Mit Highheels und oben ohne gegen das Patriarchat

Reportage | 16. Oktober 2011, 18:12

Eine Gruppe von Feministinnen kämpft mit ungewöhnlichen Mitteln gegen Sextourismus und für Frauenrechte

Oben ohne oder in Unterwäsche gehen sie auf die Straße. Für den Staat sind sie Hooligans.

*****

Julia mit Weizenähren und Vögelchen in ihren Händen, Julia in ukrainischer Tracht, Julia mit blondem Haarkranz. Die wegen Amtsmissbrauch in einem undurchsichtigen Prozess verurteilte Ex-Premierministerin Julia Timoschenko wird dieser Tage auf Kiews Straßen als unschuldiges Mädchen vom Lande ikonisiert. Sonst trägt hier aber niemand eine Frisur aus dem 19. Jahrhundert. "Sie hat ihren eigenen Stil entwickelt, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Frauen haben es hier sehr schwer, sich Gehör zu verschaffen" , sagt Inna Schewtschenko, die darauf spezialisiert ist, aufzufallen. Sie und ihre Kolleginnen von der feministischen Gruppe Femen gehen "oben ohne" oder in Unterwäsche auf die Straße, um etwa gegen den Sextourismus in der Ukraine zu demonstrieren.

Schewtschenko erzählt, dass viele Frauen auf der Straße von Touristen sexuell belästigt werden. Femen kämpft aber auch gegen die Korruption an Schulen und Universitäten, dagegen, dass Lehrer glauben, sie könnten für Noten Sex bekommen, gegen die Schlechterstellung der Frauen auf dem Arbeitsmarkt. Femens jüngstes Anliegen ist die Fußball-Europameisterschaft, die 2012 auch in der Ukraine ausgetragen wird. Die Femen-Frauen wollen die Legalisierung der Prostitution während der Euro verhindern.

"Wir sind nicht das Land der frei zur Auswahl stehenden billigen Mädchen", schimpft Schewtschenko. Als ein neuseeländisches Radio kürzlich einen Wettbewerb unter Männern ausrief - der Preis sollte eine ukrainische Frau sein -, machte Femen dagegen mobil. Und als der Gewinner, ein Mann namens Greg, nach Kiew fliegen sollte, standen die Femen-Frauen zur "Begrüßung" am Flughafen. Doch Greg kam nicht, weil er aufgrund des Medienwirbels um sein Image besorgt war.

Tatsächlich sind die Fotografen, wenn die "Oben-ohne-Aktivistinnen" von Femen auftreten, schnell da. "Wir haben uns überlegt, dass wir etwas Verrücktes machen müssen, damit wir etwas durchsetzen" , sagt Inna Schewtschenko. "Und also haben wir gedacht, dass wir die Sexualität der ukrainischen Frauen nützen müssen, um für Frauenrechte zu kämpfen." Insgesamt gibt es 20 "Oben-ohne-Aktivistinnen" und 300 Frauen, die Femen direkt unterstützen. Bereits 15-mal endete eine Femen-Demo mit Festnahmen. In der Ukraine ist es nicht direkt verboten, nackt zu demonstrieren, aber die Frauen werden wegen "Hooliganismus" belangt. Inna Schewtschenko ist auch schon im Gefängnis gesessen und hat ihren Job beim Pressebüro der Stadt Kiew verloren, nachdem sie erstmals "oben ohne" demonstriert hatte.

Während in Kiew in aller Öffentlichkeit mit Plakaten von entkleideten Frauen für Bordelle geworben wird, wirken die Femen-Frauen verstörend, gerade weil sie sich der Klischees bedienen. "Highheels, superkurze Röcke, blonde Haare, das ist eben unsere Kultur", sagt Inna Schewtschenko. "Uns gefällt das." Punkt.

Ähnlich wie die Teilnehmerinnen der Slutwalks ("Schlampenmärsche"), die in den USA und in Europa oftmals spärlich gekleidet für die Selbstbestimmung des weiblichen Körpers demonstrieren, geht es auch Femen darum, dass nackte Frauen nicht zu Objekten gemacht werden. Eine paradoxe Intervention sozusagen.

Demnächst gehen die ukrainischen Soldatinnen für Frauenrechte auf Europatour. Ob sie auch bei den Wahlen kommendes Jahr antreten werden, wissen sie noch nicht. Es fehlt an Geld. Femen wird derzeit von dem deutschen DJ Hell und Jed Sanden, einem US-Bürger, der als Verleger in der Ukraine arbeitet, unterstützt. (Adelheid Wölfl aus Kiew/DER STANDARD, Printausgabe, 17.10.2011)

Kommentar posten
23 Postings
Und jedem seine eigene Busspur
01
20.1.2012, 23:10
Sex sells

obwohl: paradox, mit blossem Oberkörper gegen die Sexualisierung der Gesellschaft zu demonstrieren.
Erinnert ein wenig an den alten Spruch, fighting for peace, is like fucking for virginity.....

