Kommentar von Andrea Heigl

Eine schrecklich ideenlose Familie

Kommentar | Andrea Heigl, 16. Oktober 2011, 18:39

Die ÖVP überlässt Straßburger Richtern ihre familienpolitische Positionierung

Unaufgeregt ist der Politikstil von Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ), manche meinen auch langweilig. Jedenfalls darf man annehmen, dass er nicht in erster Linie die ÖVP provozieren will, wenn er fordert, künstliche Befruchtung auch homosexuellen und alleinstehenden Frauen zu ermöglichen. Er hat im Standard einen Testballon mit einer Forderung steigen lassen, die innerhalb der SPÖ längst mehrheitsfähig ist. Den Koalitionspartner bringt Stöger dennoch ordentlich in die Bredouille.

Aus schwarzer Sicht öffnet sich mit der Diskussion darüber, wem der Staat "erlauben" soll, Kinder zu haben, regelrecht die Büchse der Pandora: Wenn Lesben auf künstlichem Weg schwanger werden dürfen, kann man dann Schwulen weiterhin die Adoption verwehren? Soll man Frauen von Gesetzes wegen diktieren, wann der richtige Zeitpunkt für ein Kind ist? Wo darf man die medizinischen Möglichkeiten ausreizen, wo sind die ethischen Grenzen der Reproduktionsmedizin? Und über all dem schwebt die ziemlich heikle Frage: Wie stellt sich die Politik Familie vor?

Gerade von einer selbsternannten Familienpartei sollte man erwarten, dass sie darauf Antworten parat hat. Irgendwo in einer Schublade müsste doch ein Papier liegen, auf dem steht, wie die ÖVP es mit dem künstlichen Kinderkriegen halten will, oder zumindest müsste es irgend einen Strategen geben, der sich dazu rasch etwas ausdenkt. Diese Position kann dann gut finden, wer mag, aber es wäre zumindest eine.

Das Gegenteil ist der Fall: Man warte auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR), dann werde man weiterreden, heißt es aus dem Familien- und Justizministerium. Die Straßburger Richter entscheiden im November über eine Klage von zwei heterosexuellen Ehepaaren, es geht um die in Österreich verbotene Eizellenspende. Mit dem (gesellschaftspolitischen) Vorstoß Stögers hat das (medizinisch relevante) Urteil also überhaupt nichts zu tun. Im besten Fall spielt die ÖVP also auf Zeit, im anzunehmenden schlimmsten Fall will sie am liebsten überhaupt nicht über das Thema reden.

In schöner Regelmäßigkeit ruft uns die Volkspartei in Erinnerung, dass sie sich mit der häuslichen Realität des 21. Jahrhunderts nicht so recht anfreunden kann. Längst existiert Familie in den unterschiedlichsten Konstellationen - wenn es aber darum geht, dafür die gesetzlichen Rahmenbedingungen zu schaffen, wird herumlaviert und blockiert, solange es geht. Man denke nur an die leidige Debatte über die eingetragene Partnerschaft, die unter anderem damit geendet hat, dass "verpartnerte" Homosexuelle keinen Bindestrich zwischen ihrem Doppelnamen führen dürfen; quasi die Satzzeichen gewordene Kleingeistigkeit. Oder an das Theater, das Lokalpolitiker aufführen, wenn man ihnen vorschreiben will, ihre Kindergärten länger offenzuhalten, weil es - wer hätte das gedacht! - auch außerhalb von Städten Vollzeit-berufstätige Eltern gibt.

Nun sind es eben die Richter des EGMR, die als Ausrede herhalten müssen. Ziemlich praktisch für die ÖVP: Es erfordert kein parteistrategisches Hirnschmalz, sich an einem Urteil aus Straßburg zu orientieren, und es liefert ein Totschlagargument für jede Debatte. Familienpolitik entlang von Gerichtsurteilen - ein schlimmeres Eingeständnis von Visionslosigkeit gibt es gar nicht. (DER STANDARD, Printausgabe, 17.10.2011)

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Ar Mutschgerl
00
18.10.2011, 11:23
Die Kernfamilie

http://youtu.be/-ah_Y2_w8hQ

Aber Eltern, die sich bewusst und nach längerer Überlegung für Kinder entscheiden, sollen keine haben dürfen.

WernaeI Spindelmann
11
17.10.2011, 19:12
Das einschlägige Gequietsche möchte man sich vorstellen, wenn ein straßburger Urteil NICHT befolgt werden würde!

