Proteste in Graz

Tag der Empörung mit Stéphane Hessel

16. Oktober 2011, 14:57
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    Stéphane Hessel (M.) mit Ex-Kulturstadtrat Helmut Strobl (li.) und Christian Wabl.

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    Die Grazer kamen zahlreich, um dem 94-jährigen Hessel zu lauschen.

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    Stricken gegen die soziale Kälte auf dem Mariahilferplatz.

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    Mit dem gestrickten Material waren gegen Abend bereits ein Drittel beider Brückengeländer über der Mur mit Wolle verkleidet.

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    Aktionismus gegen das Finanzsystem.

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    Auf Broker-Zurufe wie "Es ist zu viel Gemüse auf dem Markt!" wurden Zucchini, Karotten und Äpfel mit dem Beil bearbeitet, bis die Menge auf dem Mariahilferplatz ausweichen musste.

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    Vom "Tag der Empörung" wird in Graz auf jeden Fall etwas bleiben.

Zwischen kuscheligen Brücken und politischen Plätzen

Graz - Langsam verwandelt sich das improvisierte Wohnzimmer mit den gemütlichen Polstermöbeln in ein Schlachtfeld. Zuerst wird aus dem Couchtisch mit der Axt Kleinholz gemacht, dann werden Lebensmittel zerstört. Auf Broker-Zurufe wie "Es ist zu viel Gemüse auf dem Markt!" werden Zucchini, Karotten und Äpfel mit dem Beil bearbeitet, später Milch und Joghurt, bis die Menge den umherspritzenden Stücken auf dem Mariahilferplatz ausweichen muss. Der Platz, wo diese Veranschaulichung von Lebensmittel- und Ressourcenzerstörung statt fand, war am Samstag das Zentrum des "Tages der Empörung" in Graz. Die Plattform 25, eine Bürgerprotestbewegung, der sich seit dem Frühling, als die steirische Landesregierung ihr Kürzungsbudget präsentierte, über 600 Organisationen und Vereine, Gewerkschaften, KPÖ, Grüne und Teile der Grazer SPÖ angeschlossen haben, beteiligte sich mit über 30 Aktionen, die den ganzen Tag auf mehreren Plätzen und drei Brücken spielten, am internationalen Protesttag.

Das Angebot, über das man in der gesamten Innenstadt stolperte, reichte von skurril über kreativ bis hochpolitisch. Bestaunt wurde die "Globale Vermögenskurve XXL", mit der Attac eine Linie von Fußgänger- und Fahrradbrücke Mursteg quer über den Mariahilferplatz zog: Hier konnte man in Zentimetern und Millionen ablesen, wie das Einkommen in der Welt verteilt ist, wo Österreich steht (ein paar Meter von der Mariahilferkirche entfernt) und wie schließlich die Kurve fast senkrecht auf den Kirchturm in luftige Höhen der Milliardäre ansteigt. Auch Umweltschützer wie die Initiative "Rettet die Mur!", die gegen den Verbau des Flusses mit Kraftwerken kämpfen, und die IG Kultur machten ihrem Ärger Luft.

Kampfstrickerinnen gegen soziale Kälte

Während die Werkstatt für Theater und Soziokultur Interact Strategien zur Krisenbewältigung durchspielte, bekochte die Volxküche des Vereins Spektral die heterogene Menschenmenge, in die sich ganze Familien mischten, um abwechselnd Reden und Konzerten zu lauschen . Im Vereinslokal des Spektral am Lendkai, einige hundert Meter vom Platz entfernt, durfte, wer die Schuhe aus- und Pantoffel anzog, mit Attac und der Arge Geld, darüber diskutieren, woher das Geld und woher die Schulden kommen oder Videos von Heinz Trenczak, dem Theater im Bahnhof und Josef Hader sehen.

Noch etwas weiter stadtauswärts sorgten kampfstrickende Frauen - aber auch Männer - dafür, dass die dreispurig befahrene Keplerbrücke zu einem "kuscheligen" Zufluchtsort gegen soziale Kälte wurde. Mit dem gestrickten Material waren gegen Abend bereits ein Drittel beider Brückengeländer über der Mur mit Wolle verkleidet. Die Aktion von Leni Kastl, die auf Benachteiligungen der Frauen durch Kürzungen im Sozial- und Pflegebereich aufmerksam machen soll, bleibt ein Monat lang bestehen. Auf der Hauptbrücke, wo zwischen Hauptplatz und Kunsthaus die Liebesschlösser in der Sonne glitzern, waren Sofas aufgestellt, wo Passanten spontan Platz nahmen um über die Krisen des Kapitalismus zu reden.

