Mediziner bemängelt Fehlen von Schmerzprotokollen in Österreich
Einer neuen Studie zufolge werden Schmerzen nach Operationen in Österreich unzureichend behandelt. Demnach würden nur knapp 40 Prozent der österreichischen Abteilungen über einen Akutschmerzdienst verfügen. Die Österreichische Schmerzgesellschaft (ÖSG) forderte in einer Aussendung am Montag im Rahmen der Europäischen Schmerzwoche eine Verbesserung des postoperativen Schmerzmanagements.
"Das Fehlen von Akutschmerzdiensten und die mangelnde Erfassung und Dokumentation des Schmerzes in Form von Protokollen stellen in Österreich ernstzunehmende Einschränkungen für die Qualität des postoperativen Schmerzmanagements dar", so Burkhard Gustorff (Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin am Wiener Wilhelminenspital; Vorstandsmitglied der ÖSG).
Anästhesiologische Abteilungen befragt
Die Studie basiert auf der Befragung von 120 der insgesamt 125 anästhesiologische Abteilungen in Österreich, das Ergebnis wurde im Fachjournal "Der Anaesthesist" veröffentlicht. Demnach wird zur Umstellung einer unzureichenden postoperativen Schmerztherapie in nur 14 Prozent ein Anästhesist konsultiert. Auf nur 28 Prozent der Normalstationen existieren schriftliche Protokolle zum postoperativen Schmerzmanagement. Laut der Studie findet eine routinemäßig durchgeführte präoperative Aufklärung der Patienten über die Möglichkeit der Durchführung der postoperativen Schmerztherapie in 64 Prozent der Fälle statt.
"Bei knapp 700.000 als schwer einzustufenden operativen Eingriffen pro Jahr leiden in Österreich immer noch rund 300.000 Patienten postoperativ an mittelstarken bis starken Schmerzen", so der Forscher. "Das müsste nicht sein, denn gerade postoperative Schmerzen lassen sich bei entsprechend strukturiertem und systematischem Vorgehen sehr gut kontrollieren." (APA)