Widerspenstiger Tourist

1. Juni 2003, 20:11
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Das Urlabnsverhalten der Konsumenten bleibt unvorsehbar - Kommentar von Günther Strobl

Die Urlaubsmacher kommen heuer gehörig ins Schwitzen. Nicht die hohen, der Jahreszeit durchaus angemessenen Temperaturen sind der Grund dafür, sondern die Gäste, die alle Planungen über den Haufen werfen. Mai ist schon vorbei, der Sommer hat sich mit Blitz und Donner ins Bewusstsein gerufen, und trotzdem wissen Hunderttausende Österreicher noch immer nicht, wohin es gehen soll im Juni, Juli oder August.

Gut, die Zeiten sind vorbei, wo man praktisch ein Jahr im Voraus sagen konnte, wann und vor allem wohin man auf Urlaub fährt: Die starren Arbeitszeiten sind durchlässiger geworden, man gönnt sich öfters im Jahr eine Pause, fährt dafür halt kürzer weg. Wer keine Kinder in Krippe oder Schule hat, kann es sich zumeist aussuchen, wann der Urlaub sein soll und wie lang.

Praktisch ist das schon, jederzeit und ohne große Vorbereitung wegfahren zu können. Für manche Veranstalter ist es ein Albtraum. Da wurden Zigtausende Hotelzimmer in Spanien und Griechenland zusätzlich geordert in der Annahme, dass die Gäste wegen des Krieges im Irak die Türkei meiden würden. Und was passiert? Auch mit Preisermäßigung bleibt die Nachfrage schwach, die Leute wollen und wollen nicht buchen - sie warten ab. Von denen, die doch gebucht haben, gehen manche auch wirklich nach Spanien und Griechenland, aber eben nicht so viele wie ursprünglich gedacht. Stattdessen - erraten - entscheiden sich viele doch wieder für die preisgünstige Türkei.

Daran werden sich die Urlaubsmacher gewöhnen müssen. Heuer ist es - zugegeben - mit Krieg, Terrorangst, schwacher Konjunktur und Sars besonders krass. Jedes Jahr wird aber irgendwo irgendwas passieren und das Verhalten der Touristen beeinflussen. Einige Veranstalter haben das offenbar noch immer nicht begriffen und reagieren entsprechend uncool.

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