Gauck hält Protest für "unsäglich albern"

17. Oktober 2011, 14:40

Die Ikone des Widerstands gegen die DDR moniert "romantische Vorstellungen" - Proteste gehen auch am Montag weiter

Während weltweit Hunderttausende gegen die Finanzwirtschaft demonstrieren, urteilt der deutsche Bürgerrechtler Joachim Gauck über die Protestbewegung hart. Die Demonstrationen in New York, Boston, Manila, Wien und Co. seien gespickt mit "romantischen Vorstellungen" und ein "Irrtum", so der ehemalige Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten bei einer Veranstaltung der "Zeit" in Hamburg.

Gauck warnte vor einer Protestkultur, die "aufflammt, wenn es um den eigenen Vorgarten geht". Und setzte noch nach: "Das wird schnell verebben", so Gauck. "Ich habe in einem Land gelebt, in dem die Banken besetzt waren", erklärte die Ikone der Rebellion in der damaligen DDR in Bezug auf die dort verstaatlichten Banken. Der Bürgerrechtler, der auch Ex-Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde war, hält eine Antikapitalismusdebatte für "unsäglich albern", wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet.

Gauck fragte demnach, ob es nicht zweifelhaft sei, zu glauben, dass Spareinlagen sicherer wären, wenn die Politik im Finanzgeschäft das Sagen hätte.

Die jüngsten Proteste bekamen durch die "Occupy Wall Street"-Bewegung in den USA neuen Aufwind. Hunderttausende Menschen haben am Wochenende weltweit gegen die Börsen und Banken demonstriert. Die Proteste erreichten am Samstag nach Veranstalterangaben 951 Städte in 82 Ländern, in Rom und in Lissabon sollen jeweils mehr als 100.000 Bankenkritiker auf die Straße gegangen sein. In Österreich wurde in Wien, Graz, Salzburg, Innsbruck und Linz protestiert. In Wien waren laut Polizei rund 1.400 Personen vom Westbahnhof zum Ballhausplatz in der City marschiert.

Proteste gehen weiter

Und sie gingen am Montag weiter: In Frankfurt am Main harrten die Demonstranten vor der Europäischen Zentralbank (EZB) aus, in Zürich besetzten sie erneut einen Platz in der Altstadt.

EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso sagte am Montag, er verstehe die Empörung der Demonstranten. "So manches Verhalten im Finanzsektor war total unverantwortlich. Wir sollten sagen: Es war krimineller Art." (siehe Artikel) EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy nannte die Sorgen der jungen Menschen "legitim". "Wir verstehen natürlich, dass die Maßnahmen, die in vielen Ländern ergriffen wurden, nicht populär sind. Aber sie sind unerlässlich um die Zukunft zu sichern."

Aus Protest gegen die Macht der Banken verbrachten vor der EZB in Frankfurt am Main Demonstranten auch die zweite Nacht in Folge in Zelten. 150 bis 200 Menschen seien noch in dem Protest-Camp vor der EZB, sagte ein Sprecher der Bewegung "Occupy Frankfurt" ("Besetzt Frankfurt"). Sie wollten auf unbestimmte Zeit dort bleiben. Das Protestcamp war am Samstagnachmittag nach einer Großdemonstration in Frankfurt mit mehr als 5.000 Menschen aufgebaut worden.

Auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte Verständnis für die weltweiten Proteste. "Die Kanzlerin kann auch persönlich verstehen, dass die Menschen auf die Straße gehen", sagte Merkels Sprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Die Regierung nehme die Proteste sehr ernst: "Darin drückt sich eine tiefe Sorge aus und auch ein berechtigtes Gerechtigkeitsverlangen der Menschen."

Bei den Eidgenossen rumort, bei den Italienern scheppert es

Aktivisten der sogenannten "Empörten"-Bewegung in der Schweiz wollen ihren Protest gegen das Finanzsystem ebenfalls weiter aufrechterhalten. Rund 40 verbliebene Demonstranten zogen Montag früh vom Zürcher Paradeplatz im Finanzviertel in die Altstadt. Der Protest soll die ganze Woche über andauern. Die Besetzung des Paradeplatzes hatte am Samstagvormittag begonnen. Bis zu 1.000 Personen hatten friedlich gegen das Finanzsystem demonstriert. Eine Gruppe harrte auch während der kalten Nächte vor den Sitzen der Großbanken UBS und Credit Suisse aus.

