Warnung an Nikosia vor Fortsetzung von Öl-Suche im Mittelmeer
Ankara - Der Ton in den Beziehungen zwischen der Türkei und Zypern
verschärft sich weiter: Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan
kündigte an, sein Land werde die Beziehungen zur Europäischen Union einfrieren,
wenn Zypern im kommenden Jahr die EU-Ratspräsidentschaft übernimmt.
Solange es zu keiner Einigung über eine Wiedervereinigung Zyperns komme,
werde sich Ankara nicht mit einem "sogenannten Land" an einen Tisch setzen,
sagte Erdogan am Samstag. Zypern übernimmt im Juli 2012 turnusgemäß den
EU-Vorsitz.
Gleichzeitig warnte Erdogan Zypern vor einer Fortsetzung der Suche nach Öl
und Gas im Mittelmeer. Die Türkei werde auf ein solches Vorgehen noch härter
reagieren als bisher. Ankara hatte zunächst ein Forschungsschiff und mehrere
Fregatten in das von Zypern untersuchte Gebiet geschickt.
"Nicht verhandelbar"
Der zypriotische Präsident Dimitris Christofias erklärte daraufhin Anfang des
Monats, das Recht des Landes auf eine Suche nach Rohstoffen innerhalb der
sogenannten exklusiven Wirtschaftszone sei nicht verhandelbar.
Zypern ist seit 1974 geteilt in die griechischsprachige Republik Zypern im
Süden und den vom türkischen Militär kontrollierten Norden. Die Regierung in
Ankara erkennt den griechischen Teil nicht als souveränen Staat an. Nach deren
Auffassung verstößt der Süden mit seinen Probebohrungen zudem gegen die Rechte
der türkischen Zyprioten.
Die Zypern-Frage ist auch einer der großen Stolpersteine in den Verhandlungen
der EU mit der Türkei. Hintergrund ist das sogenannte Ankara-Protokoll, in dem
vereinbart wurde, die Zollunion zwischen der EU und der Türkei auf alle neuen
Mitgliedsstaaten auszuweiten - also auch auf Zypern.
Die EU besteht darauf, dass die Türkei ihre Häfen und Flughäfen für
zypriotische Schiffe und Flugzeuge öffnet. Ankara lehnt das wegen der
Handelsbeschränkungen für den - türkischen - Nordteil Zyperns jedoch ab. Die
Situation ist festgefahren. (APA)