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Er fühle sich der Idee trotzdem noch verbunden, sagt er im Gespräch mit Nermin Ismail.
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STANDARD: Sie haben sich nach der Revolution entschieden, als ehemaliger Muslimbruder, für die Präsidentschaftswahl zu kandidieren. Soll Ägypten mit Ihnen als Präsident islamisch werden?
Abu El-Futuh: Ich habe mich entschieden, unabhängig und nicht als Repräsentant der Muslimbrüder zu kandidieren. Auch wenn ich von dieser Organisation getrennt bin, fühle ich mich ihrer Idee noch verbunden. Allerdings wollen alle islamischen Bewegungen in Ägypten keinen islamischen, sondern einen zivilen, demokratischen Staat: eine Verfassung, ein Parlament, welches das Volk repräsentiert und eine Regierung, die demokratisch gewählt ist. Der sunnitische Islam erlaubt keine islamische Staatsform. Deswegen ist die Furcht vieler Menschen, die Islamisten würden einen religiösen Staat installieren, fehl am Platz. Das war und wird nicht sein.
STANDARD: Heißt dies, dass im Islam, Ihrer Auffassung nach, Religion und Politik getrennt sein sollten?
Abu El- Futuh: Nicht die Religion soll sich von der Politik trennen, sondern die Partei von der Religion. Der Wettstreit um die Macht soll eine Sache der Parteien sein, nicht der islamischen Organisationen, Bewegungen und Gemeinschaften. Diese können aktiv sein in einer aufklärerischen Weise, aber nicht wenn es um den politischen Wettbewerb geht, denn dieser ist den Parteien vorbehalten.
STANDARD: Sie meinten in einem Interview im ägyptischen Fernsehen, Sie wollen das ägyptische Mosaik mit seiner Vielfalt verkörpern. Aber würden die Kopten Sie als ihren Präsidenten akzeptieren?
Abu El- Futuh: Sicher. Die Basis von Rechten und Pflichten ist die Staatsbürgerschaft, die keinen Unterschied zwischen den Menschen aufgrund der Hautfarbe, der Religion oder der ethnischen Herkunft macht. Deswegen haben der Muslim, der Kopte, der Linke, der Islamist, der Mann, die Frau alle dieselben Rechte und Pflichte. Die Kopten waren schon immer in Ägypten und haben diese Rechte genossen. Weder die alten Verfassungen noch die Gesetze in ihrer Gesamtheit beinhalteten jemals eine Unterscheidung.
STANDARD: Wie erklären Sie sich die jüngsten Zusammenstöße zwischen Muslime und Kopten?
Abu El- Futuh: Die aktuellen Spannungen zwischen Kopten und Muslimen resultieren aus den Handlungen der Extremisten auf beiden Seiten. Es sind Einzelfälle, die keinen ideologischen Hintergrund haben. Es gibt keine religiösen Spannungen in Ägypten.
STANDARD: Die Parlamentswahlen sollten anfangs im September stattfinden, nun wurde der Termin für November festgelegt. Ist das eine Taktik des Militärrats, um länger an der Macht zu bleiben?
Abu El- Futuh: Das kann ich mir nicht vorstellen. Die Verspätung ergibt sich aus der Unsicherheit des Militärrats aufgrund der fehlenden Erfahrung, denn dies gehört nicht zu seinen ursprünglichen Aufgaben. Das Volk ist aufgestanden, um für Demokratie und Freiheit zu kämpfen. Nach der Revolution ist es unmöglich, ohne die Zustimmung des Volkes und ohne Wahlen zu regieren. Weder das Militär noch das Volk würden das zulassen.
STANDARD: Die Wahlen sollten die ersten unbeeinflussten seit vielen Jahren werden. Wie schätzen Sie die Durchführung der Parlamentswahlen in Bezug auf ihre Korrektheit ein?
Abu El- Futuh: Korrupte Machthaber, die Ägypten jahrelang führten, haben in der Vergangenheit systematisch Wahlen gefälscht. Wer jetzt in Ägypten regiert, kann keine Vorteile dadurch haben. Deswegen glaube ich, dass die nächsten Wahlen gerecht und ordentlich durchgeführt werden. Sie werden den Willen des Volkes ausdrücken und die islamischen Parteien werden mit nicht mehr als 25 Prozent im Parlament vertreten sein.
Die politische Hauptströmung in Ägypten wird die Mehrheit im Parlament haben. Sie ist nicht gespalten in Parteien, Richtungen oder Bewegungen und es wird eine Zusammenarbeit mit allen Parlamentariern geben, denn es wird das erste Parlament nach der Revolution sein.
STANDARD: Welche Aufgabe, denken Sie, ist die wesentlichste für das künftige Parlament?
Abu El- Futuh: Wesentliche Ziele werden die gesetzliche Verankerung der Demokratie und Menschenrechte und die wirtschaftlichen Erneuerung sein. Die Slogans der Revolution vom 25. Januar waren Freiheit, Würde und Gleichheit. Diese müssen umgesetzt werden. Das wird die wichtigste Aufgabe des zukünftigen Parlaments. Dass Gesetze erlassen werden und eine Aufsicht auf die Regierung eingerichtet wird, damit die Anliegen und Ziele der Revolution umgesetzt werden, für die nicht wenige junge Menschen ihr Leben gelassen haben.
STANDARD: Wie wollen Sie Ägypten verändern?
