Deutscher Innenminister verteidigt Trojaner: "CCC hat nichts aufgeklärt"

17. Oktober 2011, 10:03

Trotz unterschiedlicher Auffassungen, ob Software korrekt eingesetzt wurde, sieht Friedrich keine rechtliche Grauzone

Der sogenannte Staatstrojaner erhitzt in Deutschland weiterhin die Gemüter. Während Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger die rasche Aufklärung darüber fordert, was die Software tatsächlich kann und wofür sie eingesetzt wird, sieht Innenminister Hans-Peter Friedrich von der CDU keinen Bedarf dafür. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung verteidigte er den Trojaner und griff den Chaos Computer Club (CCC) an, der die Debatte ins Rollen gebracht hatte.

Umstrittene Überwachungssoftware

Die Software wird unter anderem eingesetzt, um im Rahmen der Quellen-Telekommunikationsüberwachung verschlüsselte Internet-Telefonate und den E-Mail-Verkehr abzuhören. Laut dem CCC soll das bayerische Landeskriminalamt jedoch ein Programm verwendet haben, die größere Eingriffe vornehme als rechtlich erlaubt sei. Dazu gehören das Nachladen weiterer Software sowie das Anfertigen von Screenshots.

"Der CCC hat nichts aufgeklärt"

Friedrich bestreitet, dass gegen Gesetze verstoßen wurde. "Der CCC hat nichts aufgeklärt, sondern dem Chaos in seinem Namen alle Ehre gemacht. Da sind viele Missverständnisse entstanden. Die Landesbehörden haben völlig zu Recht darauf hingewiesen, dass sie die Grenzen dessen, was rechtlich zulässig ist, nicht überschritten haben." Die Nachladefunktion werde benötigt, um sich den Updates des überwachten Computers anpassen zu können.

"Es gibt keine rechtliche Grauzone"

Generell würde derartige Überwachungssoftware bei richterlicher Anordnung nur gegen schwere Verbrechen wie Drogenhandel, Menschenhandel, Waffenschmuggel und Terrorismus eingesetzt. "Wir müssen in der Lage sein Kommunikation zu überwachen", hält der Innenminister fest. Dass es verschiedene Auffassungen darüber gibt, was bei der Überwachung mittels Spionageprogrammen zulässig ist, findet Friedrich nicht problematisch. So vertritt auch das Landesgericht Landshut die Auffassung, dass der Trojaner in Bayern rechtswidrig eingesetzt worden sei. "Es gibt keine rechtliche Grauzone", betont Friedrich, räumt aber ein, dass das Anfertigen von Screenshots bei der Quellen-Telekommunikationsüberwachung "unter Juristen umstritten ist". Man könne ja auch anderer Auffassung sein als ein Landgericht, meint Friedrich.

Kein "TÜV für Trojaner"

Der CCC hatte auch angeprangert, dass die Software schlecht programmiert worden sei. Dazu meint Friedrich, dass er nicht wisse, welche Software dem CCC vorliege und er deshalb nicht beurteilen könne, ob die Analyse korrekt sei. In seinem Bereich sei die Software, "von der wir glauben, dass der CCC sie hat", wegen verschiedener Schwächen nicht verwendet worden. Von dem Programm der privaten Firma Digitask seien Teile des Codes übernommen worden. "Unsere Software wird immer genau auf die richterliche Anordnung hin programmiert", so Friedrich. Ob das tatsächlich so geschieht und möglich ist, stellen Experten jedoch in Zweifel. Bedarf für eine Prüfung für Überwachsungssoftware, also einem TÜV für Trojaner, sieht Friedrich nicht. Dafür gebe es behördeninterne Kontrollen. (red)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 34
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4freedom
02
19.10.2011, 20:24
Man darf Friedrich wohl eher am rechten Rand der CSU sehen

Er selbst ist Jurist, scheint aber ein eigenes Rechtsverständnis (passt wohl auf Recht und rechts) zu entwickeln.

Warum müssen Regierungen immer solche rechtslastigen Figuren zu Innenministern ernennen?

