Metaller in langer Verhandlungsnacht

17. Oktober 2011, 23:16
453 Postings

Der Arbeitskampf wurde nach einem intensiven Wochenende unterbrochen, es wird wohl bis spät in die Nacht verhandelt

Die Arbeitgeber der Metallindustrie zeigten sich Montagnacht gegen 22:00 Uhr mit dem bisherigen Gesprächsklima während der dritten Runde der Kollektivverhandlungen sehr zufrieden. Das Gesprächsklima sei "äußerst konstruktiv", hieß es vor den versammelten Journalisten. Zu diesem Zeitpunkt dauerten die Verhandlungen bereits acht Stunden an. Die Arbeitnehmerseite gab sich weiterhin zugeknöpft.

Zuletzt waren am Mittwoch vergangener Woche die Lohnverhandlungen von der Arbeitnehmerseite unterbrochen worden, da ihnen das Angebot der Arbeitgeber (plus 3,65 Prozent mehr Lohn und eine Einmahlzahlung von 200 Euro) nicht reichte. Sie forderten 5,5 Prozent mehr Lohn. Daran hielten sie auch heute vor Verhandlungsbeginn fest.

***

 

Wien - Entwarnung im Arbeitskampf der Metallindustrie: Die "Sondierungsgespräche" am Sonntag haben zu dem Ergebnis geführt, dass heute die Kollektivvertragsverhandlungen wieder aufgenommen werden. Ursprünglich war nach dem Scheitern der zweiten Lohnrunde am Mittwoch erst der kommende Donnerstag, der 20. Oktober, als nächster Termin vorgesehen gewesen. Aber die Gewerkschaften hatten mit Warnstreiks in rund 200 Betrieben mit 100.000 Mitarbeitern eine frühere Gesprächsaufnahme herbeigeführt - nachdem sie am Mittwoch wegen ihrer Meinung nach unzufriedenstellender Angebote der Industrie die Verhandlungen unterbrochen hatten.

Vor Gesprächsbeginn um 14:30 Uhr gab sich Arbeitnehmer-Chefverhandler Rainer Wimmer (Pro-Ge) unnachgiebig. Er wiederholte die bisherige Forderung nach 5,5 Prozent mehr Lohn.Seither wird verhandelt. Entgegen dem üblichen Brauch sind die vier Verhandlungsführer noch nicht aus den Sitzungszimmer in der Wirtschaftskammer Österreich gekommen, um ihre mitgereisten Betriebsräte und Industriellen über den Zwischenstand zu informieren. Aus Verhandlungskreisen wird dies als Zeichen dafür gewertet, dass beide Seiten heute noch die Lohnverhandlungen abschließen wollen.

Verhandeln bis in die Nacht

Arbeitgeber-Chefverhandler Christoph Hinteregger war heute vor dem Verhandlungsstart um ein konsensuales Klima bemüht, man werde nun mal schauen welche Annäherung es gibt, er geht wie Wimmer von einer Verhandlung bis spät in die Nacht aus. Dass sich die Arbeitgeber entgegen ursprünglichen Plänen nun doch schon heute und nicht erst am Donnerstag für weitere Lohnverhandlungen getroffen haben begründet er mit dem konstruktiven Klima beim gestrigen Sondierungsgespräch im Wiener Hotel Intercontinental zwischen den Spitzenverhandlern.

Wimmer stellte klar, dass die Warnstreiks vom Freitag vergangener Woche nur ausgesetzt sind und jederzeit wieder aufgenommen werden können. Dass dies heißt, dass es bei einem Scheitern der heutigen Verhandlungsrunde morgen automatisch wieder Streiks gibt, wollte Wimmer aber so nicht bestätigen.

Vierer vor dem Komma

Ein "Vierer" vor dem Komma wurde am Mittwoch bereits für die untersten Einkommensschichten erreicht - zumindest rechnerisch. Die Industrievertreter hatten 3,8 Prozent geboten, mit den 200 Euro Einmalzahlung wäre dies ein Lohnplus von 4,37 Prozent. Der Mindestlohn der Metaller liegt derzeit bei 1.515 Euro brutto, er würde dann in etwa 1.580 Euro betragen.

Am kommenden Mittwoch beginnen die KV-Verhandlungen für den Handel, hier liegen die Abschlüsse traditionell unter denen der Metaller. (APA/red)

  • Heute verhandeln Arbeitgeber und Gewerkschaft weiter. Bilder wie von dieser Betriebsversammlung der Voest in Linz vom vergangenen Freitag würde sich die Industrie künftig gerne ersparen.
    foto: erich müllegger

    Heute verhandeln Arbeitgeber und Gewerkschaft weiter. Bilder wie von dieser Betriebsversammlung der Voest in Linz vom vergangenen Freitag würde sich die Industrie künftig gerne ersparen.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Warnstreiks vom Freitag vergangener Woche sind nur ausgesetzt, warnt die Gewerkschaft.

Share if you care.