Es geht auch noch kleiner

1. Juni 2003, 20:49
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Mikrosystemtechnik befindet sich in Österreich erst in den Kinderschuhen

Mikrosysteme gibt es dort, wo man sie gar nicht vermuten würde: Im Airbag des Autos. Oder im Tintenstrahldrucker. Von einer möglichen zukünftigen Anwendung als Mini-Health-Monitor, den Patienten wie eine Tablette schlucken, wird berichtet.

Mikrosysteme können vieles besser als ihre großen Brüder, Systeme, die in Normalgröße mit konventioneller Technik gefertigt wurden. Durch die Verbindung von Mikrochips mit mehreren Funktionen, allesamt ebenfalls in Miniaturgrößen (siehe Wissen), lösen sie viele Aufgaben genauer und auch preiswerter. Kein Wunder also, dass die Mikrosystemtechnik als eine der Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts bezeichnet wird.

Die Mehrzahl österreichischer Unternehmen freilich hat sich mit dem Thema noch wenig auseinander gesetzt. Die Durchdringung des Marktes mit heimischen Mikrosystemanwendungen ist daher derzeit noch eher mager. In Wiener Neustadt entstand nichtsdestotrotz ein Zentrum für Mikrosystemtechnik. Integrated Microsystems Austria (IMA) heißt es und setzt sich aus einer Arbeitsgruppe der TU Wien, der Fachhochschule Wiener Neustadt und der Austrian Research Centers Seibersdorf zusammen. Ein aktuelles Projekt: Gemeinsam mit dem Elektrokonzern Philips strebt man die weitere Miniaturisierung der Kleinlautsprecher im Handybereich an.

Mit einem Antrag auf Aufnahme in das Kompetenzzentrum-Programm (K-plus) des Verkehrs-, Innovations- und Technologieministeriums ist man abgeblitzt. Bis Ende des Jahres will IMA nun, sowieso mehr der angewandten als der Grundlagenforschung zugeneigt, einen Antrag stellen, in das entsprechende Programm des Wirtschaftsministeriums (K-ind) aufgenommen zu werden. Aufgrund der Marktentwicklung ortet man gute Chancen. Diverse Studien bescheinigen der Mikrosystemtechnik ja hohes wirtschaftliches Entwicklungspotenzial (siehe Grafik). Außerdem gibt es bisher kein Kompetenzzentrum aus dem K-ind-Programm, das sich explizit mit dieser Technologie beschäftigt. Die Tiroler Zukunftsstiftung widmet sich unter anderem dem Thema Mechatronik, einer Ingenieurswissenschaft, die die Funktionalität eines Systems durch eine Verknüpfung mechanischer, elektronischer und datenverarbeitender Komponenten in konventionellen Größen erzielt.

Im Wirtschaftsministerium meinte man auf Anfrage, IMA-Projekte werden bereits "zur Vorbereitung des Antrags" gefördert. Das Zentrum in Wiener Neustadt sei einer der Anwärter auf weitere Plätze im K-ind-Programm (bisher sind es 18 Zentren) des Ministeriums. Die schon vorliegenden fünf K-ind-Anträge, die gerade evaluiert werden, würden sich unter anderem mit den Themen Fahrzeugkonzepte, Wasser, E-Tourismus und auch mit Neuen Medien beschäftigen. (pi/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.6. 2003)

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