Hollande gewinnt Vorwahl der Sozialisten

17. Oktober 2011, 13:16

Früherer Parteichef setzte sich mit 56 zu 44 Prozent gegen seine Nachfolgerin an der Parteispitze, Martine Aubry, durch

Paris - Frankreichs Sozialisten haben ihren früheren Parteichef Francois Hollande (57) zum Kandidaten für die Präsidentenwahl im kommenden Frühjahr nominiert. Im zweiten Durchgang der Vorwahlen, an dem sich am Sonntag rund drei Millionen Franzosen beteiligten, konnte sich Hollande mit 56 zu 44 Prozent gegen seine Nachfolgerin an der Parteispitze, Martine Aubry (61), durchsetzen. Er wurde von den übrigen vier Anwärtern unterstützt, die in der ersten Runde vor einer Woche ausgeschieden waren: Arnaud Montebourg, Ségolène Royal, Manuel Valls und Jean-Michel Baylet. Der lange Zeit in den Umfragen führende frühere IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn war wegen des Vorwurfs sexueller Verfehlungen nicht mehr als Kandidat in Frage gekommen.

Hollande rief die Sozialisten zur Geschlossenheit auf und erklärte, dass es nicht "zwei Wahlkämpfe" geben werde. "Die Partei wird ihre Rolle spielen, und der Kandidat wird in Verbindung mit der Partei, mit der wir das politische Programm ausgearbeitet haben, den Wahlkampf führen", betonte er. Die Uneinigkeit zwischen der Kandidatin und der Partei hatte Segolene Royal, Hollandes frühere Lebensgefährtin, im Wahlkampf 2007 stark in ihrem Rennen gegen den bürgerlichen Konkurrenten und Wahlsieger Nicolas Sarkozy beeinträchtigt.

Zahlreiche Anhänger Hollandes forderten eine Neuverteilung der Rollen innerhalb der Partei, nachdem PS-Chefin Martine Aubry bei der Stichwahl vom Sonntag geschlagen wurde. Sie kehrte umgehend an die Parteispitze zurück. Während des Vorwahlkampfs hatte Harlem Desir die Partei interimistisch geführt. Zahlreiche Persönlichkeiten der Parteileitung, wie etwa PS-Sprecher Benoit Hamon, gehören zu den engsten Mitkämpfern der unterlegenen Kandidatin. Hollande zeigte sich allerdings versöhnlich, indem er betonte, dass die Parteichefin "im Dienste des Kandidaten steht". "Alle Rahmenbedingungen erlauben eine große Zuversicht für den weiteren Wahlkampf", betonte der Präsidentschaftskandidat.

Unmittelbar nach Verkündung seines Wahlsiegs hatte Hollande am Sonntagabend betont, dass er den Wahlkampf gegen Sarkozy nicht alleine führen könne. "Ich brauche die Einheit, ich brauche eine solidarische Sozialistische Partei". Auch Aubry sicherte zu, sie werde ihre "ganze Energie" darauf verwenden, "dass Hollande in sieben Monaten unser neuer Präsident der Republik ist".

Dennoch betonte der Europaparlamentarier Stephane Le Foll, Hollandes Vorwahlkampfleiter, dass personelle Umstellungen innerhalb der PS-Leitung notwendig sein werden. "Die Partei kann nicht im aktuellen Zustand bleiben", sagte Le Foll und fügte hinzu: "Wir zielen nicht auf Posten und Personen ab, man muss aber Synergien schaffen zwischen der Parteileitung und der Wahlkampfmannschaft. Man kann nicht einfach tun, als wäre nichts geschehen." Ex-Europaminister Pietrre Moscovici, der Hollandes Vorwahlkampf koordiniert hat, betonte den Willen des Präsidentschaftskandidaten, Aubry auf ihrem Posten zu lassen, während der PS-Abgeordnete Julien Dray, ein weiterer Anhänger Hollandes, einen "neuen Ausgleich" in der PS-Direktion forderte.

