ÖVP beklagt "Abgehobenheit sämtlicher Verantwortlicher"

17. Oktober 2011, 13:46

Die neuen Vorwürfe gegen Gerald Matt lösen Kritik bei ÖVP, FPÖ und BZÖ aus - SP-Kultursprecher Ernst Woller: Das Kontrollamt prüft, die "Ergebnisse sind abzuwarten"

Wien - Heftige Kritik seitens der ÖVP haben heute die neuen Vorwürfe gegen den Leiter der Kunsthalle Wien, Gerald Matt, ausgelöst. Für die Kultursprecherin der ÖVP Wien, Isabella Leeb, zeigt die Reaktion des Kunsthallen-Vorstandes "einmal mehr" die "Uneinsichtigkeit und Abgehobenheit sämtlicher Verantwortlicher in der Kunsthalle Wien". Leeb sieht einen "Missbrauch öffentlich finanzierter Ressourcen für private Zwecke und fordert in Richtung Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny: "Diesem unwürdigen Treiben muss nun unverzüglich Einhalt geboten werden."

ÖVP-Kultursprecherin Silvia Fuhrmann sieht "schwere Vorwürfe und Anschuldigungen, die dem Ruf der Kunsthalle und dem Kulturstandort Wien Schaden zufügen". Gerald Matt und der Vorstand der Kunsthalle seien aufgerufen, "Stellung zu nehmen und allfällige Konsequenzen zu ziehen", so Fuhrmann, die an die Causa des ehemaligen MAK-Direktors Peter Noever erinnert: "Hier hat das Kuratorium rasch und effizient reagiert. Ich würde mir von der Kunsthalle erwarten, ähnlich verantwortungsbewusst und rasch zu agieren."

Suspendierung Matts gefordert

Die freiheitliche Kultursprecherin Heidemarie Unterreiner macht dagegen einen kreativen, nicht ganz ernst gemeinten Vorschlag: "Wenn die Medienberichte über den kreativen Umgang mit Steuergeld durch Kunsthallendirektor Gerald Matt stimmen, dann muss er seine Wohnung, die schließlich mit Steuergeld behübscht wurde, der Allgemeinheit zugänglich machen. Hier haben wir die einmalige Chance ein Museum für Kunst- und Kultur-Korruption zu eröffnen", so Unterreiner, die in einer Aussendung die sofortige Abberufung des Kunsthallendirektors fordert.

BZÖ-Kultursprecher Stefan Petzner fordert die sofortige Suspendierung Matts. Da ein Abschluss der Kontrollamtsprüfung erst in mehr als einem Jahr zu erwarten sei, "müssen die Verantwortlichen endlich Konsequenzen ziehen. Allen voran ist der Wiener Kulturstadtrat Mailath-Pokorny gefordert", so Petzner.

"Ergebnisse sind abzuwarten"

"Auch wenn es die Opposition nicht verstehen will: das Kontrollamt prüft derzeit die Geschäftsgebarung der Kunsthalle Wien und diese Ergebnisse sind abzuwarten", meldete sich SP-Kultursprecher Ernst Woller zu Wort. Alle erhobenen Vorwürfe gegen den Direktor der Kunsthalle müsse man sehr genau untersuchen. Zudem sollten sie Gegenstand der laufenden Kontrollamtsprüfung sein. "Aufgrund der Ergebnisse der Kontrollamtsprüfung werden entsprechende Konsequenzen gezogen. Diese würden auch in die grundlegende Neuorganisation der Kunsthalle Wien einfließen, an der gerade gearbeitet wird."

Das Nachrichtenmagazin "profil" berichtet in seiner heutigen Ausgabe, dass fünf eidesstattliche Erklärungen vorlägen, laut denen Gerald Matt in den Jahren 1998 bis 2005 "in beträchtlichem Umfang" private Dienstleistungen über das Ausstellungshaus verrechnet haben soll. Kunsthalle-Präsident Thomas Häusle hat die Vorwürfe zurückgewiesen und betont, "dass zu keiner Zeit private Leistungen für Dr. Matt aus Mitteln der Kunsthalle beglichen wurden". Man werde das Kontrollamt aber "auf Wunsch" des Kunsthalle-Chefs ersuchen, "im Zuge seiner zur Zeit laufenden Prüfungen den Behauptungen im 'profil' nachzugehen". (APA)

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10 Postings
donna corleona
00
17.10.2011, 21:45
es genügt nicht, wenn die Handschellen klicken ...