Tanzen statt reden

Andere tanzten lieber: Die Gruppe Dancerevolution etwa, die sich eineinhalb Stunden vom Hauptbahnhof bis zum Mariahilferplatz durchtanzte. Dort lieferte inzwischen der kommunistische Betriebsrat des Magna-Werks, Peter Scherz, einen Stimmungsbericht von seinen streikenden Kollegen, "die im Sozialbereich sitzen und politisch diskutieren" und nicht nachgeben würden, sei doch die Forderung der Metaller "für die Wirtschaft ein Klacks". Tosender Applaus.

Bis zum Abend sammelten sich dann alle am Mariahilferplatz, wo der Startgast von den Sprechern der Plattform 25, Yvonne Seidler und Gerhard Zückert, erwartet wurde: Der 94-jährige ehemalige Résistance-Kämpfer Stéphane Hessel, dessen Pamphlet "Empört Euch!" mittlerweile zwei Millionen Mal verkauft und selbst ins Südkoreanische übersetzt wurde. Er verbrachte durch die Vermittlung des ehemaligen VP-Stadtrates Helmut Strobl diesen Tag in der einzigen europäischen Stadt mit dem Titel "Stadt der Menschenrechte". "Vielleicht wird sie ja auch irgendwann wirklich eine solche", merkte Strobl, auf dessen Betreiben gemeinsam mit Ex-Bürgermeister Alfred Stingl (SP) sich die Stadt einst diesen Titel zur Aufgabe machte, etwas bitter an. Der 68-jährige Ex-Politiker unterstützt mittlerweile den Protest der Plattform 25.

Stéphane Hessel hatte sich zuvor am Nachmittag in das Goldene Buch der Stadt im Rathaus eingetragen. Als der ehemalige Diplomat, der 1948 Mitverfasser der Erklärung der Menschenrechte war, schließlich das Wort am Platz ergriff, hörten ihm über 1000 Menschen zu. "Ich habe Eure Stadt Graz so lieb", begann Hessel, der nicht zum ersten Mal hier war, und lobte den Widerstand der Bürgerplattform gegen das erste Sparbudget in Österreich seit der Bankenkrise. Hessel erinnerte an das, was Demonstranten gerade in New York skandierten: "Wir sind 99 Prozent!" Es könne nicht so weiter gehen, dass manche Menschen 200 Millionen Dollar verdienten und ihnen das noch nicht genug sei, während andere mit zwei Dollar auskommen müssten. "Habt Vertrauen! Auch wenn es manchmal so aussieht, als könnte man nichts ändern - die Wahrheit ist: Das stimmt nicht", schloss der Mann mit dem freundlich-kämpferischen Gesicht.

Später am Abend bekam noch ein kleiner Platz zwischen den Beisln "Exil" und "Scherbe" in der Nähe des Mariahilferplatzes einen Namen: Er heißt ab sofort "Platz für Alle". (Colette M. Schmidt, derStandard.at, 16.10.2011)

Kommentar posten
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Stefan Daxner
 
00
20.10.2011, 20:32
Geburtsstunde einer neuen Demokratie-Bewegung

Insgesamt 500 TeilnehmerInnen am Taubenmarkt haben Samstags die Geburtsstunde einer neuen Demokratie-Bewegung ermöglicht. Es wurden Arbeitsgruppen zu den Themen Widerstand gegen das Belastungspaket, Verteilungsgerechtigkeit, öffentliches Eigentum, betriebliche Demokratie und Lohnkampf, freie Bildung für alle, Raus aus EURATOM, Neutralität und echte Demokratie initiert. Zwischenergebnisse werden beim nächsten Plenum http://www.facebook.com/event.php... 7840702622 des Aktionskomitees echte Demokratie: Montag, 24.10., 1830 uhr, hive-club, Eduard-Süßstraße 19a (beim Infracenter Salzburgerstraße) präsentiert und diskutiert. Hier sechs youtube-Videos http://www.youtube.com/watch?v=s... ature=plpp
Weiters wer