Der Pariser Bürgermeister Betrand Delanoe, der an der Seite Aubrys Wahlkampf geführt hatte, betonte am Montag im Hörfunk "France Inter", dass es nun an der Zeit sei, "die Mannschaften der beiden Lager zu vereinen". Man müsse "sich vereinen und die Qualitäten aller Beteiligten optimieren", betonte er. Parteisprecher Benoit Hamon sagte im Radiosender "Europe 1" auf die Frage, ob es eine Team-Umbildung an der PS-Spitze geben werde: "Das müssen Sie Francois Hollande fragen." Segolene Royal, die sich bereits vor der Stichwahl auf die Seite ihres ehemaligen Lebensgefährten und Vaters ihrer vier Kinder geschlagen hatte, sprach sich für eine "breite Vereinigung" aller sozialistischen Kräfte aus. (APA)

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Martin Circus
00
17.10.2011, 14:50

freue mich dass Hollande gewonnen hat, der liegt etwas mehr in die Mitte als Martine Aubry, dafür stehen die Chancen etwas besser um gegend Sarko zu gewinnen (falls er kandidiert, wobei er genau so machtgeil wie damals der Schlüssel...).
Hollande hat wohl genug Erfahrung, nicht vergessen dass er der Ex-Mann von Ségolène Royal ist, das zählt schon! Spannend wird's auf jeden Fall

wuzzelbaer
00
17.10.2011, 16:08
Aber hat Hollande eine Chance

gegen Marine le Pen? :)

War eine ironisch gemeinte Frage aber Jospin war seinerzeit im 1. Wahlgang unterlegen. Andere linke Kandidaten könnten Hollande im 1. Wahlgang viele Stimmen wegnehmen, nachdem der ja ein Mann der Mitte ist.

Wie steht Marine aktuell in den Umfragen?

Martin Circus
00
17.10.2011, 20:09

Im Moment, laut die Meinungsumfragen, schaut es so aus : Hollande (25-30%) - Sarkozy (20-25%) - Lepen (15-20%).
Aber wie es derzeit mit diverse Skandalen abgeht, kann es noch viel viel passieren!

xEurocent
00
17.10.2011, 22:27

Gibt es auch Umfragen wie es bei einer Stichwahl zwischen Hollande und Sarkozy aussehen würde? Denn Le Pen-Wähler würden dann doch tendenziell den rechten Kandidaten der beiden wählen, also Sarkozy.

Andrea Janovsky
01
17.10.2011, 11:48
SSKM

ciao4zampe
 
00
17.10.2011, 11:33
wird den sarko auch sein nouveau bébé nicht im sattel halten?

spottverse.
http://www.youtube.com/watch?v=_t1Bli0g8B

enjoy ;-)

ciao4zampe
 
00
17.10.2011, 11:52
ubu roi
02
17.10.2011, 10:08

sehr bedauerlich. hollande mag ein netter kerl sein, positionen hat er genauso wenig wie charisma. aubry hätte ich für die wesentlich interessantere wahl gehalten, sowohl was intellektualität, programm als auch biss betrifft.

byron sully
01
17.10.2011, 15:42

geht mir ähnlich. aubry steht für kanten und inhalte, hollande eher für beliebigkeit. dennoch bleibt nichts anderes als zu hoffen, daß hollande gegen sarkozy gewinnt.

gütenand der fertige
13
17.10.2011, 10:01
Hollande,

der Werner Faymann der französischen Sozialisten.

wakman
03
17.10.2011, 10:55

Optisch eher ein Leitl-Derivat.

Walter J. Ferstl
00
17.10.2011, 21:24
Hollande bringt halt beides unter einen Hut.

Roter Baron
01
17.10.2011, 09:46
gute idee die vorwahlen

bei uns glaubt man nachwievor
dass ein faltenärmeres gsicht a la rudaschIn
schon reicht...

tuts nicht !

aber 2013-17, in der opposition,
wird man dann zeit genug haben
drüber nachzudenken.

roter baron

diskdusk
 
00
17.10.2011, 10:22

Vier Jahre durchgehend schaffen die rechten Chaoten bei uns niemals. :)

M K
 
00
17.10.2011, 10:04
Zeit schon, aber .............

Zeit wird "man" dann haben.
Ob die dann von den Kadern auch zum Nachdenken über manche Inhalte und Person genützt werden wird, daran habe ich Zweifel gröberer Art.
Und der Druck von unten wird sich auch in Grenzen halten.

xEurocent
00
17.10.2011, 09:38

Irgendwie vermisse ich in dem Artikel Informationen zu den Plänen und Positionen von Hollande. Das ist zumindest in meinen Augen viel wichtiger als das technische Prozedere der Vorwahlen, das hier lang und breit beschrieben wird.

