das Nachrichtenmagazin "profil" berichtet in seiner heutigen Ausgabe, dass fünf eidesstattliche Erklärungen vorlägen, laut denen Gerald Matt in den Jahren 1998 bis 2005 "in beträchtlichem Umfang" private Dienstleistungen über das Ausstellungshaus verrechnet haben soll. Kunsthalle-Präsident Thomas Häusle hat die Vorwürfe zurückgewiesen und betont, "dass zu keiner Zeit private Leistungen für Dr. Matt aus Mitteln der Kunsthalle beglichen wurden". Man werde das Kontrollamt aber "auf Wunsch" des Kunsthalle-Chefs ersuchen, "im Zuge seiner zur Zeit laufenden Prüfungen den Behauptungen im 'profil' nachzugehen". (APA)