Der CCC hat analysiert, objektiv berichtet und die Hinterhältigkeit der einsetzenden Behörden aufgezeigt.

Die Polizei darf z.B. nur bestimmte Waffen tragen: Maschinengewehre im Einsatz sind nicht erlaubt, auch wenn behauptet wird, dass man daraus nur einzelne Schüsse abfeuert.

Dass individuell programmiert wird, ist unglaubwürdig. Wozu wird dann die Erfassung von Screenshots, Kameraaktivierung, Keylogging programmiert, obwohl ungesetzlich? Wozu ein Server in US?

Verdummungsversuch.

Le'Mac
00
24.10.2011, 11:35
was hat das mit links oder rechts zu tun?

ob jetzt stasi oder gestapo?

ich fürchte fast dieser mensch denkt wirklich er tut dem volk einen gefallen mit dem trojaner, damit die ganzen 'bösen' endlich erwischt werden können...
dummheit hält sich leider nicht an politische lager...

Hans Hansen
00
19.10.2011, 14:18

Die beste Taktik ist von jeher zu leugnen, wenn man weiss man hat was angestellt. Aber auch Ämter obligen den Gesetzen und müssen sie befolgen. Da gibts keine Extrawurscht, auch keine bayerische.

Le'Mac
04
17.10.2011, 19:48
inoffizieller Kommentar des CCC ;)

http://alternativlos.org/19/

überhaupt ein guter podcast

polytropolis
00
19.10.2011, 15:19

danke für den Link!

scriptingguy
09
17.10.2011, 18:11
Die Nachladefunktion werde benötigt, um sich den Updates des überwachten Computers anpassen zu können.

Ich bekomme immer Angst wenn Juristen damit beginnen Code zu erklären.

Tron 2.0
07
17.10.2011, 16:18
nur gegen schwere Verbrechen wie Drogenhandel, Menschenhandel, Waffenschmuggel und Terrorismus

Deswegen liest man ja auch so viel von deren Verhaftungen

HookMind
02
17.10.2011, 14:28
das Foto

ist genial!

Niemand & Keiner
00
18.10.2011, 09:14

Logenbrüder unter sich. :-)

terrorpeut
01
17.10.2011, 14:26

Da weiß offenbar die rechte CSU-Hand (Friedrich: "Es gibt keine rechtliche Grauzone.") nicht, was die rechtere CSU-Hand tut (Uhl: "Wir haben die Ministerin immer wieder darauf hingewiesen, dass die Ermittler beim Einsatz von Spionagesoftware in Strafverfahren in einer gesetzlichen Grauzone arbeiten.")

aners
00
17.10.2011, 14:25
vortrag

zum thema sicheres publizieren und staatstroyaner

http://www.youtube.com/watch?v=I... embedded#!

terrorpeut
00
17.10.2011, 14:21

Liebe Standard-Redaktion,

"Innenminister Hans-Peter Friedrich von der CDU" ist Topfen - er ist in der CSU

werwolfi
00
17.10.2011, 16:53

noch schlimmer....

C R3
11
17.10.2011, 13:12
Der Fehler liegt eindeutig beim Justizministerium!

Die haben einfach nicht rechtzeitig die Gesetze geändert, damit der Bundestrojaner legal ist. So eine Schlamperei aber auch.

Man sollte den CCC sofort unter dem Mafiaparagraphen anklagen!! (Und falls die Deutschen den auch nicht haben, dann sollte die Justizministerin sofort zurücktreten, Schlamperei aber auch!)

ü-strichal
16
17.10.2011, 12:55
http://heise.de/-1361814

In der "Neuen Osnabrücker Zeitung" warf Uhl Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) am Samstag vor, Polizei und Staatsanwälte seit Jahren im Regen stehen zu lassen: "Wir haben die Ministerin immer wieder darauf hingewiesen, dass die Ermittler beim Einsatz von Spionagesoftware in Strafverfahren in einer gesetzlichen Grauzone arbeiten."

also wusste dieser ........................ (da kann jeder einsetzen was er will) von anfang an, dass das was sie da machen nicht rechtens ist, und dass das ganze gefälligst rechtens zu machen sei.