Stefan Daxner
 
00
20.10.2011, 20:38

...wir den überraschend großen Erfolg unserer Aktionstage für echte Demokratie reflektieren. Für Partystimmung sorgte die Linzer Band Mariachis de las fiestas locas. Durch die FreundInnen des Wohlstands, die sich in einer "Gegendemo" für das reichste Prozent einsetzten, kam auch der Humor nicht zu kurz. Die AktivistInnen des Aktionskomitees Echte Demokratie Linz strahlten mit der Sonne um die Wette. Bei der österreichweiten Auftaktkundgebung mit RednerInnen der Echten-Demokratie-Bewegung Tirol, Salzburg, Wien und Oberösterreich nahmen bereits mehr als Hundert Empörte donnerstags am Taubenmarkt teil. Am Freitag haben wir den Taubenmarkt mit Radio-Statements aus der Bewegung beschallt. Mit der Facebook-Gruppe Aktionskomitee Echte Demokratie L

Stefan Daxner
 
00
20.10.2011, 20:59

...Linz http://www.facebook.com/groups/28... 428655900/ sind somit in Summe durch die Linzer Aktionstage bereits 1000 Menschen aktiviert. Weitere Aktionen werden folgen.

Fotos von Andrea Mayer-Edoloeyi
http://www.flickr.com/photos/40... 898547584/

Arbeitsgruppentreffen Widerstand gegen das Belastungspaket und EU-six-pack des Aktionskomitees Echte Demokratie Linz http://www.facebook.com/groups/28... 428655900/

Nächstes Plenum http://www.facebook.com/event.php... 7840702622 des Aktionskomitees echte Demokratie: Montag, 24.10., 1830 uhr, hive-club, Eduard-Süßstraße 19a (beim Infracenter Salzburgerstraße)

oozab
00
18.10.2011, 20:10
Ein kleines Grüppchen ...

... Wackerer hat sich am Samstag Abend, ausgestattet mit Wintermänteln und einer Fahne des jüdischen Staates aufgemacht, diesen Text hier unter "die Empörten" zu bringen. Gut gemacht!
http://www.antifanet.at/?p=397

x
11
17.10.2011, 11:29

ich befürchte nur, dass unsere Welt nicht besser wird, wenn wir zunehmend DENKEN durch EMPÖREN ersetzen.

Diese primitiven Schuldzuweisungspolemiken mancher Politiker kann ich beispielsweise schon gar nicht mehr hören. Immer wenn irgendwelche Preise (Aktien, Öl, Zinsen, Euro,...) steigen oder fallen und das das nicht die Richtung geht die man gerne hätte sind die Banken und Spekulanten schuld.

Aber vielleicht sind wie ja alle mitsammen ganz einfach zu blöd für eine globalisierte Welt und sind froh zu wissen dass einfach die bösen und Hexen und Zauberer der Finanzwelt an allem schuld sind.

waldenoderlebenindenwäldern
 
00
17.10.2011, 19:03
Empören

ist halt einmal die Folge von denken.,

Wolfgang Lederbauer1
00
17.10.2011, 10:05
...diesen Tag in der einzigen europäischen Stadt mit dem Titel "Stadt der Menschenrechte".... der 1948 Mitverfasser der Erklärung der Menschenrechte ...Auch wenn es manchmal so aussieht, als könnte man nichts ändern...

Monsieur Hessel, eine eindrucksvolle Persönlichkeit und Kämpfer für Menschenrechte.

Er wurde bei der Veranstaltung am 14.10. im österreichischen Parlament ua auch auf die mangelnde Durchsetzbarkeit von Menschenrechten in Österreich - wegen seit 33 Jharen fehlender Ausführungsgesetze zum " Internationalen Pakt für bürgerliche und politische Rechte - CCPR " angesprochen.

http://so-for-humanity.com2000.at/index.php... 5100&page=

Monsieur Hessel erkannte das Problem und meinte - in Anwesenheit der Parlamentspräsidentin Mag. Prammer - , dass es doch Zeit wäre, 33 Jahre nach der Ratifizierung des CCPR im Parlament " Ausführungsgesetze " zu beschliessen.

