Mein Höhepunkt im Museumsquartier

Harald Fidler, 18. Oktober 2011, 16:36
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    foto: harald fidler

    Keine schlechte Aussicht auf den Sommer 2012: die künftige Dachterrasse des Hill im Mumok. Gegessen und getrunken und wieder mal grauenhafte Essfotos gemacht haben wir allerdings noch im Stammhaus in Döbling.

    Hill
    Zweimal drei Gänge, geburtstäglich sehr, sehr ordentlich Wein und Kaffee: 180 Euro.

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    Mousse vom Mais: Sah live viel, viel besser aus - und schmeckte nochmal so gut

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    foto: harald fidler

    In der Mitte muss man sich ein Weichtier im Ravioloschlauchboot vorstellen - und die Farben allesamt weit schöner

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    foto: harald fidler

    Ein wunderbares Reh so zu fotografieren, ist definitiv Tierquälerei, auch posthum. Fidler steht dazu.

Und andere, noch schönere zum 1010er Geburtstag im Sieveringer Stammhaus Hill

1010er Geburtstage wollen gebührend gefeiert sein, wissen unerschütterliche Schmeck's-Leserinnen und -Leser. Wo der Vegetarismus von der Bildfläche verschwand, wo der geniale Grieche den noblen Italiener verlassen hat, und wo Döbling gerade nahe liegt, können wir den Tag bei einem Wirten begehen, den ich ohnehin schon ewig auf der Liste habe. Endlich Aurelio Nitsche im Hill.

Nächster Höhepunkt im MQ

Das trifft sich auch insofern gut, als die Verhillung der Welt, jedenfalls Wiens, gerade in diesen Wochen einen Schritt weiterkam unddort  das kleine Gastroimperium neuerdings die nach vorne verlegte Restauration des Mumok bespielt. Und wenn der Brunch nicht samstags und sonntags bis 14 Uhr ginge und die normale Karte erst danach wieder in Aktion tritt, hätt ich auch gleich darüber berichten und doch ein bisschen Aktualität vortäuschen können.

So kann ich nur dem Vorwegnahmejournalismus frönen und prognostizieren: Da kommt nächsten Sommer ein neuer Höhepunkt auf das Museumsquartier zu und macht dem Leopold mit einer Weltklasseterrasse Konkurrenz. Nicht ganz so weit oben wie die Kollegen von drüben, und der Mumok-Monolith lässt den Blick nicht ganz so breit streifen, aber die Kuppel des Naturhistorischen Museums macht sich schon ganz schnuckelig zwischen dem Mumokdachziegelrot und dem Himmelsblau. Die Bar steht schon oben, nicht in Betrieb, und bis zum nächsten Sommer wird das Mumok auch seine Schließfachblechkasteln von der Terrasse geräumt haben, die dort noch herumstehen.

Und noch eine Konditorei

Und keine Atempause, Gerichte werden gemacht, es geht voran: Auch die nächste Etappe der Hillschen Welteroberung darf ich schon leise ankündigen - wird wohl eher kein Fall für Schmeck's: Gleich neben dem Bürgerhof, weit oben in der Gentzgasse, kündigt sich eine Hillsche Konditorei an.

Drei Gänge in die lange Nacht

Also kein Brunch im Quartier, und noch kein Süssli in Währing, aber Dinner in der Cottage mit Geburtstags- äh, was sagt man eigentlich, wenn man nicht Geburtstagskind sagen will? Jubilarin klingt nach Altersheim. Das passt definitiv nicht. Dann lieber Kind. 

Drei Gänge, beschließt sie, und ich will da nicht widersprechen, auch wenn mich die acht Gänge (85 Euro) alles andere als abgeschreckt hätten. Und so lang, wie wir das Personal hier vom Schließen abgehalten haben, wären sich, grob geschätzt, auch 16 ausgegangen. Aber gut, man liegt ja auch schlecht, wenn der Magen zu voll ist, sagen manche. Also drei Gänge (35 Euro).

Mais? Meins!

Ich hatte mich schon, quasi a tribute, auf eines der wenigen vegetarischen Gerichte eingestellt - da hat meine anmutiges Gegenüber doch glatt schon zugeschlagen: Mousse vom weißen Mais mit Vanille, Safran, Karotte, Zuckererbsencreme und Muskattraube. Ich durfte kosten, und kann nur sagen: diese Frau hat Geschmack - sapperlot. Kompliment an die Küche, die davor mit einem kleinen Stück zart angebratenem Tunfisch, Kügelnchen von Ronen, genannt Rote-Rüben-Kaviar, und Sauerrahmcreme gegrüßt hatte, wenn ich mich recht erinnere, was nicht ganz leicht von der Ganglie geht.

A propos Thunfisch: Internationale Wassertiere braucht es offenbar schon in Sievering, wenn man auf sich hält. Branzino, Lachs, Scampi tummeln sich auf der Karte - der Branzino aber übrigens sehr schön, den sich die Schöne als Hauptgang anlachte.

Loslassen können

Wo mir der Mais ausgespannt war, griff ich zur Krebsensuppe mit gelben Zuchhini. Und erkannte, wie herrlich es ist, loslassen zu können. Gerade so intensiv, dass nicht der ganze Abend vor Schalentierpenetranz zum Zungenkrebs gerät, recht so. Die Calamari fühlten sich in ihrem Ravioloschlauchboot schmeckbar wohl. Ich fürchte allerdings, auf meinen Bildern werden Sie diesen Beitrag zur Seefahrt nicht erkennen können. Glauben Sie mir einfach: Der Raviolo war da und wunderbar.

