Wenn sich der Job auf die Haut schlägt

  • Vor allem Nassarbeit, wie sie etwa im Reinigungs- und Metallbereich, bei
 Friseuren, Maurern sowie medizinischen Berufen vorherrscht, birgt einen
 hohen Risikofaktor für Hautprobleme.
    foto: apa/martin schutt

    Vor allem Nassarbeit, wie sie etwa im Reinigungs- und Metallbereich, bei Friseuren, Maurern sowie medizinischen Berufen vorherrscht, birgt einen hohen Risikofaktor für Hautprobleme.

Das Kontaktekzem gehört zu den häufigsten Berufskrankheiten in Österreich - Vor allem Arbeitnehmer in Nassberufen haben damit zu kämpfen

Manche Menschen reagieren sprichwörtlich allergisch auf ihre Arbeit: Chirurgen, die Ausschlag von ihren sterilen Einmalhandschuhen bekommen, Bäcker, die keinen Mehlstaub vertragen und Pflegepersonal, dem das Desinfektionsmittel im wahrsten Sinne unter die Haut geht. Berufsbedingte Hautkrankheiten sind in Österreich keine Seltenheit, denn rund ein Fünftel aller Berufskrankheiten betreffen das größte Organ des Menschen. Vor allem Nassarbeit, wie sie etwa im Reinigungs- und Metallbereich, bei Friseuren, Maurern sowie medizinischen Berufen vorherrscht, birgt einen hohen Risikofaktor für Hautprobleme. Die Hände stundenlang in Handschuhen versteckt oder gar in direktem Kontakt mit Reinigungschemikalien - kein Wunder, dass die Haut ihr Unbehagen äußert. Es sind zu einem Großteil Kontaktekzeme auf den Händen, auch Kontaktdermatitiden genannt, mit denen Betroffenen kämpfen. Bei Kontaktekzemen handelt es sich um oberflächliche Hautentzündungen, die durch Juckreiz, Hautrötungen, Bläschen, Schuppung, nässende Hautdefekte und Krustenbildung gekennzeichnet sind.

Allergisch oder nicht allergisch

Den verschiedenen Kontaktekzemen liegen zwei unterschiedliche Mechanismen zu Grunde - entweder sie entstehen durch toxische Einwirkung oder auf allergischer Basis. Die Mehrzahl der Ekzeme ist nicht allergisch bedingt, von den Handekzemen ist das irritativ-toxische Ekzem das häufigste. Bei dieser Art Ekzem ist es schwierig, die Ursache zu finden, da es sich um eine Ausschlussdiagnose handelt. "Es gibt über 3.000 bekannte Kontaktallergene, das ist mitunter eine Detektivarbeit, das relevante Allergen herauszufinden. Im Vergleich dazu: Beim Heuschnupfen haben wir rund 30 bekannte Allergene", erklärt Stefan Wöhrl vom Floridsdorfer Allergiezentrum.

Die toxische Kontaktdermatitis entsteht bei direkten und intensiven Kontakt der Haut mit einer Substanz. Betroffen sind daher jene Hautpartien, die unmittelbar mit der Substanz in Berührung kommen, meist sind es die Hände. "Personen, die in Nassberufen arbeiten oder ständig ihre Hände desinfizieren müssen sind besonders anfällig für Kontaktekzeme. Durch die Feuchtigkeit trocknet die Haut aus, die Schutzbarriere der Haut geht verloren und sie wird anfälliger für eindringende Partikel und folglich für entzündliche Reaktionen", so der Dermatologe. Häufigste Auslösefaktoren sind chronische Feuchtigkeit und entfettende Substanzen wie Spül-, Reinigungs- und Desinfektionsmittel, Säuren oder Laugen.

Ganz anders verhält es sich bei allergischen Kontaktekzemen, die auf einer immunologischen Reaktion beruhen. Die Sensibilisierung erfolgt über die Haut. Bei Menschen, die berufsmäßig besonders viel Kontakt mit Feuchtigkeit haben, können Kontaktallergene besonders gut in die Haut eindringen. "Kontaktallergene sind ganz kleine Partikel, zum Beispiel Metallionen wie Nickel, die durch die Haut penetrieren können und in die Lymphknoten transportiert werden. Dort setzen sie die eigentliche allergische Reaktion in Gang", erklärt Wöhrl. Bis dann ein Hautekzem entsteht, kann es relativ lange dauern, oft Tage. Häufig greifen Allergene aber nicht direkt an, sondern befinden sich in der Luft, etwa in Form von Lösungsmittel- oder Lackdämpfen. Dass es sich hierbei um ein aerogenes Kontaktekzem handelt, ist für Patienten oft nicht ersichtlich, da der bewusste Kontakt mit der gasförmigen, Allergie-auslösenden Substanz fehlt.