Pierre d´Aubusson
10
17.10.2011, 19:01
Ein bisserl Mut

zum Konservativsein
stünde allen Parteien ganz gut an.

wurm83
 
01
17.10.2011, 18:01
strategisches problem?

wie sieht denn die hauptwählerschicht der övp aus?

bauern und pensionisten, christen und ein paar arbeitgeber..

wenig junge leute ...wenige wiener...
-----------------------

da wäre es doch politischer selbstmord zur homosexualität zu stehen

wer soll das untestützen?
die pensionisten?
die landbevölkerung (meine family kommt vom land mir ist klar, dass dort kein hass gegen homosexuelle gesät wird, aber wählerstimmen holst dir auch keine mit dem thema)
oder die kirchgänger?
-------------------------

das wäre so als würdet ihr von der fpö erwarten mit ihrer ausländerhetze aufzuhören und lösungen zu präsentieren...das intressiert aber deren wähler nicht...

m-kuu
10
17.10.2011, 16:09
"Wie stellt sich die Politik Familie vor?" fragt die Journalistin.

Jedenfalls ist das wichtigste Element in einer Familie das Kind (soweit vorhanden). Gilt natürlich auch für das ungeborene.

Daher hat der Staat bei allen Maßnahmen, Förderungen und politischen Entscheidung die Familien, Familiengründung und überhaupt Kinder betreffen, vorrangig die Interessen der Kinder zu vertreten und zu berücksichtigen, nicht die der Erwachsenen (deren Interessen merkwürdigerweise bei diesen Diskussionen meistens im Mittelpunkt stehen!)

Das wird hoffentlich weder für einen SPÖler noch für einen ÖVPler zu schwer zu verstehen sein!

stretfordender
01
17.10.2011, 15:59
die ÖVP ist nicht ideenlos, sondern einfach feig

sei es die Hymnenfrage oder jetzt dieses Thema oder was auch immer - bei heiklen, gesellschaftspolitischen Themen wird herumgeeiert, dass einer Sau graust, anstatt dass man den Mut hat, das auszusprechen, was eh die Mehrheit in der Partei denkt. Einen kontroversen Standpunkt zu haben ist immer noch besser, als gar keinen zu haben, aber das begreifen sie scheinbar nicht.
So wird bald der Einser bei den Prozent vorne stehen, denn FPÖ und SPÖ/Grüne haben in diesen Sachen sehr wohl klare Postionen.
Die ÖVP hätte diese auch, traut sie sich aber nicht zu sagen. Wie beschämend.

Auch Briefträger brauchen Liebe..
00
17.10.2011, 17:52

Unter Schü+ssel war sie ganz mutig,

wie man am Durchzug der Pensionsreformen sah

stretfordender
00
18.10.2011, 08:38

ja, das waren halt noch Zeiten ...

Just N. Opinion
 
01
17.10.2011, 17:35
Sowohl als auch.

Die ÖVP ist leider beides, ideenlos UND feig.
Und außerdem auch noch strohdumm, weil sie immer noch glaubt, die Mehrheit ungestraft verarxxxen zu können.

mei liabste Weis'
45
17.10.2011, 14:31

Ach, sind wir doch froh über den EGMR. Denn sonst könnten SPÖ und Grüne weiterhin die Diskriminierung von Vätern vorantreiben.

legal eagle
 
31
17.10.2011, 15:20

rot für themenverfehlung.

Lincoln
04
17.10.2011, 12:57
die ÖVP umschifft...

...soche Themen geflissentlich weil sie weiß, dass sich am Ende ohnehin wieder die Erzkonservativen in der Partei durchsetzen und die Partei dadurch für alle anderen immer unattraktiver wird.

der tueftler
01
17.10.2011, 12:56
die autorin hat die situation und...

...die problematik der övp klar erkannt. man muss allerdings fairerweise zugestehen, dass keine andere partei in genau dieser frage so gespalten ist. kein wunder, dass man sich nicht grade dieses problem aufhalsen möchte. beide standpunkte, wohl sogar die extremen, sind in der övp vertreten; ein thema, das den ohnehin schon starken zentrifugalen tendenzen in der partei weiteren auftrieb geben wird.
aber sehen wir es mal positiv, diese frage wird von anderen weiter getragen werden. andere werden entscheiden und es wird das geschehen, was die anderen beschließen. die övp, oder besser jener teil, der sich übergangen fühlt, wird ein wenig protestieren.
die frage ist allerdings welche anderen entscheiden werden (faymann ?????)

Jene Grüne Straßenkatze
08
17.10.2011, 11:43
...

"Familienpolitik entlang von Gerichtsurteilen - ein schlimmeres Eingeständnis von Visionslosigkeit gibt es gar nicht."

Stimmt, aber es gibt schon seit Jahren ein offeneres Eingeständnis: Die Plakate der ÖVP. Diese tragen fast immer nur nichtssagende Slogans ("Frischer Wind für Wien" oder irgendetwas von nicht einmal genannten Werten), und wenn etwas inhaltliches draufsteht, dann sind es Angriffe gegen andere. Dass nie eine eigene Idee genannt wird sagt alles.