Lichtfreak
02
17.10.2011, 12:55
Unsere Software wird immer genau auf die richterliche Anordnung hin programmiert", so Friedrich

Die haben die Source gekauft und kompilieren selber?

Karottensammler
06
17.10.2011, 12:51
Typische Reaktion

Den CCC durch peinliche Stammtisch-Plakatsprüche zu diskreditieren versuchen, und selber etwa soviel Kompetenz ausstrahlen wie ein Bäcker der über OOP fachsimpelt.

cyprian77
01
17.10.2011, 12:50
Ein Innenminister

mit etwas schwammigem Rechtsverständnis.

Martin Major
 
00
19.10.2011, 15:54

das hat in deutschland ja tradition. das hat ja nicht erst mit dem wahnsinnigen schäuble ohne schräuble angefangen und wird mit friedrich auch nicht aufhören.

Pareidolic
03
17.10.2011, 12:44
Der Verdächtige verwickelt sich in Widersprüche

Im Volltext des Interviews:

"Wir haben in meinem Geschäftsbereich die Software, von der wir glauben, dass der CCC sie hat, wegen verschiedener Schwächen nicht verwendet." und auf die Frage ob sein Code von der selben Firma entwickelt wurde: "Ja. Der Code stimmt zum Teil mit unserem überein. Er wurde aber verändert, weil das Bundeskriminalamt damals gesagt hat, dass er zu viele Schwächen hat."

Ein paar Fragen später auf die Frage warum eine private Firma beauftragt wurde: "Weil die Firma ein gutes Produkt abliefert." - Zu viele Schwächen um verwendet zu werden, aber ein gutes Produkt?

Pareidolic
01
17.10.2011, 12:37
Indirektes Geständnis

Diese Verteidigungsstrategie des Innenministers ist auffallend unbrauchbar. "Man könne ja auch anderer Auffassung sein als ein Landgericht" - aber nicht als der Bundesgerichtshof, der ganz klar vorgegeben hat was rechtens ist und was nicht. Das Anfertigen von Screenshots ist keine Überwachung einer Kommunikation und damit rechtswidrig, genauso ist das mit dem Nachladen von Code: Vom obersten Gericht wurde das ausgeschlossen. Ob der Herr Friedrich das gerne hätte um sich irgendwelchen Updates anzupassen ist irrelevant, es ist nicht legal. Und wenn er nach all dem auf "behördeninterne Kontrollen" hinweist dann bleibt einem das Lachen im Hals stecken.

0Stoney0
01
17.10.2011, 12:34
Stellt euch vor

die kriminellen kommunizieren per Brief.

Diejenigen die Überwacht werden sollen, wissen genau wie sie sich dagegen schützen können.

Die Unschuldigen werden überwacht.

Für die heutige Freiheit haben unsere Eltern und Großeltern hart gekämpft. Wie kann das jemals Gerechtfertigt werden, dass die Freiheit sukzessive aufgegeben wird?

Konsumtrottel 2.0
08
17.10.2011, 11:53
ein weiterer baustein mehr

zum überwachungsstaat. zum kotzen. wär allerdings schon auch interessant, was der so überaus neugierige herr friedrich so alles auf seinem computer lagert.

zimbo
 
01
17.10.2011, 11:44
dowmloaden und im Bedarfsfall Anzeige erstatten

http://www.chip.de/downloads... 44253.html

bad user
01
17.10.2011, 11:54
... gilt leider nur bei der vom CCC getesteten Version ...

Ein simples umschreiben eines "o" in ein "O" im Sourcecode genügt um unerkannt zu bleiben.
Eine Heuristik-Prüfung steht leider noch nicht zur Verfügung ...

Und nachdem "immer genau auf die richterliche Anordnung hin programmiert" wird, kann sich so ein trivialer Fehler sehr leicht "einschleichen" ... ;)

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