Abu El- Futuh: Mein Programm hat zwei wesentliche Ziele: die Etablierung des Rechtsstaates und die Unabhängigkeit der Gerichte. Außerdem ist mir die Vertiefung der Freiheit und der Demokratie in der Verfassung und in den Gesetzen ein Anliegen. Mit diesen Faktoren streben wir zu einer ägyptischen Erneuerung. Diese umfasst auch die Gesundheitsvorsorge, die Bildung und die Wissenschaft. Ägyptens Probleme sind lösbar. Wir gehen davon aus, dass -im Gegensatz zu früher - die Meinungen der Experten und Spezialisten bei der Problemlösung berücksichtigt werden müssen. Die schlechte wirtschaftliche Kraft, die Armut, das schlechte Management in der Landwirtschaft, all dies verlangt nach einer politischen Kraft, die diese Ziele umsetzt. (Langversion des Interviews aus DER STANDARD, Printausgabe, 17.10.2011)
Abdelmoneim Abu El-Futuh (60) ist Generalsekretär der arabischen Ärztevereinigung und war mehr als 35 Jahre in der Muslimbruderschaft aktiv. Er ist für seine liberalen Ansichten bekannt und höchst umstritten.
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"Es gibt keine religiösen Spannungen in Ägypten."
Die chuzpe muss man nach der ermordung von 40 Kopten auch erst einmal haben. Und es geht hier nicht um Breivik Einzeltäter.
Trotz der netten Worte von Demorkatie und Freiheit, nur wenn es das laizistisch-liberale-linke Lager schafft, sich zu organisieren, dann wird Ägypten nicht im religiösen Wahn versinken. Das Szenario Progrom ist nicht unwahrscheinlich, gibt bereits jetzt regelmäßig Attacken auf koptische Geschäfte, Morde usw. usf.
Ein Blick in unsere eigene Geschichte sollte hier als Warnung reichen. Die Haupttäter haben damals internationale auch gerne nette Worte des Friedens und der Harmonie verbreitet...
"Die aktuellen Spannungen zwischen Kopten und Muslimen resultieren aus den Handlungen der Extremisten auf beiden Seiten."
Jeder kann sich die Youtube Videos ansehen wo Militärfahrzeuge in die Menge reinfahren, Menschen überfahren und einzelne Personen niederschiessen.
Im Gegenteil wage ich sogar zu behaupten das Kopten und Muslime gar nicht die Hauptprotagonisten sind, sondern das Militär. Das Militär hat ein Interesse daran einen religiösen Konflikt aufrecht zu erhalten. Ich würde sogar fragen wie viele der "Extremisten" nicht in Wirklichkeit für das Militär arbeiten. Das werden nicht wenige sein.
Diesem Militär ist nicht zu trauen. Wer Menschen derart ermorden kann und straffrei ausgeht der will keine Demokratie.
Entweder ist der verwirrt oder er lügt einfach.
"Allerdings wollen alle islamischen Bewegungen in Ägypten keinen islamischen, sondern einen zivilen, demokratischen Staat".
Ich tret gleich den Muslimbrüdern bei!
"Nicht die Religion soll sich von der Politik trennen, sondern die Partei von der Religion."
????
"Weder die alten Verfassungen noch die Gesetze in ihrer Gesamtheit beinhalteten jemals eine Unterscheidung".
Die zivilen Passi der Verfassung enthielten keine Unterscheidung. Aber ein Scharia-Spruch konnte sie jederzeit übersteuern.
"Die politische Hauptströmung in Ägypten wird die Mehrheit im Parlament haben. Sie ist nicht gespalten in Parteien"
Und wie ist die Hauptströmung? Genau.
Die wohl größte Herausforderung für Ägypten (und die ganze Gegend) ist sicherlich das unfassbare Bevölkerungswachstum (beinahe verfünffacht in den letzten siebzig Jahren), das den Angelpunkt fast aller übrigen Probleme (Arbeitslosigkeit, steigende Brotpreise, Radikalisierung, etc.) darstellt.
Das wurde leider nicht mal angeschnitten, und wenn man bedenkt, dass gerade unter den Religiösen Kinderreichtum gemeinhin als Gottesgeschenk gilt, kann man auch kaum erwarten, dass sich da was ändern wird.
@ "Korrupte Machthaber, die Ägypten jahrelang führten, haben früher systematisch Wahlen gefälscht. Deswegen glaube ich, dass die nächsten Wahlen gerecht durchgeführt werden."
Originelle Kausalverkettung. Nach dem Prinzip "wenn im Casino 10x schwarz kommt, ist dann sicher rot dran" ?
na, das wird wohl eher ein Traum bleiben. Denn außer Mubarrak und seinen engsten Vertrauten, sind noch ALLE durch die Bank an der Macht ... und bislang hat sich weder die Korruption geändert, noch die Lebensumstände der Ägypter. Im Gegenteil, wenn Veränderungen, so hin zum schlechten.
Das stimmt, aber wir haben Youtube.
Wir haben Dokumente wo die Machthaber auch noch jahrelang später zur Verantwortung gezogen werden können.
Das ägyptische Militär meint vielleicht das der Rest der Welt blind bleibt. Aber internationale Haftbefehle kann es auch für das ägyptische Militär geben, wenn diese Ägypter ermorden.
ich tu mich sehr schwer mit you tube videos, in diesen Geschichten. Es ist nur sehr selten nachvollziehbar, wo die shoots tatsächlich erfolgten.
Zum ägyptischen Militär: Machen Sie sich frei von der Idee, dass irgendwer internationale Haftbefehle ausstellt, kommen Ägypter durch ägyptisches Militär zu Tode. Gleiches gilt auch für diese Benghazi/Derna-Vandalen, die in Libyen jetzt das Sagen haben.
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