Röntgensatellit abgestürzt - niemand weiß wo

23. Oktober 2011, 16:48
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Vorerst blieb auch unklar, ob es überhaupt Trümmerteile bis zur Erdoberfläche "geschafft" haben

Kön - Der ausgediente deutsche Röntgensatellit "Rosat" ist Sonntag früh abgestürzt - offen blieb vorerst die Frage, wo. Er sei zwischen 3.45 und 4.15 Uhr in die Erdatmosphäre eingetreten, teilte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt mit. Zunächst lagen dem DLR keine Angaben darüber vor, ob Teile des 2,5 Tonnen schweren Satelliten die Erdoberfläche getroffen haben oder ob er komplett verglüht ist. "'Rosat' ist der erste deutsche Satellit, der in diese Situation geraten ist", sagte DLR-Pressesprecher Andreas Schütz. "Jährlich treten 60 bis 90 Tonnen Weltraumschrott in die Erdatmosphäre ein."

Berichte, der Satellit sei während der Eintrittszeit über Teile Asiens und den Indischen Ozean geschwebt und seine Trümmer seien ins Meer gefallen, wollte das DLR am Sonntag nicht bestätigen. "Wir rechnen mit Daten unserer Partneragenturen in den kommenden Tagen", sagte Schütz. Zunächst müssten noch Messergebnisse ausgewertet werden.

Kurz vor dem Eintritt des Satelliten in die Erdatmosphäre hatte das DLR einen Absturz über Europa, Afrika und Australien ausgeschlossen. Experten hatten zuvor schon erklärt, dass sie kein Unheil durch den Satelliten erwarteten - selbst wenn nicht alle Teile bei dem rasanten Sturz durch die Atmosphäre verglühen. Die Wahrscheinlichkeit eines größeren Schadens wurde äußerst gering eingeschätzt.

Hintergrund

Der Röntgensatellit "Rosat" war im Juni 1990 von Florida aus ins All gestartet, um den Himmel mit einem Teleskop auf Quellen von Röntgenstrahlen abzusuchen. Da die Erdatmosphäre Röntgenstrahlen absorbiert, kann man die Strahlen nicht von der Erde aus untersuchen. Der Satellit lieferte 1990 das erste Röntgenbild vom Mond, schickte Aufnahmen der Andromeda-Galaxie zur Erde und fing erstmals Röntgenstrahlen von Kometen ein. Darüber hinaus hat "Rosat" zahlreiche Reste von Supernova-Explosionen entdeckt. Statt der ursprünglich geplanten 18 Monate war "Rosat" neun Jahre im Einsatz, dann fiel ein Sensor aus, der Satellit wurde irreparabel beschädigt. Daraufhin wurde das Gerät abgeschaltet.

Im September hatte der busgroße Satellit "UARS" für Aufregung gesorgt, dessen Trümmer dann aber folgenlos im Pazifik abgetaucht waren. Ausgediente Satelliten fallen sogar relativ häufig vom Himmel: Allein im vergangenen Jahr waren nach Angaben des Leiters des Weltraumschrott-Büros der Europäischen Raumfahrtagentur ESA, Heiner Klinkrad, 22 Satelliten unkontrolliert in die Erdatmosphäre eingetreten. Bisher sei in der mehr als 50-jährigen Weltraumgeschichte kein einziger Mensch zu Schaden gekommen.

>>> Hintergrund zu Weltraumschrott, der auf die Erde stürzt


Weltraumschrott

2010 waren insgesamt fast 400 Wiedereintritte von Trümmerteilen mit einer Gesamtmasse von 60 Tonnen in die Atmosphäre gezählt worden. Alle seien folgenlos geblieben, erklärte Manuel Metz, der beim DLR Experte für Weltraumschrott ist. Bisher ist nach Angaben der Europäischen Raumfahrtagentur Esa in der mehr als 50-jährigen Weltraumgeschichte kein einziger Todesfall durch Satellitentrümmer bekannt geworden.

September 2011: Teile des Satelliten UARS fallen in den Pazifischen Ozean. Ein Großteil des Forschungssatelliten ist zuvor verglüht, nach NASA-Berechnungen sind rund 26 Stücke übrig geblieben. Nach Schätzungen fallen die Trümmer in einem Umkreis von 800 Kilometern ins Meer, das größte Teil könnte knapp 140 Kilo wiegen.

November 2007: Auf einem abgelegenen Feld eines Bauernhofes in Australien schlägt ein 20 Kilogramm schweres Stück Weltraumschrott ein. Das Metallobjekt von der Größe eines Automotors landet bei Cheepie im Bundesstaat Queensland. Fachleute vermuten, dass es der Helium- oder Stickstoff-Tank einer Rakete ist, die gut eineinhalb Jahre zuvor in den USA gestartet wurde.

Jänner 2004: Im Norden Argentiniens stürzt ein mysteriöser Apparat von der Größe eines Kleinwagens vom Himmel. Nach Augenzeugen schlägt der schwere Zylinder mit einem gewaltigen Knall in einen Acker ein - vermutlich Weltraumschrott, teilt die Luftwaffe mit.

Dezember 2002: Der Kommunikationssatellit Astra-1K stürzt in den Pazifik. Das 110 Millionen Euro teure Gerät sollte unter anderem bis zu 112 Fernsehkanäle übertragen. Beim Start gab es aber Probleme mit der Rakete, und der Satellit wurde zu früh ausgesetzt. Da es nicht gelang, ihn von seiner ungewollten Umlaufbahn in etwa 200 Kilometern Höhe auf die erforderlichen 36.000 Kilometer zu heben, wurde ein kontrollierter Absturz beschlossen. (APA/red)

  • Das 1990 gestartete Röntgenteleskop "Rosat" hat das Ende seiner "Lebenszeit" erreicht.
    foto: dlr

    Das 1990 gestartete Röntgenteleskop "Rosat" hat das Ende seiner "Lebenszeit" erreicht.

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