Demonstrant zündete sich selbst an - Ministerpräsident Maliki lässt kurdische Fahnen von öffentlichen Gebäuden entfernen
Bakuba - Im Nordirak haben tausende Kurden gegen das von der
Zentralregierung in Bagdad angeordnete Entfernen kurdischer Fahnen von
öffentlichen Gebäuden protestiert. In der Stadt Chanikin übergoss sich am
Sonntag ein Demonstrant mit Benzin und zündete sich selbst an, bestätigten
Sicherheitskreise in der Provinzhauptstadt Bakuba. Er wurde mit schweren
Verbrennungen ins Krankenhaus gebracht. In Chanikin, 180 Kilometer nördlich von
Bagdad, sind die Mehrheit der Bewohner ethnische Kurden, doch leben dort auch
viele arabische Iraker und Turkmenen.
Vor knapp einer Woche hatte der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki -
ein arabischer Schiit - angeordnet, dass außerhalb der kurdischen
Autonomie-Region im Nordirak die kurdischen Fahnen von den öffentlichen Gebäuden
zu entfernen seien. Hunderttausende irakische Kurden leben außerhalb der
Autonomie-Region, in einigen Orten wie Chanikin stellen sie die
Bevölkerungsmehrheit.
Die Kurden, von denen rund zwölf Millionen in der Türkei, vier Millionen im
Irak und weitere Millionen in Syrien und im Iran leben, haben keinen eigenen
Staat, obwohl sie über eine eigene Sprache und Kultur verfügen. Im Irak ist ihre
regionale Autonomie nach dem Sturz des Diktators Saddam Hussein durch den
US-Einmarsch 2003 verfassungsrechtlich abgesichert worden.
Die Verwendung der kurdischen Fahne in der Autonomie-Region wird von den
Behörden in Bagdad gebilligt. Die Kurden wollen aber auch Gebiete außerhalb der
Autonomie-Region, in denen sie in der Zeit vor den massiven Vertreibungen durch
das Saddam-Regime eine Mehrheit gestellt hatten, in die Kurden-Region
eingliedern. Am heißesten umstrittenen ist darunter die nordirakische Stadt
Kirkuk mit ihren Ölfeldern. (APA)