Bei medizinischem Personal, das keine Latexhandschuhe verträgt, ist ebenso meist nicht der direkte Kontakt mit dem Material der eigentliche Auslöser. Hier handelt es sich im Gegensatz zur Kontaktallergie (Typ IV Allergie) aber um eine Antikörper vermittelte Allergie vom Soforttyp (Typ I Allergie). "Die Latexallergie ist eine echte Allergie, bei der die Sensibilisierung nicht über die Haut, sondern über die Lunge beginnt", so Wöhrl. Atmet man die kleinen Latexpartikel der gepuderten Handschuhe ein, kann eine Allergie entstehen. Eine Reaktion an der Haut ist ebenso möglich, wenn ein großes Allergen wie Latex über Risse in die Haut eindringt. "Ärzte und Pflegepersonal müssen sich ständig die Hände desinfizieren, die Haut wird trocken und rissig und viele haben daher ständig ein kleines Ekzem. Keiner von uns hat eine perfekte Haut", so Wöhrl. Schuld an der Latexallergie im medizinischen Bereich waren bis vor einigen Jahren häufig die gepuderten Handschuhe. Das Material verteilte sich gut in der Luft und konnte, wenn es eingeatmet wurde, bis in die kleinsten Lungenbläschen eindringen. "Die Latexallergie wurde wesentlich zurückgedrängt, seit wir erkannt haben, dass wir keine gepuderten Handschuhe mehr im Gesundheitsbereich einsetzen dürfen", so der Dermatologe.

Meldepflicht für Berufskrankheiten

Der Antwort, ob es sich tatsächlich um eine Berufskrankheit handelt, kommen Mediziner durch die Anamnese einen wesentlichen Schritt näher. Sind die Beschwerden plötzlich weg, wenn der Patient auf Urlaub ist? Und kehren die Symptome mit Arbeitsbeginn wieder zurück? Die Bejahung dieser Fragen deutet in Richtung Berufskrankheit hin. Nach dem Allgemeinen Sozialversicherungsgesetz ist die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA) für Berufskrankheiten zuständig. Bereits den Verdacht, es könnte sich um eine Berufskrankheit handeln, müssen Mediziner der AUVA melden. "Betroffene wollen zum Teil nicht, dass Mediziner die Krankheiten melden. Sie fürchten oft um ihren Job", schildert Jasminka Godnic-Cvar, Leiterin des Institutes für Arbeitsmedizin der MedUni Wien, die Lage der Betroffenen. Einerseits, weil sie befürchten, dass sie ihren Job nicht weiter ausführen dürfen und den Arbeitsplatz wechseln müssen, andererseits, dass, auch wenn es sich um keine Berufskrankheit handelt, sie als "Problemfälle" im Unternehmen gelten und gekündigt werden. "Es sind oft Dramen, die sich hier bei uns abspielen", betont auch Wöhrl. Die AUVA erstellt folgend ein Gutachten, das darüber entscheidet, ob eine Berufskrankheit vorliegt oder nicht. Im Vorjahr wurden 1.570 Berufskrankheiten Erwerbstätiger anerkannt. Lärmschwerhörigkeit war die häufigste berufsbedingte Krankheit, gefolgt von Hautkrankheiten.

Während der Zeit des Gutachtens und danach besteht für Arbeitnehmer kein Kündigungsschutz. „Der Arbeitgeber erfährt von der AUVA nicht, dass ein Arbeitnehmer in Verdacht steht, eine Berufskrankheit zu haben", sagt die Arbeitsmedizinerin. Aber wenn die AUVA bei einem Unternehmen nachfrage, mit welchen Substanzen oder Chemikalien eine Person zu tun habe, wie es manchmal vorkomme, sei dies oft schon Grund genug für einen Verdacht des Arbeitgebers und für eine Kündigung.

Prävention

Um sich vor den gefürchteten Hautekzemen so gut als möglich zu schützen, ist die Aufrechterhaltung der Haut als Schutzbarriere gegen eindringende Partikel notwendig. Um einer Austrocknung und in Folge kleinen Rissen in der Haut vorzubeugen, hilft vor allem eines: eine fetthaltige Hautcreme. „Cremen, cremen, cremen lautet das Credo. Dafür braucht es oft eine große Disziplin", so Wöhrl abschließend. (Ursula Schersch, derStandard.at, 20.10.2011)

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