Danke.

http://so-for-humanity.com2000.at

sociovation
00
17.10.2011, 10:00
Hessel schreibt in seinem Pamphlet,

dass dieselbe Empörung, die er einst gegen den Nationalsozialsmus empfand, jetzt die Energie liefern sollte, um gegen die Macht der Banken und Konzerne anzukämpfen.

Mostbluzza
00
17.10.2011, 13:53
ist ja gut und schön,

aber was tu ich, wenn ich deswegen auch nicht im sozialismus landen möchte?

demonstrieren mit vorbehalt?
eigene demo veranstalten?
nix tun und abwarten?
zuerst die banken fertigmachen, dann teile der occupier oder umgekehrt?
....
fragen über fragen

...10
11
17.10.2011, 09:07
sagt doch schon alles....

Dort lieferte inzwischen der kommunistische Betriebsrat des Magna-Werks, Peter Scherz, einen Stimmungsbericht von seinen streikenden Kollegen, "die im Sozialbereich sitzen und politisch diskutieren" und nicht nachgeben würden, sei doch die Forderung der Metaller "für die Wirtschaft ein Klacks". Tosender Applaus

Emil Sacklinger
 
00
17.10.2011, 08:50
steirisches salatbuffet

hoffentlich mit kürbiskernöl.

(schrullige "empörung")

Helmut Hromadnik21
 
14
17.10.2011, 08:44
.........." Es könne nicht so weiter gehen, dass manche Menschen 200 Millionen Dollar verdienten und ihnen das noch nicht genug sei, "..........

Dazu passt ein bonmot des politischen kabarettisten volker pispers :

AM GRABSTEIN DES KAPITALISMUS WIRD STEHEN :

ZU VIEL WAR NICHT GENUG !

Dr. Lari and Mr. Fari
 
42
17.10.2011, 08:38
Politik der Gefühle bleibt Politik der Gefühle,

egal ob ein "rechtes" oder ein "linkes" A....h die propagiert und ausnützt - in Wirklichkeit sind diese Unterscheidungen re/li eh nur marginal, die üble Grundeinstellung ist die selbe!

soamist
265
17.10.2011, 07:27
der alte mann

ist ein seniles fosil

Rose Bud
00
17.10.2011, 15:56
Primitiver Kommentar, ganz wie Dein nic

1000 Kopfläuse können nicht irren
01
17.10.2011, 11:12
Dieses "Fossil"...

... schnupft Sie immer noch täglich 100 Mal! (C:

Verständlich, dass das weh tut, gell...

vader007
12
17.10.2011, 09:16
indifferenzierte aussage

ihrerseits. somit: was sind sie?

le chat botté
214
17.10.2011, 08:30

...und du bist ein armseliges würtel...

poerney
13
17.10.2011, 08:59

Hahaha, glaubst den checkt er?

Helmut Hromadnik21
 
12
17.10.2011, 08:29

Der Poster kann nicht Rechtschreiben !
FOSSIL !

poerney
32
17.10.2011, 09:46

"Der Poster kann nicht Rechtschreiben" schrieb der Helmut, der Abstände, VOR die Rufzeichen macht :-)

Helmut Hromadnik21
 
00
17.10.2011, 14:50

Das mache ich bewusst, weil man das Rufzeichen so besser sieht !
Ich mag nicht, wenn es an den letzten Buchstaben förmlich "angeklebt" ist.

Ist doch vernünftig, jedenfalls hat das mit der Rechtschreibschwäche, die ich kritisierte, nichts zu tun !

poerney
00
18.10.2011, 12:02

Jep, korrekt; mit Rechtschreibschwäche ist das nicht direkt zu vergleichen.
Was man davon halten soll, dass Du die Regeln der Interpunktion bewusst ingnorierst und zwar, "weil man das Rufzeichen so besser sieht", bleibt jedem selbst überlassen. Trotzdem schmälert das das Recht auf Kritik der Rechtschreibung des anderen, denn warum sollte man das Rufzeichen besser sehen wollen und wer genau beschließt, dass es besser sichtbar ist, wenn es optisch zu keinem der beiden Sätze gehört?
Eigentlich ist der Kommentar schon wieder viel zu lang, denn "Das mache ich bewusst, weil man das Rufzeichen so besser sieht !" ist eigentlich schon Unterhaltung genug (wobei natürlich nicht ausgeschlossen ist, dass ich einfach eingstiegn bin).

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