Steve Anorizz
00
22.1.2012, 17:03

Andererseits interessiert sich nicht mal national irgendjemand für Feministinnen, aber wenn's Titten zu sehen gibt schaut man gern hin.

Whistleblower1
02
4.11.2011, 00:06
Vorbildwirkung

Schade, dass es bei uns nicht solche Demo´s gibt; da können sich unsere Feministinnen noch etwas abschauen

Urmele
01
20.1.2012, 23:53
Ja, und vor allem die Männer

könnten sich da was abschauen (hihi).

Gilgamesh
30
17.10.2011, 12:19

"...wird gegen Sextourismus protestiert...."

Und das halb nackt... :D :D ^^

Ein "Bärendienst" für den Feminismus....

NONE
00
16.11.2011, 07:16

Also ich muss sagen, die Botschaft kommt an ...

mika33
00
17.10.2011, 10:18
Das ist aber eine Werbung für den Sextourismus.

Dormouse
03
17.10.2011, 09:50

immer wieder gern gesehen...

black jack
00
17.10.2011, 09:40

Warum haben unsere weiblichen Punks in der großen Mehrheit schwarze Fingernägel, Pickel und Übergewicht?

trollvottel
00
17.10.2011, 10:22

... weil die Sorte von Verwahrlosung und Flüchtenmüssen, wegen denen man zum ernsthaften Punk wird, eher selten in einem sozialen Umfeld zustande kommt, das Kinder zum Dazugehörenwollen motiviert (ich mein die bettelnden Sozialhilfejunkies, nicht die Modemöchtegernpunks). Es gibt durchaus charismatische, gutaussehende Punks, der doch recht extreme Lebensstil lässt manche der obdachlosen Problemkinder aber furchtbar rasch altern.

brac
00
17.10.2011, 02:57

Etwas dazugelernt: Barbusige Demonstrantinnen sind Hooligans. Da wird mann umdenken lernen!

Kassandra1980
73
16.10.2011, 19:52

Ich finde es super, dass es von dieser Clown-Combo immer nur Bilder gibt, wo sie ihre Hände gaaaaanz weit nach oben reißen.

Dürfte wohl eine Kompensationshandlung sein - die natürliche Schwerkraft die bei den Damen im Laufe der Jahre gewirkt hat, ist für die Aktionsgemeinschaft eher nicht gewinnbringend.

Marlon62
00
20.10.2011, 11:56
Neidig?

Raphael Hythlodeus
11
17.10.2011, 09:40
von denen ist kaum eine älter als dreißig, da wirkt noch keine schwerkraft...

Ford Prefect
02
16.10.2011, 19:00

ich finde, die frauen sollte auch bei uns gegen den sextourismus demonstrieren.

der schwitzbär der schwitzt sehr
111
16.10.2011, 18:58
Wild

der Welternährungstag für 800 Mio. Hungernde von der UNO ausgerichtet steht im Pamorama, und 20 Unterwäsche-Aktivistinnen mit 300 Unterstützern (bei 50.000.000 Einwohnern in der Ukraine) sind der "Politik International" zugeordnet

da ist wohl wieder mal die Schnapsflasche reihum gegangen

mr.ioes
01
17.10.2011, 00:36

Falls es wen interessiert wieso das so ist: http://de.wikipedia.org/wiki/Nach... ichtenwert

Leider halt ...

Diego: Das alte Lager
 
21
16.10.2011, 18:54
Hmmm...bin jetzt zweigeteilter Meinung

Erstens ist es so, wie es hier dargestellt wird, wirklich zu viel mit dem Sextourismus.

Zweitens wird hier aber auch natürlich schon wieder von den Medien in ihrer Sensationsgier übertrieben, weil gerade einmal 20 Aktivistinnen in der ganzen Ukraine einen Affentanz aufführen.

Also: Ja, Auswüchse eindämmen, aber nicht wegen dieser Frauen, sondern trotzdem.

Pink Fanta
11
16.10.2011, 18:34
Bravo

Mädls!

NONE
00
16.11.2011, 07:17

DOPPELPOST!

Pink Fanta
11
16.10.2011, 18:32
Bravo

Mädls!

Reini Urban
01
16.10.2011, 18:22
Alter Hut

Das Foto ist ca ein halbes Jahr alt und war fürs Sommerloch gedacht. Ich bin grad im Ausland, haben wir etwa kurzen Sommereinbruch in Wien?

poerney
00
16.10.2011, 18:36

In Graz war es heute zumindest sehr sonnig :)

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