Nach den schweren Ausschreitungen bei den Anti-Banken-Protesten in Rom führte die italienische Polizei am Montag eine Großrazzia in Anarchistenkreisen durch. Sechs Personen wurden in Florenz festgenommen. Polizisten durchsuchten Wohnungen in mehreren italienischen Regionen, darunter in der Lombardei, im Trentino, in Rom und auf Sizilien, berichteten italienische Medien am Montag.

Bei Ausschreitungen am Rande einer Großdemonstration gegen die Macht der Finanz war es am Samstag in Rom zu schweren Ausschreitungen gekommen. 135 Personen wurden laut der definitiven Bilanz verletzt, zwölf Personen wurden festgenommen. Bürgermeister Gianni Alemanno bezifferte die Schäden allein für die öffentliche Hand auf eine Million Euro.

US-Präsident Barack Obama will indes gut ein Jahr vor der US-Präsidentenwahl bei einer dreitägigen Tour durch mehrere Südstaaten von den Protesten gegen die Finanzbranche profitieren. Obama wollte am Montag nach North Carolina und Virginia aufbrechen und dort auch für seinen milliardenschweren Plan zur Schaffung von Arbeitsplätzen werben. Die beiden Staaten sind im kommenden Jahr für seine Wiederwahl wichtig. (sos/APA)

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Karl Krammer
00
und wie vorhergesagt, ist diese dümmliche "Bewegung" nicht bloß verebbt,

sie ist den Tod der Lächerlichkeit gestorben.

cantanto
00
20.11.2011, 05:19
Also der Gauch auch schon ein Bilderberger....

Satzende
00
22.10.2011, 21:19
ach lass ma gut sein

typen wie gauck sind wichtig damit wir nicht den atem verlieren und weitermachen. -wenn ihr uns stecht bluten wir nicht-wenn ihr uns kitzelt lachen wir nicht-wenn ihr uns vergiftet sterben wir nicht -und wenn ihr uns beleidigt sollen wir uns nicht rächen..Satzende

Raptor Jesus
02
22.10.2011, 06:06
Gott sei dank ist der Clown nicht im Namen der "linken" Parteien Bundespräsident geworden!

Ich danke den Linken, das sie im erstem Wahlgang ihm die Stimme verweigert haben!

Die Bewegung als unsäglich albern abzutun, genau das hat die jungen Leute auf die Straße gebracht! Kam ja schon bei der Killerspiele-Debatte auf, das die Jugend net ernstgenommen wird. Die wollen aber ernst genommen werden!
Nur weil die Rentner die absolute Mehrheit in der Bevölkerung halten, heißt es nicht, das die Jugend nach deren Takt tanzen müssen. Auch die Jugendlichen wollen in ihrem Leben mal protestieren. Nur weil ihre hippen 68er-Eltern das getan haben, heißt es nicht, das es überflüssig ist.

Unsäglich albern wird auch die Piratenpartei bezeichnet. Umfragen treiben sie auf 9%. Die Parteienmarktlücke? Jugendliche und Internet.

Peter Rath-Sangkhakorn
 
01
21.10.2011, 13:20
Wir können den Linken dankbar sein, uns vor diesem Bundes-Pastor bewahr zu haben

An der Person Gauck wird deutlich: Die Kirche in der DDR war nicht nur das Nest der Opposition, sie war auch der Hort der Reaktion. Und im Nachhinein können wir der Linken nur dankbar sein, uns vor Herrn Gauck als Bundes-Pastor bewahrt zu haben. Wie SPD und Grüne sich diesen Herrn als Kandidaten haben aufschwatzen lassen, zeigt nur deutlich, wie es mit der kognitiven Immunität im Berliner Marionetten-Theater bestellt ist.

aandima
 
00
21.10.2011, 21:51
Alt verbraucht und vereinnahmt

Gott ist Geld, das predigte seit immer der gute alte Gauk, ein Kapitalistennarr. Die Fehler in der DDR deutete er bereits damals als gottlosen "Sozialismus", obwohl in der DDR wie heute im Westen ein Zitronen-Sozialismus für Reiche vorherrschte. Anstelle Banker warn's eben die Parteibonzen.