Tino67
 
00
17.10.2011, 11:06
Was bei aller berechtigten Kritik

an der ÖVP, die ich voll und ganz teile, immer wieder übersehen wird: das Familienbild der FPÖ ist noch einmal deutlich reaktionärer als jenes der Schwarzen! Und da die Blaunen so wie es aussieht, bei der nächsten Wahl deutlich vor der ÖVP liegen werden, müsste dies mehr Beachtung finden.

Denn es gibt eine ganze Latte an tatsächlichen und potenziellen FPÖ-Wählern, die mit einem solchen rückständigen Familienbild überhaupt nichts am Hut haben und es sich, wenn ihnen das bewusst gemacht wird, noch einmal überlegen könnten!

wurm83
 
00
17.10.2011, 18:05
ich würde mich freuen

allerdings kann ich mir nciht vorstellen, dass jemand der sich über so etwas wie ein "familienbild" ernsthafte gedanken macht jemals die fpö wählen würde...

über politik nachdenken WOLLEN und fpö WÄHLEN geht einfach nicht zusammen sorry...

fpö wähler wollen ja, dass man ihnen sagt was sie denken sollen (wirtshauspolitik) am besten ohne irgendwelche grundlage und alles was das gegenteil beweist ist einfach eine böse verschwörung!

zB.: gesetze gegen minarette --> das niemals irgendwo eines geplant war ausser den 2 die wir schon haben intressiert dabei keinen

gleiches beim burka verbot: dass es 2 burkaträgerinnnen in österreich gibt für die ein gesetz mit millionenkosten absolute verschwendung wäre: uninteressant...

FEINBEIN
00
17.10.2011, 16:57
RICHTIG

Wobei auch die Antwort von Severin stimmt. Ich frag mich immer, wo sind den unsere Journalisten? Hinterfragen die nichts mehr? Es genügt Blödsinn zu reden (egal welche Partei) und keiner fragt nach den Auswirkungen und vor allem wie die Versprechen umgesetzt werden sollen. Armes Land

Severin Luftensteiner
02
17.10.2011, 13:43

aber die blauen haben zumindest eines. eines das man unterstützen kann, oder auch nicht (hoffentlich eher zweiteres). von den schwarzen kommt ein "mmhhmm, keine ahnung, lass uns ein anderes mal drüber reden"

WernaeI Spindelmann
11
17.10.2011, 11:03
Liebe Frau Redakteurin, wie sinnvoll wäre es denn, sich vor einem richtungsweisenden Urteil Straßburgs hier festzulegen?

anyuser
 
129
17.10.2011, 09:15
irgendwie naiv, die autorin

sie vergisst daß es sich bei der ÖVP um die rechtsextremste, antidemokratischste und korrupteste partei in österreich handelt.

anyuser
 
89
17.10.2011, 09:13
menschenhass treibt die politik der schwarzen

Post-vom-Poster
 
01
17.10.2011, 09:57
menschenhass treibt die politik der schwarzen

wohl eher Selbsthass?

Denn:
Du kannst Deinen Nächsten erst dann lieben,
wenn Du Dich selber lieben kannst ...

sterngucker
 
28
17.10.2011, 09:12
Die Gleichsetzung unüblicher Familienformen mit Sozialfällen ist unsachlich und entbehrt jeder Grundlage

Menschen, die eine künstliche Befruchtung anstreben, haben sich den Entschluß, ein Kind in die Welt zu setzen, in aller Regel sehr gut überlegt - was man nicht von allen sagen kann, die auf die klassische Art zeugen. Oder haben Sie schon einmal von einem In-Vitro-Rauschkind gehört?

Mathias Kalchhauser
286
17.10.2011, 08:08
Familie muß Familie bleiben!

Es kann nicht gut sein sich künstlich Sozialfälle zu produzieren, wir haben genug alleinerziehende Mütter und Väter da braucht man sich nicht künstlich neue machen!!!!!!!

Die Familie als Kernzelle des Staates soll auch die entsprechende Geburtsstätte für Kinder bleibe, dass es immer wieder zu Scheidungen und Alleinerziehenden kommt ist leider so soll auch nicht verboten sein, wenn man sich nicht mehr versteht, aber von vorne herein Alleinerziehende Sozialfälle zu erzeugen ist ein bisschen schaal.

Just N. Opinion
 
00
17.10.2011, 17:39
Gar nichts muss irgendwas bleiben, was es heute ist.

Leben ist Veränderung.
Die Gesellschaft verändert sich.
Auch wenn dir das nicht passt.
Auch wenn es die ÖVP mit Unbehagen sieht.
Es ist so.
Eine Partei, die angesichts einer ihr unliebsamen Tatsache den Kopf in den Sand steckt, ist buchstäblich zu nichts mehr zu gebrauchen. Sie kann sich genausogut auflösen.

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