Immerhin ist er möglicherweise der nächste Präsident eines der wichtigsten Länder Europas und da wäre es schon interessant zu wissen, wofür er steht - insbesondere in der Europapolitik.

black jack
30
17.10.2011, 13:00
Eines der wichtigsten Länder Europas?!

Eines der beiden einflussreichsten Länder Europas, welche zusammen die ganze EU bestimmen.

Mir ist das wichtigste Land in Europa aber Österreich, weil es mich irgendwie am meisten betrifft: Steuern, Schulsystem, Verkehr, Arbeit und - ich geb's zu - Patriotismus.

Stef Hoche
01
17.10.2011, 09:26
Mai 2012

Wegen seiner mangelnden Erfahrung sei Hollande "gewiss nicht die beste Lösung für unser Land", sagte etwa Verkehrsminister Mariani.

alles ist besser für unser Land als Sarko... raus aus dem Stillstand. 5 Jahre im Amt und er hat Frankreich in einen wirtschaftlichen, sozialen und moralischen Abgrund geführt. Es kann nur besser werden...

Der Freund Deiner Frau
01
17.10.2011, 10:37
Yo!

5 Jahre Sarko, 10 Jahre UMP - ça suffit maintenant.

fmi
01
17.10.2011, 08:59
Keine Austrahlung aber..

Besser als Strauss Kahn ist er allemal.
Die Sozialisten sind im Vormarsch überall, der Weder -links- noch rechts Kurs von Merkel und co ist gescheitert.
Man kann eben nicht alle zufriedenstellen. Die echten Konservativen werden Anti EU (in ihrer jetzigen Form) wählen.

xEurocent
02
17.10.2011, 09:41

Naja, das stimmt nicht. In UK wurden die regierende Labor Party (gut, keine Sozialisten aber näher dran als das was jetzt an der Macht ist) abgewählt und in Spanien werden die Sozialisten bei der nächsten Wahl aus dem Amt gefegt.

Es werden einfach nur die amtierenden Regierungen abgewählt, egal ob links oder rechts.

Intimissimi
30
17.10.2011, 05:25
Horizontales Stricherl?!

Viel blöder kann man Stricherl aber nicht notieren.

Nur DIREKTE DEMOKRATIE ist Demokratie!
12
16.10.2011, 23:31
[AKW]

Schade. Aubry hatte den totalen AKW-Ausstieg Frankreichs in ihrem Wahlprogramm.

"Aubry und Hollande schenken sich nichts: Sie wirft ihm vor, er rede energiepolitisch um den heißen Brei, soll heißen: den AKW-Ausstieg, herum"
www.derstandard.at/131701939... iegerlaune

Tino1967
 
18
17.10.2011, 00:01
Mir steht Aubry programmatisch auch viel näher,

aber was für mich viel wichtiger ist: Hollande hat die größeren Chancen Sarkozy zu schlagen und Frankreich von dieser rechten Bande zu befreien und nur das zählt!

uni versalis
00
17.10.2011, 08:33
also bitte.. vielleicht kann man auch ein wenig sachlicher sein, auch wenn sie sich offensichtlich schon im wahlkampf sehen.

"bande" ist nicht zwingend mit "rechten" parteien in verbindung zu sehen: wenn es die gelegenheit gibt, sich oder freunderln an den futtertrog zu setzen, sind alle gefährdet. dh besonders die regierenden und das waren in letzter zeit halt oft die rechten. derzeit zb auch beim ps in frankreich der fall (ps derzeit: affaire guerini, bouches du rhone).

zum nucléaire-ausstieg: berichtigend gehört gesagt, dass aubry vage aussagen gemacht hat. einziges konkretes ziel war den anteil in fr. von 75% auf ca. 50% im jahr 2025 herabzusetzen. einen konkreten ausstiegsplan hat sie nicht vorgelegt.

das problem der linken in fr wie auch in ö sind schwache und farblose persönlichkeiten, denn auch hollande gilt in fr nicht gerade als schwergewicht.

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