http://www.wienerzeitung.at/nachichte... litik.html

donna corleona
01
17.10.2011, 22:02

...Angesichts der neuen Vorwürfe gegen Kunsthallen-Leiter Gerald Matt sieht Viennale-Direktor Hans Hurch die Wiener Kulturpolitik dringend gefordert. Wie das Nachrichtenmagazin "profil" berichtet, soll Matt private Dienstleistungen mit Geldern der Kunsthalle bezahlt haben. "Ganz offensichtlich ist der Verein Kunsthalle nicht willens, seiner Kontrollaufgabe nachzukommen", sagte Hurch im Gespräch mit der APA zur Causa Matt, "und spätestens dann muss es der Kulturstadtrat sein." Es reiche nicht aus zu sagen, diese Aufgabe hätten - vom Kontrollamt bis zum Staatsanwalt - andere, sondern es gebe auch eine kulturpolitische, moralisch-ethische Verantwortung. "Kulturpolitik fängt nicht an, wenn die Handschellen klicken."

donna corleona
01
17.10.2011, 22:07

... Kein gutes Haar ließ Hurch auch an der allgemeinen "politischen Unkultur" und speziell der Kulturpolitik des Bundes. Der Leiter der Viennale forderte eine "handlungsfähige" Kulturpolitik in der Causa Matt. "Ich glaube, wenn die Kulturpolitik in diesen Punkten nicht sehr wach ist, dann wird das eine sehr demoralisierende Wirkung haben auf die gesamte Kulturszene, auf Institutionen und Personen." Gerade wenn man jeden Tag lese, was für eine "Unkultur auf höchster politischer Ebene" praktiziert werde, sei es wichtig, "dass es in der Kulturpolitik eine gewisse Haltung gibt und gewisse Dinge nicht möglich sind. Und da würde ich mir von einem Kulturstadtrat oder einer Ministerin erwarten, dass ihr Verhalten auch moralisches Gewicht hat ...

Polarschwimmer
00
17.10.2011, 17:57
na da können övp und co froh sein ...

... dass es endlich wieder einmal einen fall gibt, wo sie kulturpolitik machen können oder zumindest dass, was diese illustre runde darunter versteht, sonst ist es ja, abgesehen von einigen rülpsern besonders aus dem rechts-rechtem lager ja ziemlich schlecht um diese bestellt.

Mr. Mag.
30
17.10.2011, 16:40
Glanzlichter

KultursprecherInnen : Leeb,Fuhrmann,Unterreiner,Petzner - wahrlich Glanzlichter der österr. Kulturpolitik.
Sonst hört man von diesen"Kulturexperten" nicht viel.
Ein willkommener Anlaß durch lautes Gackern Aufmerksamkeit zu erregen.
Ja wenn die Sonne der Kultur niedrig steht......

DieAnzeige bei der Staatsanwaltschaft erfolgte.
Man wird sehen ob Anklage erhoben wird.
Wir werden sehen ob sie dann noch gackern.

Captain Smoker
01
17.10.2011, 20:06

Zahlt eh der Steuerzahler. Soll man ihn also ja nicht belangen und weiterhin Geld verschleudern lassen?

madeingermany
00
17.10.2011, 22:13
Matt gehört

mit einer Tennis-Vorhand auf dem Niveau eines Kreisligadoppels aus dem Verkehr gezogen: in his balls. Möge sein Steuerberater die genitalen Reste aufklauben und abschreiben.

natha
31
17.10.2011, 16:16
anonym

anonym bleiben wollende ex-mitarbeiter klagen an: man könnte dazu auch treffender weise "bashing", "mobbing", "verleumdung" sagen. fpövp rufen nach konsequenzen, die sie bei ihresgleichen partout nicht ziehen wollen. alles ziemlich verlogen und durchschaubar, will mir scheinen.

trollvottel
01
17.10.2011, 16:03

Ein Korruptionsmuseum?

Das ist das allererste Mal, dass ich der Unterreiner unterstellen würde, eine gute Idee zu haben.

Es wäre dann auch super, wen man alles als Wachsfigur da aufstellen kann! Ich würd mir wünschen ...

Schüssel (EF-Unterschrift). Grasser + sein Pate.

Einen Raum, der demonstriert, woraus eine 60.000 Euro Pressekonferenz besteht (10 Sesseln, 20 Brötchen, eine Kiste Cola und ein Mietprojektor)

Kärnten-Raum: Türklingel auf 1m90. Jeder Besucher kriegt 500 Euro in die Hand gedrückt, dafür muss er nur versprechen "Ja ich find das Museum super" anzukreuzen, und einmal anläuten. Die 500 Euro kommen von einer Bank, die der Besucher anschließend gegen eine Brezen und eine schlecht eingeschenkte Maß Bier eintauscht...

ela vie
00
17.10.2011, 14:38
man beachte den Zeitablauf...

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