Gemeinsam und dann doch gleichzeitig

Dass man auch zu zweit im Leben nicht alles gleichzeitig genießen muss, wollte sich nun im Hill erweisen: Ich kein Dessert, sie kein Saiblingswürstel. Also eine Runde aussetzen, meine Liebe, während ich meinen Spaß habe. Doch Herr Nitsche lässt solche Egoismen nicht zu, auch wenn ich ihr natürlich vom Saibling, dem feinen Vanillekraut und dem Erdäpfelpuffer eine Gabel aufdrängte. Ein Häferl Krebsensuppe, und die Dame hat eine Freude mehr. So soll es sein.

Andere Freuden versagte sie sich selbst und ganz freiwillig, die größte gar, jedenfalls von der Karte, und jedenfalls aus meiner Sicht: Rehrücken. Einer der besten meines Lebens. Mit sympathischem Hagebuttenpüree, Spitzkohl, angenehmer Pilzcreme und Kakaobohnen - auch für Dessertverweigerer ausgesprochen schlüssig. 

Corti, geh Du voran!

Definitiv noch ein Stück besser als der Rehpfeffer im Artner in der Hermesvilla, aber über den schreibt diese Woche ja der Corti - demnächst nebenan.

Zwetschke!

Zurück nach Sievering: Die Süße sieht die größte Freude auf der Karte definitiv anders: Zwetschkensorbet - tatsächlich ein kühler Traum, muss ich zugeben. Apfelsorbet, mir ein bisschen zu zimtig, ihr noch einmal reines Glück. Das Pfefferminzsorbet in der Mitte, auf einem festen Bett aus Schokoteig (sagt der Dilettant und fragt nicht nach) war mir ja auch sehr, sehr sympathisch - nur das knallige Grün des Gupfs machte mich ein bisschen stutzig. Alles ganz natürlich, versicherte der für Freundlichkeit und Geduld nur zu bewundernde Kellner.

In all den Um- und Brüchen dieser Zeit, denen sich die von Trends und neuen Lokalen oft spät, manchmal zu früh, aber doch irgendwie gestreifte Schmeck's-Kolumne nicht entziehen konnte, gibt es doch eine Konstante: 1010er Geburtstage sind und bleiben großer Genuss und, Kinder, Kinder, bleibender Schaden für Leber und Hirn.

Schmeck's ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

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14 Postings
rubinek
00
14.3.2012, 21:54
Hill ist zu teuer

Aber wenns die Sieveringer/Grinzinger Kundschaft zahlt sollen sie es weiter verlangen.

tennisplatzis
00
20.10.2011, 15:51
Und wie war Ihr Höhepunkt, Hr. Fidler ? ;)

desteufelsbeitrag
12
19.10.2011, 19:30

Während man darauf wartet, dass die Zentralbank die 180 Flocken druckt die da verhabert werden, könnte man auch einfach einmal mit Weißabgleich und Blende herumspielen und draufkommen, dass eine D350 pipifeine Fotos erlaubt, sobald man sich nur getraut hat vom Deppenmodus (i.e. das grüne Kastl oder eins der Piktogramme am Auswahlrad) wegzuschalten.

Davon abgesehen: Wie kann man von solchen Portiönchen nur satt werden?

kein nick will mir mehr einfallen
04
19.10.2011, 11:51

geschätztester fidler,
vielleicht lassen sie nächstes mal die kamera daheim und fragen den wirt, ob sie das essen nicht einfach in seinem büro am kopierer ablichten dürfen. aber bitte nicht den automatischen vorlageneinzug benutzen!

BobaFett
01
20.10.2011, 12:22

spitze, was hab ich glacht grad :D

U-Bahn Steuer
10
19.10.2011, 12:12

jetzt genier' ich mich ein bisserl für den sturm, den ich hier entfacht habe!

frech karotte1
01
18.10.2011, 21:44

kaufen sie sich endlich eine gescheite kamera!

U-Bahn Steuer
05
18.10.2011, 19:26

werter herr fidler!

nach gefühlten 500 essensfotos, die sie zerknirscht und selbstkritisch als misslungen bezeichnen... wäre es da nicht an der zeit, einmal eine (wenigstens mittelmässige) digital-kompaktkamera mitzunehmen, die vernünftige abend- und innenaufnahmen zu machen im stande ist?

Harald Fidler
13
18.10.2011, 22:42

naja, mit der eos (ok, d350, aber einem durchaus anständigen wie lichtstarken objektiv) und der lumix (ok, lx3) war das ergebnis auch nicht besser. dann lieber gleich ordentlichen trash, fand ich.
besten gruß,
fid

accuser
00
19.10.2011, 11:28
Vielleicht eine Kombination aus Handyphototrash und doch noch erkennbar probieren?

http://photojojo.com/store/awe... ne-lenses/ zum Beispiel

U-Bahn Steuer
02
19.10.2011, 08:36

meine lumix kann "indoor" auch recht wenig - dafür versagt sie aber im freien volltändig! :-)

wie boba fett weiter unten richtig sagt, kann man mit einer aktuellen powershot recht wenig falsch machen... die bilder müssen ja nicht perfekt sein

jedenfalls hat sich das gute essen auch eine nette präsentation verdient - die drei fotos schaun aus, als ob ich drogen genommen hätte...

BobaFett
01
18.10.2011, 20:50

stimmt.
es waer hoechst angebracht, sich mal was anzuschaffen, das in etwa Canon Powershot G12 heisst und nicht irgenwie angsoffen mit der hach so hochaufloesenden kamera des smartphones geschi/ossen wurde.

Themroc
02
18.10.2011, 20:31
ist doch nur ein schmäh ...

... um von den texten abzulenken.

U-Bahn Steuer
01
18.10.2011, 20:41

die find ich nicht schlimm - ich les alles gern, wo essen drinnen vorkommt...

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