Nick Tameer
02
20.10.2011, 07:23

Der Gauck mag vielleicht mit seinen Prognosen über den Fortgang der jetzigen Bewegung richtig liegen, aber ich halte ihn mit seinen Vergleichen gleichfalls für unsäglich albern.

MacAllen Fine Oak
01
18.10.2011, 09:31
Das Gnaze lächerlich machen halte ich für die falsche und auch gefährliche Strategie.

Paris, London Riots und Rom haben gezeigt wie schnell die Sache aus dem Ruder laufen kann.

goope
00
17.10.2011, 23:45
Jean Ziegler - Occupy Paradeplatz

http://www.youtube.com/watch?v=1Yu_8psvMIs

kyselak3
 
31
17.10.2011, 22:58
was erlauben, bitte?

gfrasta in fernost nehmen schicksal in eigene hände und machen bobo-idylle von linksgrüngutmenschen kaputt.

MacAllen Fine Oak
31
18.10.2011, 09:21
Sie reden wirres Zeug....

vielleicht mal den Dealer wechseln?

Thomas North
63
17.10.2011, 22:09
sie protestieren am falsche Ort

die Träumer sollten vor den Zentralen der Parteien, (vorallem Demokraten, SPÖ) demonstrieren denn das Problem sind die hohen Staatsschulden und nicht die Banken

Raphae1
12
20.10.2011, 15:06

Huh? Die Staatsschulden sind so hoch, weil die Staaten die Banken "gerettet" haben.

a b1
00
22.10.2011, 10:16
Juhu das meint er doch

denn die Banken haben es ja von den regierenden Parteien bekommen ;-) deshalb sollte man auch gegen jene protestieren

Raphae1
00
22.10.2011, 19:32

gegen beide, weil Banken und Parteien verantwortlich sind.

Johnny Chicago
00
22.10.2011, 02:32

wenn es doch nur ganz so einfach wäre...

Der Dieb
15
17.10.2011, 19:16
Armer Gauckler

Es ist sehr schwer, einen Menschen dazu zu bringen, etwas zu verstehen, wenn sein Gehalt davon abhängt, dass er es nicht versteht. Upton Sinclairs

kyselak3
 
10
17.10.2011, 22:54
"Es ist sehr schwer, einen Menschen dazu zu bringen, etwas zu verstehen, wenn sein Gehalt davon abhängt, dass er es nicht versteht."

vielleicht deshalb "sinclairs" statt "sinclair"?

sonic
03
17.10.2011, 19:03

Wenn Gauck glaubt, dass es bei der Occupy-Bewegung um Sparguthaben geht, hat er gar nichts kapiert.

Raptor Jesus
00
22.10.2011, 06:08
Da sieht man, was für ein Kelch als Bundespräsidedent an uns vorbei gerollt ist.

Ein weiterer Minuspunkt and SPD und Grüne.

mikesh713
 
00
21.10.2011, 17:39

seh' ich auch so. unc auch die im artikel genannten reaktionen von politikern lassen darauf schliessen, dass ihr verstaendnis von den anliegen der bewegung zu eng sind.

imo stehen ein kritisches hinterfragen vieler werte unserer gesellschaft (wettbewerb, leistungsdenken, integration) und ein neubau oder zumindest umbau fast aller staatlichen institutionen an.

kyselak3
 
20
17.10.2011, 23:05
der alte

hat halt die eventkultur noch nicht so drauf!

Cellabe
02
17.10.2011, 17:41
Die alten Zausel brauchen wir zu dieser

Krise nicht befragen, die ist nämlich von ihnen gemacht/toleriert ...

kyselak3
 
00
17.10.2011, 23:03
ja eh!

was untersteht sich aus der (jetzt ehemalige) ostblock den eisernen vorhang niederzureißen, wo es doch vorher für uns so gemütlich war!

kyselak3
 
00
18.10.2011, 09:28
sorry!

soll heißen:
Was untersteht sich AUCH der .....

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